Eine Leserin hat diesen Artikel gefunden, der im Original den Titel "America First, Africa Last? Health data deals and the new scramble for pathogens" trägt und am 23.2.26 auf pmc.ncbi.nlm.nih.gov veröffentlicht wurde:

»Die offizielle Begründung lautet, dass die USA zum Schutz der globalen Gesundheitssicherheit und zur gezielten Ausrichtung ihrer Investitionen [3] nahezu in Echtzeit auf kenianische Gesundheitsdaten, einschließlich der Überwachung von Krankheitsausbrüchen, zugreifen müssen. Die BGHAs gewähren US-Behörden Zugang zu digitalen Gesundheitssystemen und Datenbanken zu Krankheitsausbrüchen sowie die Befugnis, Stichproben von Einrichtungen zu überprüfen – im Gegenzug für umfangreiche Finanzhilfen, die als Beitrag zur Erlangung einer „Gesundheitssouveränität“ [4] durch diese Länder dargestellt werden. Eine separate US-Vorlage für BGHAs, über die im November berichtet wurde, forderte die Partnerländer auf, biologische Proben und genetische Sequenzen von Krankheitserregern mit epidemischem Potenzial innerhalb weniger Tage nach ihrer Entdeckung weiterzugeben, wobei die Verpflichtungen zur Probenweitergabe bis zu 25 Jahre gelten, jedoch ohne garantierten gegenseitigen Zugang zu später entwickelten Impfstoffen oder Behandlungen. Hier sind Gesundheitsdaten und der Zugang zu Krankheitserregern der Preis für die Wiederaufnahme in die US-Finanzierungskreisläufe nach früheren Kürzungen der Hilfsgelder…«
Das Verfahren wird vom Obersten Gerichtshof Kenias geprüft und wurde zunächst ausgesetzt.
»... Anstelle eines multilateralen Systems, in dem afrikanische Regionalblöcke gemeinsam verbindliche Regeln zur Aufteilung der Vorteile aushandeln können, werden einzelne Länder unter starkem finanziellem Druck und angesichts unsicherer Hilfsleistungen dazu gedrängt, die Bedingungen zu akzeptieren. BGHAs bergen die Gefahr, eine Praxis zu normalisieren, bei der der Zugang zu Daten und Krankheitserregern durch fragmentierte bilaterale Verträge geregelt wird, während der Vorteilsausgleich weiterhin nur ein Wunschtraum und ungleichmäßig bleibt.
Für afrikanische Nationen besteht die Gefahr nicht nur in einer rechtlichen Fragmentierung, sondern auch in der Festigung langjähriger ausbeuterischer Beziehungen durch Forschungs- und Dateninfrastrukturen. Jahrzehntelange Forschung im Bereich der globalen Gesundheit hat dokumentiert, wie Nord-Süd-Forschungskooperationen durch ungleiche Finanzierungsverhältnisse strukturiert sind, die die Macht zur Festlegung der Agenda- , die epistemische Autorität und die Kontrolle über die Ergebnisse im Globalen Norden konzentrieren [8]. Historische Darstellungen verbinden die heutige Gesundheitsforschung in Afrika mit diesen Dynamiken und dokumentieren Muster ungleicher Autorschaft, asymmetrischer Gewinnbeteiligung und Forschungs sdesigns, die stärker von externen wissenschaftlichen Prioritäten als von lokalen Gesundheitsbedürfnissen geprägt sind [9].
Jüngste Berichte über eine von den USA finanzierte Studie zu einem Hepatitis-B-Impfstoff in Guinea-Bissau machen diese Zusammenhänge noch deutlicher. Die vom US-amerikanischen CDC finanzierte und im Rahmen des Bandim Health Project durchgeführte Studie plant die Einbeziehung von etwa 14.000 Neugeborenen, wobei die Säuglinge randomisiert entweder bei der Geburt oder im Alter von sechs Wochen den Hepatitis-B-Impfstoff erhalten sollen – trotz etablierter WHO- Empfehlungen, einer hohen lokalen Prävalenz der Krankheit und ethischer Einwände führender wissenschaftlicher Experten [10].
Kommentatoren in Kenia haben bereits davor gewarnt, dass Gesundheitsdaten und genomische Informationen [11] zu den neuen Schauplätzen eines Wettlaufs um afrikanische Ressourcen werden. Pathogenproben, Genomdatenbanken und elektronische Langzeit-Gesundheitsakten dienen als Input für KI-Tools, pharmazeutische Entwicklungspipelines und Sicherheitsanalysen, die weit über Afrika hinaus wirtschaftlichen und strategischen Wert generieren werden. Doch die Gemeinschaften, deren Körper und Kliniken diese Systeme speisen, werden wahrscheinlich weder über geistiges Eigentum verfügen, noch Forschungsagenden mitgestalten oder zuverlässigen Zugang zu den daraus resultierenden Produkten erhalten…
Das Ergebnis ist digitaler Kolonialismus; afrikanische Leben werden gezählt und überwacht, um Risiken anderswo zu managen, unter dem Deckmantel der Partnerschaft [12].«
Die Quellen möge man im Original überprüfen.
Blauäugig erscheint die Argumentation der AutorInnen, hier nutze die Trump/Kennedy-Administration das Ausscheiden aus den "Pandemieabkommen" der WHO zugunsten von US-Konzernen. Letzteres trifft offenkundig zu. Daß sich die Industrieländer, die die Abkommen mit tragen, anders verhalten, ist hingegen sehr fragwürdig. Siehe dazu u.a.:
und

Ja sicher doch:
Je mehr Impfstoffe desto weniger Viren. Und je mehr Elektroautos desto nachhaltiger der Umweltschutz. Und selbstverständlich muss Afrika geholfen werden, wegen der Lieferketten für seltene Erden u.a. Rohstoffe an unsere Wirtschaft (Wirtschaftswachstumsgesetz).
Ohne Afrika keine Schokolade!
"»… Anstelle eines multilateralen Systems, in dem afrikanische Regionalblöcke gemeinsam verbindliche Regeln zur Aufteilung der Vorteile aushandeln können, werden einzelne Länder unter starkem finanziellem Druck und angesichts unsicherer Hilfsleistungen dazu gedrängt, die Bedingungen zu akzeptieren
Das multilaterale System wäre den afrikanischen Ländern zu wünschen.
"Damit zu rechnen" scheint man nicht
Health Policy Watch berichtet, dass die globale Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich aufgrund drastischer Kürzungen der internationalen Hilfe und einer Verlagerung von multilateralen hin zu bilateralen Abkommen einer erheblichen Fragmentierung unterliegt.
Ein Bericht des Wellcome Trust aus dem Jahr 2026 stellt fest, dass die Entwicklungshilfe im Gesundheitsbereich bis 2030 voraussichtlich um 60 % einbrechen und auf das Niveau von 2009 zurückfallen wird, was eine grundlegende Umstrukturierung der internationalen medizinischen Zusammenarbeit erzwingt."
Pathogen- und Genomdatenbanken gegen "Entwicklungshilfe"
Ausbeutung des Menschen auf einem anderen Niveau
"Daß sich die Industrieländer, die die Abkommen mit tragen, anders verhalten, ist hingegen sehr fragwürdig." ?
PABS-System Verhandlungen?
Interesse an (Hintergrund)Info?