Es soll hier nicht mit Antifa-Kanonen auf Spatzenhirne geschossen werden. Die illiberalen und kriegslüsternen Ausagen Sinns legen allerdings eine gewisse Parallele zu konservativen und heute verharmlosend wirtschaftsnah genannten Positionen der Dreißigerjahre nahe.

»Herr Professor Sinn, wie schlimm steht es um Deutschland und Europa gerade wirtschaftlich?
Ziemlich schlimm. Die Europäer haben zu wenige Kinder, um ihre wirtschaftliche und wissenschaftliche Dynamik zu erhalten. Sie genießen die Freuden des Wohlfahrtsstaates und der gemeinschaftlichen Druckerpressen, anstatt die Ärmel hochzukrempeln. Deutschland hat seine Infrastruktur verlottern lassen, vernachlässigt seine Schulen und finanziert zu viele Menschen, die arbeiten könnten, aber es nicht tun…«
Das ist nich einfach nur populistisches Gerede, sondern erinnert an die Formulierung "Erste Pflicht jeden Staatsbürgers muß sein, geistig oder körperlich zu schaffen" im 25-Punkte-Programm der NSDAP vom 24.2.20.
Im Kern eine militärische Verteidigungsunion. Reichsarbeitsdienst
Alexander Armbruster ("… Nach Abitur und Zivildienst folgt das Studium der Volkswirtschaftslehre in Mainz…; über ergänzende Studien der Wirtschaftsethik zur Vernunft gekommen. Während dieser Zeit zwei Jahre lang Werksstudent im Aktienstrategieteam einer Privatbank...") fragt weiter:
»Und politisch?
Wegen nationalstaatlicher Eifersüchteleien haben die europäischen Staaten versäumt, eine politische Union zu bilden. Eine politische Union ist keine Transferunion und keine Währungsunion, sondern in ihrem Kern eine militärische Verteidigungsunion. So hatten es Konrad Adenauer und Helmut Kohl verstanden. Bei all dem Trubel um den Euro und die industriepolitischen Steuerungsversuche der EU haben die Europäer die Hauptsache übersehen. Heute stehen sie Putin blank gegenüber und müssen Trump Schutzgeld zahlen…
Merz hat erkannt, was nötig ist, nicht nur beim Sozialstaat, sondern auch bei der politischen Union und der Verteidigungsfähigkeit. Auch in der SPD gibt es vernünftige Leute, die einen Kurswechsel wollen, allen voran Verteidigungsminister Boris Pistorius. Allerdings müssen den Ankündigungen nun Taten folgen.«
Auch beim Reichsarbeitsdienst der Nazis macht Sinn Anleihen:
»Was müsste die Koalition unbedingt vollbringen, um mehr Wachstum hinzubekommen?
Als erstes würde ich das Bürgergeld abschaffen und es durch einen Bürgerlohn mit kommunalen Stellen umwandeln. Die Besen kann man besorgen, und zu fegen gibt es ohnehin genug. Man wird aber nicht viele Besen brauchen, denn alle werden in den ersten Arbeitsmarkt drängen, und auch die von den Migranten gemiedenen Lehrstellen werden dann wieder attraktiv. Zweitens: Der Sozialmagnet für Armutsflüchtlinge muss abgestellt werden…«
Bei der NSDAP hieß das: "Wenn es nicht möglich ist, die Gesamtbevölkerung des Staates zu ernähren, so sind die Angehörigen fremden Nationen (Nicht-Staatsbürger) aus dem Reiche auszuweisen", wobei Sinn so weit nicht geht, sondern "eine qualifizierte Zuwanderung mit einem hohen Bildungsniveau" anstrebt. Das hat mit dem Rassenwahn der Nazis nichts zu tun, sondern ist einfach nur: Sozialrassismus. Eliminatorischer Antisemitismus war ein Merkmal des deutschen Faschismus – die Sicherstellung der Macht des Kapitals und die Zerschlagung von Arbeiterorganisationen wie des Liberalismus ist hingegen allen Faschismus-Modellen gemein. Im Sinne von Sinn geht es weiter mit:
»Viertens: Die Drückebergerei am Montag und Freitag ist nicht mehr hinzunehmen. Es würde Wunder wirken, wenn die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für den ersten Krankheitstag wegfiele. Kleine Schäden kann jeder selbst tragen. Das ist das Grundprinzip einer effizienten Versicherung. Fünftens: Um die Arbeitsbevölkerung von Sozialabgaben und Steuern zu entlasten, könnte das Renteneintrittsalter jedes Jahr um die Zunahme der Lebenserwartung angehoben werden…«
Hier geht Sinn noch über die Rentenpolitik der NSDAP hinaus. Zwar setzte sie den "großzügigen Ausbau der Alters-Versorgung", der 1920 versprochen wurde, nicht um, war aber immerhin darauf bedacht, in Kriegszeiten die alten ("arischen") Menschen durch kleine Verbesserungen bei Laune zu halten (s. dazu hier).
Zielkonflikt
Sinn steht wie die Bundesregierung vor einem unlösbaren Zielkonflikt. Kriegsvorbereitung und Befriedung sozialer Konflikte vertragen sich nicht. Beide haben sich entschieden, auf den zweiten Punkt zu verzichten. Noch ist Widerstand dagegen kaum wahrnehmbar, doch schon auf mittlere Sicht werden autoritäre Maßnahmen erforderlich sein. Sie werden sich gewiß nicht Faschismus nennen (außer in Italien), doch ihre Tendenz wird in dessen Richtung gehen.
Das weiß auch Sinn mit seiner demokratische Prinzipien mißachtenden Sicht:
»Wir haben eine repräsentative statt einer plebiszitären Demokratie. In dieser Staatsform ist es die Aufgabe politischer Führungskräfte, das Volk über unbequeme Sachzwänge zu informieren, anstatt allwöchentlich das Politbarometer zu befragen. Der Krieg, der uns immer näher kommt, verlangt Blut-Schweiß-und-Tränen-Reden. Die Politiker haben die Pflicht, die Menschen über die anstehenden Probleme aufzuklären, anstatt weiterhin die Illusion zu nähren, die Wohlfühlgesellschaft alter Art lasse sich mit irgendwelchen Mitteln aufrecht erhalten…«
Was sieht er statt dessen angesagt?
»Wir sollten den Plan von Helmut Kohl vollenden. Als Helmut Kohl im Jahr 1982 an die Macht kam, sah er die Schaffung einer Politischen Union im Sinne einer militärischen Union als wichtigstes Ziel seiner Amtszeit an. In den ersten Jahren der Verhandlungen mit Frankreich ging es ihm allein darum. Er war bereit, die D‑Mark dafür zu opfern, denn er wusste, wie intensiv der französische Wunsch nach einer Währungsunion war…«
Die unwilligen Länder
Dann aber kam die "Wiedervereinigung" und Mitterand "drohte dem deutschen Außenminister sogar mit Krieg, falls Deutschland versuchen sollte, die Vereinigung vor der Währungsunion zu beschließen" (?). Das gilt es auszubügeln. Wofür man die "unwilligen Länder" der EU ausbooten muß:
»Die willigen Staaten könnten nun rechtlich außerhalb der EU einen europäischen Bund mit einer demokratischen, parlamentarisch kontrollierten Regierung gründen, der die Oberaufsicht über die Armeen der Mitgliedsländer und die Aufgabe der Grenzkontrolle übertragen wird… Die Gründung eines Europäischen Bundes durch die Zusammenlegung der Armeen wird Putin mehr abschrecken als die Planung neuer Waffensysteme, deren Umsetzung viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird, so wichtig sie auch ist. Auch die USA werden dem Europäischen Bund ihren Respekt zollen müssen…
Wenn russische Marschflugkörper, Flugzeuge und Panzer den Drohnen folgen, die derzeit schon unsere Infrastruktur ausspähen und Flughäfen lahmlegen, und wenn sich dann auch noch unsere amerikanischen Freunde zurückziehen, wie sie es mehrfach angekündigt haben, erscheint es mir jedenfalls als unverantwortlich, wenn die europäischen Nationen bei ihrer Kleinstaaterei bleiben…
Ökonomische Kosten treten nicht auf, im Gegenteil. Die Zusammenlegung der Armeen erleichtert und beschleunigt die Vereinheitlichung der Waffensysteme, was riesige Synergievorteile schafft…«
Sinn geht es um langfristige imperialistische Ziele. In diesem Kontext gelingt ihm eine realistische Einschätzung, wie sie ähnlich bei der AfD zu finden ist:
»Unter dem Einfluss der USA hat sich Europa zu einer konfrontativen Politik der Osterweiterung der NATO hinreißen lassen. Der Europäische Bund täte gut daran, diese Politik aufzugeben. Es gilt, das Erreichte zu konsolidieren, aber die NATO noch nicht weiter nach Osten auszuweiten und Russland Sicherheitsgarantien zu geben. Zugleich sollte der Europäische Bund mit seiner Sicherheitspolitik dort ansetzen, wo Europa im Jahr 2001 schon war, als Putin die wirtschaftliche Anbindung an den Westen suchte, aber nicht bekam. Ein umfassendes Freihandelsabkommen mit Russland und letztlich auch China ist anzustreben…
Schon Kant wusste, dass nur der Freihandel den Frieden sichert.«
Das Interview dient übrigens der Vermarktung von Sinns neuem Buch.
Mehr zu Hans-Werner Sinn:
Und über sein ehemaliges Institut:
Wegen Corona: Führende Wirtschaftsinstitute fordern höheres Rentenalter – "eleganteste Lösung"
Wenn WissenschaftlerInnen wahnsinnig werden: Zonengrenzen, aber kein Intershop
"Wenn alle Pferde ins Ziel kommen, werden wir viel zu viel Impfstoff haben"

https://kodoroc.de/2025/10/12/wieviel-faschismus-darf-es-sein-professor-sinn/
Solchen Unsinn erzählt Sinn schon seit Jahrzehnten. Nichts Neues also, im Westen.
Allerdings weiß der Herr "Wirtschaftswissenschaftler" ganz genau, wie man die Klaviatur der Medienökonomie bespielt, um seine Bedürfnisse nach Aufmerksamkeit zu befriedigen, und Bücher zu verkaufen. Sei es mit stilisierten Denkerblick unter einem Hoimar-von-Ditfurht-Bart, oder verbalen Provokationen gegen alles, was keine Aktien besitzt und nicht Unternehmer ist.
Unter einer Regierung von Sozialstaatsverächtern und Armenhassern blühen diese kleinen Giftpflänzchen natürlich auf, und natürlich ganz ganz besonders in Giftblättchen wie der FAZ, wo sie mit morbider Lust zur Schau gestellt werden, wie Präparate von Missbildungen in einer Anatomischen Sammlung.
man geht für den staat arbeiten.
europa bezahlt schutzgeld an die amerikaner.
die natoosterweiterung war das schutzschild für die eu-osterweiterung.
das schutzgeld ist fällig, weil der schutzschrim ohne die usa nicht dicht ist, aber nicht für einen angreifer, sondern für den kampf der ukraine gegen russland.
die ukraine/eu kann ohne die usa den krieg nicht weiterführen.
england gehört nicht mehr zur EU, gibt die Ukraine aber noch nicht geschlagen.
der krieg hält die grenzverschiebungen offen, die gebietsgewinne können von russland nicht verwertet werden.
die EU und Russland sind in der Ukraine gebunden, sie erschöpfen sich dort, eine große deutsche armee löst den konflikt nicht, ein direkter krieg mit russland ist unmöglich, ungewinnbar. Selbstmord. Amok.
Die Kriegsgefahr ermächtigt den Staat gegen die Wirtschaft.
Die Kriegsgefahr gibt dem Staat Souveränität zurück, das Primat der Politik.
Die Kriegsgefahr ist eine Erpressung der Gesellschaft/Wirtschaft durch den Staat.
Die marktkonforme Demokratie wird ein Maßnahmestaat, autoritär.
Die Gesellschaft, nicht der Staat wird umgebaut, umgeformt.
Das Menschenbild wird modernisiert.
Der Mensch ist ein Rohstoff, er verhält sich wie Material.
Die durchschnittliche Lebenserwartung bestimmt die allgemeine Lebensarbeitszeit der Menschen, die von einem Einkommen abhängig sind.
Der Staat erklärt sich für das Einkommen der Menschen in Zukunft für unzuständig, es sei denn als Arbeitsbeschaffungsstelle, die eine Vollzeitstelle mit dem Existenzminimum entlohnt.
Vorteil, wer für das Existenzminimum arbeiten geht, wird wenigstens nicht sanktioniert.
Arbeitslosigkeit wird abgeschafft.
Deutschland muß die höheren Energiekosten durch Senkung der Arbeitskosten kompensieren.
Wettbewerbsfähigkeit ist Staatsräson.
>> Ziemlich schlimm. Die Europäer haben zu wenige Kinder, um ihre wirtschaftliche und wissenschaftliche Dynamik zu erhalten. Sie genießen die Freuden des Wohlfahrtsstaates und der gemeinschaftlichen Druckerpressen, anstatt die Ärmel hochzukrempeln. Deutschland hat seine Infrastruktur verlottern lassen, vernachlässigt seine Schulen und finanziert zu viele Menschen, die arbeiten könnten, aber es nicht tun…«
Hetze der übelsten Art.
Die Frage, die sich in der Sache Sinn stellt, ist die, ob er seinen faschistisch-imperalistisch geprägten Verbalmüll ideologisch überzeugt selbst glaubt, oder ob er diesen nur als Teil seiner selbstgewählten Mission für das System absondert wider besseres Wissen. Der Eindruck, dass er ideologisch überzeugt der Welt seinen ideologischen Auswurf zumutet, überwiegt allerdings. Da dies durchgängig in seiner Karriere zu beobachten war, scheidet Alterssenilität als Erklärung ebenfalls aus.
Zu den einzelnen angesprochen Punkten jeweils zu kommentieren, erübrigt sich. Das Ganze reflektiert die Grundfesten des westlichen freiheitlich-demokratischen Systems nach dessen eigener Definition der ultimativen Profiteure und deren willige Büttel, die in Folge davon profitieren.
" … haben die europäischen Staaten versäumt, eine politische Union zu bilden."
Meine Meinung: Die europäischen Staaten haben es versäumt eine Union zu bilden. Die Firmen halt nicht! "Politik" läuft da eher unter "PR" – oder?
Mich reizte es auch oft den Nazivergleich zu ziehen. Kann mich aber zurückhalten. Es ist nicht unbedingt produktiv. Außerdem wirkt es auf Dauer inflationär. Die gravierendsten Punkte, wie beispielsweise die Steuerung der "Bevölkerungspolitik", reichen m.E. völlig.
Insofern muß ich Sinns Aussage in Frage stellen. Wozu fehlten seiner Meinung nach deutsche Kinder, und wer behielt im Land, offenbar schon immer, den Daumen drauf, wer darf und wer nicht? Als Deutscher weiß ich zwar dei Antwort, darf sie aber nicht hin schreiben. So einfach ist das. Es fehlt substanziell an nichts. Das ist dazu meine Meinug. Es kommt drauf an was man daraus macht. Das ist dazu meine Erfahrung.
Da ist Herr Sinn wohl "geleitet", wie man so sagt. Er ist kein dummer Mann, und er versteht zu rechnen. Was aber, bei Männern wie ihm oft zu beobachten, scheinen ihm "die Menschen" etwas in die Ferne gerückt. Das "Europa" in seinem Kopf, das gibt es nicht. Das ist die Fabelwelt von der unsere Politiker so gerne, selbstbeweihräuchernd sprechen. Nicht schön. Aber jedem seine "Bubble".
Da hat er vieleicht zu oft vom Portwein des Kapitals gesüffelt? 🙂
[Zum Glück haben sich einige Europäer auch "einfach so" gefunden …]
PS: Die EU ist ein reaktionäres und politisch sowie kulturell völlig rückständiges Gebilde!
Der Krieg, der uns immer näher kommt, verlangt Blut-Schweiß-und-Tränen-Reden. Die Politiker haben die Pflicht, die Menschen über die anstehenden Probleme aufzuklären, anstatt weiterhin die Illusion zu nähren, die Wohlfühlgesellschaft alter Art lasse sich mit irgendwelchen Mitteln aufrecht erhalten…«
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Hallo, schickt dem Autor des o.g. Zitats an seine Email
https://www.hanswernersinn.de/de/impressum
einfach die Kriegsausschlussklausel.
Ob er ein hübsches Häus_chen im Grünen hat, weiß ich nicht, interessiert mich auch nicht. Doch sicher will er, falls ja, darin unzerbombt weiter wohnen, so lange er lebt, er und seine Erben oder sonstigen Anhängsel.
https://ivk.uni-koeln.de/sites/versicherung_institut/documents/JF_Makowsky.pdf
Mal googeln nach der Klausel. Kriegsausschlussklausel. Leicht zu verstehen. Wenn Krieg und Bomben = dann kein Häus_chen für Hans-Werner und ähnliche Kriegstreiber mit hübschen Hütten. Leider auch nicht für die Nicht-Kriegstreiber. Tja, ist halt so. Wenn Krieg – dann keine Haftung der Versicherung. Die Hütte ist weg. Futsch, zerbombt, nicht mehr da.