
»… Das Risiko für das Auftreten von Krebs wuchs bei den Vielsitzern durchschnittlich mit jeder Stunde an. Jede zusätzliche Stunde Sitzen pro Tag geht im Schnitt mit einem um neun Prozent erhöhten Risiko einher, an Krebs zu sterben…«
Ich habe mich schon nicht an Jens Spahn gehalten, der 2021 prophezeite, zum Ende des Winters sei jeder "geimpft, genesen oder gestorben". Berndt unterschlägt mit Titel und Einleitung sowie der KI-generierten Zusammenfassung Wesentliches.
»… Für die im Fachblatt Plos Medicine veröffentlichte Studie hatten die Wissenschaftler um Frederick Ho von der Universität Glasgow die Daten von mehr als 90 000 Britinnen und Briten analysiert, die Anfang der 2000er-Jahre in der UK Biobank erfasst wurden…«
Sie führt eine Präventionsmedizinerin an, die "die Studie methodisch besonders hochwertig" sieht. Eine zweite Meinung kommt im Text zwar vor, spielt aber bei Titel und Anmoderation keine Rolle: Ein Biostatistiker der Universität Cambridge gibt zu bedenken:
»… Auch wenn die Autoren lobenswerte Anstrengungen unternommen haben, kann man unmöglich sicher sein, dass alle relevanten Faktoren berücksichtigt wurden“, so Burgess. Etwas unbefriedigend ist auch, dass die Aktivität der Testpersonen nur eine Woche lang gemessen wurde; bei manchen mag die Woche nicht repräsentativ gewesen sein, andere mögen danach ihren Lebensstil deutlich verändert haben.«
Doch Berndt insistiert:
»Dennoch steht der Zusammenhang von übermäßigem Herumfläzen und verschiedensten organischen Erkrankungen, darunter auch Krebs, kaum mehr infrage…«
Ich will überhaupt nicht bestreiten, daß Sport an der frischen Luft gesünder ist als stundenlanges Bloggen aus dem verqualmten Zimmer. Es liegt mir auch fern, die Krebsrisiken durch unkluge Lebensführung zu verharmlosen. Berndts wie stets gläubiges Verhältnis zu Studien und ihre Art zu skandalisieren, ist allerdings das Gegenteil von Wissenschaftsjournalismus. Dazu gehört auch, was "Wunder wirkt":
»…Diejenigen Testpersonen nämlich, die in der Studie selten länger als 30 Minuten am Stück saßen und zwischendurch immer wieder aufstanden, hatten sogar ein besonders niedriges Risiko, an Krebs zu sterben…
Und wenn man dabei richtig aktiv ist – etwa nicht den direkten Weg zur Toilette geht, sondern das WC drei Stockwerke über dem eigenen Arbeitsplatz aufsucht, hat man auch gleich etwas für seine Herz-Kreislauf-Fitness getan…«
Zum Eindruck von Inkompetenz trägt auch bei, daß der von ihr genannte Link nur auf den eigenen Artikel führt. Hier ist der richtige: journals.plos.org (2.7.26).
Dort heißt es:
»... Jede zusätzliche Stunde pro Tag, die mit anhaltendem sitzendem Verhalten verbracht wurde, war mit einem um 10 % höheren Risiko für den Tod durch Krebs verbunden, während jede zusätzliche Stunde mit unterbrochenem sitzendem Verhalten mit einem um 19 % geringeren Risiko für den Tod durch Krebs verbunden war…«
Das eine Prozent weniger Risiko, das Berndt anführt, sei ihr verziehen. Nicht aber die Unterschlagung der folgenden Passage, auch wenn sie neben der enthusiastischen Stimme auch die eines kritischen Experten zitiert:
»… Diese Ergebnisse sollten mit Vorsicht interpretiert werden, da die Studie keinen Kausalzusammenhang nachweisen kann, die Freiwilligen der UK Biobank möglicherweise nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sind und der Aktivitätsmesser das Verhalten nur über einen begrenzten Zeitraum erfasst hat, ohne den Kontext des sitzenden Verhaltens – wie beispielsweise Arbeit, Fernsehen oder Autofahren – zu berücksichtigen…«
Ich will gar nicht näher darauf eingehen, daß ausschließlich Menschen in die Studie einbezogen waren, die ein water resistant Exemplar eines bestimmten Herstellers von Armbanduhren tragen wollten:

Oder darauf, daß von den Teilnehmenden 1,9 % an Krebs verstarben, bei einem Durchschnittsalter von 56 Jahren – in der BRD waren es im Jahr 2022 über alle Altersgruppen 0,3 % ( gco.iarc.who.int, Abruf 5.7.26).
Wer Interesse hat, möge sich ein eigenes Bild machen.

Sie ist ja zugegebenermaßen immer wieder für einen Lacher gut.
Allerdings bekommt sie m.M.n. mittlerweile ein bißchen zuviel der Ehre/Präsentation. Daß die Frau mehr als einen Schuss weghat und fast ausschließlich grotesken Blödsinn absondert, ist ja nun schon seit längerem bekannt.
Dem muss man nicht unbedingt permanent eine Bühne bieten.
Da kann ich ebensogut Binge-watching von "Nonstop Nonsense" machen. Hat ein deutlich höheres Niveau.
Also: Zwischendurch mal aufstehen, dann ist alles gut.
Und daraus macht man einen Zeitungsartikel?
Die brauchen solche Leute. Ich frag' mich immer nur, wo kommen die her .… ? Das muß ich mich als sozial-ausgegrenzter aber sehr oft fragen. Soweit nichts ungewöhnliches.
Sie sollte sich ernsthaft mit Nessy beschäftigen. Das hat im "Sommerloch" Tradition.
Und nun zur "Brodt Challenge": Sterben Rollstuhlfahrer deutlich häufiger an Krebs, als dies bei anderen Teilen von Bevölkerungen der Fall ist? Wie ist die Verteilung der Krebsarten und welchen Einfluss haben eingesetzte Sparmaßnahmen auf die Lebenserwartung?
Es soll Menschen geben die hatten Krebs und es gar nicht bemerkt. Und es gibt Menschen die haben Krebs weil man es ihnen gesagt hat.
@Erfordia.….
Wer sich Studien zu Herzen nimmt wird krank, wer nicht wird reich.
Laut Brodt wär er eigentlich schon tot, und luftfahttechnisch könnte die Hummel nicht fliegen.
Man muß Wissenschaft nicht wörtlich nehmen. Doch Vorsicht, man könnte. Es ist wie mit Allem in diesem verzwickten Leben. Man muß es zu interpretieren wissen.
Wenn nicht, weicht man dem aus. Schelme würden es jetzt natürlich interpretieren. Ich bin gegen Rechtsschreibkorrektur! 🙂
Bloß, im Gegensatz zum Brodt, verdiene ich keinen müden Heller damit. Gerecht ist das ja nicht .….. hmpfff