Tagesschau: "Die meisten Fakes kommen aus der Biomedizin"

tages​schau​.de (17.8.25)

»Fake-Artikel lan­den auch in seriö­sen Fachzeitschriften
Wo letzt­lich ein Fake-Artikel ver­öf­fent­licht wird, hängt von der Bezahlung ab. Am gün­stig­sten scheint es, in Fake-Journals zu ver­öf­fent­li­chen. Das sind Pseudo-Fachzeitschriften, die einen wis­sen­schaft­li­chen Namen tra­gen und zum Zweck der Veröffentlichung von Fake-Artikeln gegrün­det wer­den. Sie flie­gen aller­dings häu­fig als Fälschung auf.

Die zwei­te Möglichkeit ist, in Fachzeitschriften zu ver­öf­fent­li­chen, die zwar einen seriö­sen Namen haben, aber ein­ge­stellt wur­den – zum Beispiel das ehe­ma­li­ge Fachblatt "HIV Nursing". Sie wer­den geka­pert, indem ihre Webseiten-Domain gekauft wird. Der Name des ehe­ma­li­gen Fachjournals und damit die Reputation wer­den ein­fach wei­ter genutzt.

Die Luxusvariante schließ­lich ist die, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler besto­chen wer­den, die dann den Fake-Artikel posi­tiv bewer­ten und auch in renom­mier­ten ech­ten Fachzeitschriften unterbringen.

Publikationsdruck ver­lei­tet Forschende zur Fake-Veröffentlichung
Das Geschäftsmodell funk­tio­niert so gut, weil der Druck auf Forschende wächst, mög­lichst schnell Ergebnisse zu brin­gen und viel zu publi­zie­ren. Das ist im Wissenschaftsbetrieb die Währung, um an Fördergelder für die eige­ne Forschung und Karriere zu kommen…

Die mei­sten Fakes kom­men aus der Biomedizin
Bernhard Sabel hat 2024 das Buch "Fake Mafia in der Wissenschaft" ver­öf­fent­licht. Er hat recher­chiert, dass beson­ders vie­le Fälschungen aus dem Bereich der medi­zi­ni­schen Publikationen kom­men. Das sei aber nicht ver­wun­der­lich, da ein Drittel bis die Hälfte aller Publikationen aus der Biomedizin stammten.

Sabel warnt, dass die Fälschungen nicht nur für die Biomedizin – also für die Versorgung der Menschen – gewis­se Risiken ber­gen, son­dern auch für die Industrie. Wenn zum Beispiel auf­grund fal­scher Angaben bei der Herstellung von Produkten fal­sche Materialien ver­wen­det wür­den oder fal­sche Experimente geplant sei­en…«

Es sei denn, die Hersteller wer­den staat­lich frei­ge­stellt von der Verantwortung… Hier sind wir auch bei den Limitationen des Artikels und der Studie, wie es dort meist heißt. In der Studie, auch in ihren Anhängen, wer­den die TäterInnen nicht benannt. Das wäre ins­be­son­de­re für die genann­te Luxusvariante von erheb­li­chem Interesse, bei der Fälschungen "in renom­mier­ten ech­ten Fachzeitschriften" pla­ziert wer­den. Es gibt kei­nen Hinweis dar­auf, wer wohl außer den Fälschenden, die sich Fördergelder erschlei­chen, ein Interesse etwa an geschön­ten Impfstoffstudien haben könn­te. Deshalb fin­det kei­ne kri­ti­sche Einbettung statt in ein pro­fit­ge­trie­be­nes System, das zu Fälschungen gera­de­zu ein­lädt. Insofern muß die Schlußfolgerung besten­falls hilf­los bleiben:

»Die Wissenschaft muss sich bes­ser kontrollieren
Um die Glaubwürdigkeit des Wissenschaftsbetriebs als Ganzes zu erhal­ten, soll­te sich die Wissenschaft selbst bes­ser kon­trol­lie­ren, so das Fazit der jüng­sten Studie aus Illinois. Bernhard Sabel von der Uni Magdeburg schlägt dazu eine Art unab­hän­gi­ge und über­ge­ord­ne­te Instanz vor, die auf die Einhaltung der Regeln schaut – also eine Art TÜV für die welt­wei­te Wissenschaft. Der soll­te auch den Fachzeitschriften stär­ker auf die Finger schau­en und den Wildwuchs der Journale genau durch­for­sten.«

Das klingt wie die gern genom­me­ne Selbstregulierung der Wirtschaft und muß wie die­se fehl­schla­gen. Es steht zu erwar­ten, daß der Beitrag abge­hef­tet wird in der Kategorie "Gut, daß wir mal drü­ber gespro­chen haben". Und das trotz der rea­li­sti­schen Prognose:

»Durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz dre­he sich die gan­ze Betrugsmasche immer schnel­ler und wer­de irgend­wann mög­li­cher­wei­se gar nicht mehr kon­trol­lier­bar. Denn schließ­lich wür­den die Modelle künst­li­cher Intelligenz dann auch mit fal­schen Fakten wei­ter­trai­niert und wür­den die­se immer wei­ter repli­zie­ren.«

Ich blei­be beim Interrete del­en­dum esse. (Der Kapitalismus sowieso.)

8 Antworten auf „Tagesschau: "Die meisten Fakes kommen aus der Biomedizin"“

  1. Man soll­te hin und wie­der dar­auf hinweisen:

    Im Kapitalismus geht es hin und wie­der auch ums Geld.

    Das scheint vie­len Zeitgenossen oft gar nicht bewusst zu sein.

      1. Neulich las ich in einer Praxis: "Lebensretter wer­den Klimaretter"… hmmh, wer­den nun Leben nicht mehr geret­tet, damit "das Klima" geret­tet wird? Wie kann so ein Satz Sinn erge­ben? Garnicht vermutlich.

  2. Betrug und Lügen: Endlich Themen, zu denen sich die Redaktion der Tagesschau unbe­streit­bar kom­pe­tent äußern kann. Und prompt macht sie es, in ihrer bewähr­ten Art und Weise.

    Ich dach­te mir, ich schau mir mal an, was für einen Scheiß die zum bevor­ste­hen­den Antritt Selenskis im Anzug (!) in Washington ver­zap­fen. Der Text ist unin­ter­es­sant. Nichts als ein Brei von Lügen und Manipulationen. Aber das ober­ste Bild hat es in sich:

    https://​www​.tages​schau​.de/​a​u​s​l​a​n​d​/​e​u​r​o​p​a​/​u​k​r​a​i​n​e​-​e​u​r​o​p​a​-​u​s​a​-​1​0​0​.​h​tml

    Wer ist "Call-in User_​15"?

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