Gähn

Seit einer Woche fin­den wir in den Medien halb­stün­dig Einschätzungen von Experten, die stets gleich­lau­ten­de Spekulationen zur Ukraine von sich geben:

Menschen auf der Straße wol­len kei­ne Katapultation, vir­tu­el­ler Führer Merz, kein Gebieteraustausch, jeden­falls nicht so, gro­ße Verschlossenheit der EU, Trump, Putin, pfui, EU nichts zu mel­den, geht so nicht.

Einen Punkt haben sie dabei. Daß zwei impe­ria­li­sti­sche Führer über den Kopf der Ukraine hin­weg Gebiete in Osteuropa auf­tei­len, ist ein Unding. Getrübt wird das Argument dadurch, daß seit Bestehen der NATO genau so mit ande­ren Ländern ver­fah­ren wur­de (Syrien, Afghanistan, Irak, Gaza…). Schmerzhaft für die bis­he­ri­gen Herren der Welt ist nun, daß sie hier nicht mehr über ein Alleinstellungsmerkmal ver­fü­gen. Die EU, die alles tat, den Krieg zu befeu­ern, ist als letz­te geeig­net, über Friedenspläne mitzureden.

13 Antworten auf „Gähn“

  1. Kapitalisten geht es stän­dig um die Neuaufteilung der Welt. Die da leben­den Völker/​Menschen wur­den dies­be­züg­lich noch nie gefragt.

  2. die "auf­tei­lung" wur­de auf dem "Schlachtfeld" erkämpft, nicht am Grünen Tisch.
    Das rus­si­sche Kriegsziel ist die "Befreiung" (aus west­li­cher Sicht: "Eroberung") der der rus­si­schen Föderation bei­getre­te­nen ukrai­ni­schen Ostgebiete.
    Aus rus­si­scher Sicht sind die­se Gebiete "besetzt".

    1. > die "auf­tei­lung" wur­de auf dem "Schlachtfeld" erkämpft, nicht am Grünen Tisch.

      Nunja, die Aufteilung fin­det haupt­säch­lich an den Börsen statt. Und wer nicht ver­kau­fen will, kriegt an Angebot was er nicht ableh­nen kann.

  3. Bei den Minsker Abkommen saßen die USA nicht selbst am Tisch. Bekanntlich dien­te es lt. Merkel dazu Zeit zu gewin­nen, um die Ukraine mili­tä­risch zu stär­ken. Gehalten haben sich wohl weder Russland noch die Ukraine an die Abmachungen. 

    https://​libmod​.de/​1​0​-​j​a​h​r​e​-​a​b​k​o​m​m​e​n​-​v​o​n​-​m​i​n​s​k​-​1​0​-​l​e​h​r​e​n​-​f​u​e​r​-​v​e​r​h​a​n​d​l​u​n​g​e​n​-​m​i​t​-​m​o​s​k​au/

    ".…Was sind die Lehren aus dem Scheitern des Abkommens – auch mit Blick auf neu­er­li­che Verhandlungen mit Russland über ein Ende des Ukraine-Kriegs? Die wich­tig­ste Lektion: Europa muss alles dar­an­set­zen, damit die Ukraine aus einer Position mili­tä­ri­scher Stärke ver­han­deln kann. Und es muss klar sein, was nicht zur Verhandlung steht: die Souveränität und Sicherheit der Ukraine, ein­schließ­lich ihrer Integration in die euro-atlan­ti­sche Gemeinschaft.…"
    Ich ver­mu­te letz­ter Punkt ist das Hauptmotiv für Merz und Co. und der erste ein Feigenblatt. Es besteht lei­der kei­ner­lei Interesse an der Souveränität der Ukraine, sonst wür­de man anders handeln.

      1. Apropos Minsker Abkommen,

        erin­nern wir uns doch mal wie die Antwort der West-Alliierten auf das 1945 in Potsdam getrof­fe­ne Abkommen lautete:
        2 Atombomben auf Japan (da waren die Unterschriften noch gar nicht trocken).

        Aha. Minsker Abkommen: Schall und Rauch. So steht die Antwort auf das Alaska-Treffen über­mor­gen auch schon fest. Falls das über­haupt zustan­de kommt, wird es von Terroranschlägen beglei­tet sein.

    1. > Die wich­tig­ste Lektion: Europa muss alles dar­an­set­zen, damit die Ukraine aus einer Position mili­tä­ri­scher Stärke ver­han­deln kann. 

      Das ist eine so rich­tig hoh­le Phrase aus der Mottenkiste der Staatspropaganda.

  4. Alles geht auch "infor­mell"!
    https://​www​.sie​ben​buer​ger​.de/​z​e​i​t​u​n​g​/​a​r​t​i​k​e​l​/​k​u​l​t​u​r​/​2​0​9​7​3​-​t​e​i​l​u​n​g​-​e​u​r​o​p​a​s​-​v​o​r​-​7​5​-​j​a​h​r​e​n​-​b​e​s​i​e​g​e​l​t​.​h​tml
    (hät­te mir natür­lich eine bekann­te­re und mglw. "seriö­se­re" Quelle gewünscht, aber das mit dem Zettel ist wohl "unstrit­tig", auch wenn man die­sen als Bestandteil Churchill'scher Legendenbildung und Selbstbeweihräucherung inter­pre­tie­ren kann).
    Haken dran, reicht!
    Und dann ein­fach wei­ter­wer­keln – genüg­te ja 1945 auch, um das Gerüst für ein paar Jahrzehnte eini­ger­ma­ßen sta­bil zu hal­ten (Bürgerkriege – in Griechenland – und Stellvertreterkriege außer­halb des Zettels waren ent­we­der bereits ein­ge­preist oder "Kollateralschäden", die "uns" nicht so sehr betrafen).

    Im Kreml reicht(e) 2022 – bzgl. Kriegszielen, nebst "Behandlung der Nachkriegsukraine" ‑wahr­schein­lich ein kur­zer Griff ins Archiv:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Konferenz_von_Moskau#Au%C3%9Fenministerkonferenz_1943

    EU-sei­tig wür­de ich mich, trotz deren (bis auf die von bei­den offi­zi­el­len Kriegsgegnern erwar­te­te Bezahlung der Kriegsschäden) fak­ti­scher Bedeutungslosigkeit, nicht auf "Kriegsbefeuerung" kapri­zie­ren, da die­se ja ledig­lich eine Konsequenz der Erkenntnis eige­ner Ohn(!)macht ist:
    ohne die Hegemonialmacht geht's wohl nicht – und "plötz­lich und uner­war­tet" zer­brö­selt die­sel­be auch noch den festen Glauben dar­an, dass man den Brückenkopf Europa schon nicht auf­ge­ben wer­de. Sei es wegen der "gemein­sa­men Werte" oder weil er eben zum "Interessengebiet" gehört, bei dem "100%" auf dem Zettel steht.
    Also hofft man lie­ber ent­we­der dar­auf, dass es sich nur um einen wei­te­ren Gaga-MAGA-Bluff han­delt und/​oder auf "bes­se­re Zeiten" hof­fen – die, viel­leicht, in 3 Jahren oder bereits bei den 2026 "Mid-Terms" anfan­gen mögen
    (Und auch hier eine Parallele zum "Corona-Regime": als man einen "Endsieg gegen die Pandemie" pro­pa­giert hat­te, von dem man dann – wegen des, zu Recht!, befürch­te­ten Vertrauensverlustes auf allen Seiten – nicht mehr abwei­chen woll­te: der Krieg gegen die eige­ne Bevölkerung konn­te ja nicht umsonst gewe­sen sein?!).

    Bleibt die Frage, wie "nach­hal­tig" die­ses Mal die "Nachkriegsordnung" sein wird.
    Kodifizierung des Rechts des Stärkeren, statt der Illusion, dass sich auch die­se an eine (viel­leicht neu zusam­men­ge­ba­stel­te) UN-Charta halten?

  5. Als Linker lernt man Grenzen sind unwich­tig. Zumal die Ukraine anschei­nend auch aus ideo­lo­gisch höchst unter­schied­li­chen Menschengruppen besteht. Da dies in der demo­kra­ti­schen Phase der Ukraine nicht akzep­tiert wur­de und die EU sowie­so ande­re Ziele hat, sind neue Grenzziehungen ange­bracht. Das Grenzen nicht akzep­tiert wer­den ist aber auch sonst nor­mal. Hat man in Jugoslawien ja auch gemacht

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