Mächtige Bildsprache

Der pri­vat­ver­si­cher­te Lobbyist ist über­zeugt: "Wenn jemand einen Teil sei­ner Gesundheitskosten selbst tra­gen muss, geht er häu­fig bewuss­ter mit Leistungen um. Diese Erfahrung ken­nen wir auch aus ande­ren Versicherungsbereichen. Das kann dazu bei­tra­gen, die Gesamtausgaben zu sen­ken.".

7 Antworten auf „Mächtige Bildsprache“

  1. "Wenn jemand einen Teil sei­ner Gesundheitskosten selbst tra­gen muss, geht er häu­fig bewuss­ter mit Leistungen um"

    Das stimmt. Dann geht er näm­lich nicht mehr zum Arzt, nimmt Leistungen nicht in Anspruch, ist krän­ker, und stirbt auch früher.

    Hahaha, da hat er gut Lachen, der Industrie- und Handelslobbyist.

  2. Die pri­va­ten Krankenversicherungen para­si­tie­ren an einem Gesundheitssystem, das von den gesetz­lich Versicherten finan­ziert wird. Deshalb kön­nen sie es sich lei­sten, den Ärzten ihr Säckel zu ver­gol­den, wäh­rend bei den GKV-Mitgliedern die Leistungen gestri­chen, und sie zu Patienten zwei­ter Klasse gemacht werden.

    Die Privaten gehö­ren abge­schafft, und Leute wie­der DIHK-Präsident pflicht­ver­si­chert. Dann gehen sie erfah­rungs­ge­mäß auch bewuss­ter mit ihren Worten um.

  3. Auch die­ser Herr bezieht sein Einkommen aus einer Zwangsabgabe (Zwangsmitgliedschaft bei der IHK, mit ande­ren Worten aus den Taschen der mei­sten Arbeitnehmer und vie­ler Selbstständiger die­ses Landes). Alles, was Arbeitgeber an Abgaben und Steuern zah­len müs­sen, kommt letzt­end­lich von den arbei­ten­den Arbeitnehmern.

    Wenn der nun posaunt, daß eine höhe­re Reichensteuer das fal­sche Signal sei, dann soll­te man vor­sich­tig sein, was man dar­auf erwi­dert. Immerhin mani­pu­liert er ganz offen mit der Beteiligung an den Gesundheitskosten. Der tut so, als wären die Leistungen des Gesundheitssystems kosten­los, was miß­braucht wür­de. Tatsächlich wer­den die Kosten durch die Beträge zur Krankenkassenversicherung finan­ziert, einem wei­te­ren zwangs­fi­nan­zier­ten Trog in die­sem Land. Was der for­dert, ist die dop­pel­te (!) Berechnung von Leistungen zum Nachteil der Beitragszahler. Der bedient sich selbst eines zwangs­fi­nan­zier­ten Troges und for­dert gleich­zei­tig eine deut­li­che Erhöhung der Zahlungen in einen ande­ren zwangs­fi­nan­zier­ten Trog, wobei er einen wich­ti­gen Teil der Wahrheit unterschlägt.

    Wenn der nun von einer "Reichensteuer" als einem fal­schen Signal spricht, dann wer­den ver­mut­lich die mei­sten Zuhörer und Leser dem wider­spre­chen, ganz nach dem Motto: Mehr Abgaben für die Reichen, hur­ra! Dabei wird ein wei­te­res wich­ti­ges Detail ver­schwie­gen: Wer sind die­se "Reichen"? Das sind tat­säch­lich auch Arbeitnehmer am unte­ren Ende eines mitt­le­ren Einkommens, denen schon lan­ge nicht mehr am Monatsende genug übrig bleibt, um z. B. für eine Eigentumswohnung oder ein klei­nes Haus als Altersvorsorge zu sparen.

    Seid vor­sich­tig mit Euren Wünschen, sie könn­ten in Erfüllung gehen.

  4. "Der deut­sche Monopolkapitalismus arbei­tet heu­te auf einer "staat­li­chen" Basis, die dar­in besteht, dass der poli­ti­sche Machtapparat die pro­le­ta­ri­schen und klein­bür­ger­li­chen Massen poli­tisch unter­drückt und öko­no­misch nie­der­hält, was die Produktion des Mehrwerts erleich­tert, und dass er ausser­dem die für den Ankauf von Kriegsmaterialien erfor­der­li­chen Mittel bereit­stellt, was die Realisierung des Mehrwerts ermög­licht. Es ist ein offe­nes Geheimnis, dass ein gro­sser Teil die­ser Mittel weder aus Steuern, noch aus "ech­ten" Anleihen her­rührt, son­dern eine kurz­fri­sti­ge Verschuldung des Staates bei den Banken, Sparkassen usw. dar­stellt. Es gibt aber auch Dauer kein unge­deck­tes Defizit, und das, was der Staat ver­aus­gabt, muss in der einen oder ande­ren Form von denen bezahlt wer­den, über die er sei­ne Steuerhoheit gel­tend machen kann.
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    Den kom­men­den Vernichtungsfeldzug gegen die Wohlfahrtserwerbslosen hat der Leiter der natio­nal­so­zia­li­sti­schen Kommission für Wirtschaftspolitik, Bernard Köhler, in der schwer­indu­stri­el­len "Deutschen Bergwerkszeitung" am 28.12.1935 mit fol­gen­den Worten ange­kün­digt: "Die Auslese durch einen schar­fen Daseinskampf wird vor allem die Anzahl der unso­zia­len [= a‑sozialen] Elemente ver­rin­gern, die, obwohl sie noch zu den Erwerbslosen gezählt wer­den, in Wirklichkeit kei­ne Opfer des Kapitalismus sind, son­dern Degenerierte, Abfälle des Volkes, die, je eher desto bes­ser, ver­schwin­den mögen. Sie wer­den vor die Wahl gestellt wer­den, ent­we­der zu arbei­ten oder zugrun­de zu gehen. Die Volksgemeinschaft wird sie dar­an ver­hin­dern, das Nationaleinkommen zu ver­rin­gern." (Die Finanzpolitik des Nationalsozialismus. Krieg und Krise ("Abgeschlossen im Juni 1936") von Alfred Meusel, in: Freie Wissenschaft. Ein Sammelbuch aus der deut­schen Emigration, her­aus­ge­ge­ben von E. J. Gumbel, Sebastian-Brant Verlag, Strasbourg 1938, S. 194 /​S. 196)

  5. @holger blank 13.07.26 21:05:

    Interessante Argumentation von Bernard Köhler. Ein sol­cher Sprachgebrauch wäre heu­te nicht mehr oppor­tun. Statt "arbei­ten oder zugrun­de gehen" spricht man von "Fordern und Fördern", statt "ver­schwin­den mögen", sagt man: "Totalsanktion", statt "Volksgemeinschaft" heißt es: "Steuerzahler", statt "Daseinskampf", sagt man: "Wer nicht arbei­ten will, soll auch nicht essen", "Degenerierte Abfälle des Volkes", nennt man heu­te: "Arbeitsverweigerer".

    Man sieht: Die Begriffe haben sich geän­dert. Der Geist ist noch vorhanden.

    Allein die ehe­ma­li­ge SPD‑, und heu­ti­ge Vorsitzende der Arbeitsagentur, woll­te bei "Harten Brocken" ledig­lich "die Zügel anzie­hen". (Zitat Andrea Nahles) Soviel Humanität lässt sich kaum ertragen.

  6. Wenn man "Die Reichen" ein­fach pflicht­ver­si­chert, müss­ten sie nicht so viel in pri­va­te Krankenkassen rein­stecken oder sel­ber bezah­len, die Armen! Aber war­um soll­ten sie eine Pflichtversicherung für sich selbst anord­nen lassen?

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