Das kann doch nicht wahr sein!

Es gibt Studien, die von den gro­ßen Medien durch­ge­wun­ken wer­den. Sie wer­den nicht hin­ter­fragt, selbst wenn sie nach­weis­bar von der Industrie durch­ge­führt wer­den. Die Coronazeit ist vol­ler sol­cher Beispiele. Wenn die Ergebnisse aus­nahms­wei­se dem gän­gi­gen Narrativ wider­spre­chen, wer­den sie über­aus kri­tisch beäugt.

faz​.net (28.10.25)

Wessen haben sich das Zentrum für inter­dis­zi­pli­nä­re Friedens- und Konfliktforschung, die FU Berlin, dass Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) und die Universität Marburg schul­dig gemacht?

»… Das Forschungsteam sprach wäh­rend der Demonstration Teilnehmer an, die dann zu Hause an einer Onlinebefragung auf Deutsch oder Englisch teil­neh­men konn­ten. Aus den 301 ver­wer­te­ten Fragebögen und 43 Kurzinterviews vor Ort erfährt man, dass die Teilnehmer bemer­kens­wert gebil­det sind. 58 Prozent hat­ten einen Hochschulabschluss, elf Prozent sogar einen Doktortitel. 86 Prozent sei­en Deutsche, gan­ze sechs Teilnehmer gaben an, palä­sti­nen­si­sche Eltern zu haben…

Der zen­tra­le Befund nachAuswertung von 43 Kurzinterviews und den Fragebögen: Die Menschen hät­ten auf der Straße kei­ne Israelfeindschaft arti­ku­liert, son­dern Trauer und Solidarität gegen­über den Toten in Gaza. Was die­se Menschen „sonst über Israel den­ken“, sei nicht im „Fokus der Studie“ gewe­sen. Aber wie will man sich von der angeb­li­chen media­len Voreingenommenheit empi­risch unter­schei­den, wenn man es selbst nicht bes­ser wis­sen will?

Die Teilnehmer wur­den auf­ge­for­dert, ihre Position zu der Aussage zu for­mu­lie­ren, dass „Palästina als Staat aner­kannt“ wer­den sol­le. Neunzig Prozent stimm­ten hier tat­säch­lich „voll und ganz“ zu, aber was damit gemeint sei, wel­cher Staat, auf wel­chem Territorium, unter Einschluss von ganz Palästina oder als Zweistaatenlösung, all die­se doch ent­schei­den­den Spezifikationen blie­ben ungefragt…

Was woll­ten sie sonst noch nicht wis­sen? Die Studie fragt, ob es „in Deutschland genug Raum für Trauer um die Opfer in Gaza“ gibt, was fünf­zig Prozent der Teilnehmer ent­schie­den bestrei­ten. Warum wur­den sie nicht auch gefragt, ob es einen sol­chen Raum für die israe­li­schen Opfer der Massaker vom 7. Oktober gibt?

Immerhin fragt die Studie auch, ob „jüdi­sches Leben in Deutschland auf­grund sei­ner Geschichte beson­ders geschützt wer­den soll­te.“ Dass 79 Prozent des hoch­ge­bil­de­ten und „reflek­tier­ten Protestmilieus“ die­ser Aussage zustimm­ten, ver­deut­li­che ihr „aus­ge­präg­tes Bewusstsein für die beson­de­re deut­sche histo­ri­sche Verantwortung“, so die Autoren. Das mag sein, aber die aktu­el­le Diskussion dreht sich dar­um, war­um die aus­ge­präg­te Sorge um den Schutz des jüdi­schen Lebens in Deutschland für vie­le so völ­lig pro­blem­los mit einer tie­fen Abneigung gegen den Staat Israel ver­ein­bar ist. Es war offen­sicht­lich nicht das Ziel der Studie, zur Klärung die­ser Kontroverse bei­zu­tra­gen, sonst hät­te sie auch ande­re Fragen stel­len müs­sen. Man muss das als ver­ta­ne Chance bedau­ern.«

3 Antworten auf „Das kann doch nicht wahr sein!“

  1. Immer wie­der wird her­vor­ge­ho­ben, dass auch Akademiker mit dem von Deutschland mas­siv unter­stüt­zen Genozid an Palästinensern ein Problem haben. Um den Mord abzu­leh­nen, muss man nicht stu­diert haben. Es reicht Menschlichkeit aus. Diese fehlt den am (Völker)mord Beteiligten vor Ort in Palästina eben­so wie in den Fabriken und Amtsstuben (ein­schließ­lich der Präsidentenpaläste und Parlamente), egal wer in die­sen sitzt. 

    Welcher Ethnie Mörder ange­hö­ren und wel­che Staatsbürgerschaft die­se haben, ist irrele­vant. Mord bleibt Mord. Und Beihilfe zum Mord bleibt Beihilfe zum Mord. Und man soll­te nicht nur abstrakt Institutionen betrach­ten ("die da"), die dies ermög­li­chen. Selbstverständlich geht "der Staat" gegen jeden vor, der auch nur einen Namen nennt. Dies ist ja Verunglimpfung oder Schlimmeres.

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