Für wie dumm hält Prof. Karl Lauterbach "den Wähler"?

Gestern noch berich­te­te der Deutschlandfunk (s. letz­ten Beitrag), daß der Mann des CDU-Abgeordneten Hendrik Streeck eben­so wie Lauterbach im Gespräch ist als Kandidat für den WHO-Vorsitz. In Berlin ver­geht kein Monat ohne Berichte über per­sön­li­che Bereicherungen von MandatsträgerInnen der Senatsfraktionen. Nun also die AfD. Soll uns das wun­dern? Der Selbstbedienungsladen des Parlamentarismus macht vor nie­man­dem Halt. Wo gro­ße Geldsummen locken, lie­gen wie bei den Testzentren der Coronazeit Vergehen und Verbrechen nahe. Dabei ste­hen bei wei­tem nicht die Summen in Rede, die durch "Impfstoff"- und Maskenhandel oft­mals sogar legal "dem Wähler" aus der Tasche gelei­ert wurden.

Eigentlich müß­te das Kungeln und Klüngeln dem Image der AfD scha­den, die sich doch ger­ne als Partei der Saubermänner insze­niert, die so ganz anders als die "Systemparteien" sei.

Wäre da nicht die selbst­ge­rech­te und schein­hei­li­ge Theatralik von MedienunternehmerInnen wie Caren Miosga und der Konzernpresse, die auf Empörung machen. WählerInnen, denen rund um die Uhr die immer glei­che Phrase vom gesi­cher­ten Rechtsextremismus von Teilen der AfD um die Ohren gehau­en wird und sich davon nicht abschrecken las­sen, wer­den das Handeln ihrer Lieblingspartei vor die­sem Hintergrund eher trot­zig als Petitesse abtun.

Ohnehin len­ken der­ar­ti­ge Scheingefechte davon ab, daß jen­seits der Wortwahl und dem Gegensatz von Anbetung und Verurteilung Donald Trumps beim Hauptthema der AfD kein Widerspruch besteht. War es 2021 für den Soziologen Heinz Bude noch ein uner­füll­ba­rer Traum, Impfgegner "nach Madagaskar zu ver­frach­ten" (s. den Beitrag unten), haben in die­sen Tagen Konservative, "Rechtspopulisten" und Neonazis im Europäischen Parlament gemein­sam genau Solches für ähn­lich unlieb­sa­me und kri­mi­na­li­sier­te MigrantInnen beschlos­sen. Wo waren da die Gutmenschen, die im letz­ten Jahr zu Zehntausenden für "unse­re Demokratie" auf die Straße gingen?

Zu Bude und der ver­lo­ge­nen "Brandmauer", die inzwi­schen zur Schandmauer gera­ten ist, siehe:

11 Antworten auf „Für wie dumm hält Prof. Karl Lauterbach "den Wähler"?“

  1. Ist die AFD schon in der Mitte der Parteien der Mitte ange­kom­men. Wie Schön. Kann man gesamt ja viel­eicht wie­der mehr Politik wagen? Das wär' doch mal was.

  2. Der Herr dau­er­be­ur­laub­te Professor Kalle hat mal wie­der den Drang ver­spürt, etwas zu zwitschern. 

    Ob AfD oder sonst irgend­ei­ne der Parteien, die in die­sem System brav mit­spie­len und die Schnauzen tief in die Futtertröge sen­ken, macht kei­nen Unterschied. Das lau­fen­de Betriebssystem erfor­dert Korruption in man­nig­fal­ti­ger Ausprägung zwecks Generierung der per­sön­lich erwar­te­ten Bereicherung. Daher kann die Feststellung des Professor Kalle als pro­fa­ne Nullinformation betrach­tet werden.

    Die Übeltäter (oder nach deren eig­ner Definition Wohltäter) sind und blei­ben Täter, die sich als Systembüttel und zum Teil als Systemschergen anbiedern. 

    Die Symptomatik ist nicht neu, son­dern eine sich stän­dig wie­der­ho­len­de Schleife in der Geschichte der Menschheit. Leider erscheint die Erwartung, dass die Menschheit ihre Lektionen lernt, wenig erfolg­ver­spre­chend. Ein selbst­er­nann­ter "Leader", und die Schäfchen trot­ten in der Masse hinterher.

    1. @Clarence O'Mikron

      Mit 19% mei­ner Wurst, stuet­ze ich, gezwun­ge­ner­ma­ßen, den Aufwand den Herr Lauterbach mit der Bekanntgabe sei­nes Gehaltskontos beim Arbeitgeber (beim Staat, bei uns) getae­tigt hat. Hat der schon­mal Danke gesagt? – Uebrigens auch mit 19% des Brotes .…..

      Macht auch kein Spaß!

      "Die Wahrheit – Ich bit­te Sie, wäre der poli­ti­sche Tod" nach Prof.Dr. Karl Wilhelm lau­ter­bach. Ja Bitte Herr L!

      Wenn Herr L. glaubt man hät­te ihn "gewählt", dann muß er die Wähler wohl für ziem­lich dumm hal­ten, zumin­dest einen Teil davon.

  3. «Für wie dumm hält Prof. Karl Lauterbach "den Wähler"?» – Für so dumm, wie er ist?

    Ist ein Mensch, der noch wählt (ausser Sonneborn ins EU-Parlament), nicht vllt. sowie­so dumm?

    Bri-Bra-Brandmauer: ‹Die – wer hat uns ver­ra­ten? – Linke› stimmt für Blackrock-Merz-Kriegskredite, BaWü-AfD für Palantir usw. 

    Es wird in der Programmatik von kodor­ok noch zwi­schen «Rechten» und «Linken» unterschieden: 

    «Wie konn­te gesche­hen, daß seit Corona Begriffe wie Solidarität, Eigenverantwortung oder Freiheit von den Herrschenden okku­piert und in ihr Gegenteil ver­wan­delt wur­den? Wie gelang es Rechten, […]»

    «Ein Grund, die Verweigerung jeg­li­cher Analyse von Interessen und Beweggründen durch die orga­ni­sier­te Linke, […]»

    Ich kann kei­ne «Linken» (mit sehr weni­gen Ausnahmen) erken­nen: Es gibt «Rechte», die es sein wol­len (AfD, immer­hin ehr­lich, «mit sich im rei­nen») und «Faschisten, die sagen sie sei­en Antifaschisten»* = Rechte, die behaup­ten und von sich glau­ben sie sei­en Linke (unehr­lich).

    Mit Corona ist das Rinks-Lechts-Schema bezo­gen auf das bür­ger­li­che Milieu end­gül­tig kol­la­biert. Es war immer schon und nur «rechts». Zum Bsp. war die 68er-Bewegung schon weit­ge­hend eine des system­tra­gen­den Bürgertums aka der herr­schen­den Klasse bzw. deren Ausführungsorgane («Schmittchen sei schlau, bleib im Überbau!»). 

    Das wur­de halt alles seit 2020 zur Karikatur sei­ner selbst.

    *) https://t.me/weltexperiment/1842

    1. @weltexperiment…: Da fal­len mir schon noch Unterschiede ein. Ob man für oder gegen Wehrpflicht und Aufrüstung ist (der die Linke, anders als Du sagst, nicht zuge­stimmt hat – neben ande­rem, das ihr sehr wohl vor­zu­wer­fen ist), ob man den zuneh­men­den Law-and-order-Kurs mit­trägt oder nicht, ob man die aktu­el­len Streiks denun­ziert oder sie unter­stützt, um nur eini­ges zu nen­nen, das mir spon­tan ein­fällt. Für mich bleibt immer noch die ent­schei­den­de Frage, ob jemand beab­sich­tigt, die Profitlogik zu durch­bre­chen, von der so vie­le ande­re Themen abhän­gen, oder nicht. Daß vie­le aus der orga­ni­sier­ten Linken damit nur noch wenig am Hut haben, trifft zu. Von der Rechten ist dies gewiß nicht zu erwar­ten. Man schaue nach Italien, Ungarn, Agentinien in die USA und ande­re Regionen, in denen sie am Ruder sind.

      1. @aa: Jetzt woll­te ich Längeres schrei­ben, aber ande­re haben das schon erle­digt. Und natür­lich sto­ssen wir mal wie­der auf die dis­kur­si­ven Grenzen des Formats Blogkommentar.

        I.

        Wir erle­ben nicht ein­fach eine Profitlogik, die man durch­bre­chen könn­te, son­dern eine gro­sse Transformation des Weltkapitalismus für die die­ser die Chiffren «Great Reset» und «Neue Normalität» gefun­den hat. Aus einer schul­mar­xi­sti­schen Sicht (zu der ich eini­ge Ergänzungen und gegen die ich eini­ge Einwände hät­te) stellt sich das so dar:

        «Die Transformation des bür­ger­li­chen Staates, einst volon­té géné­ra­le der Bourgeoisie, ist somit abge­schlos­sen: Der Staat wird zum Famulus, die res publi­ca zur ancil­la der domi­nan­ten Kapitalfraktionen, ein Hand- und Kopflanger mit­hin, wie ihn Brecht nen­nen wür­de, dazu bestimmt, Befehle aus­zu­füh­ren. Man ist ver­sucht hin­zu­zu­fü­gen: nach dem Vorbild von Bananenrepubliken.

        Resümieren wir:

        1. Diese Transformation konn­te gesche­hen, da der bür­ger­li­che Staat nicht mehr sei­ner urei­gen­sten Aufgabe nach­kom­men muss – die Sicherung des Systems des Privateigentums –, inso­fern sich nie­mand mehr in der Lage befin­det, die­ses System in sei­ner Existenz zu bedro­hen, ja nie­mand mehr auch nur dar­an denkt, dass die Gesellschaft anders als kapi­ta­li­stisch orga­ni­siert und gere­gelt sein könn­te. Das histo­ri­sche Subjekt, von dem die­se Bedrohung, theo­re­tisch wenig­stens, aus­ge­hen konn­te, ist, da frag­men­tiert und ato­mi­siert, voll­stän­dig assi­mi­liert und in das System inte­griert. Mehr als die Bereitschaft zu impo­ten­ten Protesten und mehr als Krawalle, über die die Bourgeoisie nur müde lächeln kann, ist hier nicht zu erwarten.

        2. Der bür­ger­li­che Staat ist mitt­ler­wei­le hilf­los: Er hat sich durch Privatisierung, Deregulierung und Verschuldung der Mittel bege­ben, die es ihm erlau­ben wür­den, als volon­té géné­ra­le aufzutreten.

        3. Aufgrund der Globalisierung und der trans­na­tio­na­len Zentralisierungsprozesse kann sich das glo­ba­le Kapital (die Aktionäre, die ope­ra­ti­ven Kapitalentitäten sowie die Foundations) über­dies dem Zugriff des Staats wirk­sam entziehen.

        4. Überhaupt ist es so, dass auf­grund des Umstands, dass das bür­ger­li­che System in eine Phase ein­ge­tre­ten ist – man könn­te sie den post-moder­nen Endzustand nen­nen –, wo auf­grund der Automatisierungsprozesse die alten Systemzusammenhänge hin­fäl­lig sind und die Performance des Systems somit mehr und mehr chao­ti­sche Züge gewinnt, es sowie­so einer­lei ist, wo und wie und ob der Staat regu­lie­rend ein­greift. Die dif­fu­se Ahnung, dass dem so ist, dürf­te hin­sicht­lich der kon­kre­ten Performance des Staates, die er jetzt an den Tag legt, wohl auch eine gewis­se Rolle spielen.

        Wen wun­dert es da, dass das inte­gra­le Kapital den Staat geka­pert hat, einen Staat, der, wie einst als volon­té géné­ra­le, nicht mehr dem System des kapi­ta­li­sti­schen Privateigentums, son­dern als direk­tes Exekutivinstrument, als ein Famulus, bestimm­ten mono­po­li­sti­schen Kapitalfraktionen, pri­va­ten Playern, dient?»

        – «Leviathan als Famulus: Vorläufige Bemerkungen zur Demontage des bür­ger­li­chen Staates» von Emmerich Nyikos, Streifzüge, 15.4.24 (https://​www​.streif​zue​ge​.org/​2​0​2​4​/​l​e​v​i​a​t​h​a​n​-​a​l​s​-​f​a​m​u​l​us/)

        II.

        Die «Linke» hat die­se Transformation nach Kräften mit ihrer wahn­haf­ten Mitmacherei bei den lau­fen­den «Zentralisierungsschwindeln» (Nick Hudson) beför­dert, aller­dings zuge­ge­ben, bewuss­los, weil sie von ihr nichts wis­sen woll­te und (immer noch weit­ge­hend) will (Blackrock ist eine Verschwörungstheorie). Im Gegenteil, man dient sich, durch­aus tra­di­tio­nell, heil­los der Staatsmacht, also dem Dienstleister der Kapitalmacht, an.

        «Diese Absurdität eines gleich­sam anar­chi­sti­schen Verfassungspatriotismus, wird mitt­ler­wei­le noch dadurch poten­ziert, dass es kei­nes­wegs allein oder auch nur pri­mär gegen die Gefahr des Rechtspopulismus anzu­kämp­fen gilt.

        Weit grö­ßer ist die Gefahr, die von den sich selbst links-libe­ral ver­ste­hen­den, de fac­to reak­tio­nä­ren und auto­ri­tä­ren Machtzentren der Gesellschaft für die Restbestände libe­ra­ler Vergesellschaftung und ihre recht­lich-poli­ti­schen Normen aus­geht. Die Speerspitze die­ses Angriffs aus dem poli­ti­schen Machtzentrum her­aus sind die Grünen, die ihre aus­ge­präg­te­ste sozia­le Basis im Milieu der Universitäten und den Mainstream-Medien haben.

        Wenn es nicht so ernst wäre, wünsch­te man ihnen tat­säch­lich jene AFD-Pest an den Hals, die sie nicht mehr los­wer­den kön­nen, da sie poli­ti­scher Ausdruck von gesell­schaft­li­chen Verhältnissen ist, deren Wirklichkeit die Mainstream-Ideologie beflis­sent­lich leug­net und ver­drängt; daher auch das völ­lig hilf­lo­se wie pani­sche Reagieren der eta­blier­ten Politik auf den Rechtspopulismus, der den anti-eman­zi­pa­to­ri­schen Einbruch der Realität in die demo­kra­ti­sche Ideologie anzeigt.

        Im Rechtspopulismus nicht den poli­ti­schen Hauptfeind zu sehen, stellt kei­ne Aufwärmung der desa­strö­sen Sozialfaschismusthese dar. Zum einen ist die AFD schlicht nicht der zeit­ge­nös­si­sche Widergänger der Nationalsozialisten. Zum ande­ren geht die Zerstörung libe­ra­ler Demokratie und bür­ger­li­cher Vergesellschaftung momen­tan pri­mär von den Zentren der poli­ti­schen Macht und ihres pro­gres­si­ven Supports selbst aus. Diese fügen der­zeit „der“ Demokratie einen Schaden zu, der bis an ihre legi­ti­ma­to­ri­sche Substanz reicht, indem sie sie selbst end­gül­tig in eine rein ideo­lo­gi­sche Kulisse ver­keh­ren, zugleich ihre fort­schritt­li­chen, rechts­staat­li­chen Momente schlei­fen und kon­se­quent die Augen ver­schlie­ßen vor der Wirklichkeit kapi­ta­li­sti­scher Krisenvergesellschaftung, die zuneh­mend den Alltag der Menschen erreicht.

        Der Rechtspopulismus kann sich treff­lich über die­se Schützenhilfe der Progressiven und ihr ideo­lo­gi­sches Dauer-Bla-Bla freu­en, was ihm scha­ren­wei­se Anhänger ver­schafft. Dass dies so ein­fach mög­lich ist, berich­tet von der bit­ter­sten poli­ti­schen Gegenwartslektion: Die Linke ist ent­we­der de fac­to inexi­stent oder bil­det kei­ne eman­zi­pa­to­ri­sche Alternative zum herr­schen­den System, son­dern ist Teil, Nutznießer und ideo­lo­gisch herr­schen­de Klasse desselben.»

        – «Die Progressiven: Thesen zur fort­schrei­ten­den Regression der Linken» von Hendrik Wallat, Streifzüge, 24.4.24 (https://​www​.streif​zue​ge​.org/​2​0​2​4​/​d​i​e​-​p​r​o​g​r​e​s​s​i​v​en/) (Absätze eingefügt)

        1. @weltexperiment…: Da ich ja nun­mehr ein statt­li­ches Alter erreicht habe, könn­te ich unzäh­li­ge Abgesänge auf die Linke zitie­ren. Insofern sehe ich hier nichts Neues. Neben dem zum Teil berech­tig­ten Bejammern des Zustands der Linken fehlt aber stets die Beschreibung einer "eman­zi­pa­to­ri­sch­ne Alternative zum herr­schen­den System". 

          Es trifft zu, daß die Arbeiterklasse in den mei­sten Ländern des ent­wickel­ten Kapitalismus ein­ge­hegt wur­de und wird, was so neu aber auch wie­der nicht ist. Nur: Wer soll der öko­no­mi­schen Machtgrundlage in den Arm fal­len, wenn nicht die­je­ni­gen, die sie durch ihre Arbeit ermög­li­chen? Ob man den Begriff der Klasse noch ver­wen­den mag oder nicht, so sind es doch immer noch die am Fließband und im Büro, die Tagelöhner für die Clouds und KI, die Essenszusteller und Verkehrsbeschäftigten etc. pp., ohne die das System nicht funk­tio­nie­ren könn­te. Daß sie oft­mals kor­rum­piert oder mit Überleben im Prekariat beschäf­tigt sind, ändert nichts an ihrer poten­ti­el­len Macht, die Besitzverhältnisse in Frage zu stellen. 

          Auf mei­ne Einwände bist Du übri­gens nicht eingegangen.

  4. Zu Heinz "Madagaskar" Bude: der hat in den 90er- und 00er-Jahren wohl beim Reemtsma-Institut – das 2028 geschlos­sen wer­den soll – Bedeutendes geleistet.

    «Bude fun­gier­te beim HIS gerau­me Zeit als Leiter des Arbeitsbereichs „Politik und Gesellschaft der alten und neu­en Bundesrepublik“ und brach­te sich ab Ende der 1990er Jahre expli­zit als ein Exponent einer, wie er es for­mu­lier­te, „neu­en Generation von Stichwortgebern und Praxisvirtuosen“ der rot-grü­nen Schröder/Fischer-Regierung ins Spiel. Von hier aus appel­lier­te er an „die 68er auf der Vorderbühne, die Chance (zu) ergrei­fen, die Generation auf der Hinterbühne (…) für sich zu gewin­nen“ und dafür bereit zu sein, eben deren Stichworte auf­zu­lecken. Dabei fiel Bude als ein Stichwort auch gleich das Ausstoßen einer Fanfare auf den Ultraliberalismus eines Tony Blair ein. Hier zöger­te er nicht, ein­fach des­sen Propagandamodule zu der schmacki­gen Formulierung zu ver­rüh­ren, dass es die­sem doch „mit der Emphase“ eines poli­ti­schen Predigers gelin­ge, „Gerechtigkeit mit Effizienz“ in Bezug zu einer „Politik der Möglichkeiten und Anreize“ in Verbindung zu brin­gen. Um was? Um eben das „vor allem mit einem Individualitätsmodell des Aktivismus und der Selbstverantwortung“ zu verknüpfen.[x] Nach dem sieg­rei­chen Kosovo-Krieg der NATO und der Bundeswehr in Jugoslawien wuss­te Bude die Politik von Schröder, Fischer und Scharping mit dem „Stichwort“ von „Erwägungen über den kriegs­be­ding­ten Stilwechsel in der Performanz“ schön­zu­re­den. Ausgerechnet Scharping beschei­nig­te er, „als Verteidigungsminister wohl den größ­ten Glaubwürdigkeitsgewinn“ ver­bucht zu haben. Und das ist jemand, über den schon damals berich­tet wur­de, ein Erfinder der der Regierung von Jugoslawien unter­scho­be­nen „Operation Hufeisen“ zu sein.[xi] Doch um wei­te­re Prosa war Bude, der wirk­lich als jemand gel­ten kann, der mit den Lachenden lacht und mit den Weinenden weint, hier kei­nes­wegs ver­le­gen: Scharping tra­ge „an der Last des Ältesten, der an Stelle des Vaters Sorge für sei­ne Geschwister zu tra­gen hat.“ Für den sei das, so gab sich Bude über­zeugt, „kei­ne freu­dig gewähl­te Aufgabe, son­dern eine Obligation natür­li­cher Vergemeinschaftung.“ Es war Bude selbst, der in Scharping eine – wie er for­mu­lier­te – „psy­cho­dy­na­mi­sche Führungsfigur“ ent­deck­te, die – man reibt sich doch ein wenig die Augen – „die Transformation der gro­ßen patri­ar­cha­li­schen Brüderlichkeit in eine klei­ne, aber unnach­gie­bi­ge Geschwisterlichkeit“ besorgt haben soll. Und in der Figur Joschka Fischer erkann­te Bude nicht nur den „Staatsmann sei­ner Generation“, son­dern will auch gese­hen haben, dass „in des­sen Gesicht der Schmerz steht.“[xii] Was man als eine Art Visagenanalytiker immer so glaubt, durch­schaut zu haben. Wohl wahr: Die dis­kur­si­ve Unterstützung von Sozialraub und NATO-Aggressionskriegen, das war zumin­dest eine bedeu­ten­de Richtung, für die eini­ge Exponenten des HIS in den Nullerjahren als knall­har­te Politikberater der Schröder/Fischer-Clique die öffent­li­che Rede gehal­ten haben.»

    Mohr/​Wernecke, «Erbe einer Fat Cat» (19.2.24)
    https://​wolf​wet​zel​.de/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​/​2​0​2​4​/​0​2​/​1​9​/​e​r​b​e​-​e​i​n​e​r​-​f​a​t​-​c​a​t​-​v​o​n​-​m​a​r​k​u​s​-​m​o​h​r​-​u​n​d​-​k​l​a​u​s​-​w​e​r​n​e​c​ke/

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