Wo er Recht hat…

faz​.net (2.2.26, Bezahlschranke)

Dieses Zitat des fin­ni­schen Staatspräsidenten Alexander Stubb fin­det sich in einer Rezension sei­nes neu­en Buches durch einen Herausgeber der "FAZ". Ganz anders als die Granden der EU und der USA, aber ähn­lich wie der kana­di­sche Premier, ver­sucht Stubb einen rea­li­sti­sche­ren Blick auf die Welt.

»... „Von außen betrach­tet, wirk­te der glo­ba­le Westen arro­gant, inkon­se­quent und oft wider­sprüch­lich. Zusammenarbeit war in Ordnung, solan­ge sie den west­li­chen Normen ent­sprach. Solidarität war not­wen­dig, solan­ge sie zu Hause kei­ne Unannehmlichkeiten ver­ur­sach­te. Und inter­na­tio­na­le Regeln waren wich­tig, solan­ge sie den Interessen des Westens nicht im Wege stan­den.“ Schließlich habe der Rest der Welt dem Westen den Rücken zugekehrt…

Der Westen soll­te nach Stubbs Ansicht ver­su­chen, im Geiste eines „wer­te­ba­sier­ten Realismus“ sei­ne Beziehungen zum Süden zu stär­ken. Dabei müs­se der Westen aller­dings dar­auf ver­zich­ten, den Süden über die Demokratie und sei­ne Wertvorstellungen beleh­ren zu wol­len. „Internationale Liberale wie ich tref­fen oft zwei unzu­tref­fen­de Annahmen über demo­kra­ti­schen Fortschritt. Die erste besagt, dass die Demokratie eine Art selbstverständ­lichen Fortschritt in der mensch­li­chen Natur dar­stel­le. Das tut sie nicht“, räumt Stubb ein. „Die zwei­te Annahme lau­tet, dass jeder­mann die Demokratie als beste Regierungsform betrach­tet.“ Auch dies sei unzu­tref­fend; im Süden wür­den oft Wirtschaftswachstum und Wohlstand ei­ne bedeu­ten­de­re Rolle spie­len…«

Den Titel des Buches erfährt man in dem Artikel nicht. Es wird sich um "The Triangle of Power: Rebalancing the New World Order" han­deln. Auf deutsch erhält­lich mit der IBN 978–3‑95972–097‑7.


Kanadas Premierminister Mark Carney hat­te beim WEF in Davos so gesprochen:

»… Jahrzehntelang pro­spe­rier­ten Länder wie Kanada unter dem, was wir die regel­ba­sier­te inter­na­tio­na­le Ordnung nann­ten. Wir tra­ten ihren Institutionen bei, prie­sen ihre Prinzipien, pro­fi­tier­ten von ihrer Vorhersehbarkeit. Und des­halb konn­ten wir unter ihrem Schutz wer­te­ba­sier­te Außenpolitik betreiben.

Wir wuss­ten, dass die Erzählung von der inter­na­tio­na­len regel­ba­sier­ten Ordnung teil­wei­se falsch war – dass die Stärksten sich bei Bedarf aus­nah­men, dass Handelsregeln asym­me­trisch durch­ge­setzt wur­den. Und wir wuss­ten, dass das Völkerrecht je nach Identität des Beschuldigten oder des Opfers mit unter­schied­li­cher Strenge ange­wandt wurde.
Diese Fiktion war nütz­lich, und die ame­ri­ka­ni­sche Hegemonie ins­be­son­de­re trug zur Bereitstellung öffent­li­cher Güter bei: offe­ne Seewege, ein sta­bi­les Finanzsystem, kol­lek­ti­ve Sicherheit und Unterstützung für Rahmen zur Streitbeilegung.

Mitten in einem Bruch

Also stell­ten wir das Schild ins Fenster. Wir nah­men an den Ritualen teil und ver­mie­den es weit­ge­hend, die Lücken zwi­schen Rhetorik und Realität zu benen­nen. Dieser Handel funk­tio­niert nicht mehr. Ich will es klar sagen. Wir befin­den uns mit­ten in einem Bruch, nicht in einem Übergang…«
faz​.net (21.1.26)

Natürlich geht es bei­den um die Stärkung der kapi­ta­li­sti­sche Macht ihrer Regionen vor dem Hintergrund des Schocks durch das unver­hoh­len impe­ria­li­sti­sche Agieren der USA. Dennoch sind die Akzente anders gesetzt als bei den knall­har­ten Transatlantikern und sehr weit ent­fernt von den Tönen der euro­päi­schen Rechtsaußenparteien. Deren Grundkompetenz des Nationalismus gerät bei ihrer über­wie­gen­den Begeisterung für den Mann mit den oran­gen Jahren bemer­kens­wert ins Hintertreffen.

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