"Die Digitalisierung der Schulen hat große negative Auswirkungen auf den Wissenserwerb der Schüler"

Wir ken­nen das ja aus der Corona-Zeit. Kritische Medien wie der "Tagesspiegel" berich­ten neu­tral, was der Staat unter­nimmt und geben kri­ti­schen Stimmen Raum. Hier geht es um die über­grif­fi­gen Nordländer, die den Kindern etwas weg­neh­men wol­len, und mah­nen­de ExpertInnen.

tages​spie​gel​.de (17.8.25, Bezahlschranke)

Die Nachrichten sind schon ange­al­tert, die Kritik aber um so wich­ti­ger, weil hier­zu­lan­de Digitalisierung immer mehr ver­pönt wird.

»… Schwedens Regierung ver­bann­te digi­ta­le Geräte aus Vorschulen, auch in den Grundschulen sind Bücher und Handschrift wie­der zurück. Insgesamt 106 Millionen Euro stell­te die Regierung 2024 bereit, um im gro­ßen Stil gedruck­te Lehrbücher anzukaufen.

Bildungsminister ent­schul­digt sich für digi­ta­les Experiment

Schwedens Bildungsministerin Lotta Edholm erklär­te den Schritt mit einem kla­ren Plädoyer für Stift und Papier: „Analoge Umgebungen und Lernmittel bie­ten die besten Voraussetzungen, um grund­le­gen­de Lese- und Schreibfähigkeiten zu entwickeln.“

In Dänemark ent­schul­dig­te sich der Bildungsminister Mattias Tesfaye sogar dafür, Jugendliche zu „Versuchskaninchen in einem digi­ta­len Experiment“ gemacht zu haben. Was ist schief­ge­lau­fen im digi­ta­len Klassenzimmer? Und kann Deutschland etwas dar­aus lernen?…

2018 hat­ten bereits ein Viertel aller schwe­di­schen Grundschul­kinder – Kinder im Alter von 7 bis 9 Jahren – Zugang zu einem per­sön­li­chen Gerät.

Ähnlich war die Situation in Dänemark: 2018 gaben mehr als 80 Prozent der befrag­ten Lehrpersonen in Grundschulen an, im Unterricht digi­ta­le Endgeräte einzusetzen.

Der Rest der Welt blick­te damals noch gespannt auf die­sen Versuch, Bildungswissenschaftler aus ande­ren Ländern lob­ten die Weitsicht der Skandinavier. Doch je län­ger das Experiment andau­er­te, desto häu­fi­ger stell­ten empi­ri­sche Untersuchungen den Nutzen der digi­ta­len Lernmittel infrage.

Entscheidend für die Trendwende war – ähn­lich wie jetzt in Deutschland – eine wis­sen­schaft­li­che Stellungnahme, die das Karolinska-Institut in Stockholm am 28. April 2023 veröffentlichte.

Das Urteil der Wissenschaftler aus den Bereichen Neuro­wissenschaft, Entwicklungspsychologie und Geriatrie fiel ein­deu­tig aus: „Die Digitalisierung der Schulen hat gro­ße nega­ti­ve Auswirkungen auf den Wissenserwerb der Schüler“…

Wer etwa Texte auf Bildschirmen las, lag nach Erkenntnissen des Karolinska-Instituts im Durchschnitt etwa zwei Jahre hin­ter Schülern zurück, die Texte auf Papier lasen. Die Wissenschaftler for­der­ten daher, zumin­dest in den frü­hen Schulstufen, eine Rückkehr zu tra­di­tio­nel­len Lernmitteln…«

Wir wis­sen alle, wel­chen gefähr­li­chen Weg skan­di­na­vi­sche Länder, allen vor­an Schweden, in den "Zeiten der Pandemie" Schulen und Kindern wie­sen. Während in der BRD auf den gro­ßen Forscher Christian Drosten gehört wur­de und die euro­pa­weit läng­sten Schulschließungen ver­ord­net wur­den, setz­te man dort leicht­fer­tig auf die Durchseuchung der Gesellschaft. Auf erzie­he­ri­sche Maßnahmen wie jah­re­lan­ges gemein­sa­mes Nasestochern, Masketragen und In-die-Ecke-Stellen von "Ungeimpften" muß­ten die Kids in Schweden verzichten.

Nun folgt der glei­che Leichtsinn bei der drin­gend nöti­gen Digitalisierung. Doch der "Tagesspiegel" bleibt auf der Hut. Er ruft die Medienwissenschaftlerin Ingrid Forsler auf:

»Fragwürdig ist aus ihrer Sicht vor allem, dass die Regierung offen­bar nur die kogni­ti­ven, medi­zi­ni­schen Aspekte der Digitalisierung berück­sich­ti­ge. „Andere Standpunkte, wie bei­spiels­wei­se die Bedeutung der Medienkompetenzbildung oder die digi­ta­len Rechte von Kindern, lässt man völ­lig außer Acht“, sagt Forsler…«

Ich ent­hal­te mich einer Kommentierung, man hat eine gewis­se Selbstachtung.

»Digitale Technologien sind weder die Lösung noch das Problem. Es kommt viel­mehr dar­auf an, wie die Technologie in den Klassenzimmern ein­ge­setzt wird.

Das ist ein Standpunkt, den auch die schwe­di­sche Pädagogin Inger Enkvist ver­tritt, eine der pro­mi­nen­te­sten Stimmen unter den Gegnern der über­ha­ste­ten Digitalisierung. Sie sieht Tablet und Laptop nicht per se als Problem, son­dern das päd­ago­gi­sche Prinzip, das häu­fig damit ein­her­ge­he: eigen­stän­di­ges Lernen.…

Medienwissenschaftlerin Ingrid Forsler hofft dar­auf, dass die Regierung noch einen guten Mittelweg zwi­schen unüber­leg­ter Digitalisierung und radi­ka­ler Rückkehr zu Stift und Papier fin­det. „Es gibt zahl­rei­che Best-Practice-Fälle, die zei­gen, wie man digi­ta­le Technologien auf päd­ago­gisch wert­vol­le Weise in den Unterricht inte­griert. Anstatt die Digitalisierung kom­plett rück­gän­gig zu machen, hät­te man sie von Fall zu Fall ver­bes­sern können.“

Die Debatte ist also auch in den nörd­li­chen Nachbarländern noch längst nicht erle­digt.«

Noch ein­mal: Wie bei Corona erhal­ten KritikerInnen den ihnen zuste­hen­den Raum, um die Regierung vor fal­schen Schritten zu war­nen. Kein Framing, son­dern Gleichberechtigung von Positionen. Das Karolinska-Institut, das die Entscheidung über den Medizin-Nobelpreis trifft, darf eben­so frei­mü­tig kri­ti­siert wer­den, wie es beim Robert-Koch-Institut der Fall war und ist.


tages​spie​gel​.de (1.5.21 – Der Titel wur­de am 21.5. "ent­schärft")
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Es reicht mir. Alle die­se Falschinformationen sind eben­so doku­men­tiert wie die zeit­wei­se täg­li­che Hetze und die Verbandelung des "Tagesspiegel" mit der Pharmaindustrie. Dutzende wei­te­re Beiträge dazu auf https://​www​.coro​dok​.de/​?​s​=​t​a​g​e​s​s​p​i​e​gel. Dort ist auch zu lesen, wie das glei­che Personal auf Kriegsbegeisterung umschwenk­te, als Corona zu lang­wei­len begann.

6 Antworten auf „"Die Digitalisierung der Schulen hat große negative Auswirkungen auf den Wissenserwerb der Schüler"“

  1. "… , son­dern das päd­ago­gi­sche Prinzip, das häu­fig damit ein­her­ge­he: eigen­stän­di­ges Lernen.…"

    Dies ist der Dreh- und Angelpunkt. Aus öko­no­mi­scher Perspektive ist dies gewünscht, da Personalkosten ein­ge­spart wer­den. Die Vereinzelung der Person ver­hin­dert dar­über hin­aus Debatten und das Aufkommen alter­na­ti­ver Lösungsmöglichkeiten. Spontanität wird ver­bannt. Es ist ein über­aus mäch­ti­ges Mittel der Dressur. Von Kindesbeinen an. Dies setzt sich über die gesam­te Spannbreite des Lebens fort. Schule, Ausbildung, Studium, Fortbildung etc.

    Die Verbannung von Spontanität wird im Übrigen auch als ein Kennzeichen faschi­sti­scher Systemen genannt.

  2. > Die Digitalisierung der Schulen hat gro­ße nega­ti­ve Auswirkungen auf den Wissenserwerb der Schüler.

    Genau das ist ja beab­sich­tigt. Sonst wür­den ja die Schüler mer­ken daß das mit dem grü­nen Wasserstoff alles nur Schwindel ist.

  3. Vermutlich wünsch­ten sich vie­le Politiker sogar, auf digi­ta­li­sier­te Schulen gegan­gen zu sein. Das wür­de ob ihres schwer nach­voll­zieh­ba­ren Verhaltenskontingentes "den Ach-So-Reflex in der Massenpsychologie" w.o.h.l. enorm reizen.

    Ach – So, Ja Dannn .…. ; ooch, der/​die Arme .….. ; komm, wäh­len wir nächs­ma' wie­der, konnt' ja kei­ner wis­sen … das is so traurisch .….

    Die Seele der brei­ten Massen scheint wohl fast annä­hernd, in Gänze ganz, uner­gründ­lich, near­ly zu sein ?

    Achso, fast ver­ges­sen – by the way – Haben die PCR-Testungen den spe­zi­fi­schen "Covid-19" damals nun nach­ge­wie­sen, oder irgend­ei­nen "Wald-und-Wies'n‑Corona". Und war­um dia­gno­sti­zier­ten die poli­tics, less the medicinicks?

  4. Hat die fröh­li­che Dame von der Süddeutschen Zeitung sich schon geäu­ßert? Sie mein­te kürz­lich sinn­ge­mäß, dass Ärzte ihre dia­gno­sti­sche Kompetenz ver­lie­ren, sei nicht so schlimm, weil das mache ja dann die KI.

    Wieso soll­te das bei Lese- und Schreibfähigkeiten von Schülern anders sein.

  5. Mir haben gera­de zwei Brandenburger Grundschulkinder erzählt: bei uns in der Schule ist Handyverbot. Wir müs­sen das in der Schultasche las­sen, dür­fen es aber auf dem Schulweg benutzen.
    🙂
    Ich:
    Und? Vermisst Ihr das nicht, immer online mit dem Handy?
    Beide, einstimmig:
    Nö. Wir kön­nen es ja zu Hause einschalten.
    °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
    Ich gebe dafür 5 Sterne: * * * * * Ob die zwei hier mit­le­sen, weiß ich nicht und ob ich eine AllerseeNixe bin, wis­sen sie auch nicht … 😉 

    Die bei­den HABEN natür­lich Handys, aber die Idee, die Teile nur auf dem Hin- und Rückweg zu akti­vie­ren oder eben sie kom­plett abge­schal­tet zu las­sen, fin­de ich gut. Ich will nicht schon wie­der von mei­ner eige­nen Kindheit erzäh­len, wo ich immer dann "nach Hause muss­te, wenn die Laternen ange­hen" und in der Zwischenzeit wuss­ten mei­ne Eltern nicht, wo ich war. Weder als Kind noch als Teenager – sie wuss­ten es nicht. Ich war eben eben drau­ßen mit Freunden oder allein, weit weg, irgend­wo, drau­ßen. Nicht getrackt, nicht mit App., nicht über­wacht mit der Apple-Watch, mit gar nichts. Ich hät­te mir bei­de Beine bre­chen kön­nen, vom Auto über­fah­ren wer­den kön­nen, nie­mand wuss­te, wo ich bis zur Dämmerung war.

    Herrlich!

    ~ ~ ~

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