Nein, solche Schlagzeilen haben für den Augenblick keine Chance. Selbst die "Bildzeitung" berichtet sachlich. Dem "Tagesspiegel" blieb es vorbehalten, seine üblichen Brandmarken zu setzen (s.u.).


Der "Tagesspiegel" muß dagegen schon in der Einleitung seines Berichts darauf verweisen, daß "auch umstrittene Gruppen wie 'Eye 4 Palestine'" zu den Aufrufern gehörten. Was die drei Redakteurinnen für strittig halten, müssen sie nicht ausführen. Als empörend empfinden sie dies:

Erinnert sich noch jemand daran, wie das Zeigen des Buchstaben "Z" unter Strafe gestellt wurde?
»Die Polizei hatte zuletzt von 50.000 Teilnehmern auf der Zubringerdemo gesprochen. Bei der Abschlusskundgebung schätzt die Polizei die Zahl auf etwa weitere 10.000 Menschen, sodass man insgesamt von 60.000 Menschen ausgehe. Eine Polizeisprecherin schloss aber gegen 19.30 Uhr eine größere Zahl nicht aus. Schätzungen der Polizei seien grob und dienten nur der Einsatzplanung.«
Bei den großen Demos 2020 gegen die Corona-Maßnahmen hatte sich der "Tagesspiegel" stets an den grotesk heruntergerechneten Zahlen der Polizei orientiert. Darüber und über jahrelange Hetze gegen Corona- und Friedensdemos in dem Blatt gibt es jede Menge zu lesen via https://www.corodok.de/?s=tagesspiegel.
Heute liest sich solches so:

Gezeigt wird ein Twitter-Video, bei dem unter wenigen versprengten Israel-Bewunderern auch Transparente immer noch verpeilter Großmütter zu sehen sind:

Und das gab es auch noch:


Antisemiten? Wer, was soll das denn sein? Achja, der Staat. Denn der marschiert mit. Mit dem Führer an Spitze.
Anmerkungen zur Demonstration:
1.Teilnehmerzahl: Ich zählte an der Bushaltestelle vor dem Alten Museum, 100m westl. der rechten Omas. Zur Zählweise, exakt abgezählte 100er Blöcke, drei mal. Mit dieser Kalibrierung hat man bei einiger Übung ganz gut 100er Blöcke im Blick, Kontrollzählung aller paar Tausend zur Überprüfung der Kalibrierung. Der Demozug hatte zu diesem frühen Zeitpunkt auf der Straße 36.000 Demonstranten. Nicht gezählt wurden die mitströmenden Menschen auf den beiden angrenzenden Trottoirs, so dass mensch zu diesem frühen Zeitpunkt auf ca. 40.000 Teilnehmende kommen kann. Erfahrungsgemäß kann eine Zunahme mit den Faktoren 1,5 bis 2 (vielleicht auch mehr !) bis zur Abschlusskundgebung gerechnet werden.
Teilnehmerzusammensetzung: Dem Augenschein nach eine altersmäßig eher junge Demonstration mit einem Durchschnitt durch die Bevölkerung, säkular geprägt (sic!!!). Klare Dominanz des "reformistisch-liberalen" Spektrums. Die geringe Präsens des gerontophilen Friedens- und Querspektrums wurde nicht nur von mir als (auch aus olfaktorischen Gründen) als angenehm empfunden.
Politische Aussage und gleichzeitig Kritik: Ein wesentliches Moment der herrschenden Propaganda ist die Dekontextualisierung der Ereignisse, sowohl topographisch-regional wie auch historisch. Dem wurde so gut wie nichts entgegengesetzt (Besetzung, kolonial-imperiale Kriege, UN-Beschlüsse, Geschichte des Widerstands ((einschließlich der Fehler und reaktionären Wendungen)), Reflektion der Kapitalistischen Produktionsweise bezüglich der Krisenerscheinungen). Die Ebene identitärer Bezüge (Heimat, Moral und Gerechtigkeit) wurde nicht verlassen. Letzteres ist eine notwendige Bedingung für jegliche Emanzipation.
Persönliches: In dieser großen Menge der Protestierenden entdeckte ich ganze 3 (drei) Bekannte aus prä-coronistischen Zeiten. Den Vermissten rufe ich zu: Fahret hin in Frieden !
@Andreas Beck
"…Die geringe Präsens des gerontophilen Friedens- und Querspektrums wurde nicht nur von mir als (auch aus olfaktorischen Gründen) als angenehm empfunden.…"
echt jetzt? Ich glaubte erst ich hätte mich verlesen. Selten so einen Mist gelesen.
Erschreckend ist, mit welcher Gleichgültigkeit, wenn nicht gar Enthusiasmus, die Bürger Israels (erster Klasse, nicht zweiter Klasse mit palästinensischen Wurzeln) diesen Genozid ermöglichen. Dieser Genozid ist der Test, wie weit die sogenannten "Eliten" gehen können, um Ziele zu erreichen.
Im Übrigen sei wieder auf das Interview von Eichmann im Life Magazine verwiesen, in dem der beabsichtigte Handel mit Kastner ausgeführt wird. Kastner als Erzzionist (und späterer Abgeordneter der Knesset) war bereit, für wenige Zionisten, die nach Palästina ausreisen hätten dürfen, hunderttausende "Übriger" ihrem Schicksal zu überlassen. Ein Handel gegen Lastwagen für das Deutsche Reich. Unterschiede im Fanatismus sind kaum erkennbar. (Ok, das nähert sich sicher bereits dem A‑Unwort.)
ich habe das plakat warschau/gaza auch gesehen.
was hat warschau 1945 mit der verharmlosung des holocaust zu tun, wenn das warschauer ghetto 1943 vernichtet wurde?
man hätte auch hiroshima und gaza vergleichen können, ohne den holocaust zu verharmlosen.
hätte man dann den atombombenabwurf auf hiroshima verharmlost?
kann man mit bildern von gaza hiroshima verharmlosen?
kann man mit bildern von hiroshima gaza verharmlosen?
verharmlost das bild eines toten kindes in gaza, den Tod eines Kindes in Hiroshima?
der vergleich soll mitgefühl erzeugen. hat man in pearl harbor mitgefühl mit toten japanischen kindern von 1945?
und die ungezählten ermordeten Kommunisten nicht vergessen @holger blank.