Zwischen Wahn und Ernüchterung

Die Anzeige steht für eine deut­sche Politik, deren US-Pendant laut die­sem Kommentar gera­de kra­chend schei­tert. Es ist nicht sei­ne Absicht, doch der Text lie­ße sich mühe­los auch als eine Analyse des deut­schen und EU-Vorgehens gegen Rußland lesen:

»… Im Grunde hat Trump bis­her nur ein Problem besei­tigt, das er selbst geschaf­fen hat: Die Straße von Hormus soll wie­der geöff­net wer­den, aller­dings künf­tig womög­lich mit Gebühren. Beim Atomprogramm dage­gen keh­ren bei­de Seiten zu Verhandlungen zurück. Dass da eine Einigung mög­lich wird, die sub­stan­zi­ell über das von Trump stets ver­damm­te Atomabkommen Obamas hin­aus­geht, ist unwahrscheinlich.

Alles ande­re ist vom Tisch: Einen Regimewechsel in Teheran wird es nicht geben. Was mit dem ira­ni­schen Raketenprogramm geschieht, ist offen. Seine Stellvertreterarmeen behält das Land. Ein neu­er Naher Osten ist das nicht, es sieht mehr aus wie ein neu­es Kapitel im alt­be­kann­ten Nahen Osten.

Trump dach­te, er kön­ne die­sen Krieg spie­lend gewin­nen, und es gab in Washington offen­bar nie­man­den, der ihm das aus­re­den woll­te oder konn­te.…«


Doch selbst aus dem Scheitern Trumps ler­nen die euro­päi­schen Trittbrettfahrer nicht:

Britische und fran­zö­si­sche Regierungen waren schon bei Gewalteskalationen im Irak und Libyen ganz vor­ne dabei. Merz und Pistorius wol­len nun die Scharte aus­wet­zen, die damals Schröder, gestützt auf eine gro­ße Bevölkerungsmehrheit und rie­si­ge Demonstrationen, mit sei­ner dama­li­gen Zurückhaltung zu ver­ant­wor­ten hat.

Es wird Bezug genom­men auf eine gemein­sa­me Mitteilung von Bundeskanzler Friedrich Merz, dem fran­zö­si­schen Präsidenten Emmanuel Macron, der ita­lie­ni­schen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und dem bri­ti­schen Premierminister Keir Starmer – alle­samt in für sie bes­se­ren Zeiten als Kolonialmächte in Afrika und Asien tätig:

»… Man sei ent­schlos­sen, „unse­ren Teil dazu bei­zu­tra­gen“ durch eine „rein defen­siv aus­ge­rich­te­te, unab­hän­gi­ge Mission, um die Handelsschifffahrt zu ermu­ti­gen und Minenräumung durch­zu­füh­ren“…«

Als rein defen­siv hat auch Trump sei­ne Militärschläge bezeichnet.

»… Sollte es zu einer Mission ent­lang der Straße von Hormus kom­men, kämen dafür neben den bei­den Einheiten vom 3. Minensuchgeschwader auch Aufklärungskapazitäten zu Lande und zur Luft infra­ge. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat­te zudem in Aussicht gestellt, dass Deutschland Stabs- und Führungspersonal ent­sen­den könn­te…«

Sie haben ein­fach den Schuß nicht gehört. Der Flugzeugträger ist übri­gens die "Charles de Gaulle", Pistorius hat zum Glück nichts Gleichwertiges im Angebot.

9 Antworten auf „Zwischen Wahn und Ernüchterung“

  1. "Was mit dem ira­ni­schen Raketenprogramm geschieht, ist offen"

    Das ist wohl eine Wunschvorstellung. Glaubt ernst­haft jemand, der Iran wür­de sei­ne Option aus der Hand geben, sich gegen schieß­wü­ti­ge Cowboys und deren Proxys zu ver­tei­di­gen? (Pieppiep – Vögelchen)

    "Seine Stellvertreterarmeen behält das Land."

    Natürlich bleibt Israel auch wei­ter­hin ame­ri­ka­ni­scher Statthalter im Nahen Osten. Jemand muss dort ja die "Drecksarbeit" erle­di­gen. Das ist sogar deut­sche Staatsrasur.

  2. Kürzlich eine klei­ne Doku über Staatsschulden. Die wären nicht per se schlecht, hieß es. Man müs­se nur das Richtige damit machen. Investitionen sei­en gut. Konsum sei schlecht. 

    Eine schlaue Dame hat es erklärt: Wenn man Schulden macht, um damit ein Auto zu kau­fen, mit dem man her­um­fah­ren kann, das ist Konsum. Davon kommt nix. Wenn man von dem Geld aber ein Taxi kauft, das wäre Investition. Das sei gut.

    Was die Staatsdoku unter­schlägt: Investitionen ren­tie­ren sich nur, wenn jemand die damit her­ge­stell­ten Produkte und ange­bo­te­nen Dienstleistungen kauft. Die Investition in das Taxi ist raus­ge­wor­fen Geld, wenn es nie­mand mietet.

    Irgendjemand muss also kon­su­mie­ren. Die Deutschen dür­fen es nicht, die müs­sen spa­ren, sagen der Geldkanzler und sei­ne Getreuen. Also müs­sen ande­re stell­ver­tre­tend die deu­schen Konsumausgaben machen. Das ist moder­ner Imperialismus.

    Deutschland kann es ein­fach nicht las­sen, ande­re Länder aus­zu­beu­ten, und sei­ne Bürger sind die Heloten, die auf dem Zahnfleisch gehen, damit ihre Herren die Welt erobern können.

    1. > Investitionen ren­tie­ren sich nur, wenn jemand die damit her­ge­stell­ten Produkte und ange­bo­te­nen Dienstleistungen kauft.

      Das ist lei­der falsch. Denn Profite ent­ste­hen ja schon vor­her infol­ge Spekulation an den Börsen, dem Handeln mit Lizenzen, Schürfrechten usw. und haupt­säch­lich in der Phase der Produktion wo mensch­li­che Arbeitskraft in Mehrwert umge­wan­delt wird.

      MFG

      1. @Erfordia…: Das ist lei­der falsch. Kapital ver­mehrt sich in der Tat pri­mär dadurch, daß mensch­li­che Arbeitskraft in den Wert von Waren ein­fließt. Nur muß die­ser Mehrwert auch rea­li­siert wer­den, indem die Waren ver­kauft wer­den. Nur Arbeitskraft aus­zu­beu­ten ohne die­sen Verkauf, ver­mehrt kein Kapital. 

        Gewinne an der Börse beinhal­ten wie die am Spieltisch kei­ne Wertschöpfung. Nicht zuletzt des­halb kommt es immer wie­der zu Crashs, weil die­se Spekulation durch die Realwirtschaft nicht gedeckt ist.

        1. > Gewinne an der Börse beinhal­ten wie die am Spieltisch kei­ne Wertschöpfung

          Das ist rich­tig @aa. Besser gesagt, es ent­steht da kein Mehrwert weil die Ware nicht ver­än­dert wird. Und sehen Sie, genau das ist, was den Kapitalismus stän­dig mit Krisen erschüt­tert: Überproduktion, Schiebereien und Spekulationsgeschäfte.

          Eben weil der Profite wegen pro­du­ziert wird und nicht etwa um Bedürfnisse zu befrie­di­gen. Von daher ist es einem Produzenten scheiß­egal ob sei­ne Produkte von irgend­wem gekauft wer­den oder auf der Müllhalde landen.

          So hat ein Landwirt sei­nen Profit längst im Säckl noch bevor er die Saat auf den Acker bringt. Ob sein Korn ver­heizt, ver­stromt oder ver­backen wird inter­es­siert einen heu­ti­gen Landwirt nicht im Geringsten.

          Und auch die Tatsache daß die klei­nen Bauern um ihr eige­nes Überleben kämp­fen, also auf den Verkauf ihrer Produkte ange­wie­sen sind ändert nichts an die­sen Prinzipien son­dern bestä­tigt nur:

          Niemand pro­du­ziert um Bedürfnisse zu befriedigen.

        2. Und noch etwas lie­ber @aa. Aufgrund der Produktionsziele wird nicht alles ver­kauft was pro­du­ziert wird, es ent­steht eine Überproduktion und die wie­der­um führt dazu daß frisch pro­du­zier­te Ware ohne Umschweife auf der Müllhalde lan­det, egal ob Lebensmittel, Schuhe, Kleidung, PKWs, Impfstoffe, Masken usw. 

          Auf die­se Art und Weise wer­den Profite bereits erreicht wenn nur ein Teil ver­kauft wird, der Rest jedoch wird ver­nich­tet damit die Preise nicht sin­ken. Milch und Butter lan­den ton­nen­wei­se im Ozean – Das ist der real exi­stie­ren­de Kapitalismus! Also von wegen Welternährung und so und mit der Stromerzeugung läuft das ganz genau­so wie mit Öl un Gas u.a. Energieträgern.

          Natürlich kön­nen Sie ger­ne auf Wurst und Fleisch ver­zich­ten, selbst wenn das gan­ze Sekten tun, es ändert nichts an den Zielen der Produktion, nichts an der Art und Weise der Tierhaltung und auch nichts dar­an, daß Wurst und Fleisch wei­ter­hin pro­du­ziert werden.

  3. die deut­schen müs­sen mit­ma­chen, um in echt erfah­run­gen zu machen, um daten zu sam­meln, um tech­nik und logi­stik zu testen. es ist gar nicht böse gemeint, son­dern gehört zum pro­jekt "kriegs­taug­lich­keit".

  4. Weder Trump noch der Iran hat zu bestim­men wer durch die Straße von Hormuz fährt. Das sind alles nur üble Spielchen aber im Grunde nichts Neues. Hafenblockaden und Piraterie gehö­ren zum Repertoire des moder­nen Kapitalismus.

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