Lehren für Putin?

Die Blauäugigkeit, mit der Gorbatschow 1986 ff. dem Westen begeg­ne­te, soll es nach Putin nie mehr geben. Ungewollt gibt die "Süddeutsche Zeitung" ihm dabei Futter.

sued​deut​sche​.de (14.8.25)

Rußland habe "zum Leidwesen Wladimir Putins viel vom impe­ria­len Glanz ver­gan­ge­ner Zeiten ein­ge­büßt", lesen wir. Das kann man so sehen. Gesichert erscheint, daß eine "Spiegel"-Überschrift wie "Obama ver­höhnt Russland als Regionalmacht" heu­te Stirnrunzeln hervorriefe.

Die "SZ" benennt eini­ge der 50 Gipfeltreffen nach dem Zweiten Weltkrieg ausführlicher.

»So war es im Juni 1961 in Wien, als sich der damals neu gewähl­te US-Präsident John F. Kennedy und der Sowjetführer Nikita Chruschtschow zu einem Gipfel tra­fen. Der Russe war mit Kennedys Vorgänger Dwight Eisenhower ganz ordent­lich aus­ge­kom­men. Er respek­tier­te den ein­sti­gen Oberbefehlshaber der Alliierten im Zweiten Weltkrieg, hat­te ihn 1955 in Genf ken­nen­ge­lernt und 1959 nach einer fast zwei­wö­chi­gen Reise quer durch Amerika auf dem Landsitz der US-Präsidenten in Camp David besucht. Kennedy aber miss­trau­te er. Der hat­te im Wahlkampf den mis­sile gap beklagt (den angeb­li­chen Vorsprung der Sowjetunion bei den Nuklearraketen, den es nicht gab, ganz im Gegenteil) und neue Rüstungsanstrengungen ange­kün­digt.«

Das Gespräch soll­te ergeb­nis­los ver­lau­fen: »Am Ende ver­ab­schie­det Kennedy den pol­tern­den Russen an dem som­mer­li­chen Junitag in Wien mit einem omi­nö­sen Satz. „Es wird ein kal­ter Winter werden.“«

»Nach einer län­ge­ren Eiszeit aber folgt eine Reihe histo­ri­scher Treffen. 1972 unter­nimmt Richard Nixon die erste Reise eines US-Präsidenten nach Moskau. Dort unter­zeich­nen er und der dama­li­ge Sowjetführer Leonid Breschnew die ersten einer gan­zen Serie von nuklea­ren Abrüstungsabkommen. 1975 besie­geln Nixons Nachfolger Gerald Ford und Breschnew in Helsinki die Gründung der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, der heu­ti­gen OSZE.«

Es ist müßig, dar­über zu spe­ku­lie­ren, war­um die "SZ" unter­schlägt, auf welch gewal­ti­ge Widerstände der NATO und der Bundesregierungen die Abrüstungsinitiativen der UdSSR stie­ßen. Das Totrüsten der Sowjetunion blieb auch danach erklär­tes (und erfolg­rei­ches) Ziel. Schon Ronald Reagan sprach wie­der von einer "Enthauptung" der sowje­ti­schen Führung durch ato­ma­re Präzisionsschläge und ver­kün­de­te "Victory is Possible" (s. z. B. hier und hier).

Zum Treffen von 1986 berich­tet die "SZ":

»... Der altern­de US-Präsident weist erste Entspannungssignale des noch jun­gen Sowjetführers brüsk zurück. Doch nun tref­fen sie sich, auf Initiative des Russen, auf hal­bem Weg in der islän­di­schen Hauptstadt Reykjavík.

In Reykjavík fürch­ten die Amerikaner eine Falle – doch es kommt anders
Gorbatschow hat einen dicken schwar­zen Aktenkoffer dabei, voll mit detail­lier­ten Abrüstungsvorschlägen. Reagan fühlt sich über­rum­pelt, doch wit­tert er die Chance auf einen Deal...

Am Ende schei­tert der Gipfel aller­dings doch. Die Amerikaner wol­len wei­ter­hin ein welt­raum­ge­stütz­tes Raketenabwehrsystem ent­wickeln. Die Sowjets wol­len das nicht, weil sie wirt­schaft­lich nicht mehr mit­hal­ten kön­nen. Reagan reist wut­ent­brannt mit hoch­ro­tem Kopf ab…«

Der Artikel endet mit einem Blick auf die Treffen von Präsident Franklin D. Roosevelt und "dem sowje­ti­schen Diktator Josef Stalin", des­sen Wiedergänger bekannt­lich der heu­ti­ge "Machthaber" ist:

»... damals teil­ten die bei­den Staatsführer (assi­stiert vom bri­ti­schen Premier Winston Churchill) die Welt neu auf. Verschoben Grenzen, ver­teil­ten gan­ze Landstriche neu, sicher­ten sich wech­sel­sei­tig Einflusssphären zu…«

Die Vorgeschichte muß man sich dazu denken.

3 Antworten auf „Lehren für Putin?“

  1. Soweit ich weiß, und ich bin kein Historiker, haben in der Geschichte Europas, so wie wir es heu­te ken­nen, drei Länder Russland ange­grif­fen: Schweden, Frankreich, Deutschland. Vermutlich wird man das in Russland eben­so wissen.

  2. Gorbatschow hat das wei­ter­ge­führt was Chruschtschow 1953 begon­nen hat: Den Verrat, die Konterrevolution und die syste­ma­ti­sche Zerstörung der UdSSR.

    Stalin sag­te noch kurz vor sei­nem Tod 1953: Eine Zerstörung der UdSSR, wäre nicht nur für das Volk der ver­ein­ten Sowjetrepubliken eine Katastrophe son­dern eine Katastrophe für die gan­ze Welt.

    Die heu­ti­ge Situation zeigt, daß Stalin abso­lut Recht hatte.

  3. "Das Totrüsten der Sowjetunion blieb auch danach erklär­tes (und erfolg­rei­ches) Ziel."

    Man setz­te die Ausgaben des soge­nann­ten Westens in Relation und beden­ke die Folgen von des­sen Schuldenorgien, mit­tels derer die finan­zi­el­le und wirt­schaft­li­che Substanz extra­hiert wird.

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