"Etwas zu hoch gegriffen" und "vermeintliche Versäumnisse"

Anders als die "Tagesschau" kann der "Tagesspiegel" die Friedensdemo nicht ver­schwei­gen. Ein wenig nölen muß er trotzdem.

»… Die Polizei sprach am Nachmittag von rund 5800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sie zogen vom Brandenburger Tor aus durch Mitte. Die Organisatoren spra­chen hin­ge­gen von mehr als 20.000 Demonstrierenden, was aber nach Einschätzung eines Tagesspiegel-Reporters vor Ort etwas zu hoch gegrif­fen war…

Ausgaben für Verteidigung und Soziales wer­den verrechnet

Auffällig war, dass die Rednerinnen und Redner fast durch­gän­gig die Verteidigungsausgaben den geplan­ten Kürzungen im sozia­len Bereich gegen­über­stell­ten. „Uns steht ein sozia­ler Kahlschlag, wie wir ihn noch nicht erlebt haben, ins Haus“, sag­te Sören Pellmann, Co-Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag. „Milliarden fürs Militär“ sei­en der Grund dafür.

Ähnlich äußer­te sich Christian Leye, Bundesvize des BSW. „Sie berei­ten den Krieg vor“, unter­stell­te er der Bundesregierung. „Es sind die Kriege der Reichen, es sind die Kriege der Mächtigen, es sind nicht unse­re Kriege – die Frage von Krieg und Frieden bleibt eine Klassenfrage.“ Und wei­ter: „Die grei­fen den Sozialstaat an, um ihre Aufrüstung zu finanzieren.“

Das von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gepräg­te Wort der „Kriegstüchtigkeit“ bezeich­ne­te der Politikwissenschaftler Johannes Varwick als „Irrweg“ der Sicherheitspolitik. Die Vorbereitung auf einen Krieg wer­de zum Maßstab der Politik gemacht. Das Konzept ver­drän­ge „Diplomatie und Rüstungskontrolle“ und füh­re zu einer „Aufrüstungsorgie“.

Der rus­si­sche Krieg gegen die Ukraine „ist ein Verbrechen, und Russland soll­te ihn been­den“, stell­te der Politikprofessor aus Halle klar. Beifall gab es aber vor allem für sei­nen Hinweis auf ver­meint­li­che „diplo­ma­ti­sche Versäumnisse“ im Vorfeld des Krieges…

Schon am Freitag hat­ten rund 3000 vor­nehm­lich jun­ge Menschen gegen eine mög­li­che Wehrpflicht vor dem Brandenburger Tor pro­te­stiert…«

Nach Jahren der Abstinenz in der Friedensbewegung, bedingt durch ihre Unterwerfung unter die Coronapolitik bei gleich­zei­ti­ger Diffamierung von "Schwurblern und Putinverstehern", mit­hin Rechtsradikalen, däm­mert es anschei­nend eini­gen Linken, daß die wirk­li­chen Trennungslinien im Land ganz ande­re sind.

8 Antworten auf „"Etwas zu hoch gegriffen" und "vermeintliche Versäumnisse"“

  1. Solange Linke von einem Sozialstaat faseln, zei­gen sie, daß sie eben doch nicht so rich­tig ver­stan­den haben was die wirk­li­chen Trennungslinien im Land sind.

  2. Ja Leute, IHR seid das Kaiser!

    Es ist EURE Regierung.

    Sie ver­bal­lert EURE Kohle!

    ABER, es ist nicht leicht zu ver­ste­hen daß man "Herr" ist. 😉

    Deswegen heißt der "EURO" ja auch "EURO". Und nich Ihro!

    [Die Moral hin­ter Grimm's Märchen ist aber auch immer so gut ver­steckt, irgendwie]

    Schneider-Schneidert-meck­meck­meck?

  3. rüstung und sozia­les auf­zu­rech­nen bedeu­tet den irr­glau­ben, das geld sei da und man sol­le es für das gute, das rich­ti­ge ausgeben.
    das geld kommt durch kre­dit zustan­de, für sozia­les gibt es kei­nen kre­dit oder sozia­les hat kei­nen kre­dit, allein des­we­gen schon, weil es pri­va­ti­siert wer­den könn­te, da es kei­ne hoheits­auf­ga­be des staa­tes sein müß­te. Als sol­che ist das Soziale Konsum.
    Es geht um Konsumverzicht des Staates. Wir müs­sen künf­tig für unse­ren Konsum mehr bezah­len, unser Konsum wird nicht mehr sub­ven­tio­niert, da er auch kli­ma­schäd­lich ist, wird er auch höher besteu­ert. Dadurch erhöht sich das BIP und damit der Militäretat, der kre­dit­wür­dig ist, weil die Zinsen, der Schuldendienst garan­tiert wer­den, weil das Geld nicht an pri­vat, son­dern an pri­vat­ka­pi­tal geht.
    Unsere Verarmung erhöht den Militäretat. Unsere Verarmung ist die Kreditwürdigkeit des Militärwesens.
    Es wird Wirtschaftswachstum gene­riert mit der Verschuldung und Verarmung, nicht mit dem Konsum.
    Das Wirtschaftswachstum stei­gert die Militärausgaben, stei­gert die Gewinne der Produzenten.
    Ich glau­be mitt­ler­wei­le, daß nicht ein Krieg vor­be­rei­tet wird, son­dern daß ein Krieg ver­wal­tet wird, der geführt wird. Der Sozialabbau ist eine Kriegsfolge, nicht eine Vorbereitung des Kriegszustandes. Der Krieg in den Köpfen ist real. Der Kriegsausbruch als Waffengang ist nicht der Anfang des Krieges. Deutschland ist im Krieg, da war Baerbock unehr­li­cher­wei­se ehr­lich, Deutschland ist in den Krieg ein­ge­tre­ten, ob es jemals zu Kampfhandlungen kommt, bei denen deut­sche Soldaten betei­ligt sind, ist dafür nicht entscheidend.
    Die Redner gestern lau­fen der Realität hin­ter­her, und, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, denn der wur­de ein­ge­holt und über­holt von der Geschichte. Vielleicht ver­ste­he ich die Zusammenhänge nicht rich­tig, aber die Aufrechnung von Geld, das nicht exi­stiert ist kei­ne Analyse und die Rede von der Kriegsvorbereitung ver­harm­lost die Situation.
    Das Wort von der Kriegsvorbereitung schiebt den recht­li­chen Ernstfall auf. Die Kriegsvorbereitung führt Krieg, ohne par­la­men­ta­ri­sche Kontrolle, ohne Kriegsrecht, ohne Legitimation.
    Die Politik in Deutschland setzt Interessen mit Gewalt durch, noch durch das Leben der ukrai­ni­schen Soldaten.
    Die Interessen Deutschlands und der EU sind nicht die Interessen der Menschen, die eine Zukunft für sich wol­len, son­dern die Interessen des Kapitals, die eine Zukunft des Kapitals verfolgen.

  4. Es sind zwei Aspekte, die man durch­aus sepa­rat sehen sollte:

    1. Aufrüstung ist Vorbereitung zur staat­lich gefor­der­ten Ausführung von Massenmord per Befehl. Unabhängig von der Frage, ob man die eige­ne Bevölkerung als Kanonenfutter ver­wen­det, kann ein sol­ches "Anliegen" nur als der unter­sten Stufe der mensch­li­chen Zivilisation zuge­ord­net wer­den. Allerdings kön­nen sich Machthaber auf das Mitläufertum ver­las­sen. Dieser Aspekt wird meist wenig adres­siert. Er ist jedoch nicht min­der erheblich.

    2. Kürzungen und schul­den­fi­nan­zier­te Umverteilung zur Bereicherung der Eigentümer der Unternehmen ist ein zwei­ter Aspekt. Es ist die öko­no­mi­sche Kehrseite der Medaille. Statt mit Kugeln, wird die eige­ne Bevölkerung zur Kriegsvorbereitung mit­tels gestei­ger­ter Ausbeutung verwendet.

    Würden sich denn die Redner auch gegen die Vorbereitung staat­lich befoh­le­ner Mordaufträge weh­ren, wenn die öko­no­mi­sche Kehrseite für die "eige­ne" Bevölkerung nicht existierte?

    1. @Clarence O’Mikron: Über die Glaubwürdigkeit läßt sich spe­ku­lie­ren. Ich hal­te es für rich­tig, die­sen Zusammenhang zu benennen.

      1. @ aa: Sofern der Zusammenhang zwi­schen der Kürzungsorgie und Punkt 1: Staatlich ver­ord­ne­ter Massenmord gemeint sein soll­te, dann ist dies sicher zutref­fend. Erwähnt wird der Punkt 1 aber lei­der eben gera­de nicht oder nahe­zu nicht. Der "Staat" nimmt sich her­aus, das Individuum zum Töten eines Mitmenschen auf­zu­for­dern und anzu­lei­ten. Um nichts ande­res han­delt es sich hier. 

        Um Ihren Punkt zu adres­sie­ren: Es wird Proletarier gegen Proletarier ver­wen­det und gehetzt. Das ist Krieg. Aber es wird die Seite der Kürzungen ohne expli­zi­te Nennung die­ser Tatsache immer und immer wie­der von den ver­schie­de­nen Rednern her­vor­ge­ho­ben bei Kritik.

        1. DANKE!

          Das ist auf den Punkt gebracht, was bis­her in mir waberte!

          Die gan­zen Polit-Hansel und ‑Hanselinnen aus den Parteien, den Gewerkschaften und den gan­zen son­sti­gen 'Organisationen' (inkl. vie­len der "Friedensbewegung") kom­men erst jetzt lang­sam aus der Deckung und in die Socken, dann in die Gänge, da es an IHRE Fleischtröge: IHR Geld, IHRE Posten und Pöstchen, IHRE Gewohnheiten geht.

          Wie schon in der Corona-Zeit.
          Und wie schon damals nur sehr halbherzig.

          Mich widert die­ses Menschengeschlecht so an, so sehr.

  5. "Die Polizei sprach am Nachmittag von rund 5800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sie zogen vom Brandenburger Tor aus durch Mitte. Die Organisatoren spra­chen hin­ge­gen von mehr als 20.000 Demonstrierenden, was aber nach Einschätzung eines Tagesspiegel-Reporters vor Ort etwas zu hoch gegrif­fen war."
    (So liest man das in allen Berichten)
    Wenn aber 20 000 Demo-Teilnehmer "zu hoch gegrif­fen waren",
    wie ist dann die Aussage der Polizei mit "5800 Teilnehmern" zu bewerten?
    Ich weiß, Schätzen/​Zählen ist schwierig -
    beson­ders bei "unpas­sen­den" Demos

    "Auffällig war, dass die Rednerinnen und Redner fast durch­gän­gig die Verteidigungsausgaben den geplan­ten Kürzungen im sozia­len Bereich gegenüberstellten."

    Was ist an Fakten zu beanstanden?

    Lt. KI:
    Der deut­sche Bundeshaushalt 2027 sieht mit rund 109 Milliarden Euro im Einzelhaushalt sowie wei­te­ren 29,9 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen mas­si­ve Rekordausgaben für die Bundeswehr vor, was einem Anstieg von über 31 Milliarden Euro gegen­über dem Vorjahr entspricht.

    Wenn jeder pri­va­te Haushalt so haus­hal­ten wür­de wie Ihr, …

    "Beifall gab es aber vor allem für sei­nen Hinweis auf ver­meint­li­che „diplo­ma­ti­sche Versäumnisse“ m Vorfeld des Krieges…

    Tja, auf­ge­fal­len und nicht vergessen
    Wenn unse­re Politiker sonst nix hin­krie­gen – nen Krieg schaf­fen die (wenn man sie lässt)

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