Stellen wir uns einmal vor: In der Stadt bricht ein großer Brand aus. Die anrückenden Feuerwehrleute kontrollieren die Umstehenden, ob sie Streichhölzer oder Feuerzeuge dabei haben. Ist dies der Fall, organisieren sie eine Quarantäne für die Betroffenen. Ferner erstellen sie Listen zur Nachverfolgung des Erwerbs der potentiellen Feuererreger. Unterdessen stürzen sich Menschen aus Verzweiflung aus den brennenden Häusern. Als endlich gelöscht wird – zuvor mußte wegen des Qualms eine Maskenpflicht durchgesetzt werden, man hatte also alle Hände voll zu tun – waren einige Opfer mit schweren Verbrennungen zu beklagen.
Würde man sagen, dafür sei in erster Linie das Feuer verantwortlich? Genau so argumentiert die ehemalige linke Berliner Sozialsenatorin Katja Kipping in ihrem Vortrag vor der Corona-Enquete-Kommission am 16.6.26. Sie sprach dort für den Paritätischen Gesamtverband, deren Funktionärin sie inzwischen ist.
»… Höheres Risiko für einen schweren Verlauf, intensivere Beeinträchtigung durch Lockdown-Maßnahmen und stärkere Betroffenheit bei Pandemie bedingten Einkommenseinbußen – ärmere Menschen gehörten also im dreifachen Sinne zu den Verlierern der Pandemie.…«
bundestag.de (16.6.26)
Gehen wir der Einfachheit halber davon aus, daß Kipping überzeugt ist, daß das, was landläufig Pandemie genannt wird, so gefährlich war wie ein Großbrand bzw. noch wesentlich bedrohlicher.
Zutreffend beschreibt sie, daß allgemein ärmere Menschen höhere Erkrankungsrisiken aufweisen, sie in beengten Wohlverhältnissen stärker beeinträchtigt wurden durch Lockdowns und ihre Einkommenseinbußen sie empfindlicher trafen als gut Verdienende. Nur: Nichts davon hat die "Pandemie" verursacht. Alle Faktoren sind sozialen und politischen Entscheidungen geschuldet, die sie als damalige Senatorin so unnachsichtig wie unempathisch mit zu verantworten hat.
»…Wer in einem Haus mit eigenem Garten und Trampolin lebte, der verfügte zumindest über eine gewisse Ausweichmöglichkeit, als die öffentlichen Spielplätze geschlossen waren. Für Kinder, die in engen Wohnverhältnissen lebten, stellte das Lernen zu Hause eine größere Herausforderung dar als für Kinder mit eigenem Kinderzimmer und eigenem elektronischen Endgerät…«
Einverstanden. Doch hat die "Pandemie" Spielplätze und Schulen geschlossen? Nein, es waren PolitikerInnen wie Kipping. Mag man ihnen für den Anfang noch Vorsicht und Unsicherheit zubilligen – wenn auch der jähe Positionswechsel Drostens hin zu diesen rigiden Maßnahmen auch sie vielleicht hätte mißtrauisch machen können – so besteht für spätere Zeiten kein Anlaß dazu. Hat Frau Kipping sich jemals mit dem schwedischen Weg beschäftigt oder mit den zahllosen wissenschaftlichen Stimmen, die recht bald unüberhörbar darlegten, daß Kinder weder sonderlich gefährdet noch erst recht gefährdend waren?
Gagaesk klingt ihre Schlußfolgerung:
»… Um diese Härten abzufedern, sind zukünftig öffentliche Lernorte vorzuhalten, also Orte, an denen Kinder außerhalb der eigenen Wohnung bzw. jenseits vom häuslichen Trubel lernen können. Sei es in Schulen, Stadtteilzentren oder Bibliotheken…«
Die Folgen von Schulschließungen sollen gemildert werden, indem Kinder öffentliche Lernorte wie Schulen aufsuchen?
An Kontaktbeschränkungen, die die ganze Zeit über nicht nur in Berlin massenhaft kreativ umgangen wurden, hält Kipping fest. Sie sollten nur ein wenig flexibler gehandhabt werden und etwa "der familiären Verbindung in Patchwork-Familien entsprechen". Hätte womöglich im Einzelfall gar eine Alleinerziehende mit ihren Kindern Zutritt zu eingezäunten und bewachten Weihnachtsmärkten erhalten, wenn sie nicht "geimpft" gewesen wäre?
Selbst die besonders perfide und von ihr beklagte Einschränkung des ohnehin unwürdigen Systems der Tafeln (auf das damals 1,6 Mio. Menschen angewiesen waren), schiebt sie der "Pandemie" in die Schuhe:
»… Zugleich fielen Angebote wie das kostenfreie oder gestützte Mittagessen in Kitas und Schulen während deren Schließung weg. (Im März 2020 gab es 436.000 Leistungsberechtigte mit festgestelltem Anspruch auf die Leistungsart Mittagsverpflegung.) Andere Unterstützungsangebote wie Lebensmittelausgabestellen der Tafeln mussten zum Schutz der oft älteren Ehrenamtlichen ihre Angebote einschränken…«
Die auch von Kipping inszenierte Panikstimmung führte sogar dazu, daß vielerorts die Tafeln "Ungeimpfte" von dieser Art der kärglichen Grundsicherung ausschlossen.
Die soziale Masche prägt durchgängig das Verhalten der Linkspartei in der Enquetekommission, ohne daß sie bereit wäre, auch nur einen Millimeter der Coronapolitik grundsätzlich zu befragen. Da wirkt es schlüssig, wenn Kipping auch für kommende Kriege (die sie nicht direkt erwähnt, die aber eine logische Fortsetzung ihrer Aufzählung darstellen) soziale Gerechtigkeit anmahnt:
»… Auch aktuelle Krisen wie extreme Hitze, drohende Unwetter oder Vorsorge für mögliche Katastrophenfälle wie Stromausfälle sowie eine vom Katastrophenschutz empfohlene vorausschauende Bevorratungspolitik erfordern finanzielle Mittel, die über die alltäglichen Ausgaben hinausgehen. Resilienz setzt insofern auch ein Mindestmaß an finanziellem Spielraum voraus...«
Wie glaubwürdig ist ihr Mitgefühl mit den Beschäftigten, die unter den auch von ihre verordneten Maßnahmen zu leiden hatten?
»… Mit Beginn der Pandemie waren die Beschäftigten in sozialen Einrichtungen enorm gefordert. Es galt, Hygiene-Konzepte abzustimmen und zu implementieren. Es galt, Masken zu tragen, was häufigere Pausen zum Durchatmen erforderte. Es galt, der Klientel der Einrichtung und deren Angehörigen die neuen Regeln zu erklären u.v.a.m. All dies erforderte Zeit und Personalstunden, die bei den bisherigen Personalplanungen nicht eingeplant waren. Und all dies erfolgte in einer Situation, in der die Beschäftigten auch selbst privat durch Schließung von Kitas, Schule oder Erkrankungen in der eigenen Familie besonders gefordert waren…«
Kipping führt eine lange Liste an, die sie als soziale Wohltäterin in Berlin darstellen soll. Darin finden sich so groteske Punkte wie:
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- »…Einsatz von „Infektionsschutz-Transporte" für obdachlosen Personen [sic]: Positiv getestete Personen wurden durch die „Covid-Einheit" der Taskforce Obdachlose von ihrer Notunterkunft in eine offizielle „Quarantäne-Unterbringung" gefahren. Hierfür wurde ein Teil der Belegschaft in Hygiene-Sicherheit geschult. Der Dienst, in der „Covid-Einheit", war freiwillig und wurde in Vollschutzkleidung verrichtet.
- Einrichtung einer Quarantäne-Station für an Covid erkrankte Obdachlose in der Stadtmission: Quarantäne stellt für Obdachlose eine besondere Herausforderung dar, deshalb kamen in dieser Einrichtung Beschäftigte zum Einsatz, die im Umgang mit Obdachlosen Erfahrung hatten. Dies entlastete auch die klassischen medizinischen Einrichtungen.
- Einsatz mobiler Impfteams in Wohnungsloseneinrichtungen, um die Barrieren zu senken…«
"Positive Erfahrungen gehören auf den Merkzettel für die Zukunft"
Für Kipping sind das die Notlösungen, zu denen die Beschäftigten unter den Bedingungen von Lockdowns gezwungen waren. Etwa das beschönigende "Walk and Talk". Da soziale Einrichtungen unnötiger Weise sehr lange geschlossen waren, verfielen sie auf das Angebot, mit ihren KlientInnen Spaziergänge zu unternehmen. Das war besser als gar keine Hilfe, aber mit Sicherheit keine positive Erfahrung. Ebenso wenig wie die schon datenschutzrechtlich bedenklichen "Krisenchats":
»… Zu den positiven Erfahrungen der Pandemie zählt zudem, dass in der Sozialen Arbeit neue Formen entwickelt wurden. Dazu gehört die Ergänzung des Leistungsspektrums um digitale Angebote, Krisenchats sowie besondere Formen der aufsuchenden Arbeit, z. B. Walk and Talk. Einiges davon bereichert inzwischen die Arbeit auch nach der Pandemie...
Insgesamt war die Pandemie für Gewaltschutzeinrichtungen, Frauenschutzhäuser und Beratungsstellen eine sehr schwere Zeit. Einerseits stieg der Bedarf an Plätzen, anderseits waren auch sie von den Einschränkungen betroffen. Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass einige wenige Bundesländer in der Zeit Sonderfonds und Unterstützungsleistungen für das Gewaltschutzsystem einrichteten...«
Es ist erbärmlich.
Siehe neben anderen Beiträgen hier:

Vielleicht sollte Kipping sich zu Gemüte führen, was der damalige gesundheitspolitische Sprecher der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus, Wolfgang Albers, zum Thema zu sagen hat:
Oder zurückblicken auf ihre Untaten und die ihrer SenatsgenossInnen:
Aus der Kategorie "Berliner Protokolle":

Das BRD-Gesundheitswesen sollte eigentlich Krankheitswesen heißen. Weil es die Menschen nicht gesund macht sondern krank.
@Erfordia.….
Man sagt heutzutage auch "Systemanbieter" dazu. Bloß im Gesundheitswesen (ausgerechnet) wirkt sich Geschäftssprache geschäftsschädigend aus. Eine Besonderheit!
Übrigens – nicht vergessen! Jemandem Schaden zufügen ist eine Straftat. Eigentlich ist man ja im Staatswesen an die Rechtspflicht gebunden.
Wird aber oft (und gerne) "übersehen"! Das liegt bestimmt an der Korruption, die uns in weiten Teilen bereits im Griff zu haben scheint.
Gut, daß die "Verdienste" solcher Menschen, die für mich ob ihres Verhaltens mit zum Widerlichsten gehören, was diese Welt hervorbringen kann, immer wieder ins Bewußtsein gerufen werden.
Mit dem immergleichen Gemisch aus Selbstdarstellung, Opportunismus, Technokratie, völliger Seelenlosigkeit uvm.
Ihr asoziales Benehmen Frau Wagenknecht gegenüber sollte dabei auch nicht vergessen werden. Bei solchen Menschen kann man Max Liebermann gar nicht oft genug zitieren.
Ich habe oft den Verdacht, dass bekannte Politiker den ganzen Kram, den sie so öffentlich äußern, komplett von oft lebensunerfahrenen PR-Textern schreiben lassen. Ist in der Unternehmenskommunikation ja schon lange üblich, dass man dem Chef seine "eigenen Worte" in den Mund legt.
Diese Leute waren in einer pandemischen virtuellen Welt gefangen. Die meisten sind es noch heute. Mit Fakten sind sie nicht zu überzeugen.
Die Arbeit [der] Wohlfahrtsverbände wird zu weit über 90 Prozent aus staatlichen Mitteln bzw. den Sozialversicherungen finanziert.
https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Wohlfahrtspflege#Finanzierung
Auch Frau Kipping beißt nicht die Hand, die sie füttert.