Wolfram aus der Mottenkiste

Die Argumentation von Weimer ist sowohl in Richtung AfD als auch Die Linke der­art stu­pi­de, daß man sich unwei­ger­lich an Claudia Roth erin­nert fühlt.

Zur AfD führt Weimer einen däm­li­chen Antrag ihrer Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt an, mit dem sie die Bauhaus-Architektur als "Irrweg der Moderne" gei­ßel­te, die "frag­wür­di­ge Werte" ver­tre­ten habe, näm­lich "eine kla­re Nähe zum Kommunismus", was "zu einer Art glo­ba­lem 'Einheitsbrei'" geführt habe. Daraus macht Weimer:

"»Die AfD schließt damit unmit­tel­bar an ein Narrativ der NSDAP an, die damals die Designer und Architekten des Bauhaus ver­folgt hat«, sag­te Weimer. »Wenn man das deut­lich macht, wird einem gro­ßen Teil der Bevölkerung klar, was für ein ent­setz­li­cher, frat­zen­haf­ter Autoritarismus dahin­ter­steht.«"

Es ist zu erken­nen, daß Weimer von Kunstgeschichte so wenig ver­steht wie von Politik. Denn rich­tig ist, daß das Bauhaus 1932 zur Schließung gezwun­gen wur­de, als die NSDAP eine Mehrheit im Stadtrat erobert hat­te. Die SPD, Teil von Weimers Mitte der Gesellschaft, hat­te sich bei der Abstimmung ent­hal­ten. Schon 1930 war der ein­zi­ge lin­ke Direktor, der Schweizer Architekt Hannes Meyer, der mit der Devise "Volksbedarf statt Luxusbedarf" ange­tre­ten war, vom libe­ra­len Oberbürgermeister amts­ent­ho­ben wor­den. Richtig ist auch daß etwa ein Viertel der KünstlerInnen emi­grier­te und 21 ande­re in KZs oder Gefängnisse ver­bracht wur­den. Zur Wahrheit gehört aber auch, daß sich ein Gutteil der Mitglieder mit den Nazis arran­gier­te. 188 von ihnen tra­ten in die NSDAP ein, 15 in die SA und 14 in die SS. Mehr auf de​.wiki​pe​dia​.org (mit zahl­rei­chen Quellen).

Vollends unglaub­wür­dig wird Weimers vor­ge­tra­ge­ner Antifaschismus, wenn er in bewähr­ter Sprache des Kalten Krieges rechts und links gleich­setzt (die KPD hat­te übri­gens gegen die Auflösung des Bauhauses gestimmt).

"Die Linkspartei sei »nicht irgend­ei­ne lin­ke Gruppierung, son­dern die direk­te Rechtsnachfolgerin der SED – der Partei der Mauerbauer und Folterknechte in der DDR«. Sie sei »natür­lich eine ande­re Kategorie als die AfD, aber sie will auch eine ande­re Republik«, sag­te der 60-jäh­ri­ge Weimer…"

Wenn er doch wenig­stens Recht hät­te mit der letz­ten Bemerkung. So bleibt stump­fes popu­li­sti­sches Gelalle. Ein Kommentar der "Berliner Zeitung" setzt sich unter dem Titel "Wolfram Weimer nennt AfD und Linke „schlecht für Deutschland“: Was für ein Bedrohungs-Eintopf" kri­tisch damit aus­ein­an­der. Leider ist er inzwi­schen hin­ter der Bezahlschranke versteckt.

Ich fürch­te, mir sind die Fotos durch­ein­an­der geraten.

7 Antworten auf „Wolfram aus der Mottenkiste“

  1. Über die Bauhaus AG (AG steht hier für Arbeitsgruppe) wur­den in den 20er Jahren vie­le israe­li­sche Städte wie Tel Aviv geplant und gebaut, die Okkupation palä­sti­nen­si­scher Gebiete vor­an­ge­trie­ben sowie die Interessen pri­va­ter Unternehmer in die­sen Gebieten durchgesetzt.

  2. Interessante Person. Intelligent. Parteilos – aus­ge­zeich­net. Und vie­le aus mei­ner Sicht drin­gend not­wen­di­ger Vorschläge von ihm.
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Wolfram_Weimer
    (die Quelle hal­te ich nicht für seri­ös, sie lie­fert ledig­lich das, was ich schnell zur Person fin­den konnte)

    Wenn nur ein Teil des Lebenslaufes von Herrn Weimer stimmt, dann gehört der mei­ner Meinung nach ins Kanzleramt.

    Einziger Haken: Nicht gewählt. Das spricht jedoch wirk­lich nur gegen die Form "unse­rer Demokratie" und wie wir "wäh­len".

    1. @Peter Pan: Damit ist jetzt wohl nicht der "Freiheitspreis der Medien" gemeint, den der Parteilose jähr­lich auf sei­nem Ludwig-Erhard-Gipfel ver­leiht, oder? Den u.a. Christian Lindner, Jean-Claude Juncker, Sebastian Kurz, Wolodymyr Selensky und natür­lich Joachim Gauck erhiel­ten (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Freiheitspreis_der_Medien).

      Auch das ist wahr­lich kanzlertauglich:

      "Während Generation um Generation in einer Jahrtausende wäh­ren­den Selbstverständlichkeit die Fortdauer der eige­nen Familie, des eige­nen Blutes, der Sippe, des Stammes, der Nation, der Kultur, der Zivilisation als einen hei­li­gen Moment des Lebens begrif­fen hat, so zer­bricht die­ses Bewusstsein plötz­lich in Scherben."

      Sonst hat er alles, was in einer Regierung mit der AfD nütz­lich wäre, Bashing von auf Sozialhilfe Angewiesenen, Geflüchteten, Homosexuellen und Moslems sowie­so. Er müß­te nur noch den Freund und Nachbarn am Tegernsee, Friedrich Merz, von die­ser Option über­zeu­gen. (Alle Infos aus dem im Kommentar genann­ten Link.)

      1. Der "Freiheitspreis der Medien" ist mir beim Überfliegen gar nicht auf­ge­fal­len. Nein, so etwas will ich über­haupt nicht.

        Grundsätzlich, und vor allem was die AfD (oder das BSW) betrifft, den­ke ich, dass man alle Punkte dif­fe­ren­ziert betrach­ten muss, statt pau­schal die Auseinandersetzung abzu­leh­nen. Diese feh­len­de und vor allem demo­kra­ti­sche Form einer Diskussion ist es, die vom Parteiensystem wie wir es in "unse­rer Demokratie" ken­nen unter­drückt wird.

  3. Bauhaus-Architektur – Nähe zum Kommunismis, das ist natür­lich völ­li­ger Blödsinn. Die Funktion der Bauhaus-Gruppe war viel­mehr die, die Interessen zio­ni­sti­scher und impe­ria­li­sti­scher Kreise durch­zu­set­zen. Wobei es den Architekten wie Gropius ganz sicher nicht dar­um ging, mit sei­nen Architekturen das mensch­li­che Bedürfnis Wohnen zu befriedigen.

    1. @Erfurter: Sie ver­ga­ßen die pri­va­ten Interessen, die an der Börse gehan­delt wer­den. Ich bin ent­täuscht. Ansonsten emp­feh­le ich zur Klärung des Blickes den Besuch der Bauhaus-Ausstellung in Dessau.

      1. > Ansonsten emp­feh­le ich zur Klärung des Blickes den Besuch der Bauhaus-Ausstellung in Dessau.

        @aa,

        und was sehen Sie in die­ser Ausstellung? Richtig: Das was Ihnen da gezeigt wird. Und das ist ganz sicher nichts was zu irgend­ei­ner Klärung bei­trägt. Sondern nur das was im Interesse der gleich­na­mi­gen Stiftung ist.

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