"Ich sage nur China, China, China"

Außer, daß moder­ne Autos Datensammler vor dem Herrn sind, stimmt fast nichts im Artikel des "Tagesspiegel".

Ein Rasputin, der für das Foto sei­nen Schlapphut abge­nom­men hat, weiß zwar:

»… „E‑Autos und alle neu­en Autos sind grund­sätz­lich ein Spionagerisiko“, sagt Stephan Kramer, Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes, dem Tagesspiegel. 

„Sie sam­meln viel­fäl­ti­ge Daten – Standort, Mikrofon, Kamera, Telemetrie, Umfelddaten.“ Für die Hersteller sind die­se Daten schon heu­te ein Milliardengeschäft…«

Wären wir jemals auf die­sen Gedanken gekom­men ohne den stets wach­sa­men Blick unse­res Inlandsgeheimdienstes? Der weiß auch, daß chi­ne­si­sche Autos ganz anders ticken als ame­ri­ka­ni­sche, fran­zö­si­sche oder deutsche:

»… Nervös macht die Behörden, dass Unternehmen in China ver­pflich­tet sind, dem Staat weit­rei­chen­de Zugriffs­möglich­keiten einzuräumen.

Chinesische Hersteller demen­tie­ren das zwar, doch Kramer bleibt skep­tisch: „Wir müs­sen davon aus­ge­hen, dass staat­li­cher Zugriff selbst­ver­ständ­lich ist.“ Das fol­ge der­sel­ben Logik, die man etwa von TikTok ken­ne. Sind chi­ne­si­sche Autos also poten­zi­el­le Spionagemaschinen?…«

Na sicher sind sie das, wie alle ande­ren und jedes Smartphone, egal wel­cher Provenienz. Wie steht es mit der in der Überschrift selek­tiv for­mu­lier­ten Warnung?

»… Der Verfassungsschutz (BfV) und die Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (ZITiS) haben ver­schie­de­ne Modelle tech­nisch unter­sucht, äußern sich aber aus Sicherheitsgründen nicht zu Ergebnissen…

Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informations­technik (BSI) warnt: Moderne Fahrzeuge erfass­ten „gro­ße Mengen sen­si­bler Daten“, deren Sicherheit sich zwar regu­lie­ren, aber nicht voll­stän­dig über­wa­chen las­se. Cyberangriffe auf Fahrzeuge oder Backend-Systeme sei­en nie aus­zu­schlie­ßen…«

Zusammengefaßt: Die Behörden sehen sehr wohl das all­ge­mei­ne Risiko. Eine beson­de­re chi­ne­si­sche Gefahr hal­lu­zi­niert nur der "Tagesspiegel". Dabei führt er selbst zwei Beispiele ande­rer Auftraggeber an:

»… Welche Wertschöpfung die Digitalisierung des Autos ermög­licht – und wer sich dafür inter­es­siert –, lässt dabei ein gera­de ent­ste­hen­der Markt erah­nen. Das israe­li­sche Medium „Haaretz“ berich­te­te jüngst über meh­re­re Firmen, die Geheimdiensten Analysesoftware für „Car Intelligence“ anbie­ten, also die Auswertung von Autodaten – ermög­licht durch die hohe Vernetzung moder­ner Fahrzeuge.

Viele Fahrzeuge fil­men schon heu­te dau­er­haft ihre Umgebung und spei­chern die Aufnahmen lang­fri­stig. Bildmaterial von Tesla etwa dien­te bereits als Beweismittel vor Gericht…«

Vielleicht ver­steht der Autor sei­nen Artikel ja als sub­ver­siv und ver­an­laßt anson­sten bra­ve ADAC-Mitglieder, doch ein­mal über die Gefahren pri­va­ter und staat­li­cher Überwachung nach­zu­den­ken. Dagegen spricht die Beschwörung der Maßnahme von Sleepy Joe, dem dama­li­gen Chef der größ­ten Kontrollnation der Welt:

»… Vor die­sem Hintergrund sehen sich immer mehr Staaten zum Handeln gezwun­gen. Die USA haben unter Präsident Joe Biden neue Importhürden für chi­ne­si­sche Fahrzeuge beschlos­sen. Ab 2027 sol­len ver­netz­te Autos unter chi­ne­si­scher Kontrolle nicht mehr ver­kauft wer­den dürfen…

Deutschland hin­ge­gen hat bis­lang nur punk­tu­ell reagiert…

Auf EU-Ebene wird zwar über ver­pflich­ten­de Software-Audits, Datenspeicherung in Europa und mög­li­che Marktbeschränkungen dis­ku­tiert. Aber der Kurs bleibt unklar. Ein jüng­ster Kommissionsbericht erwähn­te China nicht ein­mal aus­drück­lich, son­dern sprach nur vage von „Hochrisiko-Anbietern“…

Und in Deutschland? Wächst zumin­dest der poli­ti­sche Druck: „Wenn man weiß, dass die­se Automobilhersteller dem chi­ne­si­schen Staat und den Geheimdiensten Zugriff ermög­li­chen müs­sen, ist höch­ste Wachsamkeit gebo­ten“, sagt Marc Henrichmann, CDU-Innenpolitiker und Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums.

Sein Stellvertreter Konstantin von Notz (Grüne) warnt: „In moder­nen Autos fällt heu­te eine schier atem­be­rau­ben­de Menge sen­si­bler Daten an.“ Bewegungsprofile könn­ten zu „hoch aus­sa­ge­kräf­ti­gen Profilen“ ver­knüpft wer­den – ein Risiko, das viel zu lan­ge igno­riert wor­den sei..

Isso, sagt man heu­te ja.


Das Zitat in der Überschrift stammt vom NSDAP-Mitglied (seit 1933), dem stell­ver­tre­ten­den Leiter der Rundfunktabteilung im Auswärtigen Amt der Nazis, Bundeskanzler und Urheber der Notstandsgesetze, Kurt Georg Kiesinger. 1969 war über ihn im "Spiegel" zu lesen:

",,, Vor 12 000 gläu­bi­gen Parteichristen beschwor der Adenauer-Epigone auf dem CDU-Wahlkonvent am vor­letz­ten Sonntag in der Dortmunder Westfalenhalle die Sterbestunde des Erzvaters der Union: Die Europäer soll­ten einen »soli­da­ri­schen welt­po­li­ti­schen Willen« ent­wickeln und sich vor »der unge­heu­er­li­chen kom­mu­ni­sti­schen Weltmacht von Wladiwostok bis an unse­re Grenzen« hüten; Kurt Georg Kiesinger senk­te die Stimme: »Konrad Adenauer hat es mir auf die Seele gebun­den als Sterbender.«

Selbst Miene und Gestik des Alten nahm Kiesinger in sei­nen Besitz. Einst hat­te Adenauer den aus­ge­streck­ten Zeigefinger mah­nend gereckt und vor den Soffjets« den Chinesen und der all­ge­mei­nen Weltgefahr gewarnt. Heute häm­mert Kiesinger mit dem Knöchel aufs Rednerpult und warnt: »Ich sage nur China, China, China.«…"
spie​gel​.de (7.9.69)

5 Antworten auf „"Ich sage nur China, China, China"“

  1. > Zusammengefaßt: Die Behörden sehen sehr wohl das all­ge­mei­ne Risiko.

    Aha. Warum las­sen dann die­se Behörden zu daß hier chi­ne­si­sche Autos impor­tiert werden?

  2. [nicht zu vergessen:
    "Abhören unter freun­den geht gar nicht" ]

    u.a.
    https://​www​.hei​se​.de/​s​u​c​h​e​?​q​=​e​c​all

    u.a.
    hei­se PlusAußenmikrofone am Heck: So hören Autos künf­tig das Martinshorn

    Forscher testen Mikrofone und Audio-KI am Fahrzeug. Die sol­len Signale erken­nen und orten.
    Mit der Technik könn­ten Autos dann auch auf Sprachbefehle reagieren.
    24.11.2023
    53
    c't Magazin
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    https://​www​.hei​se​.de/​s​u​c​h​e​?​q​=​a​u​t​o​+​k​e​y​l​ess

    1. https://​www​.hei​se​.de/​h​i​n​t​e​r​g​r​u​n​d​/​A​u​t​o​k​l​a​u​-​p​e​r​-​A​n​t​e​n​n​e​-​1​1​6​5​9​9​2​.​h​tml

      Autoklau per Antenne, schon etwas älter! Dagegen gibt es Aluhutfolie oder bes­ser gesagt: Abschirmstoffe oder Faraday-Taschen. Ist schon blöd. Das Auto steht vor der Tür noch vor drei Minuten und drei Diebe klau­en es, obwohl du den Schlüssel oben auf dem Nachttisch hast. "Drei Chinesen mit dem Kontrabass saßen auf der Straße und erzähl­ten sich was, da kam die Polizei und fragt, was IST denn das? Drei Chinesen mit dem Kontrabass."

      Das kann man sin­gen, macht Spaß. Die Vokale raus­neh­men und nur mit U sin­gen oder A oder mit O. Dru Chunusun mut dum Kuntrubuß suß­un uf dur Strußu und urzuhl­tun such wus.

      Extrem wirds, wenn sich ver­un­fall­te, bren­nen­de Teslas nicht mehr von außen mecha­nisch öff­nen las­sen, soll vor­ge­kom­men sein, weil die Software den Fahrer INNEN vor Einbrechern von außen IN DAS Auto schüt­zen will und alles AUTO_​matisch abrie­gelt. Ja, ja, schüt­zen Sie sich und ande­re! Schützen Sie die Insassen Ihres teu­ren PCs auf vier Rädern. Auto_matisch.

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