Leviten gelesen

Aus der "Neujahrsansprache von Papst Leo XIV. an Diplomaten" vom 9.1.26

vati​can​news​.va (9.1.26, Hervorhebung von mir)

Wie es sich für einen Papst gehört, kommt auch die Abtreibung ins Spiel; den­noch kön­nen sich west­li­che Regierungen kaum an sei­nen Worten erfreuen:

»Aus die­ser Fehlentwicklung erge­ben sich lei­der wei­te­re, die dazu füh­ren, dass die Grundrechte des Menschen beschnit­ten wer­den, ange­fan­gen bei der Gewissensfreiheit. In die­sem Zusammenhang ermög­licht es die Verweigerung aus Gewissensgründen dem Einzelnen, gesetz­li­che oder beruf­li­che Verpflichtungen abzu­leh­nen, die im Widerspruch zu mora­li­schen, ethi­schen oder reli­giö­sen Grundsätzen ste­hen, die tief in sei­nen per­sön­li­chen Überzeugungen ver­wur­zelt sind: sei es die Verweigerung des Militärdienstes im Namen der Gewaltfreiheit oder die Ablehnung von Praktiken wie Abtreibung oder Euthanasie durch Ärzte und medi­zi­ni­sches Personal. Die Verweigerung aus Gewissensgründen ist kei­ne Rebellion, son­dern ein Akt der Treue zu sich selbst. In die­sem beson­de­ren geschicht­li­chen Augenblick scheint die Gewissensfreiheit zuneh­mend sei­tens der Staaten in Frage gestellt zu wer­den, auch von jenen, die sich auf Demokratie und Menschenrechte zu grün­den bekun­den. Die Gewissensfreiheit schafft hin­ge­gen ein Gleichgewicht zwi­schen dem gemein­schaft­li­chen Interesse und der indi­vi­du­el­len Würde und ver­deut­licht, dass eine wirk­lich freie Gesellschaft kei­ne Einheitlichkeit auf­er­legt, son­dern die Vielfalt der Gewissen schützt, auto­ri­tä­ren Auswüchsen vor­beugt und einen ethi­schen Dialog för­dert, der das sozia­le Gefüge berei­chert…«

Neben mehr­fa­cher Würdigung des Multilateralismus gibt der aus den USA stam­men­de Papst der Trump-Administration auch mit den fol­gen­den Aussagen wenig Grund zur Freude:

»Der Heilige Stuhl ver­tritt im Rahmen sei­ner inter­na­tio­na­len Beziehungen und Aktivitäten bestän­dig die Position, dass die Würde jedes Menschen unver­äu­ßer­lich ist. Daher darf bei­spiels­wei­se nicht außer Acht gelas­sen wer­den, dass jeder Migrant ein Mensch ist und als sol­cher unver­äu­ßer­li­che Rechte besitzt, die in jeder Situation zu respek­tie­ren sind. Nicht alle Migranten ver­las­sen ihr Land frei­wil­lig, viel­mehr sind vie­le auf­grund von Gewalt, Verfolgung, Konflikten und sogar auf­grund der Auswirkungen des Klimawandels zur Flucht gezwun­gen, wie dies in ver­schie­de­nen Teilen Afrikas und Asiens der Fall ist. In die­sem Jahr, in dem wir auch den 75. Jahrestag der Internationalen Organisation für Migration bege­hen, bekräf­ti­ge ich die Hoffnung des Heiligen Stuhls, dass die Maßnahmen, die die Staaten gegen Illegalität und Menschenhandel ergrei­fen, nicht zu einem Vorwand wer­den, um die Würde von Migranten und Flüchtlingen zu verletzen.

Die glei­chen Überlegungen gel­ten für Strafgefangene, die nie­mals auf die von ihnen began­ge­nen Verbrechen redu­ziert wer­den dür­fen. Bei die­ser Gelegenheit möch­te ich den Regierungen, die posi­tiv auf den Appell mei­nes ver­ehr­ten Vorgängers reagiert haben, im Heiligen Jahr Gnade wal­ten zu las­sen, mei­ne auf­rich­ti­ge Dankbarkeit aus­spre­chen. Ich hof­fe, dass der Geist des Heiligen Jahres die Rechtspflege dau­er­haft und struk­tu­rell prä­gen kann, damit die Strafen in einem ange­mes­se­nen Verhältnis zu den began­ge­nen Straftaten ste­hen, men­schen­wür­di­ge Haftbedingungen garan­tiert wer­den und vor allem die Abschaffung der Todesstrafe ange­strebt wird, einer Maßnahme, die jeg­li­che Hoffnung auf Vergebung und Erneuerung zunichtemacht…

Wir sehen das­sel­be [wie in der Ukraine, AA] im Heiligen Land, wo die Zivilbevölkerung trotz des im Oktober ver­kün­de­ten Waffenstillstands wei­ter­hin unter einer schwe­ren huma­ni­tä­ren Krise lei­det, die zu dem bereits erleb­ten Leid noch wei­te­res hin­zu­fügt. Der Heilige Stuhl beob­ach­tet mit beson­de­rer Aufmerksamkeit jede diplo­ma­ti­sche Initiative, die den Palästinensern im Gazastreifen eine Zukunft in dau­er­haf­tem Frieden und Gerechtigkeit in ihrem Land garan­tiert, eben­so wie dem gesam­ten palä­sti­nen­si­schen Volk und dem gesam­ten israe­li­schen Volk. Insbesondere bleibt die Zwei-Staaten-Lösung die insti­tu­tio­nel­le Perspektive, die den legi­ti­men Bestrebungen für bei­de Völker ent­ge­gen­kommt. Zugleich ist lei­der eine Zunahme der gegen die palä­sti­nen­si­sche Zivilbevölkerung im Westjordanland gerich­te­ten Gewalt zu ver­zeich­nen, die das Recht hat, in Frieden im eige­nen Land zu leben.

Große Besorgnis erregt auch die Verschärfung der Spannungen in der Karibik und ent­lang der ame­ri­ka­ni­schen Pazifikküste. Ich erneue­re mei­nen ein­dring­li­chen Appell, nach fried­li­chen poli­ti­schen Lösungen für die gegen­wär­ti­ge Situation zu suchen, wobei das Gemeinwohl der Bevölkerung im Vordergrund ste­hen muss und nicht die Verteidigung von Partikularinteressen…

Auf vie­len die­ser Schauplätze stel­len wir fest, wie auch Augustinus bemerkt, dass stets die Vorstellung im Mittelpunkt steht, dass Friede nur durch Gewalt und Abschreckung mög­lich ist. Der Krieg begnügt sich jedoch mit der Zerstörung, wäh­rend der Friede eine kon­ti­nu­ier­li­che und gedul­di­ge Aufbauarbeit und stän­di­ge Wachsamkeit erfor­dert. Eine sol­che Anstrengung betrifft alle, ange­fan­gen bei den Staaten, die über Atomwaffenarsenale ver­fü­gen. Ich den­ke dabei ins­be­son­de­re an die wich­ti­ge Fortsetzung, die der im Februar näch­sten Jahres aus­lau­fen­de New-START-Vertrag erfah­ren muss. Die Gefahr besteht, dass der Wettlauf wie­der auf­ge­nom­men wird, um immer aus­ge­feil­te­re neue Waffen zu pro­du­zie­ren, auch unter Einsatz von künst­li­cher Intelligenz…«

5 Antworten auf „Leviten gelesen“

  1. Immerhin.

    In Deutschland begin­nen die Grundrechte mit der Würde des Menschen. Menschen, die zur Teilnahme an soge­nann­ten "Impfungen" oder gar gen­tech­ni­schen Experimenten gezwun­gen wer­den, wie bei­spiels­wei­se in Deutschland, wer­den vom Regime wie Vieh behandelt.

    Die Forderung nach einer Fortsetzung von New START (es geht eigent­lich nur eine Verlängerung des Vertrages, wor­auf ein neu­er Vertrag fol­gen müss­te) hal­te ich für sehr wich­tig. Mal sehen wie lan­ge es dau­ert, bis unser Regime und des­sen Maulhuren von den Qualitätsmedien dem Papst rus­si­sche Umtriebe unterstellen.

  2. "… wäh­rend sich eine neue Sprache mit orwell­schem Beigeschmack ent­wickelt, die in ihrem Bestreben, immer inklu­si­ver zu sein, dar­in mün­det, die­je­ni­gen aus­zu­schlie­ßen, die sich nicht den Ideologien anpas­sen, von denen sie beseelt ist."

    Was meint er denn damit?

  3. "…Auswirkungen des Klimawandels zur Flucht gezwun­gen…" so macht es sich der Pabst ein­fach. Richtigerweise müss­te es "Auswirkungen des Waffenhandels" hei­ßen. Mal abge­se­hen, dass es auch die Gier des Westens nach Land und Ressourcen sind, die die Gewalt befeu­ern, z.T. sogar durch sog. Klimaschutzprojekte ver­ur­sacht, mit denen sich die hie­si­ge Industrie Verschmutzungsrechte erwirbt. Aber das ist für den Vatikan ver­mut­lich zu komplex.

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