Pan Tau und die im Blut beginnende Demenz

Es bleibt dabei: Prof. Karl Lauterbach liest kei­ne Studien, son­dern ver­läßt sich auf sei­nen in Bezug auf Scharlatanerie eben­bür­ti­gen Topologen.

Was lesen wir in der Studie? Frei zugäng­lich ist nur der Abstract.

»… In die­ser Kohortenstudie ana­ly­sier­ten wir Teilnehmer, die in der US-ame­ri­ka­ni­schen CARDIA-Studie (Coronary Artery Risk Development in Young Adults) ver­blie­ben waren und für die im 35. Jahr (2020–22) Plasma-Biomarker vorlagen…

Von den 2248 CARDIA-Teilnehmern, die den Besuch im 35. Jahr absol­vier­ten, wähl­ten wir nach dem Zufallsprinzip 1500 Teilnehmer für die Messung der Plasma-Biomarker aus…«

Bei CARDIA han­delt es sich um eine seit 1983 lau­fen­de Langzeitstudie, bei der mit anfäng­lich 5.115 Personen "die Ursachen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen" auf­ge­deckt wer­den sol­len. Nach eini­gen Ausschlüssen ver­blie­ben für die aktu­el­le Studie 1.350 Personen mit einem Durchschnittsalter von 61 Jahren. Bei ihnen wur­den bestimm­te Biomarker gesucht, die auf eine Alzheimer-Erkrankung hin­deu­ten. Man fand sie, und zwar in die­ser Konzentration:

»… Eine posi­ti­ve Neuropathologie der Alzheimer-Krankheit lag bei 86 (6 %) Teilnehmern basie­rend auf p‑tau217/​Aβ42, bei 196 (15 %) basie­rend auf Aβ42/​40 und bei 48 (4 %) basie­rend auf p‑tau217 vor…«

Damit hät­te es bei 25 Prozent der Beteiligten Befunde gege­ben, die "mit schlech­te­ren Leistungen bei der Verarbeitungsgeschwindigkeit… sowie bei der exe­ku­ti­ven Funktion" ver­bun­den waren. Der von Lauterbach erwähn­te Wert für p‑tau217 stellt dabei den klein­sten Anteil dar.

Ich kann das Ergebnis fach­lich nicht beur­tei­len. Mich beschleicht jedoch der Verdacht, daß Korrelationen zwi­schen einer wenig erstaun­li­chen nach­las­sen­den kogni­ti­ven Fähigkeit alten­der Menschen und dem Vorhandensein von Biomarkern genutzt wer­den, um neue Geschäftsfelder zu schaf­fen. Dafür spre­chen aus mei­ner Sicht die letz­ten Passagen des Abstracts:

»… Es gab kei­nen Zusammenhang für die glo­ba­le Kognition oder die Sprachflüssigkeit. Obwohl nicht kon­si­stent, wur­de eine gewis­se Effektmodifikation beob­ach­tet, mit stär­ke­ren Zusammenhängen bei Frauen und schwar­zen Teilnehmern sowie bei Personen mit APOE ∈4.

Interpretation
Die Alzheimer-Neuropathologie ist im mitt­le­ren Lebensalter rela­tiv sel­ten, steht jedoch mit einer schlech­te­ren kogni­ti­ven Leistungsfähigkeit und einem beschleu­nig­ten Leistungsabfall in Verbindung und könn­te bei eini­gen Gruppen einen stär­ke­ren Zusammenhang auf­wei­sen. Die früh­zei­ti­ge Erkennung der Alzheimer-Neuropathologie mit­hil­fe von Plasma-Biomarkern könn­te eine recht­zei­ti­ge Prävention und Intervention bei Erwachsenen im mitt­le­ren Lebensalter ermög­li­chen, ein­schließ­lich Risikominderung und phar­ma­ko­lo­gi­scher Therapien.«


Der von Lauterbach geteil­te Jubel Topls bezieht sich auf das Editiorial in der Ausgabe von "Lancet" unter der Überschrift "A new era in neu­ro­lo­gy". Dort heißt es:

»… Fortschritte in der Genetik, der mole­ku­la­ren Bildgebung und bei Biomarkern ver­la­gern den Schwerpunkt des Fachgebiets von syn­dro­mi­schen hin zu bio­lo­gisch defi­nier­ten Aspekten«

Das klingt wie ein Pendant zur Bestimmung von Coronaviruserkrankungen, bei denen es nur sehr am Rande um Symptome ging, son­dern haupt­säch­lich um via PCR defi­nier­te Aspekte. In bei­den Fällen wer­den Fortschritte in der Genetik behaup­tet und jeden­falls genutzt, um mit ver­meint­li­chen Therapeutika oder Vorhersagen Gewinne der Pharmaindustrie zu recht­fer­ti­gen. Sie wer­den, medi­al ent­spre­chend beglei­tet wie hier, auch angeführt:

»… Mittlerweile sind mehr als 20 krank­heits­mo­di­fi­zie­ren­de Therapien zuge­las­sen, dar­un­ter Ocrelizumab. Eine in die­ser Ausgabe vor­ge­stell­te Studie zeigt, dass Ocrelizumab bei älte­ren Menschen und bei Patienten mit fort­ge­schrit­te­ner Behinderung wirk­sam ist, dar­un­ter auch Rollstuhlfahrer, für die der Erhalt der Handfunktion von ent­schei­den­der Bedeutung ist…«

Man sieht: Es geht aus­schließ­lich um das Gute, Heilende. Das seit 2018 in Deutschland zur Behandlung Multipler Sklerose ein­ge­setz­te Mittel Ocrelizumab ist dabei nicht ohne erheb­li­che Nebenwirkungen und mali­gne Neubildungen zu haben (s. gel​be​-liste​.de, 26.5.25 und de​.wiki​pe​dia​.org).

Bezugnehmend auf obi­ge Studie ist zu lesen:

»… In der CARDIA-Kohorte waren Plasma-Biomarker, die mit der Neuropathologie der Alzheimer-Krankheit über­ein­stim­men, bereits im mitt­le­ren Lebensalter nach­weis­bar und stan­den in Zusammenhang mit einer schlech­te­ren kogni­ti­ven Leistungsfähigkeit und einem beschleu­nig­ten kogni­ti­ven Verfall – Jahrzehnte vor dem Auftreten von Symptomen«

Dieses Modell ist noch wesent­lich gewinn­träch­ti­ger als die ver­gleichs­wei­se kur­ze Profitphase bei Corona.

Übrigens: Die Erkennung von p‑tau217 ist pri­vat zu bezah­len (years​.co, 9.4.26).


Zu Eric Topol sie­he u.a.:

und https://​www​.coro​dok​.de/​p​a​g​e​/​2​/​?​s​=​t​o​pol.

(Hervorhebungen in blau nicht im Original.)

3 Antworten auf „Pan Tau und die im Blut beginnende Demenz“

  1. Genetik: Keine der 20 stan­dard­mä­ßi­gen, pro­te­in­oge­nen Aminosäuren ent­hält von Natur aus Phosphor. 

    Der Einbau von Phosphor (Phosphorylierung) erfolgt erst beim Wachstum des Individuums.

  2. @Erfordia.…

    Über das Wachstum des Individuums kann ich Ihnen mitt­ler­wei­le eine Broschüre schreiben!

    Der "Der Staat" hilft mir dabei.

    @all

    Übrigens, die Internetnutzung soll wei­ter ein­ge­schränkt wer­den. Im Kontext zwi­chen Politik und histo­ri­schem Zusammenhang der Technik, sehr plau­si­bel! Bloß glau­ben die Leute schein­bar nicht so recht .…..

    Aber zum Thema. In der Werbung sind sich stän­dig wie­der­ho­len­de "Headlines" kon­tra­pro­duk­tiv. Man kann aber, alle paar Dekaden und Dekadenzien Wiederholungen, vor­nehm­lich in neu­er Komposition ver­wen­den. KL und der Lancet woll­ten uns wohl was mit­tei­len. Was hat sich geändert?

    Es geht vor­an, Fehlfarben released 1980 ; zeit­ge­mä­ße Werbeeinlagen natür­lich mit einbegriffen
    https://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​M​C​U​Z​z​N​X​6​t​y​s​&​l​i​s​t​=​R​D​M​C​U​Z​z​N​X​6​t​y​s​&​s​t​a​r​t​_​r​a​d​i​o=1
    Quelle you​tube​.com

    Ich kann nichts neu­es erken­nen, an Politiker Lauterbachs "neu­en" Neuigkeiten. Bin ich "geprägt"? Gerne Stellungnahme.

  3. PS, @aa, Sie haben das schon rich­tig erkannt. Es geht um Profite. Und es geht nur dar­um. Für den geneig­ten Leser wer­den Fachbegriffe aus dem Zusammenhang geris­sen und Behauptungen auf­ge­stellt die kei­ner wis­sen­schaft­li­chen Prüfung stand­hal­ten wür­den. Auf die­sel­be Art und Weise wie eine gan­ze Corona-Pandemie erfun­den wur­de. So als hät­te es nie eine Virenforschung gege­ben und Corona-Viren etwas völ­lig Neues und Unerforschtes sind.

    Natürlich ist es ein­fach, sich die Zustimmung bei denen zu erschlei­chen die von Viren nicht die gering­ste Ahnung haben, nicht wis­sen wie Kapitalismus funk­tio­niert und denen die Rolle eines kapi­ta­li­sti­schen Staates nicht klar ist. Denn es ist ja gera­de ein sol­cher Staat der für die­se Unwissenheit sorgt, mit Lehrermangel, maro­den Schulgebäuden und schlech­tem Deutsch.

    Und dabei am lau­fen­den Band von Demokratie und medi­zi­ni­scher Vorsorge faselt. Im Klartext:

    Die Demenzkranken inter­es­sie­ren hier nur inso­weit, als daß die Profitraten in der pri­va­ten Pflegewirtschaft stimmen.

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