Es ist fraglich, ob sich die Biotech-Konzerne nach ihrer Gier zu Schmetterlingen verwandeln.

»Deutschland soll unter Führung von Bundeskanzler Friedrich Merz zu einem internationalen Spitzenstandort der Biotechnologie aufsteigen. Hochqualifizierte Fachkräfte, renommierte Forschungseinrichtungen und umfangreiches Know-how sind vorhanden. Doch politische Altlasten erschweren der Branche den Weg nach vorn. Insbesondere ein Gesetz aus dem Jahr 2019, eingeführt vom damaligen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), sorgt für Unruhe. Die darin vorgesehene automatische Substitution von patentgeschützten Biopharmazeutika durch Biosimilars könnte nach Ansicht der Industrie einen verstärkten Preiskampf auslösen und die Produktion ins außereuropäische Ausland verlagern – mit spürbaren Folgen für Patienten und den Standort…
Der Apotheker vor Ort [wählt] das günstigste Medikament aus, das von der jeweiligen Krankenkasse durch exklusive Rabattverträge mit einem bestimmten Hersteller zur Behandlung vorgeschrieben ist. Die Politik versprach sich davon weitere Einsparungen im defizitären Gesundheitssystem. Die Hersteller und ihre Interessenvertretung Pro Biosimilars sehen darin dagegen die Vorboten von Produktionsabwanderung und einer durch Preisdruck instabiler werdenden Medikamentenversorgung…«
"[Wir] gefährden nicht nur die Versorgungssicherheit, sondern auch die Zukunftsfähigkeit des Gesundheits- und Wirtschaftsstandorts Deutschland", barmt Rebecca Guntern vom Sandoz-Vorstand. Und Alexandra Handrich vom Konkurrenten Biogen droht: "Wenn wir unternehmensintern vor Investitionsentscheidungen stehen, spielen die Rahmenbedingungen an den einzelnen Standorten eine ganz entscheidende Rolle". "Wenn das Marktumfeld jetzt noch unsicherer wird, sagen viele Unternehmen: Dann investieren wir nicht", ergänzt ihr Kollege Walter Röhrer.
An fast keiner Stelle geht es in dem Artikel um Gesundheit. Es handelt sich um einen Konkurrenzkampf verschiedener Branchen der Pharmaindustrie auf dem Rücken der PatientInnen.
»Unattraktive Rahmenbedingungen und Kostendruck dürften Unternehmen nach Auffassung der Branche dazu zwingen, ihre Lieferketten auf Effizienz zu trimmen und die Produktion zu verlagern, wie es im Fall von Generika mit einer Abwanderung nach Fernost geschehen ist.«
Frau Guntern bekräftigt:
»"Sollte sich das Umfeld dauerhaft in eine Richtung entwickeln, die wirtschaftlich nicht mehr tragfähig ist, müssten wir, wie alle anderen bestimmt auch, über Alternativen nachdenken. Das wäre nicht unsere erste Wahl, aber unternehmerische Verantwortung verlangt auch vorausschauendes Handeln."…
Nachdem Hersteller und Interessenvertreter bis Mitte Juli Gelegenheit hatten, zu den Plänen des mit der Regelung der automatischen Substitution betrauten Gemeinsamen Bundesausschusses Stellung zu nehmen, richten sie ihren Blick nach Berlin. Dort wertet der Ausschuss derzeit noch die Einwände aus. Eine Frist, bis zu der ein Beschluss fallen muss, gibt es nicht. Sollte der G‑BA nicht zu dem Ergebnis gelangen, dass die Umsetzung zu gefährlich wäre, ist das Bundesgesundheitsministerium unter Ministerin Nina Warken (CDU) am Zug. Es muss das Vorhaben rechtlich prüfen und kann noch einschreiten. Je nachdem, wie schnell die Mühlen mahlen, könnte es aus Branchensicht im schlechtesten Fall noch dieses Jahr zur Umsetzung kommen.«


Allein der Begriff Versorgung regt mich auf. Dicht gefolgt von Wirtschaft. Aber es soll ja Menschen geben die das alles glauben.
"Der Apotheker vor Ort [wählt] das günstigste Medikament aus …"
Biosimilars erfordern eine eigenständige Zulassungsverfahren mit klinischen Studien. Zumindest dann, wenn die vorgesehenen Regeln beachtet und nicht umgangen werden. Es sind eben keine Generika, sondern ähnliche Wirkstoffe.
Der Apotheker vor Ort wählt dann das günstigste Medikament aus, wenn dies auf einem Rezept vorgesehen. Betrachtet man die derzeitigen Anwendungsfälle von Biosimilars, dürfte die Frage der Austauschbarkeit durch den Arzt bereits kritisch gesehen werden. Der Arzt kann auch ein spezielles Biosimilar ohne Austauschmöglichkeit verordnen.
Über Zweckmäßigkeit kann man gerne streiten, über die unvollständige Information der FAZ nicht.
Btw, unterschwellig schwingt das immer mit. Also dieses Nimmersatt-Syndrom. Lauschen Sie andächtig dem was Weinbauern über die diesjährige Ernte sagen. Und auch den Getreidebauern waren dieses Jahr wieder die Körner zu klein. Und auch die Kranken‑, Renten- und sonstige Kassen beschweren sich laufend darüber daß sie nicht genug einnehmen. Und natürlich der Staat der sich ständig beschwert daß er arbeitsunwillige Menschen durchfüttern muss.
Und die Energiekosten… ahja. Die sind natürlich nur für die "Wirtschaft" viel zu hoch, insbesondere für die großen Unternehmen. Sogar Stromkonzerne haben es schon fertig gebracht über zu hohe Stromkosten zu jammern. So wie sich die Reedereien laufend darüber beschwerden, daß ihre Schiffe zu wenig Wasser unterm Kiel haben, insbesondere Cruiser die mit 5000 Mann Besatzung und ebensoviel Urlaubern in den Canale Grande in Venedig einlaufen.