
Dieses Zitat des finnischen Staatspräsidenten Alexander Stubb findet sich in einer Rezension seines neuen Buches durch einen Herausgeber der "FAZ". Ganz anders als die Granden der EU und der USA, aber ähnlich wie der kanadische Premier, versucht Stubb einen realistischeren Blick auf die Welt.
»... „Von außen betrachtet, wirkte der globale Westen arrogant, inkonsequent und oft widersprüchlich. Zusammenarbeit war in Ordnung, solange sie den westlichen Normen entsprach. Solidarität war notwendig, solange sie zu Hause keine Unannehmlichkeiten verursachte. Und internationale Regeln waren wichtig, solange sie den Interessen des Westens nicht im Wege standen.“ Schließlich habe der Rest der Welt dem Westen den Rücken zugekehrt…
Der Westen sollte nach Stubbs Ansicht versuchen, im Geiste eines „wertebasierten Realismus“ seine Beziehungen zum Süden zu stärken. Dabei müsse der Westen allerdings darauf verzichten, den Süden über die Demokratie und seine Wertvorstellungen belehren zu wollen. „Internationale Liberale wie ich treffen oft zwei unzutreffende Annahmen über demokratischen Fortschritt. Die erste besagt, dass die Demokratie eine Art selbstverständlichen Fortschritt in der menschlichen Natur darstelle. Das tut sie nicht“, räumt Stubb ein. „Die zweite Annahme lautet, dass jedermann die Demokratie als beste Regierungsform betrachtet.“ Auch dies sei unzutreffend; im Süden würden oft Wirtschaftswachstum und Wohlstand eine bedeutendere Rolle spielen…«
Den Titel des Buches erfährt man in dem Artikel nicht. Es wird sich um "The Triangle of Power: Rebalancing the New World Order" handeln. Auf deutsch erhältlich mit der IBN 978–3‑95972–097‑7.
Kanadas Premierminister Mark Carney hatte beim WEF in Davos so gesprochen:
»… Jahrzehntelang prosperierten Länder wie Kanada unter dem, was wir die regelbasierte internationale Ordnung nannten. Wir traten ihren Institutionen bei, priesen ihre Prinzipien, profitierten von ihrer Vorhersehbarkeit. Und deshalb konnten wir unter ihrem Schutz wertebasierte Außenpolitik betreiben.
Wir wussten, dass die Erzählung von der internationalen regelbasierten Ordnung teilweise falsch war – dass die Stärksten sich bei Bedarf ausnahmen, dass Handelsregeln asymmetrisch durchgesetzt wurden. Und wir wussten, dass das Völkerrecht je nach Identität des Beschuldigten oder des Opfers mit unterschiedlicher Strenge angewandt wurde.
Diese Fiktion war nützlich, und die amerikanische Hegemonie insbesondere trug zur Bereitstellung öffentlicher Güter bei: offene Seewege, ein stabiles Finanzsystem, kollektive Sicherheit und Unterstützung für Rahmen zur Streitbeilegung.
Mitten in einem Bruch
Also stellten wir das Schild ins Fenster. Wir nahmen an den Ritualen teil und vermieden es weitgehend, die Lücken zwischen Rhetorik und Realität zu benennen. Dieser Handel funktioniert nicht mehr. Ich will es klar sagen. Wir befinden uns mitten in einem Bruch, nicht in einem Übergang…«
faz.net (21.1.26)
Natürlich geht es beiden um die Stärkung der kapitalistische Macht ihrer Regionen vor dem Hintergrund des Schocks durch das unverhohlen imperialistische Agieren der USA. Dennoch sind die Akzente anders gesetzt als bei den knallharten Transatlantikern und sehr weit entfernt von den Tönen der europäischen Rechtsaußenparteien. Deren Grundkompetenz des Nationalismus gerät bei ihrer überwiegenden Begeisterung für den Mann mit den orangen Jahren bemerkenswert ins Hintertreffen.

So? Gegenfrage: Wie geht denn der finnische bzw. kanadische Staat mit seinen ethnischen Minderheiten um!?