Winke-winke mit Pinkepinke. Und ab

287 Millionen plus Zinsen, das will ein Hamburger Unternehmen vom Bund – für nicht gelie­fer­te Masken. Warum auch nicht? Andere haben mit falsch anzei­gen­den Schnelltests oder nicht vor­han­de­nen Impfstellen ihr Geld machen kön­nen. Von den Milliarden für Biontech, Pfizer & Co. zu schwei­gen. Auch in die­sem bizar­ren Fall hat anschei­nend Jens Spahn Mißbrauch Vorschub geleistet.

dpa /​mz​.de (10.6.26)

»... Die Firma beruft sich auf Telefonate und Mails mit dem dama­li­gen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und mit Beamten des Ministeriums. Sie for­dert 287 Millionen Euro plus Zinsen, was sich laut Klägerin auf 464 Millionen Euro sum­miert. Das Ministerium wer­tet die Kommunikation hin­ge­gen nicht als Kaufvertrag…

Der Kläger ist der Hamburger Textilhändler Pure Fashion Agency, des­sen Chef Matthias Timm im März 2020 einen über­ra­schen­den Telefonanruf vom dama­li­gen Gesundheitsminister bekam. Danach tausch­te Timm diver­se Mails mit Spahn und zustän­di­gen Beamten aus…

In vie­len Fällen, die vor Gericht lan­de­ten, setz­ten sich die Lieferanten durch. Der Bund muss sich daher auf hohe Zahlungen ein­stel­len. Laut Bundesgesundheitsministerium sind der­zeit rund 90 Verfahren mit einem Gesamtstreitwert von 2,3 Milliarden Euro anhän­gig. Die Zinsen kämen noch dazu, soll­ten die Forderungen zu einer Zahlungspflicht für den Bund werden…

Bundesminister Spahn bat den Textilhändler Matthias Timm am 8. März 2020 tele­fo­nisch um Hilfe. Danach tausch­ten Spahn und der Firmenchef Mails aus, in der das Geschäft vor­an­ge­trie­ben wur­de. Er wol­le das „heu­te recht­lich ver­bind­lich […] ein­lo­cken, damit die Masken bei uns in D (Deutschland) lan­den“, schrieb Spahn am 9. März. Und spä­ter: „Jetzt will ich erst mal recht­lich ver­bind­lich das Zeug ;-)“. Transportfragen reg­le man danach. „So, bin jetzt vor­erst raus hier, prak­ti­schen Rest mit mei­nen Leuten klä­ren. Danke!“ Die Mails lie­gen dpa vor.

Bei der Verhandlung las Richter Bellin die Mails vor. Einmal hielt er inne und frag­te in die Runde: „Ist das jetzt eine Pauschalannahme – alles, was kommt, kau­fe ich? Da kann man drü­ber nachdenken.

Ist das ein Kaufvertrag? 

Pure Fashion bekam im März 2020 doch nicht den Zuschlag, so zumin­dest sieht es das Ministerium. Es argu­men­tier­te, dass die Firma nicht seri­ös sei und wohl eine „man­geln­de Bonität“ habe. Diese Begründung ist erstaun­lich, da das Ministerium wenig spä­ter doch noch Schutzausrüstung bei Pure Fashion kaufte…

Im Gegensatz zu Pure Fashion bekam eine Schweizer Firma einen gro­ßen Auftrag, obwohl deren Angebot teu­rer war. Die Tochter eines frü­he­ren CSU-Politikers war hier­bei Vermittlerin gewe­sen…«

5 Antworten auf „Winke-winke mit Pinkepinke. Und ab“

  1. DIe drei Kernkompetenzen eines Politikers:

    1. Er ver­sucht immer auf der Sau zu rei­ten, die gera­de durchs Dorf getrie­ben wird.

    2. Er ver­sucht aus der Sau einen Goldesel zu machen.

    3. Er lässt den Esel bei sei­nen Amigos auf die Matte scheißen.

    Kann man ihm das vorwerfen?

    Punkt 1: Leider nicht. Man kann nur den näch­sten Saureiter wählen.

    Punkt 2: Wenn er sich geschickt anstellt, lei­der nicht. Man kann ihn aber mora­lisch unter Druck setzten.

    Punkt 3: Ich fin­de: Ja.

  2. Arbeitslos und ver­arscht dabei!

    Ohne Jurist zu sein! Das Ministerium hat mit die­sem "Gebahren" eine Art Vertragssituation mit geschaf­fen. Natürlich gilt ein münd­li­cher Vertrag. Das Problem besteht dar­in, daß man hin­ter­her mög­li­cher­wei­se alles zurecht­le­gen kann wie man's braucht. Somit wälzt man Ermittlungsarbeit auf Behörden ab. Im Zweifelsfalle – Pusteblume!

    An-eck-dote 🙂
    Mit der orga­ni­sier­ten Kriminalität soll­te man kei­ne Geschäfte machen. Auch ich, habe sei­ner­zeit Fahrgeld zu einem Vorstellungstermin eines bestimm­ten Unternehmens abge­lehnt, obwohl die­se eigent­lich ver­pflich­tet wären wel­ches zu zah­len. Ich war damals heil­froh wie­der nach Hause gefun­den zu haben, nach dem Plausch nebst "Erfrischung" mit den "net­ten" Leuten. Falls Firma XXXXX mit­liest -> ger­ne Rechtsweg, dezi­diert doku­men­tiert – Viel Spaß!

    Oder: Wie kam der Kleber an die Tasche?

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