"Die Deutsche Bahn will und darf nicht entscheiden, welches Bataillon von dieser oder jener Nation zuerst die Waggons bekommt"

sued​deut​sche​.de (18.8.25)

Unter die­ser Überschrift wird die Grundlage für eine durch­grei­fen­de Militarisierung der Gesellschaft beschrie­ben. Denn: "Wir befin­den uns nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden. Sondern in irgend­ei­ner Phase dazwi­schen, weil wir die­se hybri­den Bedrohungen haben". Die bewußt schwam­mi­ge Formulierung hebelt die Verfassung aus und soll uns dar­an gewöh­nen, daß schon heu­te im Zweifelsfall ein mili­tä­ri­scher Machthaber das letz­te Wort in vie­len Bereichen haben soll.

Bodemann läßt kei­nen Zweifel dar­an, wie das Schuldenprogramm der Bundesregierung zur Infrastruktur zu ver­ste­hen ist: "Panzer sind schwe­rer, höher und brei­ter gewor­den… Darauf sind vie­le unse­rer Brücken noch nicht aus­ge­rich­tet. Daher ist es so wich­tig, dass nun auch stark in die Infrastruktur inve­stiert wird". Freimütig plau­dert der Chefplaner dar­über, in wel­chem Ausmaß eine Privatisierung hoheit­li­cher Aufgaben geplant ist, auf daß sich wie bei Corona gewis­se Branchen gesundstoßen.

Umfangreiche Privatisierung

"Wir" müs­sen "mili­tä­ri­sche Fähigkeiten durch zivi­le Fähigkeiten kom­pen­sie­ren". Die "SZ" fragt: "Das heißt?"

»Dass der Betriebsstoff an einem Convoy Support Centre, also ver­gleich­bar einer Raststätte, zum Beispiel nicht von einem Bundeswehr-Lkw gelie­fert wird, son­dern von einem Lkw eines Unternehmens, mit dem wir einen Vorhaltevertrag schlie­ßen. Oder dass tem­po­rär nicht die Bundeswehr für die ärzt­li­che Versorgung zustän­dig ist, son­dern bei­spiels­wei­se die Malteser, Johanniter oder das Rote Kreuz. Eine zivi­le Firma, mit der wir einen Vertrag geschlos­sen haben, wür­de dann die Rast- und Sammelräume auf­bau­en. Eine ande­re oder die­sel­be Firma wür­de gege­be­nen­falls sogar noch grö­ße­re Räume, wo auch mal eine Brigade oder eine Division über Wochen oder Monate hin­weg mit Verpflegung, mit Frischwasser, mit Betriebsstoff ver­sorgt wer­den kann, bereit­stel­len und betrei­ben. So etwas gab es zuletzt im Kalten Krieg.

Rheinmetall bekommt sat­te 260 Millionen Euro dafür, dass sie Rast- und Sammelräume ent­lang von Marschrouten organisieren.

Na ja, so wie Sie es sagen, klingt es wie ein Fixbetrag. Tatsächlich gibt es einen Rahmenvertrag, der der­ar­ti­ge Ausgaben zulässt. Und wir wol­len schon wis­sen, ob das, was Rheinmetall uns ver­spricht, auch funk­tio­niert. Daher wer­den wir bei einer gro­ßen Übung prü­fen müs­sen, wie es ist, wenn wir meh­re­re Leistungen aus die­sem Vertrag gleich­zei­tig abfor­dern, also zum Beispiel Bereitstellung und Betrieb von Unterkünften, Verpflegung, Sanitäranlagen, Betankung, Energieversorgung…

Eine Schlüsselrolle in Ihren Planungen spielt im Ernstfall auch die leid­ge­prüf­te Bahn.

Wir haben jetzt eini­ge neue Verträge mit der Bahn, ja. Um hier klar zu sein: Die Deutsche Bahn will und darf nicht ent­schei­den, wel­ches Bataillon von die­ser oder jener Nation zuerst die Waggons bekommt. Das ist natür­lich eine rein mili­tä­ri­sche Entscheidung, die am Ende vom für die Ostflanke zustän­di­gen Nato-Kommando im nie­der­län­di­schen Brunssum kommt. Und wir kön­nen dann der DB Cargo sagen: Das ist der Aufkommensort, das ist der Zielort, und das ist die Truppe, die zuerst prio­ri­tär ver­legt wer­den muss. Und dann stellt sie die Wagen und die Strecke bereit, über die sie fahren…

Die Vorhalteverträge mit der Bahn dürf­ten auch min­de­stens einen hohen drei­stel­li­gen Millionenbetrag kosten, oder?

Ich bin nicht der­je­ni­ge, der die Verträge macht. Ich stel­le immer die Bedarfe in den Vordergrund. Deswegen weiß ich das wirk­lich nicht. Es ist aber ziem­lich teuer…

Was treibt Sie jen­seits der orga­ni­sa­to­ri­schen Fragen um?

Viele hybri­de Bedrohungen – von Cyberattacken bis zu Sabotageversuchen oder Sabotagevorbereitungen – kön­nen wir nicht ein­deu­tig zuord­nen. Einige kön­nen wir Russland ein­deu­tig zuord­nen, aber bei ande­ren fra­gen wir uns: Wer ist das eigent­lich, der uns da gera­de angreift? Ist das mög­li­cher­wei­se Russland, ist das ein ande­rer Staat, ist es der inter­na­tio­na­le Terrorismus, ist es orga­ni­sier­te Kriminalität? Oder war das wirk­lich ein­fach nur ein Unfall oder der Diebstahl von Kupfer ent­lang einer Bahnstrecke? Es ist schwie­rig, an unse­rer alten, aus unse­rer Geschichte kom­men­den schar­fen Trennung von inne­rer und äuße­rer Sicherheit fest­zu­hal­ten, wenn ich nicht weiß, ob der Aggressor von innen oder von außen kommt. Aber wir tau­schen uns dazu bereits viel mehr mit Landespolizei, Bundespolizei, Verfassungsschutz aus…«

Auch das ist grund­ge­setz­wid­rig, wie uns in frü­he­ren Feierstunden zu den Lehren aus dem deut­schen Faschismus ver­si­chert wur­de. Die strik­te Trennung von Militär, Polizei und Geheimdiensten galt als wich­ti­ge Schlußfolgerung aus dem staat­li­chen Terror der Nazis.

9 Antworten auf „"Die Deutsche Bahn will und darf nicht entscheiden, welches Bataillon von dieser oder jener Nation zuerst die Waggons bekommt"“

  1. digi­ta­li­sie­rung bedeu­tet zen­tra­li­sie­rung der daten.
    die abschir­mung der daten vor­ein­an­der war auch eine kon­se­quenz aus der nazi-zeit.
    aber die zen­tra­li­sie­rung ist eben auch ratio­na­li­sie­rung, viel­leicht sogar entbürokratisierung.

  2. Die Konsequenz dar­aus, dass ich eini­ge Angriffe auf die Infrastruktur nicht nur nicht ver­hin­dern son­dern auch nicht zuord­nen kann, soll sein dass ich sämt­li­ches Steueraufkommen die­ser und zukünf­ti­ger Generationen eini­gen Konzernen überhelfe?

    Wow. Dass muß die­se Leistungsgesellschaft sein von der immer alle reden.

  3. An der Heimatfront soll es noch Spielverderbende geben!
    Die "wittern"gar "Frühmilitarisierung" statt gesi­chert "harm­lo­sen Ferienspaß"
    https://​www​.spie​gel​.de/​p​a​n​o​r​a​m​a​/​g​e​s​e​l​l​s​c​h​a​f​t​/​b​u​n​d​e​s​w​e​h​r​-​s​o​m​m​e​r​c​a​m​p​-​i​n​-​k​e​l​l​m​u​e​n​z​-​f​e​r​i​e​n​s​p​a​s​s​-​o​d​e​r​-​f​r​u​e​h​m​i​l​i​t​a​r​i​s​i​e​r​u​n​g​-​a​-​5​9​b​6​0​7​5​9​-​4​b​d​1​-​4​1​a​7​-​b​8​8​6​-​e​b​7​f​9​a​9​0​5​79c

    Die Berichterstatterin mit dem cun­ning ger­man sur­na­me ist ja kein EInzel- son­dern eher ein Regelfall (kan­ning ja sein, dass ich da, "wegen Corona" eine ver­zerr­te Wahrnehmung habe, aber mir deucht, es wäre seit 2020 immer schlim­mer gewor­den: die Qualität der Artikel in sämt­li­chen "Zentralorganen" kor­el­liert mit dem Alter der Schreiberlinge).
    Und bei der­ar­ti­gen Ergüssen muss ich mich schon diesseiits der Bezahlschranke zurück­hal­ten, um nicht sämt­li­chen Bellizismus-ver­harm­lo­sen­den "Influencern" (w/​d/​m, Alter egal) einen Einberufungsbescheid für die "line of cont­act", egal wo, zu wün­schen (aber man will ja nicht auf das Niveau jener beson­ders Strenggläubigen abdrif­ten, die "Impf"- oder "Maskenverweigernden" schon mal, durch die Stinke-Blume, Erstickungstode wünsch­ten – mit oder ohne Intensivbehandlung).
    Vielleicht haben die Kriegswoken ja bereits "KI"-generiertes Material vor­be­rei­tet, um es dem­nächst, hybrid, auf "uns" zu bal­lern. Etwa: Bellizismus als "alter­na­tiv­lo­se Maßnahme" pro­pa­gie­ren und jene, die sich dem "ver­wei­gern", sol­len doch gleich rübermachen.

  4. Wenn ich mit mei­nem Deutschlandticket im Bummelzug unter­wegs bin, und die wol­len mir den Platz weg­neh­men, krie­gen die aber sowas von Stress. Das gibt Revolution.

    Müssen Sie halt vor­her dafür sor­gen, dass kein Krieg ausbricht.

  5. Nachtrag:
    Hab mir das
    https://​archi​ve​.is/​E​M​OgG
    dann doch noch in Gänze rein­ge­zo­gen und muss jung Julia zubil­li­gen, dass ihr "Beitrag" den Namen "Reportage" weit­ge­hend verdient.
    (Zeitgemäß) sub­til wer­tend wird es haupt­säch­lich dort, wo sie "gen­dert" ("Im Winter unter­stüt­zen die Soldatinnen und Soldaten bei der Waldweihnacht") und wo nicht ("Friedensaktivisten", "Pazifisten", "Kriegsdienstverweigerer") – was man kennt, wenn es um die Unterscheidung von Gut und Böse geht (Böse gibt's, je nach Au-Toren-Präferenz, im Singular und im Maskulinum, Gute im gegen­der­ten Doppelplural, oder mit Extra-Zeichen bzw. sub­stan­ti­vier­ten Partizip – da war die taz schon in den 1980ern viel wei­ter: das Binnen‑I war wert­neu­tral und auch die Bösen beka­men es verpasst).
    Also Julia – fall­ste mit­ge­le­sen haben soll­test: nix für ungut, möge dir die Einberufung eben­so erspart blei­ben, wie all den Kindern die dort doch nur "Spaß" hatten.

  6. Millionen zur "Vorhaltung" bekom­men auch eini­ge Pharmaunternehmen, für die näch­ste "Pandemie". Und die Militarisierung der Gesellschaft bekam 2020 einen immensen Schub: SoldatInnen im Gesundheitsamt zur "Kontaktnachverfolgung", wem da nicht die Alarmglocken schril­len, ist nicht zu helfen.

    Angefangen hat es aber schon frü­her. Ich kann mich an Zeiten erin­nern, da sah man nie Soldaten in Uniform auf der Straße, im Supermarkt, und auch in der Bahn hat­ten sie die nicht an, son­dern zeig­ten einen Dienstausweis vor. (Ich habe eine Zeit lang manch­mal die Uniformierten dar­auf ange­spro­chen, Uniformen gehö­ren wenn über­haupt in die Kasernen…jetzt lass ich auch das, sto­ße eh nur auf Unverständnis) Großartig dis­ku­tiert wird dar­über bis heu­te nicht.

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