Eßt mehr Hormone!

Ich wer­de den Teufel tun und mich inhalt­lich zu einem Thema posi­tio­nie­ren, von dem ich nicht betrof­fen bin und zu dem ich kei­ne qua­li­fi­zier­te Meinung habe. Mich inter­es­siert, wie es Christina Berndt wie­der ein­mal gelingt, aus einem belie­bi­gen Thema eine Verkaufsförderung für Pharmaprodukte zu machen.

Es men­schelt sehr in dem Artikel, was für eine Reportage zuläs­sig ist. Aufschlußreich ist die Zielrichtung dabei:

»Es war ein Psychiater, der sie geret­tet hat. Sie schwankt noch immer zwi­schen Dankbarkeit und Empörung, wenn sie dar­an denkt. Ein Mann, aus­ge­rech­net. Und dann auch noch einer, des­sen Expertise eigent­lich weit ent­fernt ist vom Thema Frauengesundheit, von Hormonbehandlungen und den Wechseljahren mit all ihren selt­sa­men, über­ra­schen­den, lusti­gen und teils auch trau­ri­gen Folgen für das Leben von Frauen. Ihre Frauenärztin? Hatte dage­gen nie ein Wort dar­über verloren.

Natürlich hat­te sich Jacqueline Rohlfs von dem Psychiater Hilfe ver­spro­chen, des­halb war sie im Sommer 2021 zu ihm gegan­gen. Seit eini­ger Zeit litt sie da schon unter leich­ten Depressionen…«

Jacqueline Rohlfs, die aus irgend­wel­chen Gründen "ihren ech­ten Namen lie­ber nicht ver­öf­fent­licht sehen" will, wird geschil­dert in einer Art, wie wir sie von angeb­lich geläu­ter­ten "Impfskeptikern" kennen:

»Rohlfs ist Biologin, seit vie­len Jahren schon arbei­tet sie im Labor eines Krankenhauses. Sie weiß also sehr genau, was Hormone sind, wie sie wir­ken, wie groß ihre Macht über alle mög­li­chen Prozesse im mensch­li­chen Körper ist und wie viel schief­ge­hen kann, wenn ihr fein justier­tes Gleichgewicht aus den Fugen gerät. Umso mehr war sie dage­gen, ihrem Körper Hormone von außen zuzu­füh­ren…«

Leichte Depressionen, die im Sommer 2021 viel­fäl­ti­ge Ursachen haben moch­ten, ver­an­laß­ten sie, einen Psychiater auf­zu­su­chen – mit einer Skepsis, die ähn­lich auch bekehr­ten "Corona-Leugnern" zuge­schrie­ben wird (Ein Mann, aus­ge­rech­net). "Und der sag­te dar­auf die­sen Satz, der sie umhau­te: Vielleicht soll­ten Sie Hormone neh­men". Gesagt, getan.

Der Artikel endet mit dem Hinweis, "dass die Wechseljahre auch etwas Positives sind", "nun den­ken vie­le end­lich mal an sich":

»Dieses „Endlich ich“ spürt Jacqueline Rohlfs jetzt auch. Die neue Freiheit. Das Gefühl, nicht mehr stän­dig für ande­re da sein zu müs­sen. Natürlich hat das was: die Wiederentdeckung des Ichs. Sie braucht aber noch ein paar Hormone, bis sie da wirk­lich ange­kom­men ist.«


Expertise

Frau Berndt beläßt es nicht bei der Darstellung des ret­ten­den Weges von Jacqueline Rohlfs. Sie wen­det sich Expertinnen zu. Deren Befragung lei­tet sie ein mit einem kri­tisch klin­gen­den Absatz:

»Jahrelang wur­den Beschwerden in den Wechseljahren nicht ernst genom­men, die Einnahme von Hormonen galt als gefähr­lich, die Angst vor Brustkrebs und Herzinfarkt durch die Tabletten ging um. Das sahen nach der Jahrtausendwende, nach der Veröffentlichung der auf­se­hen­er­re­gen­den WHI-Ergebnisse, auch vie­le Frauenärztinnen und Frauenärzte so, die ihren Patientinnen zuvor so groß­zü­gig Hormone ver­ord­net hat­ten, dass kaum eine Frau ohne Rezept die Praxen ver­ließ. Doch nach der jah­re­lan­gen Zurückhaltung hat sich das Blatt jetzt erneut gewen­det. Inzwischen kön­nen Frauen, wenn sie der öffent­li­chen Diskussion fol­gen, fast den Eindruck bekom­men, die Wechseljahre sei­en ein Krankheitszustand, den sie ohne Hormone gar nicht bewäl­ti­gen kön­nen. Ja, was stimmt denn jetzt?

Anders als vor einigen Jahren, sagt sie, sei die Studienlage jetzt ziemlich klar

Um das her­aus­zu­fin­den, macht man sich am besten auf den Weg zu Vanadin Seifert-Klauss. Die Professorin an der TU München ist seit mehr als 25 Jahren auf das Thema Wechseljahre und deren Behandlung spe­zia­li­siert…«

Sie ist eine von zwei Frauen, die den Entwurf "einer neu­en Leitlinie zur Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden" koor­di­niert, die im Oktober nach wei­te­rer Beratung gül­tig wer­den soll. "In ihrem Kellerbüro, das bis unter die Decke voll­ge­stopft ist mit Fachliteratur", klärt sie auf,

»... dass die WHI-Studie über­in­ter­pre­tiert wur­de. Es wur­den im Durchschnitt offen­bar viel zu alte Frauen jen­seits der sech­zig behan­delt, für die das Nutzen-Risiko-Verhältnis eher ungün­stig ist. Aber auch dar­an, dass sich die Therapie ver­än­dert hat. Es gibt heu­te nicht mehr nur Hormontabletten, son­dern auch Pflaster, Gele und Sprays. Die haben weni­ger Nebenwirkungen, vor allem ist das Thromboserisiko gerin­ger. Auch wird genau­er nach dem Alter der Frau geschaut: Die Hormontherapie hilft am besten jün­ge­ren Frauen zu Beginn der Wechseljahre. Da sind die Hormone am natür­lich­sten, vie­le Frauen pro­du­zie­ren bis Mitte fünf­zig schließ­lich selbst noch jede Menge davon. Jenseits der sieb­zig wird von einem Beginn der Therapie abge­ra­ten.«

"Die Risiken mit den Hormonen [sei­en] klein", sagt sie. Was aus ihrer Sicht belegt ist durch die­se Feststellung: "Bei acht bis drei­zehn von tau­send Frauen, die Hormone neh­men, ist eine Brustkrebsdiagnose mög­lich, die viel­leicht ohne die Hormone nicht gestellt wor­den wäre". Dennoch sei­en "Hormone kei­ne Allheilmittel".

Noch ein­mal zeigt Berndt Bedenken:

»… Es ist also gut, dass das Thema jetzt end­lich mehr Aufmerksamkeit bekommt, dass Hormone nicht mehr ver­pönt sind und Frauen, die lei­den, wirk­lich Unterstützung bekom­men. Allerdings schlägt das Pendel gera­de über­trie­ben in die ande­re Richtung aus, und zwar kräf­tig. Nachdem die Hormontherapie bis zur Jahrtausendwende fast schon als Jungbrunnen ver­kauft wor­den war, galt sie nach der WHI-Studie als lebens­ge­fähr­lich. Jetzt nut­zen Pharmaindustrie und ande­re Geschäftemacher die rela­ti­ve Entwarnung und wer­ben wie­der kräf­tig dafür, Frauen zur Hormontherapie zu bewe­gen, auch bei Frauen, die es gar nicht bräuch­ten…«

Ein Drittel der Frauen, sagt die Expertin, brau­che "kom­pe­ten­te ärzt­li­che Hilfe und unter Umständen auch Hormone". Das mag so sein. Man kann sich strei­ten dar­über, wo die­se zu fin­den ist. Ich gestat­te mir ein Quentchen Mißtrauen, wenn ich dies aus ihrer Feder lese:

Es scheint, es ist denk­bar, daß die "Impfung" ganz pri­ma war. Dann wer­den es die Hormone sicher auch sein.

Warum die fast zwang­haft anmu­ten­de Beschäftigung mit den Werken von Christina Berndt? Ich den­ke, weil es wich­tig ist zu ver­fol­gen, auf wel­chen Wegen sie seit Jahren Fakes und Halbwahrheiten ver­brei­tet. Denn noch immer sind sol­che Beiträge bei einem sich intel­lek­tu­ell ver­ste­hen­den Publikum wirk­sam, auch wenn ihr Niveau sel­ten das der Apothkenreklameblättchen über­schrei­tet. Vor allem aber mag sie zwar ein exzes­siv phar­ma­hö­ri­ges Vorgehen zei­gen, steht aber bei wei­tem nicht allein in der Medienwelt.

(Hervorhebungen in blau nicht im Original.)

5 Antworten auf „Eßt mehr Hormone!“

  1. Zitat:

    "Es scheint, es ist denk­bar, daß die "Impfung" ganz pri­ma war. Dann wer­den es die Hormone sicher auch sein…"

    Auf die benann­te Studie (Wirkung von COVID-19-Infektionen und ‑Impfungen auf Ovarialfunktion und Fertilität) bezo­gen müs­sen nah­zu alle dort vor­ge­brach­ten Aussagen grund­le­gend in Frage gestellt werden!

    Teil 1:

    Dazu eine Auszug aus "Relation Between COVID-19 Infection and Vaccine and Menstrual Cycle Changes of Portuguese Adolescents in Higher Education" (1):

    "…Zu den häu­fig­sten Veränderungen der Menstruation zähl­ten ver­mehr­tes Auftreten von Blutgerinnseln, eine dunk­le­re Färbung des Blutes, kür­ze­re Zyklen, eine schwä­che­re Blutung sowie eine unre­gel­mä­ßi­ge­re Zyklusdauer. Veränderungen des Menstruationszyklus kor­re­lier­ten signi­fi­kant mit der Impfung, jedoch nicht mit der Infektion…" (1)

    Auszüge aus "Exploring COVID-19 vac­ci­ne adver­se events among pregnant women: a cross-sec­tion­al stu­dy, 2022" (2):

    "…Beim Vergleich der unter­such­ten Gruppen stell­ten wir fest, dass Gruppe B (die wäh­rend der Schwangerschaft min­de­stens eine Dosis des COVID-19-Impfstoffs erhal­ten hat­te) im Vergleich zu Gruppe A (die wäh­rend der Schwangerschaft kei­ne COVID-19-Impfung erhal­ten hat­te) signi­fi­kant (p < 0,05) häu­fi­ger einen Spontanabort (Fehlgeburt) auf­wies; die Rate an schwe­rer Überempfindlichkeit betrug 10,4 % gegen­über 4,4 % (Tabelle 2 und Abbildung 1(a))…" (2)

    "…Beim Vergleich der unter­such­ten Gruppen stell­ten wir fest, dass eine COVID-19-Impfung wäh­rend der Schwangerschaft signi­fi­kant (p < 0,05) mit einer höhe­ren Häufigkeit von Oligohydramnion (24,4 % gegen­über 13,3 %) und Plazentaanomalien hin­sicht­lich Größe und Lage (30,8 % gegen­über 20,7 %) asso­zi­iert war; dies im Vergleich zu Schwangeren, die wäh­rend der Schwangerschaft kei­ne COVID-19-Impfdosis erhal­ten hat­ten (Tabelle 3)…" (2)

    (1) >>> https://www.mdpi.com/2227–9032/13/1/2

    (2) >>> https://​jour​nals​.sage​pub​.com/​d​o​i​/​1​0​.​1​1​7​7​/​2​5​1​5​1​3​5​5​2​4​1​2​8​5​594

  2. Teil 2:

    Auszug aus "Impact of mRNA and Inactivated COVID-19 Vaccines on Ovarian Reserve" (3):

    "…Unsere Ergebnisse deu­ten dar­auf hin, dass sich sowohl mRNA- als auch inak­ti­vier­te COVID-19-Impfstoffe nach­tei­lig auf die ova­ri­el­le Reserve bei Ratten aus­wir­ken kön­nen – vor­wie­gend durch einen beschleu­nig­ten Follikelverlust und Veränderungen der apo­pto­ti­schen Signalwege wäh­rend der Follikulogenese. Angesichts die­ser Beobachtungen im Rattenmodell sind wei­te­re Untersuchungen zu den Auswirkungen der Impfstoffe auf die ova­ri­el­le Reserve beim Menschen erfor­der­lich." (3)

    Auszüge aus "Rates of suc­cessful con­cep­ti­ons accor­ding to COVID-19 vac­ci­na­ti­on sta­tus: Data from the Czech Republic (4):

    "Ergebnisse:

    Während des Untersuchungszeitraums leb­ten in der Tschechischen Republik etwa 1.300.000 Frauen im Alter von 18 bis 39 Jahren, und der Anteil der gegen COVID-19 geimpf­ten Frauen stieg ab Januar 2021 an, bis er Ende 2021 einen sta­bi­len Wert von rund 70 % erreich­te. Spätestens ab Juni 2021 waren die SC-Raten (erfolg­rei­che Geburten) pro 1.000 Frauen bei den geimpf­ten Frauen deut­lich nied­ri­ger als bei den unge­impf­ten Frauen vor dem Auftreten der SC. Darüber hin­aus lagen die SC-Raten in der geimpf­ten Gruppe weit unter den Erwartungen, die sich aus ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung erga­ben. (4)

    Schlussfolgerungen:

    In der Tschechischen Republik waren die SC-Raten bei Frauen, die vor dem SC gegen COVID-19 geimpft wor­den waren, deut­lich nied­ri­ger als bei den nicht geimpf­ten Frauen. Diese hypo­the­sen­bil­den­den und vor­läu­fi­gen Ergebnisse erfor­dern wei­te­re Untersuchungen zum poten­zi­el­len Einfluss der COVID-19-Impfung auf die Fruchtbarkeit und Reproduktionsfähigkeit des Menschen." (4)

    Des Weiteren wur­de auch das Potenzial für eine trans­pla­zen­ta­re Übertragung oder Aufnahme nach­ge­wie­sen. (5)

    (3) >>> https://www.mdpi.com/2076–393X/13/4/345

    (4) >>> https://​jour​nals​.sage​pub​.com/​d​o​i​/​1​0​.​1​1​7​7​/​0​9​2​4​6​4​7​9​2​5​1​3​5​3​3​8​4​#​c​on1

    (5) >>> https://​jour​nals​.plos​.org/​p​l​o​s​o​n​e​/​a​r​t​i​c​l​e​?​i​d​=​1​0​.​1​3​7​1​/​j​o​u​r​n​a​l​.​p​o​n​e​.​0​3​4​4​185#

  3. Man muß es aber auch mal posi­tiv sehen, fin­de ich. Durch ihre Anstellung bei der Süddeutschen ist Frau Berndt wenig­stens von der Strasse weit weg. Und von den Schulen. Und jetzt mal unter uns, wie­vie­le gefähr­de­te Jugendliche lesen schon die Südedeutsche – oder lesen über­haupt Druckwarenhauserzeugnisse? Da unetr­stel­le ich schon­mal eine Einkommenslage die einer posi­ti­ven sozia­len Entwicklung nicht im Wege steht. Schließlich geht sie regel­mä­ßig einer Erwerbsarbeit nach, was sogar öffenrt­lich über­prüf­bar ist. Natürlich sind auch Eltern gefor­dert. Denn Messer Gabel, Scher, Licht und Süddeutsche .…. äh .…. . Puh, das reimt sich nicht. Wieso reimt sich eigent­lich so wenig auf "deut­sche" ?????

    Nanu – Die Korrekturzeit ist wie­der da! 😀 Ab jetzt wie­der mit noch weni­ger Rechtsschreibsfehlens! Leute lesen Sie !!!

    PS: Wäre doch gelacht wenn unse­re Politiker die Auflage nicht noch­mal hoch bekämen .…

  4. > Mich inter­es­siert, wie es Christina Berndt wie­der ein­mal gelingt, aus einem belie­bi­gen Thema eine Verkaufsförderung für Pharmaprodukte zu machen.

    Durch Verbreitung von Fakes, Halbwahrheiten und pseu­do­wis­sen­schaft­li­chen Käse.

  5. Die Vorgehensweise der Artikel-Autorin ist alt­be­kannt, auf die­se näher ein­zu­ge­hen, ist zumin­dest für mich ver­ta­ne Lebenszeit.
    Aber der per­ma­nent vor­an­ge­trie­be­ne Impuls, die Natur bzw. jeg­li­che natür­li­chen Vorgänge als gefähr­lich, feh­ler­haft, kor­rek­tur­wür­dig, u.v.ä.m. zu beschrei­ben, dem man natür­lich unbe­dingt mit irgend­wel­chen "Maßnahmen" bei­kom­men müss­te, zeigt immer wie­der nur die glei­che Hybris von offen­sicht­lich gei­stig kern­sa­nier­ten Menschen, bei denen man das Sanieren ver­ges­sen hat. Hohlraumgeschoss trifft es auch ganz gut : ohne auch nur das min­de­ste Nachdenken oder Empfinden wird jede Menge Unheil angerichtet.

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