Hin und wieder darf im Feuilleton der "FAZ" über Systemkritik geschrieben werden. Der aufgeklärte Bildungsbürger (auch die ‑in) ist durchaus interesssiert an der Geschichte ihrer Klasse. Hauptsache, es ändert sich nichts.
In der Rezension eines offenbar lesenswerten Buches heißt es:
»… Mit Marx und Engels teilt Beckert die Faszination für die unerhörte Dynamik der kapitalistischen Wirtschaftsweise, und wie sie hat sich Beckert das Ziel gesetzt, die enorme soziale Zerstörungskraft des Kapitalismus offenzulegen. Aber anders als für Marx und Engels sind Krieg und staatliche Unterdrückung für Beckert nicht bloß Begleiterscheinungen einer vermeintlich „ursprünglichen Akkumulation“, deren Schrecken und Strukturen mit dem Industriekapitalismus und der freien Lohnarbeit überwunden worden seien. Raub, Sklaverei beziehungsweise Arbeitszwang und Monopole, so Beckert, sind bis heute genutzte Methoden, um Kapital zu erwerben und zu vermehren. Entsprechend große Bedeutung kommt im Buch dem „Kriegskapitalismus“ zu, der zwischen 1450 und 1850 die dominierende Weise darstellte, in der die kapitalistische Weltrevolution vonstattenging.
Abhängigkeit, Ausbeutung und Gewalt spielten immer eine Rolle
Die Verschränkung von Staatsmacht und Kapitalinteressen ist in diesem Buch auch einer der wichtigsten Faktoren für den Erfolg des zunächst transatlantischen, später dann globalen Kapitalismus. Ihre ruhelose und ruinöse Konkurrenz machte die europäischen Staaten seit dem späten Mittelalter zu Handlangern und Bündnispartnern von Kapitaleignern, die den Sprung von ihren Inseln des Fernhandelskapitalismus schafften, zu Hauptfinanziers der europäischen Monarchien aufstiegen und so von deren globaler Expansion profitierten…
Dem Autor ist es ein zentrales Anliegen, die These von der notwendigen Verbindung von freier Lohnarbeit und Kapitalismus zu widerlegen und die Rolle des kolonialen Kapitalismus bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein in den Vordergrund treten zu lassen. Er widmet sich den vielen Formen, in denen sich das Kapital jene Arbeitskraft aneignete, der es so dringend bedurfte. Neben den rechtlichen Formen griffen die Unternehmer auch gewaltsam in die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse, die Organisation der Arbeitsabläufe und die Lebensweise ihrer Arbeiter ein.
Nur der Staat und die Arbeiter konnten die Akkumulation zügeln
Den Verwertungsinteressen des Kapitals setzten in Beckerts Erzählung zwischen 1870 und 1973 vor allem zwei Kollektivakteure Grenzen: Zum einen konstituierte sich die Arbeiterklasse als organisierte Gegenmacht, um sich den Ansprüchen und Ausbeutungsinteressen der Kapitalbesitzer zu widersetzen. Zum anderen kam der Nationalstaat ins Spiel. Er befreit sich aus dem direkten Zugriff einzelner Kapitalisten, um entweder als ideeller Gesamtkapitalist der kapitalistischen Produktionsweise den Weg zu bereiten oder, bei wachsendem Einfluss der Arbeiterklasse, den Kapitalismus zu zähmen und sozialstaatlich einzuhegen…
Am Ende dieses großen Geschichtswerks verkündet Beckert prophetisch das Ende des Kapitalismus – allerdings ohne sich auf konkretere Zukunftsvorstellungen einzulassen. Das hat auch damit zu tun, dass der Historiker zwar in der inzwischen globalen Klasse der Lohnarbeiter die potentiell stärkste Gegenmacht sieht, deren Rebellionen und Reformen bislang allein die selbstzerstörerische Dynamik des Kapitalismus aufgehalten haben. Gleichzeitig konstatiert er aber mit Schrecken, dass inzwischen der globale Kapitalismus eine weltbeherrschende Kommodifizierung von Waren, Menschen und Umwelt herbeigeführt hat, die sich jeder Veränderung zu entziehen scheint…
Sven Beckert: „Kapitalismus“. Geschichte einer Weltrevolution. Rowohlt Verlag, Hamburg 2025. Aus dem Englischen von Helmut Dierlamm, Werner Roller, Sigrid Schmid u. Thomas Stauder. 1280 S., Abb., geb., 42,– €.«
Bei diesem Preis werden der Packer bei Amazon und die Briefträgerin eher nicht zugreifen. Als linke Organisationen noch von der SED oder der KPCh alimentiert wurden, warfen sie marxistische Literatur zu Spottpreisen auf den Markt. Man versprach sich davon, diejenigen zu erreichen, die die Grundlagen von Raub, Sklaverei und Krieg zerstören können. Das allerdings ist weder das Anliegen des Rowohlt Verlags noch der "FAZ".

Lesen Sie besser das kommunistische Manifest. Damit Ihnen klar wird, daß sich der Kapitalismus nicht von selbst abschafft, sondern daß dies die historische Mission der Arbeiterklasse ist. Das hat sogar Thomas Mann erkannt:
Die Menschheit wird nicht irre genug sein ihren eigenen Untergang zu wollen (1949 in Weimar).
„Kriegskapitalismus“ zu, der zwischen 1450 und 1850 die dominierende Weise darstellte, in der die kapitalistische Weltrevolution vonstattenging."
Ein Glück, daß diese Zeiten vorbei sind.
"kommodifizieren (Sprache: Deutsch): Wortart: Verb
Bedeutung/Definition:
verwertbar/zu Geld machen, zur Ware (offen für Tausch, Verkauf und Erwerb) machen; der Öffentlichkeit zum Ausnutzen bereitstellen; das sachliche Objektsein vor der Individualität betonen; unter Marktgesichtspunkten vereinheitlichen; Vielfältigkeit in markttaugliche Eindimensionalität eindampfen"
https://www.wortbedeutung.info/kommodifizieren/
die "weltbeherrschende Kommodifizierung" entzieht sich "jeder Veränderung", ist irreversibel. Selbst die Atemluft wird zur Ware.
Kapitalismus bedeutet Wirtschaftswachstum.
> Kapitalismus bedeutet Wirtschaftswachstum.
Kapitalismus bedeutet das Ende der Menschheit. Mit oder ohne Krieg, wobei Kriege nur die Fortsetzung imperialistischer Politik mit anderen Mitteln sind.