Queerdenker bereiten Polizeistaat den Weg. Unwissentlich?

In der "taz" ist zu lesen: »Eine Person in gol­de­nem Pailletten-Sakko umarmt einen LKA-Mann, der neben ihr steht, lässt kurz die Hand auf sei­ner Schulter lie­gen und sagt: „Hey, dan­ke, das muss man ja auch mal sagen.“ „Na klar!“, sagt der LKA-Mann. „Wenn was ist, ein­fach Bescheid geben.“« Im Deutschlandfunk bedankt sich eine Teilnehmerin über­schweng­lich, weil der CSD ohne die schwer­be­waff­ne­te Polizei nicht mög­lich gewe­sen wäre.

Es ist rich­tig, sich Gewalt und Ausgrenzung von Schwulen, Lesben, ande­ren sexu­el­len Minderheiten wie auch Obdachlosen und "als nicht­deut­sche Gelesenen" ent­ge­gen­zu­stel­len. Viele der Demonstrierenden wer­den vor eini­gen Jahren "Querdenkern" und ande­ren MaßnahmekritikerInnen die empör­te Frage gestellt haben, mit wem sie auf die Straße gin­gen (mit rech­ten Demokratiefeinden). Andererseits ist es für sie kein Problem, heu­te mit Demokratiefeinden der Mitte zu demon­strie­ren. Bundes- und Landesprominenz der Regierungsparteien gab es zuhauf auf der Demo. Unmut über deren sozia­len Krieg gegen Unten und den rasan­ten Abbau von Bürgerrechten war nicht vernehmbar.

Bleiben wir im Klischee und ver­mu­ten, daß nicht weni­ge CSD-KämpferInnen damals so stolz ihre Impfpflaster vor­ge­zeigt haben wie heu­te die Regenbogenfahne. Beides steht für Gratismut, jeden­falls in den Metropolen, wenn auch sicher nicht in ost‑, süd- und west­deut­schen Landgemeinden. Sie besau­fen sich men­tal an einer ein­ge­bil­de­ten Gemeinschaft von "Demokraten gegen rechts und Islamismus" wie zuvor an der Volksgemeinschaft gegen ein "mensch­heits­ge­fähr­den­des neu­ar­ti­ges Virus".

Gegen die plan­mä­ßi­ge Etablierung der Bundeswehr im öffent­li­chen Raum mit­tels Corona haben sie eben­so wenig Einwände erho­ben wie jetzt gegen die ver­meint­li­che Selbstverständlichkeit der locke­ren Polizeicolts und Maschinenpistolen auf Demos. Vermutlich sind sie ehr­lich besorgt, daß die AfD dem­nächst den Faschismus ein­füh­re. Die faschi­sto­iden Trends dort, wo deren Verbündete und Bewunderte die Macht haben oder hat­ten (Ungarn, USA, Polen, Argentinien…), geben ihnen Argumente. Wie bei Corona über­se­hen sie geflis­sent­lich, daß ihre Bündnispartner bei "Solidarisch que­er. Haltung zei­gen – für eine Zukunft ohne Angst" genau die­je­ni­gen sind, die via Islamismus, Russenphobie und Pandemie Ängste erzeu­gen, um so immer mehr Recht und Ordnung im extrem kon­ser­va­ti­ven Sinn durch­zu­set­zen. (Und dar­über hin­aus immer mehr so ver­zwei­felt wie erfolg­los auf die Migrationskarte set­zen, die von Rechtsaußen wesent­lich bes­ser in Stimmenfang umge­setzt wird.)

Fällt den QueerdenkerInnen auf, daß der "links­extre­mi­sti­sche Anschlag" auf die Berliner Stromversorgung so wenig Aufklärungswillen erfährt wie der ver­mut­li­che oder vor­geb­li­che isla­mi­sti­sche auf den Berliner CSD? Offenbar reicht es ihnen wie dem media­len Mainstream, ein Narrativ für die eige­nen Interessen zu nutzen.

»Die Lastwagen im Umzug wur­den von gro­ßen Unternehmen wie Lufthansa Technik, Vattenfall, Beiersdorf oder Eurowings gespon­sert. Auch die SPD und die Feuerwehr waren mit eige­nen Trucks ver­tre­ten, eben­so die evan­ge­li­sche Kirche, der Landesverband der Hospiz- und Palliativarbeit und das Universitätsklinikum Eppendorf. «
n‑tv.de (1.8.26)

Pfizer ist dies­mal nicht dabei. Zu den VakzinistInnen aus Eppendorf gibt es hier eini­ges zu lesen.

Davon, daß der Christopher Street Day aus mili­tan­ten Straßenschlachten gegen eine über­grif­fi­ge und repres­si­ve Staatsgewalt her­vor­ge­gan­gen ist, wol­len die heu­ti­gen TeilnehmerInnen des Karnevals der Geschlechter schon mal gar nichts mehr wis­sen. (Ich weiß, es gibt Ausnahmen.)

(Hervorhebungen in blau nicht im Original.)

17 Antworten auf „Queerdenker bereiten Polizeistaat den Weg. Unwissentlich?“

  1. Neulich gele­sen. Der Fall "van der Lubbe" (Reichstagsbrand) wur­de als Anlass genom­men die Todesstrafe im NS-Gebrauch (-miß­brauch!) anzu­wen­den. Das war dem hol­län­di­schen Arbeiter und Schwergeschädigten ver­mut­lich beim Prozess noch nicht so ganz klar.

    sie­he auch:

    https://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​M​a​r​i​n​u​s​_​v​a​n​_​d​e​r​_​L​u​bbe

    Im Link wird auf eine Exhumierung hin­ge­wie­sen, mit der man Vergiftungen beim Angeklagten nach­wi­sen woll­te. Dazu zwei Bemerkungen. Ein der­ar­ti­ger "Nachweis" wäre nichts wei­ter als ein "Schuss ins Blaue" hin­ein. Zudem war der Angeklagte schwer krank. Warum unbe­dingt "Drogen" bzw. Gifte im Spiel gewe­sen sein müs­sen erschließt sich nicht. Der Marinus van der Lubbe soll bei sei­nen Prozessterminen teil­nahms­los gewirkt haben.
    Zwei Dinge dürf­ten tat­säch­lich so gewe­sen sein. Der stark seh­ge­schä­dig­te jun­ge Mann dürf­te Probleme bei der Orientierung gehabt haben. Zudem wird eine Gehbehinderung erwähnt, was die These der Mittäterschaft unter­mau­ert. Dazu übel­stes "Framing" aus ver­schie­de­nen Richtungen.
    Trotz guter Indizienlast wur­de eine Beteiligung der anti­li­be­ra­len NSDAP, schein­bar bis heu­te nicht ermit­telt. Das frägt sich Konnte oder woll­te man nicht?

    Das Fragezeichen hin­ter der Überschrift bzgl. "Q‑Kommunizy" ist wohl gerecht­fer­tigt. Bei der "Szene" piept's wohl ein klein wenig, nicht erst seit jüngst? Sorry, eine Pure Außenbetrachtung!

  2. Warum soll­te es bei sol­chen 'Festivitäten' anders zuge­hen als beim gro­ßen Teil der Gesellschaft ?
    Sich expo­nie­ren und Party machen, um viel mehr geht es da nicht.
    Als Kölner kann ich ein Liedchen davon sin­gen. Das ist nichts ande­res als Karneval im Sommer. Mit ähn­li­chen Exzessen.
    "Haltung zei­gen". Gääähn. Wenn es nur nicht so auf­ge­setzt und wenig natür­lich wir­ken wür­de. Der Begriff des 'Gratismutes' scheint mir da schon sehr angebracht.
    Ich ver­mis­se bei sol­chen Events (anders kann man das wohl kaum bezeich­nen) irgend­wie die feh­len­de Integrität.
    Man kann ja ger­ne fei­ern; aber bedient euch nicht irgend­wel­cher Pseudo-Gründe oder geriert euch als Widerstandskämpfer.
    Was zuge­ge­be­ner­ma­ßen sicher­lich auch von Polit- und Medien-Selbstdarstellern befeu­ert wird.

  3. https://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​V​R​K​j​c​G​1​M​w78

    "Im Inneren Kreis (2019) [Dokumentarfilm] | Film (deutsch) (with eng­lish Subtitles) 

    11.984 Aufrufe Premiere am 21.05.2023 #ham­burg #spio­na­ge #rote­flo­ra
    November 2014: Die Verdeckte Ermittlerin Iris P. wird medi­en­wirk­sam ent­tarnt. Schritt für Schritt kam her­aus: Sie ermit­tel­te fast sechs Jahre under­co­ver unter dem Tarnnamen Iris Schneider in der lin­ken Szene und der Roten Flora in Hamburg. Sie forsch­te poli­ti­sche Zusammenhänge und Menschen aus, führ­te dabei enge Freundschaften und ging inti­me Beziehungen ein. Kein Einzelfall. Das Staunen war groß, als in den fol­gen­den Monaten noch zwei wei­te­re ver­deck­te Ermittlerinnen in Hamburg auf­flo­gen: Maria B. und Astrid O. Auch sie arbei­te­ten mit ähn­li­chen Methoden wie Iris P. und spio­nier­ten vie­le Jahre in der lin­ken Szene. Nicht nur in Hamburg. Auch im idyl­li­schen Heidelberg hat sich der Polizist Simon B. 2010 eigens an der Universität imma­tri­ku­liert, um lin­ke Studierende aus­zu­spä­hen, die nicht im Traum damit gerech­net hät­ten, ein­mal ins Fadenkreuz staat­li­cher Überwachung zu gera­ten. Eindrucksvoll erzäh­len die Protagonisten des Dokumentarfilms IM INNEREN KREIS aus ganz unter­schied­li­chen Perspektiven ihre Geschichten. Überwachte Menschen aus dem Umfeld der Roten Flora in Hamburg und jun­ge Studierende aus Heidelberg, aber auch poli­tisch und juri­stisch Verantwortliche kom­men zu Wort, wie der frü­he­re Generalbundesanwalt Kay Nehm, der sei­ne Sicht auf einen der Einsätze schildert."

    An die­ser Stelle wird das ana­chro­ni­sti­sche Verhalten der quee­ren Community wirk­lich schä­big. Sie schei­nen nicht wirk­lich an einer Normalisierung ihrer sexu­el­len Orientierung inter­es­siert. Sie wol­len wie ein rohes Ei behan­delt wer­den und auf ein Podest geho­ben wer­den. Sie inter­es­sie­ren sich nur für sich. Sicher tue ich man­cher enga­gier­ten quee­ren Person Unrecht. Dann bit­te ich um Verzeihung. Ich habe lei­der selbst anders­wo so einen Spitzeleinsatz am Rande mit­er­lebt. Es zer­reißt vie­le Leben und Freundschaften, sprengt Gruppen. Das ist mit Sicherheit der gewoll­te Effekt.

  4. „Demokraten gegen rechts und Islamismus" wie zuvor an der Volksgemeinschaft gegen ein "mensch­heits­ge­fähr­den­des neu­ar­ti­ges Virus".

    Faschismus ist eine Ausprägung einer tota­li­tä­ren Ideologie. Eine tota­li­tä­re Ideologie muss nicht zwin­gend faschi­stisch sein. Sie kann eben­so gut bei­spiels­wei­se reli­gi­ös sein. Entscheidend ist ihr Anspruch, die Gesellschaft zu sein. Corona in der „Spitzenzeit“ kann durch­aus als tota­li­tä­re Ideologie ver­stan­den wer­den im Hinblick auf das (ima­gi­nä­re) Ziel, das Virus zu ver­nich­ten. Und selbst­ver­ständ­lich benö­tigt jede tota­li­tä­re Ideologie Feindbilder. 

    „Andererseits ist es für sie kein Problem, heu­te mit Demokratiefeinden der Mitte zu demonstrieren.“

    Mit dem Begriff der Demokratie soll­te man vor­sich­tig sein. Allein schon auf­grund der Unschärfe der Definition. Was ist eine Demokratie? Kann es eine ech­te Demokratie tat­säch­lich geben? Liegt in den soge­nann­ten demo­kra­ti­schen Staaten nicht viel­mehr eine „betreu­te Demokratie“ vor, die die bestehen­den Verhältnisse auf kei­nen Fall grund­sätz­lich ändern darf? Leben wir in einer Postdemokratie, die demo­kra­tie­ent­kernt ist? Oder ist es eine Mischung, mit der Tendenz, die Fassade zu erhal­ten und gene­ral­sa­niert ein „getarn­tes“ tota­li­tä­res System zu betrei­ben. Sind wir nicht an oder gar über der Grenze vom auto­ri­tä­ren zum kaschier­ten tota­li­tä­ren System?

    „Vermutlich sind sie ehr­lich besorgt, dass die AfD dem­nächst den Faschismus einführe.“

    Es wäre für ein tota­li­tä­res Regime kaum akzep­ta­bel, wenn kein ech­ter Glaube, Enthusiasmus, Hingabe etc. für die Ziele einer tota­li­tä­ren Ideologie exi­stie­ren wür­de. Ein auto­ri­tä­res System kann mit einer pri­va­ten Ebene, die dies negiert, exi­stie­ren. Eine tota­li­tä­re Ideologie und ein tota­li­tä­res System eben nicht. Hier liegt eben nicht nur eine ein­di­men­sio­na­les ideo­lo­gi­sches System vor, son­dern ein facet­ten­rei­ches, sich sowohl ergän­zen­des als auch wider­sprüch­li­ches System. Merke: Der Erfolg ist ent­schei­dend. Wie sehr die Realität gebo­gen wird, ist ein Mittel zum Zweck. 

    “… für eine Zukunft ohne Angst" genau die­je­ni­gen sind, die via Islamismus, Russenphobie und Pandemie Ängste erzeugen,“

    Es benö­tigt Feindbilder, auf die die Emotionen fokus­siert wer­den. Beispiel: Die Zwei-Minuten-Hass aus 1984. 

    “ … Karnevals der Geschlechter … “

    Exakt dies ist ein Symptom. Karneval. Ablenkung. Brot und Spiele. Es ist ein Event, nicht mehr, nicht weni­ger. Manche machen einen Lebenszweck dar­aus. Jeder, der nicht 100% die Überzeugung, die Ideologie, teilt, ist ein Feind. Es geht nicht um die Geschlechter als sol­ches, son­dern wie dies mei­ster­haft zur Spaltung der Gesellschaft ein­ge­setzt wird. Mit Migration eben­falls. Wobei Migration ein wei­ter Begriff ist. Bin ich bereits ein (abzu­leh­nen­der) Migrant, wenn ich mich aus frei­en Stücken ent­schlie­ße, mein Leben nicht in einer bestimm­ten Region die­ses Planeten fri­sten zu wol­len? Oder sind nur die Flüchtlinge auf­grund von Krieg, Hunger und Armut abzu­le­hen­de Migranten?

    1. wenn Sie als Sklave irgend­wo­hin depor­tiert wer­den, dann sind Sie kein Migrant. Auch nicht, wenn Sie irgend­wo als Gastarbeiter leben. Warum soll­te jemand "Deutscher" wer­den wol­len? Ist ein Einwanderer jemand, der da hin geht, wo Leute sind, die so sind, wie er sein will, oder, die so sind, wie er zu sein glaubt? Deutschland ist kein Einwandererland, wenn der Gast sich assi­mi­lie­ren muß, sei­ne Identität auf­ge­ben muß, die er erst defi­nie­ren muß, um sie auf­zu­ge­ben. Daß hier Ausländer Inländer wer­den kön­nen, also Staatsbürger, daß der Gast Einheimischer wird, ist eine Frage der Mitbestimmung, der Demokratie. Menschen, die hier sind, müs­sen bei den Entscheidungen über sich, mit­wir­ken kön­nen. Sie müs­sen den Bundeskanzler wäh­len dür­fen, sie müs­sen das Wahlrecht haben, um zum Bundeskanzler gewählt wer­den zu kön­nen. Niemand ver­läßt sei­ne Heimat, um in Deutschland den Bundeskanzler wäh­len zu dür­fen. Kriegsflüchtlinge sind kei­ne Migranten, wenn sie in einem Flüchtlingslager auf die Heimkehr war­ten. Es sind frem­de Gäste und deren Würde ist unan­tast­bar. Sie müs­sen nicht ande­re Leute wer­den. Migranten sind viel­leicht sol­che, die sich einer Gruppe aus der Heimat in der Fremde anschlie­ßen. Da bil­den sie ein Fremdentum, sogar mit Wahlrecht. Dann sind da sich Fremde, mein Nachbar und ich, die ein gemein­sa­mes Oberhaupt haben, einen Häuptling, den sie gewählt haben. Und so sind alle gleich, unter einem Oberhaupt. Ein demo­kra­ti­sches Oberhaupt will Oberhaupt aller sein, der Menschheit viel­leicht. Das ras­si­sti­sche Oberhaupt will Oberhaupt von man­chen sein und die ande­ren haben kei­ne Bestimmung über ihn. Die Selbstbestimmung ent­frem­det, man wird sich fremd dadurch, anders. Die ande­ren gehö­ren nicht zu den man­chen und schließ­lich nicht zu den men­schen. Der Migrant will juri­sti­sche Person sein. Er will Rechte haben. Vielleicht geht man dahin, wo man Rechte hat. Das Asylrecht ist wie ein Einwanderungsrecht. Dieses Recht wird ange­bo­ten. Ich gehe weg, da, wo ich kei­ne Rechte habe, weil Krieg ist, weil ich ver­trie­ben wer­de. Weil es kein Recht auf Arbeit gibt, weil es kein Recht auf Erhaltung gibt, auf Wohnen, auf ein Sein. Wo es kei­ne Arbeit gibt, gibt es auch kei­ne Arbeitspflicht, neh­me ich an. Man kann nicht für das Recht auf Arbeit die Regierung stür­zen. Die Arbeit kommt vom Kapital, das man auch nicht stür­zen kann für das Recht auf Arbeit. Die Leute kom­men hier­her, um Geld zu ver­die­nen, durch Arbeit oder anders. Es gibt Rechte, die Geld ver­schaf­fen. Sozialhilfe, aber auch: Lohn nach der Arbeit. Man ist Migrant, wenn man wegen Geld fortgeht.

      1. @ hol­ger blank: Danke für die aus­führ­li­che Erläuterung der Sichtweise. Durchaus ver­ständ­lich und nachvollziehbar.

        Mein Punkt war glo­ba­ler, nicht (nur) auf Deutschland bezo­gen, in bei­den Richtungen. Einwanderung und Auswanderung (mit Einwanderung) in einen ande­ren Staat. Und nicht jeder Migrant in einen ande­ren Staat hat pri­mär ein Interesse dar­an, nur in einem ande­ren Staat zu leben zwecks Einkommenserzielung. Und mög­li­cher­wei­se besteht auch kei­ne Absicht, dort nur als "Gastarbeiter" tätig zu sein, son­dern dau­er­haft dort zu leben. Selbstverständlich ist der finan­zi­el­le Aspekt sehr rele­vant, aber es nicht not­wen­di­ger­wei­se der ein­zi­ge Aspekt.

      1. @Erfordia…: Na Gott sei Dank! Dann ist die Gefahr des Faschismus ja gebannt. Oder sehen Sie aktu­ell das Finanzkapital eine offe­ne ter­ro­ri­sti­sche Diktatur errichten? 

        Selbst heu­ti­ge Kommunisten han­tie­ren nicht mehr mit die­ser 90 Jahre alten Definition, die damals wohl hilf­reich war. Das inter­na­tio­na­le Großkapital ist kei­nes­wegs so bedroht, daß es zur ter­ro­ri­sti­schen Diktatur grei­fen muß, wenn es sich eine sol­che Option auch stets offen hält. Es ver­fügt heu­te über wirk­sa­me Mittel der Massenbeeinflussung und der Korrumpierung der unte­ren Klassen und kann unter dem Deckmantel der bür­ger­li­chen Demokratie agie­ren. Der wird zwar immer faden­schei­ni­ger, doch sind bedau­er­li­che­wei­se die Reaktionen dar­auf über­wie­gend noch autoritärer.

        Es ist not­wen­dig zu ana­ly­sie­ren, wel­che Interessen wel­che Klassen und Schichten ver­fol­gen und nicht alle Entwicklungen auf Personen zurück­zu­füh­ren. Dabei kann man durch­aus krea­ti­ver sein, als in die Jahre gekom­me­ne Slogans zu verkünden.

        1. > Oder sehen Sie aktu­ell das Finanzkapital eine offe­ne ter­ro­ri­sti­sche Diktatur errichten? 

          Aber sowas von @aa!

        2. PS: Das Finanzkapital ist immer bedroht. Das Hauptproblem sind sin­ken­de Profitraten und natür­lich die Gefahr einer pro­le­ta­ri­schen Revolution. Schließlich war die Pandemie auch nur ein Versuch aus die­ser Krise herauszukommen.

          Und den­ken Sie ja nicht, daß die mar­xi­stisch Leninistische Weltanschauung ver­al­tet ist. Und auch das Manifest der Kommunistischen Partei ist aktu­el­ler denn je. Schließlich ist die Zerstörung der Umwelt und des Planeten Erde auch nur die Folge unend­li­cher Profitgier. Ebenso der gan­ze Terror – welt­weit. Kapitalisten kön­nen nie genug krie­gen. Schon von daher haben die Angst, die haben die Hosen gestri­chen voll und das macht die so gefährlich.

          Geschichte wie­der­holt sich!

        3. " … Oder sehen Sie aktu­ell das Finanzkapital eine offe­ne ter­ro­ri­sti­sche Diktatur errichten? .… "

          Nicht "National". Wozu auch, inter­na­tio­nal stört kein gel­ten­des Recht. Man muß bloß recht-zei­tig und ggf. vor­teil­haft wech­seln. Das ist eine Erscheinung unse­rer Zeit.

          Die "Diktatur" errich­tet sich dabei selbst. Wer sie am Ende unter Kontrolle hält wis­sen wir nicht so genau. Und wir wis­sen nicht ob ein schwe­rer Konflikt dazwi­chen greift, und die Karten neu auf­mischt, gar endmischt.

          Das "Finanzkapital" denkt es behiel­te die Oberhand. Vorausgesetzt es läuft abseh­bar wei­ter. Die den­ken bezeich­nen­der­wei­se immer so.

          Die Verdichtung dik­ta­to­ri­scher Strukturen wird vor­erst wohl so wei­ter gehen. Was soll dem denn ent­ge­gen ste­hen. Da sehe ich nichts. Sorry.

          Der "Klimawandel" kann eben­so noch eine Rolle dabei spie­len. Sollte man trotz allem nicht außer Acht las­sen. Auch wenn's die "Ökonomie" nicht so ger­ne hört.

      2. @ Erfordia Vicia Fabia: Ihre genann­te Beschreibung, auch mit den zutref­fen­den Teilen, ändert an der Systematik nichts. 

        Totalitär kann eben­so bei­spiels­wei­se eine Religion sein. Und eben­so ein Kult der Vermeidung eines Virus. Es kommt auf den Anspruch an, den die­se Ideologie hat. Der tota­li­tä­re Charakter einer Ideologie ist, dass er gera­de kei­ne ande­re Ideologie, die den glei­chen Gegenstand zum Inhalt hat, als Parallele zulässt, da die tota­li­tä­re Ideologie den Anspruch erhebt, die Gesellschaft gera­de in die­sem Aspekt selbst zu sein. Alles durch­drin­gend, alles erfas­send. Es gibt kein "Privates" mehr. 

        Manche Ideologie kann abge­stuft auch "nur" auto­ri­tär ange­wandt wer­den. Diese Form zielt gene­rell auf den soge­nann­ten Herrschaftsschutz ab. Eine herr­schen­de "Elite" sichert sich ihren Status gegen für sie nega­ti­ve Änderungen. Dann macht es einen Unterschied, was "nach außen" geäu­ßert wird, und was im pri­va­ten Kreis geäu­ßert wird, sofern die­ses Ziel nicht dadurch gefähr­det ist.

        Und im "Idealfall" kann eine Ideologie demo­kra­tisch sein. Charakteristisch ist, dass kein Anspruch auf Alleinstellung besteht, son­dern die­se Ideologien plu­ra­li­stisch neben­ein­an­der und mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren können. 

        Und es gibt Grautöne. Insbesondere beim Übergang von einem Stadium der auto­kra­ti­schen Anwendung hin zu einer tota­li­tä­ren Anwendung. 

        In wel­chem Zustand befin­den sich die west­li­chen Gesellschaften der­zeit? Was wird mas­siv unter­drückt? Meinungsfreiheit? Mit wel­chem Ziel? Was nimmt täg­lich zu? Was ist nun­mehr das "Endziel"? Die Verankerung eines aus­schließ­li­chen, all­um­fas­sen­den, einer alles durch­drin­gen­den Form des Kapitalismus? Ein Kapitalismus, der nicht nur die Ausbeutung und Umverteilung von unten nach oben zum Inhalt hat, son­dern den Anspruch erhebt, dass die Ausgebeuteten selbst voll­stän­dig hin­ter die­ser Ideologie ste­hen? Dies ist dann in der Tat tota­li­tär. Eine abwei­chen­de tota­li­tä­re Ideologie, z.B. Rassen-Ideologie, kann zusätz­lich exi­stie­ren. Der Kapitalismus stellt die­se Ideologie nicht infrage. 

        Die Frage ist, ob bei Definitionen Abkürzungen ange­wandt wer­den, die "getrig­gert" wer­den durch einen Begriff, oder ob syste­ma­tisch defi­niert wird. 

        Die näch­ste inter­es­sant zu dis­ku­tie­ren­de Frage ist, in wel­chem Stadium sich die west­li­chen Gesellschaften oder die Gesellschaften die­ses Planeten befin­den. Ist es der Übergang vom auto­kra­ti­schen Systemen bzw. der auto­kra­ti­schen Anwendung von Ideologien der zur tota­li­tä­ren Ausprägung mit totalitäre(n) System(en)?

        1. @O'Mikron

          tota­li­tär ist ein Begriff der Propaganda. Verbunden mit unsin­ni­gen Behauptungen und irre­füh­ren­den Halbwahrheiten. Genau das zeigt ja die Entwicklungsgeschichte der 1920er Jahre. Denn die deut­sche Hochfinanz schrie bereits 1919 nach mehr Aggressivität, erst recht nach dem Friedensdiktat von Versaille. Prompt folg­te mit dem Kapp-Putsch 1920 der erste Versuch zur Errichtung einer faschi­sti­schen Diktatur. Die Ermordung Karl Liebknecht, Rosa Luxembug, Walter Rathenau und tau­sen­der Kommunisten zeu­gen von der Aggressivität kri­mi­na­li­sti­scher Vereinigungen, der Alldeutsche Verein, der rech­te Flügel der SPD und Adolf Hitler mit sei­ner Sturmabteilung.

          Der Putschversuch 1923 in München war nur die Generalprobe. Hitler wuss­te genau was kom­men wird, aber der Mythos Hitler muss­te erst geschaf­fen wer­den. Hilfreich hier­zu war die 1929 insze­nier­te Bankenkrise aus der schließ­lich Hitler mit sei­ner Partei als Sieger hervorging. 

          Fazit: Ein Blick in die Geschichte macht die Auftraggeber Hitlers sichtbar!

  5. "Unmut über deren sozia­len Krieg gegen Unten und den rasan­ten Abbau von Bürgerrechten war nicht vernehmbar."

    Natürlich nicht, denn der Queer‑, genau so wie der Gender-Hype, sind Ablenkungen von der Aushölung des Sozialstaats und einem zuneh­mend auto­ri­tä­ren Regierungsgebaren. Deshalb klat­schen die Regierenden dabei auch fröh­lich in die Hände. Sie sind dank­bar für Opium fürs Volk.

    Dabei ist der Hype nur die Kehrseite der Ausgrenzung. Beide sol­len ver­schlei­ern, wer pro­fi­tiert, und wer ver­liert. Und wenn der Wind die Richtung ändert oder das Opium nicht mehr benö­tigt wird – zum Beispiel im Krieg -, kön­nen Beklatsche und Ausgegrenzte auch ganz schnell wie­der die Seiten wechseln.

    Nur die Besitzenden, und die, die ihren Besitz erar­bei­ten, blei­ben immer auf der­sel­ben Seite. So zumin­dest der Plan.

    1. das kann man auch anders sehen:
      wiki­pe­dia, Mathias Döpfner:
      "Zionismus und jüdi­sches Leben in Deutschland

      Döpfner bezeich­net sich selbst als nicht­jü­di­schen Zionisten; er zeigt sich sowohl in öffent­li­chen Aussagen als auch in der Ausrichtung der Verlagsgruppe betont soli­da­risch mit Israel und ver­tei­digt das Land gegen Kritik. Er for­dert, dass „Deutschland jüdi­scher wer­den muss“, und spricht sich für eine ver­stärk­te und bevor­zug­te Einwanderung jüdi­scher Personen aus.

      Beim World Jewish Congress 2026 in Genf wie­der­hol­te Döpfner in einer Rede sein Bekenntnis zum Zionismus. Er for­der­te, die „Woke-Ideologie als tro­ja­ni­sches Pferd des Antisemitismus und des Islamismus [zu] ent­lar­ven“. Unter dem „Deckmantel von Dekolonisierung, Antirassismus und sozia­ler Gerechtigkeit und vor allem des grü­nen Klimaktivismus“ wer­de oft „purer Judenhass“ verbreitet."

      1. @holger blank:

        Zionismus: inter­na­tio­na­le chau­vi­ni­sti­sche Ideologie und ras­si­sti­sche, expan­sio­ni­sti­sche und poli­ti­sche Praxis der jüdi­schen Bourgeoisie. Die Anfänge des Zionismus rei­chen bis ins 19. Jahrhundert zurück; der Begriff ist vom Namen »Zion« abge­lei­tet, mit dem sich in der jüdi­schen Diaspora (unter Andersgläubigen lebende…

        https://​sascha313​.word​press​.com/​2​0​1​5​/​1​0​/​2​7​/​w​a​s​-​i​s​t​-​z​i​o​n​i​s​m​us/

        1. @Erfordia…: Müssen Sie jeden Bullshit Ihres Sascha ver­lin­ken? Ganz abge­se­hen davon, daß sein Abschreibsel aus dem "Taschenlexikon für Zeitungsleser" fast vier­zig Jahre alt ist und sich seit­dem doch eini­ge Entwicklungen voll­zo­gen haben, folgt er durch­gän­gig dem Prinzip: Was der Genosse Stalin jemals ver­kün­det hat, bleibt richtig.

          Das Phrasengedresch bringt es fer­tig, den Anlaß für die Ausarbeitung der zio­ni­sti­schen Idee (die kri­tik­wür­dig ist) mit einem schnodd­ri­gen Verweis "auf den Antisemitismus" abzutun. 

          Grassierende Pogrome in Polen, Rußland und ande­ren Ländern und durch­aus main­strea­mi­ge Verleumdungskampagnen in west­li­chen Ländern waren eine der Grundlagen. Nicht zufäl­lig ist das Buch "Der Judenstaat" von Theodor Herzl, das als eine Art Gründungsdokument des Zionismus gilt, im Zuge der anti­se­mi­ti­schen "Dreyfus-Affäre" in Frankreich ent­stan­den. Herzls Prognose, die von ande­ren Fraktionen des euro­päi­schen Judentums (das im übri­gen in wei­ten Teilen säku­lar war) befür­wor­te­te Assimilation wer­de den Antisemitismus nicht aus­rot­ten, bewahr­hei­te­te sich in den näch­sten Jahrzehnten auf dra­ma­ti­sche Weise. Dabei war die indu­stri­el­le Vernichtung jüdi­schen Lebens unter den Nazis nur der Höhepunkt einer Entwicklung, die beson­ders nach dem Ersten Weltkrieg sich in all­täg­li­cher Hetze und Mordaufrufen aus­drück­te. Sie traf die Kommunistin und Jüdin Rosa Luxemburg eben­so wie den Industriellen und Juden Walther Rathenau.

          Sascha Wissarionowitsch macht aus den Opfern von damals die Erfinder einer "reak­tio­nä­ren Konzeption" der "jüdi­schen Bourgeoisie", die "das jüdi­sche Proletariat vom Klassenkampf ablen­ken" soll­te. Letzteres trifft so zu wie auf nahe­zu jede ideo­lo­gi­sche Schule im Kapitalismus. Der Trick ist, völ­lig unhi­sto­risch die dama­li­ge (1988) und heu­ti­ge Politik Israels zum Beweis zu neh­men. Wäre er der Kommunist, als der er sich aus­gibt, wür­de er die Frage nach den Interessen und der Verantwortung der unter­schied­li­chen Kapitalfraktionen beleuch­ten. Er wür­de dar­auf kom­men, daß die Spaltung nicht nur der Arbeiterbewegung in deren Interesse liegt. Er wür­de fest­stel­len, daß die heu­ti­ge Forderung an Zugewanderte, sich zu "inte­grie­ren" einer ähn­li­chen Geisteshaltung ent­springt wie die der klas­si­schen Antisemiten, für die Juden so wenig zum deut­schen Volk gehör­ten wie heu­te islam­gläu­bi­ge Menschen. 

          Ich habe mit Religionsgemeinschaften und ihren Heilsversprechen nichts am Hut und sehe sie ganz über­wie­gend als Stabilisierungsorgane der her­ge­brach­ten Herrschaft an. Eine Auseinandersetzung dar­über, in wel­chem Maße sie zur Stärkung selbst reak­tio­nä­rer und tota­li­tä­rer Regime bei­tra­gen, ist bei Juden wie Islamgläubigen so berech­tigt wie bei Katholiken oder Hindus. Das erfor­dert aber mehr als das Rausrotzen ver­kürz­ter Analysen.

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