"Die Anwesenden können die Zusammenhänge nicht ausräumen". Berliner Protokolle (17)

Was immer die "besuchs­be­zo­ge­ne 'Geschwister-Regelung'" gewe­sen sein mag, über die sich der Krisenstab am 13.10.20 unter­hielt, so kann man doch die Irritation der BeamtInnen bei der "tägl. Früh-Telko" nach­voll­zie­hen:

Einig ist man sich über den Wert der Massentests und "bit­tet Presse und Medien dar­um, die erhöh­ten Kapazitäten nach Hinzunahme von Reserven des DRK-Blutspende-Dienstes und der Deutschen Bahn wahr­zu­neh­men und offen­siv dar­zu­stel­len".

Erfreut zeigt man sich am 15.10.20 über zusätz­li­che Rechte der Bundeswehr:

Getrübt wird die Freude aller­dings über die Lage in "Mar-He": "ein dort ein­ge­setz­ter BW-Soldat wur­de posi­tiv gete­stet, die ande­ren Kontaktpersonen wur­den gleich ihm und einem Gesundheitsaufseher in Quarantäne beor­dert das ver­füg­ba­re Personal ist damit im GesA stark ein­ge­schränkt, es muss auch mit einer Zunahme von Infektionsfällen dort gerech­net wer­den".

Maulkorb für Fachleute. Berlin ist "sogar verschärfter aufgestellt"

Während die AmtsärztInnen einen "Strategiewechsel" for­dern – so sei die "Kontrolle der Eindämmungsverordnung nicht mehr leist­bar" – betont eine geschwärz­te Person, dies sei "eine poli­tisch-admi­ni­stra­ti­ve Problematik": "Offentlichkeits-/ Medienarbeit ist nicht Sache von Amtärztinnen". Wir wir sahen, ist es nicht das erste Mal, daß die Exekutive dem Gesundheitspersonal der Mund ver­bie­ten will. Ach ja: Es lie­gen 44 posi­tiv gete­ste­te Menschen auf Berliner Intensivstationen…

Besonders stolz ist man auch darauf:

Ein "Ausbruch" bei einer Hochzeit in Neukölln wird von "man­geln­der Mitwirkung der Teilnehmenden" beglei­tet. Die glei­che Person, die am Vortag die AmtsärztInnen abkan­zel­te, wird am 16.10.20 so zitiert:

Das "Beherbergungsverbot" ist in Niedersachsen und Baden-Württemberg gericht­lich gekippt wor­den, Sachsen-Anhalt und das Saarland heben es des­halb auf. In Berlin fürch­tet der Krisenstab auch das Kippen der Sperrstundenregelung. Sollte es dazu kom­men, "dann wird über das Alkonolausschank- /​Verkaufsverbot erwo­gen". So kraus wie die Gedanken ist auch durch­gän­gig die Sprache.

Mögliche Abriegelung von Städten

Der Wahnsinn hat durch­aus Methode und kann kei­nes­falls durch Nichtwissen oder Überforderung der Verantwortlichen und schon gar nicht mit dem aktu­el­len "Infektionsgeschehen" erklärt wer­den. Davon zeugt auch die­se Passage:

Offenbar ist hier wie­der die glei­che Scharfmacherin am Werk. Sie führt auch ein Interview an die­sem Tage an, wonach der Vorsitzende der "Fachgesellschaft Intensivmedizin" eine zu gerin­ge ITS-Bettenkapazität in Berlin behaup­te­te. Immerhin wird die­se Aussage von ande­ren als "nicht kor­rekt" zurück­ge­wie­sen.

Die Dramatik der Situation sieht man an die­sem Eintrag:

Das hin­dert die Krisenstäbler aber nicht dar­an, am 20.10.20 zu phan­ta­sie­ren: "Es wird noch­mal die expo­nen­ti­el­le Steigerung des Ausbruchsgeschehens unter­stri­chen!". In Zahlen bedeu­tet das: "476 Neuinfektion" nach 503 und 551 in den Tagen davor.

Die bereits bekann­te Person will die Zensur nun auf den Krisenstab ausweiten:

Andererseits las­sen die Gesundheitsämter nicht locker, wie am 21.10.20 zu erfah­ren ist:

Look down unmittelbar vor der Tür [sic]

Die Bürokratie zeigt sich davon gänz­lich unbe­ein­druckt. Im Gegenteil:

Wird fort­ge­setzt.

(Hervorhebungen in blau nicht im Original.)

2 Antworten auf „"Die Anwesenden können die Zusammenhänge nicht ausräumen". Berliner Protokolle (17)“

  1. Das inter­es­san­te­ste fehlt – wie immer! Was haben wir für die­se Sitzungen bezahlt, und wie hoch sind unse­re Folgekosten.
    Ansonsten ver­ste­he ich die Leutchen. Der Mensch sucht halt nach Gesellschaft und Anerkennung. Gut wenn's oben­drein so fürst­lich ent­lohnt wird. Wer hat das alles schon. Sie etwa?

    Weiß Einer wer sich in der Zeit um die Politik küm­mert. Das ist also der so genann­te "Fachkräftemangel". Aber wer küm­mert sich jetzt um die Stellenausschreibung. Die "gewähl­ten Volksvertreter" ver­tre­ten. Könnte man da nicht einen Posten für schaf­fen. Kann doch rela­tiv nicht so teu­er sein, Arbeit gäb's jeden­falls genug! (an der Stelle)

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