Das macht doch nichts, das merkt doch keiner!

Die Schaffenskraft der Powerfrau der "Süddeutschen Zeitung" zum Wohle der deut­schen Gesundheitsindustrie nötigt Respekt ab.

sued​deut​sche​.de (15.8.25, Bezahlschranke)

»… Schon heu­te kann KI in der Medizin Gewaltiges lei­sten, zum Beispiel bei der Früherkennung von Krebs. So zeig­ten kürz­lich Forschende des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein im Fachblatt Nature Medicine, dass durch den Einsatz von KI im deut­schen Mammographie-Screening-Programm fast 18 Prozent mehr Brustkrebs im Frühstadium ent­deckt wird – und zwar ohne dass es häu­fi­ger zu Fehlalarm kam…«

Wie stets ist der eif­ri­gen Propagandistin ent­gan­gen, daß besag­te Studie über das erfolg­rei­che deut­sche KI-System Vara nicht nur von der Herstellerfirma finan­ziert wur­de, son­dern von meh­re­ren Mitarbeitern und Honorarempfängern, dar­un­ter den bei­den Korrespondenzautoren, durch­ge­führt wurde.

»Auch in ande­ren Bereichen der Medizin zeigt sich immer wie­der, wie sehr KI hel­fen kann, sogar in der Psychotherapie.

Umso mehr lässt nun die Nachricht auf­hor­chen, dass dort, wo KI in der Medizin ein­ge­setzt wird, lei­der mit der Zeit Kompetenzen ver­lo­ren gehen kön­nen. So ver­ler­nen Ärzte und Ärztinnen, die Darmspiegelungen mit­hil­fe von KI ana­ly­sie­ren, laut einer aktu­el­len Studie im Lancet Gastroenterology & Hepatology, Vorstufen von Darmkrebs auch noch zu fin­den, wenn sie gera­de kei­ne KI zur Hand haben. Schon nach weni­gen Monaten mit KI-Assistenz erkann­ten Ärzte aus vier spe­zia­li­sier­ten pol­ni­schen Zentren ohne KI um 20 Prozent weni­ger Krebsvorstufen als vor der Einführung von KI in ihrem Krankenhaus…

Die Frage ist nur: Wie schlimm ist das? Man mag das alles bedau­ern und als Kulturverlust betrach­ten. Aber die Chancen durch neue Technologien wie die KI sind groß. Manche Fähigkeiten braucht man eben nicht mehr, wenn es eine Technologie gibt, die ohne­hin viel bes­ser dar­in ist als der Mensch. Das gilt auch auf dem sen­si­blen Feld der Medizin…

Es gilt, sich der Fallstricke bewusst zu sein, mög­li­che Probleme durch beglei­ten­de Risikoforschung zu ent­decken und gezielt zu minimieren…

Es gilt, Dinge nicht unge­fragt zu über­neh­men, Ergebnisse auf ihre Plausibilität zu über­prü­fen und Technologien regel­mä­ßig zu eva­lu­ie­ren. Denn beim Thema Verantwortung sind Menschen immer noch unschlag­bar. Okay, zuge­ge­ben, auch nicht alle.«

Okay, zuge­ge­ben, das ist wie mit dem Alkohol. Der ist viel bes­ser dar­in, die ewi­gen Alltagssorgen ver­ges­sen zu machen, als der Mensch mit sei­nen alt­mo­di­schen Grübeleien. Ja, es gibt da auch Fallstricke, derer man sich bewußt sein soll­te. Dennoch muß man akzep­tie­ren, daß man man­che Fähigkeiten wie die­se Nachdenkerei eben nicht mehr braucht und sich den Neuerungen der Brauereiwissenschaft und der Vinologie nicht ent­ge­gen­stem­men kann.

Ich bin mir inzwi­schen kei­nes­wegs mehr sicher, ob die Artikel von Frau Berndt nicht doch von Vara geschrie­ben werden.


Der 2022 ver­stor­be­ne Satiriker Hans Scheibner sang 1979 (you​tube​.com):

Scheibner leg­te sich nicht nur mit der lin­ken Liedermacherszene an, son­dern muß­te zeit­le­bens mit dem Absetzen sei­ner Beiträge in Medien kämp­fen. 1985 wur­de vom NDR sei­ne Sendung "… scheib­ner­wei­se" ein­ge­stellt, nach­dem er zum zum drei­ßig­jäh­ri­gen Bestehen der Bundeswehr sang: "Die Frauen (von heu­te) sind ja selbst nicht zu ret­ten. Ihre Söhne schicken sie noch immer in den Krieg/​und mit Mördern tei­len sie die Betten!". Die "Hamburger Morgenpost" kün­dig­te ihm nach sechs Jahren täg­li­cher Kolumne wegen einer Satire über die auf­fäl­li­gen Sympathien Hamburger Polizisten für die Neo-Nazi-Szene. Mehr zum Erfinder des Gassenhauers "Schmidtchen Schleicher" auf de​.wiki​pe​dia​.org.

8 Antworten auf „Das macht doch nichts, das merkt doch keiner!“

  1. Künstliche Intelligenz ist eine Krücke. Daher Krücken Intelligenz (KI).

    Berndt ver­sucht erfolg­los das weg­zu­schrei­ben, was schlicht das Problem dar­stellt: Sofern KI nicht als Krücke begrif­fen wird, die nur eine Hilfestellung sein kann, son­dern als kom­plet­ter Ersatz für mensch­li­che Intelligenz und Entscheidungsfindung ange­wandt wird, und damit die Rolle einer Intelligenzprothese aus­füllt, kann dies nur nega­ti­ve Folgen für die Existenz der Menschheit nach sich zie­hen. Prothesen kön­nen nie­mals das Original erset­zen. Dies ist auch für Intelligenzprothesen der Fall.

    Sofern nun der Einwand kommt, dass die Prothese man­chem Original über­le­gen zu sein scheint, so muss zwin­gend berück­sich­tigt wer­den, dass jeder Mensch unter­schied­li­che Fähigkeiten besitzt und die­se auch ent­spre­chend geför­dert und trai­niert wer­den müs­sen. Exakt an die­sen bei­den Punkten setzt die Profitabilität der KI ein. Diese Punkte ent­fal­len, wenn die Krücke zur Prothese gemacht wird.

      1. @aa:

        Es ging mir ja eigent­lich nicht um Frau Berndt, son­dern um die Ärzte und den "Elitezettel" wel­chem nach sie wel­che sein sol­len (was ja genau genom­men noch nicht mal in jeden Einzelfall so ist) und ihr "Brett vorm Kopp" (im über­tra­ge­nen Sinn) – So, der Satz ist nu lang genug.

        Jedwede äuße­re Ähnlichkeit zu Frau Berndt beruht also auf Zufall und nur auf Zufall. Fiel mir vor­her so nicht auf, sor­ry. Geht aber durch. 😉

  2. Zum Thema von "Rechts"! und/​oder "Links". Man soll­te die­je­ni­gen "dis­sen" wel­che qua­si dar­um bit­ten. Andernfalls kommt es bloß zu mannigfalt'gen gegen­sei­ti­gen Verwechselungen, was angeb­li­che Richtungen betrifft. Vieleicht wäre das "Durchsichtiger" folg­ten Menschen die sich bedisst füh­len weni­ger Führern, mehr sich selbst. Ein Traum der Menscheheit … ? – Fraglich

    Rechts und Links dient unter ande­rem auch Leuten als "Ausweg", denen sonst nichts mehr geist­rei­che­res ein­fällt. Siehe unse­re Parteien. Genau So.

  3. déjà vu!
    Erinnere mich noch an den Untergang des Abendlands, Mitte der 1970er, nach­den die ersten "bil­li­gen" (nach heu­ti­ger Kaufkraft gut 150€) und klo­bi­gen Taschenrechner anfin­gen all­mäh­lich das müh­sa­me, rie­si­ge Adam-Zeux in den all­ge­mei­nen Matschbirnen zu ersetzen.
    Der Segen für Viele koste­te zusätz­lich die Fähigkeit zu über­schla­gen: "Fette Finger" und, schwupps, konn­te eine Multiplikation zwei­er ein­stel­li­ger Zahlen unge­straft in einem 7‑stelligen Ergebnis mün­den, das respekt­voll und unkri­tisch wie heut­zu­ta­ge zuwei­len Virologen-Modellierungen her­aus­po­saunt wur­de, ohne dass sich Widerspruch regte.

    Insofern hat sogar viel­leicht eine anson­sten oft ein­fäl­ti­ge (und womög­lich [fremd]interesssengeleitete Hohepriesterin des wah­ren Glaubens Recht, wenn sie statt blin­dem Vertrauen in maschi­nel­le "KI"-Hilfsmittel eine kri­ti­sche Begleitung durch den nut­zen­den Homo sapi­ens emp­fiehlt: sei es zwecks Qualitätskontrolle oder Verbesserung eben die­ses Hilfsmittels.

    Allerdings fehlt mir per­sön­lich das Vertrauen in den Nutzen der impli­zit pro­pa­gier­ten Früherkennung (ob mit oder ohne "KI"):
    ob die ver­blö­den­de Ärzteschaft jetzt (u.a. durch den sug­ge­rier­ten "KI"-induzierten "Kulturverlust") 20% weni­ger oder ent­spre­chend mehr "Krebsvorstufen" ent­deckt ist mir per­sön­lich so lan­ge wurscht, wie ich nicht weiß, was genau ich davon per Saldo habe: mehr Lebenszeit und ‑qua­li­tät? (sei es durch eine Wunderpille, schmerz- und risi­ko­lo­ses Wegschnippeln, die Verringerung von Fehldiagnosen?).
    Meine und die Interessen des medi­zi­nisch-indu­stri­el­len Komplexes decken sich schließ­lich nur bedingt.

    1. Wieviel ist Wurzel aus 4?

      Ein Schüler der 68er schiebt das auf dem Rechenstab zusam­men und sagt: Ungefähr 2

      Ein 68er mit Taschenrechner tippt es ein und sagt:
      Genau 2

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