Debatte in AbsEUrdistan

Sie sind mäch­tig stolz, daß es kei­nen Eklat gab in Washington, die Führer Europas, wie sie sich selbst sehen. Drei Jahre lang haben sie Verhandlungen über die Ukraine kate­go­risch aus­ge­schlos­sen, da mit dem "Machthaber" sol­ches nicht mög­lich und nicht wün­schens­wert sei. Nur zäh­ne­knir­schend neh­men sie hin, daß die Entwicklung aber genau in die­se Richtung geht und sie zu histo­ri­schen Zaungästen wer­den. Die vie­len Milliarden, die in die Rüstungs- und manch ande­re Kassen der Ukraine flos­sen, müs­sen als Abschreibung ver­bucht werden.

Um irgend­wie noch einen Fuß in die Tür zu (pro­fi­ta­blen) Deals zu bekom­men, phan­ta­siert man davon, daß Truppen aus der EU auf ukrai­ni­schem Boden "den Frieden sichern" sol­len; noch unlängst sprach man von "robu­sten Einsätzen". Abgesehen davon, daß sie in kei­nem ein­zi­gen Land über­haupt in aus­rei­chen­der Zahl vor­han­den wären, wäre eine Erinnerung an die Ziele Rußlands hilf­reich. Neben aller­lei pro­pa­gan­di­sti­schem Getöse aus Moskau bestand das Hauptziel Putins stets in Sicherheitsgarantien, was eben die Anwesenheit von NATO-Truppen in der Ukraine aus­schließt. Mag die Methode des Angriffs auf das Nachbarland völ­ker­rechts­wid­rig und ver­bre­che­risch sein, an dem nach­voll­zieh­ba­ren Anliegen führt kein Weg vor­bei. Dummerweise ist zu erwar­ten, daß aus der Geschichte des deut­schen Militarismus wie des bri­ti­schen, fran­zö­si­schen, ita­lie­ni­schen Kolonialismus kei­ne Lehren gezo­gen wer­den. Schon der Versuch einer deut­schen Revolution nach dem Ersten Weltkrieg mit Millionen Toten und Verstümmelten blieb halb­her­zig und konn­te nie­der­ge­schla­gen wer­den. Schon damals ging die SPD Arm in Arm mit Kaisertreuen und Großgrundbesitz dar­an, revol­tie­ren­de Arbeiter nie­der­zu­kar­tätschen. Nur zwan­zig Jahre spä­ter folg­te der näch­ste, noch ver­hee­ren­de­re Krieg.

12 Antworten auf „Debatte in AbsEUrdistan“

  1. "Schon damals ging die SPD Arm in Arm mit Kaisertreuen und Großgrundbesitz dar­an, revol­tie­ren­de Arbeiter niederzukartätschen."

    Zutreffend. Die SPD ist und bleibt der Verräter der Arbeiterklasse. Die Aufgabe der SPD seit 111 Jahre ist es, die Arbeiterklasse ein­zu­he­gen und einen ech­ten Systemwechsel zu ver­hin­dern. Mag sein, dass Idealisten ver­folgt wur­de, lit­ten und zu Tode kamen für abwei­chen­de Ziele. Am Bonzentum und der Unterwürfigkeit unter das Großkapital der Partei und ihrer Funktionäre ändert dies nichts.

    1. @Clarence O’Mikron: Zu Zeiten August Bebels und Wilhelm Liebknechts hat sich die SPD blei­ben­de Verdienste bei der Organisierung und Bildung der ArbeiterInnen erwor­ben, unter Bedingungen, unter denen man dafür noch in Festungshaft kam. 1914 hat sie all das ver­ra­ten, mit dem Godesberger Programm sich von jeder Systemkritik ver­ab­schie­det und treibt heu­te ihre Klientel wahl­wei­se in die Resignation, den Wahnsinn oder die Arme der "Rechtspopulisten".

      Das Problem: Derlei Kritik bleibt wohl­feil, so lan­ge sie nicht die heu­te wie damals bit­ter nöti­ge Organisierung und Bildung nicht nur der Arbeitenden in Angriff nimmt.

      1. @ aa: Exakt aus den von Ihnen genann­ten Gründen schrieb ich "seit 111 Jahren". Mit der Zustimmung zu den Kriegskrediten wur­de die poli­tisch-stra­te­gi­sche Ausrichtung ent­spre­chend der zu fül­len­den Lücke im System fest­ge­zurrt. Die Leistungen von Bebel und Liebknecht und ande­rer vor die­ser bis zum heu­ti­gen Tage andau­ern­den stra­te­gi­schen Ausrichtung sol­len nicht in Abrede gestellt werden.

        Es stellt sich die kon­kre­te Frage, wie die Organisierung und Bildung nicht nur der Arbeitenden in Angriff zu neh­men ist. Mit hoh­lem, ver­lo­ge­nem Geschwätz u.a. der SPD, Linke, Gewerkschaften zwecks Sicherung der Futtertröge der Partei-Funktionäre wird wohl kaum etwas zu errei­chen sein. Das eigent­li­che Problem ist, dass jede Debatte zum herr­schen­den System unter­bun­den wird.

        Fazit ist letzt­lich, dass die­se soge­nann­te frei­heit­li­che Demokratie ein kom­ple­xes Konstrukt aus u.a. Macht, Netzwerken von Personen und Unternehmen, offen oder ver­deckt gekauf­tem Einfluss, US-Abhängigkeit auf­grund der Weltkriege, genutz­te Propaganda und "Nudging" ist und Parteien dies absi­chern helfen.

        1. @Clarence O’Mikron: Ich habe schon ver­stan­den, wie es nicht geht. Mir fehlt hier die Idee einer Alternative, Organisierung und Bildung auf­zu­bau­en. Nur mit einer sol­chen hät­ten Linke eine Handlungsoption. Die Entlarvung allei­ne ver­ste­hen die Rechten heu­te viel bes­ser, und sie ver­ste­hen es, das Wasser des Unmuts auf Mühlen zu len­ken, die alles ande­re bewir­ken als die Verbesserung der Lage derer "unten".

          1. was für eine Bildung fehlt denn?
            mei­nen Sie mit Bildung Agitation?
            bedeu­tet agi­ta­ti­on aufklärung?
            Bewußtseins-Bildung?
            am ende die­ser bil­dung stand die ein­sicht in die not­wen­dig­keit des klas­sen­kamp­fes, der weni­ger gegen men­schen, eher gegen struk­tu­ren geführt wer­den muß.
            gegen wel­che? da beginnt die Bildung.
            z. B.: das eigen­tum als struk­tur macht angst vor ver­ar­mung, die als ver­elen­dung vom eigen­tum her­ge­stellt wird.
            "du wirst nichts besit­zen, du wirst glück­lich sein".
            man will aber eigen­tum haben, um frei (sicher) zu sein.
            Bildung setzt in Gegensatz, indem wider­sprü­che sor­tiert werden.
            man wird in gegen­satz gestellt und lebt in einem klassensystem.
            wobei sich der "klas­sen­feind" des­sen bewußt ist, qua Eigentum.
            die leu­te, die nichts besit­zen, sol­len sich bewußt wer­den, daß das eigen­tum ihr feind ist, weil sie nichts besit­zen und sie nicht die sei­ten wech­seln können.
            lie­ber den Besitzlosen, den Proletarier zum Feind als das Eigentum.
            die besitz­lo­sen sind die kon­kur­ren­ten um das eigen­tum, nicht die eigentümer.
            usw.
            Was ist Bildung? Orientierung in der Welt, Verwendungsfähigkeit?

          2. @ aa: Ich wage die These auf­zu­stel­len, dass erst dann, wenn ein Klassenbewusstsein ent­stan­den ist, sich etwas ändern kann. Es muss von selbst ein Interesse bei den Personen vor­han­den sein. Ohne dies kann sich nichts ändern. Hierzu muss aber pri­mär erst ein­mal der Wattebausch mul­ti­me­dia­ler Sedierung über­wun­den wer­den. Solange lie­ber infan­ti­les TikTok-Gedöns geschaut wird und lie­ber Candy Crush gespielt wird, statt den wirk­lich wich­ti­gen Dingen nach­zu­ge­hen, kann kein Klassenbewusstsein ent­ste­hen, was erfor­der­lich ist. Und exakt dies ver­hin­dert die ablau­fen­de 24/​7/​365 media­le Dauerberieselung der­zeit. Dies zu ändern scheint mir die die größ­te Hürde zu sein. Es ist die Reihenfolge der Schritte, die bei unse­ren Perspektiven unter­schied­lich ist.

            1. @ Clarence…: Das Ärgerliche am Klassenbewußtsein ist, daß es nicht von allei­ne ent­steht. Es kann sich nur her­aus­bil­den durch gemein­sa­mes Handeln (was im übri­gen auch hier 100.000-fach statt­fin­det) und durch die Analyse dess­sen, wor­in gemein­sa­me Interessen bestehen, wer ihnen ent­ge­gen­steht und sie in Individualismus, Identitätsgedöns und "Nebenwidersprüche" auf­löst (was in aller Regel nicht geschieht). 

              Es gibt also durch­aus so etwas wie einen Klasseninstinkt, der sich aller­dings meist auf Kämpfe um ein paar Krümel vom Kuchen beschränkt. Das ist mit­nich­ten gering zu schät­zen und kei­nes­wegs selbst­ver­ständ­lich ange­sichts der Jahrhunderte wäh­ren­den Berieselung durch Medien und ein Bildungssystem, die die Interessen der öko­no­misch Mächtigen wider­spie­geln. Was es braucht, ist ein Verständnis der Mechanismen die­ser Gesellschaft. Dafür ist Bildung erfor­der­lich, die kei­ne Indoktrination dar­stellt, son­dern eigens Denken beför­dert. Dies hat die SPD in ihren Anfängen vor­bild­lich orga­ni­siert. Weitergeführt wur­de der Ansatz in den 20-er Jahren durch die Marxistischen Arbeiterschulen, die sich längst nicht auf auf das drö­ge Studium von Marx-Texten beschränk­ten, son­dern einen umfas­sen­den Wissenschaftsbegriff ver­trat. Ein her­aus­ra­gen­des Beispiel ist ein Vortrag von Albert Einstein "Was der Arbeiter von der Relativitätstheorie wis­sen muss". Aber auch zu Fragen der Psychologie oder der Sexualpolitik wur­de dort von nam­haf­ten WissenschaftlerInnen gelehrt. 

              Es führt kein Weg dar­an vor­bei: Wer sich in dem kei­nes­wegs über­schau­ba­ren Gewirr von Klasseninteressen behaup­ten will, muß es zu durch­schau­en trach­ten. Wie in allen Bereichen des Lernens kön­nen die, die "im Stoff" etwas wei­ter sind, dabei behilf­lich sein. Ein nase­rümp­fen­des Herabblicken auf die­je­ni­gen, die sich mit TikTok-Gedöns ablen­ken, ist heu­te so wenig hilf­reich wie das frü­he­re Verlachen der Proleten, die sich mit der Bildzeitung sedierten. 

              Welch müh­sa­mes Geschäft das Vermitteln selbst ein­fa­cher Wahrheiten ange­sichts einer von oben ver­blö­de­ten und sich ver­blö­den las­sen­den Bevölkerung ist, haben wir bei der Coronapolitik gese­hen. Erfolgreich war die Protestbewegung gegen sie, als die Kritik auf Besserwisserei ver­zich­te­te und auch die Menschen ernst nahm, die auf die Propaganda her­ein­ge­fal­len waren, aber mit der "Impfpflicht" die Gefolgschaft kündigten.

    2. > Die Aufgabe der SPD seit 111 Jahre ist es, die Arbeiterklasse ein­zu­he­gen und einen ech­ten Systemwechsel zu verhindern. 

      Nein. Sondern seit der Gründung die­ser Partei. Das ist die Erkenntnis die ich aus der Geschichte der Bismarckschen Sozialistengesetze ablei­te. Im Übrigen waren Bismarck und Lasalle ziem­lich gute Freunde.

  2. "Mag die Methode des Angriffs auf das Nachbarland völ­ker­rechts­wid­rig und ver­bre­che­risch sein …"

    Das hört sich an wie Deutschlandfunk.

  3. "Mag die Methode des Angriffs auf das Nachbarland völ­ker­rechts­wid­rig und ver­bre­che­risch sein …"

    Mit sol­chen Beurteilungen bzw. Vorverurteilung Russlands muss man vor­sich­tig sein. Es ist nicht bekannt, ob die Ukraine im Vorfeld nicht pro­vo­ziert hat…

    Viele Grüße
    Walter aka Der Ösi

  4. Mein Vorschlag für eine "ech­te" Friedenssicherung wären UN-Friedenstruppen bestehend aus 50% ver­trau­te (und auch von Russland akzep­tier­te Länder) der ukrai­ni­schen Regierung und 50% ver­trau­te des Kremels.

    Man mag hal­ten davon was man will, aber Russland sitzt am län­ge­ren Hebel…

    Viele Grüße
    Walter aka der Ösi

  5. Und noch ein Zitat:
    "Durch eine glaub­wür­di­ge­re trans­at­lan­ti­sche Partnerschaft muß der Brückenkopf der USA auf dem eura­si­schen Kontinent gefe­stigt wer­den, daß ein wach­sen­des Europa ein brauch­ba­res Sprungbrett wer­den kann, von dem aus sich eine inter­na­tio­na­le Ordnung der Demokratie und Zusammenarbeit nach Eurasien hin­ein aus­brei­ten läßt." /​Brzeziński, Die ein­zi­ge Weltmacht

    Was ist das ande­res als eine Kriegserklärung an Rußland und China unter dem heuch­le­ri­schen Deckmantel von "Demokratie" und "Zusammenarbeit"?

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