Kein Sozialbetrug

Niemand wird den Verantwortlichen in Senat und Messe ans Existenzminimum gehen (s. Die im Dunkeln sieht man nicht). Schließlich war das Geschäft mit Geflüchteten system­re­le­vant, was allei­ne am "Gewinn vor Steuern und Zinsen in Höhe von 24,5 Millionen Euro" im Jahr 2024 abzu­le­sen ist.

tages​spie​gel​.de (11.8.25, Bezahlschranke)

»… Immer wie­der gab es Kritik an den Zuständen in die­ser Unterkunft und an den unge­wöhn­lich hohen Kosten. Tegel ist nicht nur die größ­te, son­dern auch die mit Abstand teu­er­ste Unterkunft für Geflüchtete in Deutschland. 2023 gab das Land Berlin für Tegel rund 298 Millionen Euro aus. Wie hoch die Ausgaben im ver­gan­ge­nen Jahr waren, kann die Senatssozialverwaltung noch nicht sagen.

Nach Tagesspiegel-Informationen wur­den Rechnungen in einer Gesamthöhe von rund 100 Millionen Euro nicht aus­rei­chend geprüft. Dabei geht es um Zahlungen für den Sicherheitsdienst in den Jahren 2022 und 2023. Zusätzlich soll es einen sehr frei­hän­di­gen Umgang mit dem Vertrag für den Sicherheitsdienst gege­ben haben…«

Nach der Ankunft tau­sen­der Geflüchteter aus der Ukraine

»… ent­stand ein unge­wöhn­li­ches Konstrukt: Nicht das für die Unterbringung zustän­di­ge Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) selbst beauf­trag­te die Security-Firma, son­dern die Messe über­nahm das für das Land.

Auf alle ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Leistungen – den Bau der Unterkünfte, den Sicherheitsdienst und das Facility Management in Tegel – erhielt die Messe einen Aufschlag von 15 Prozent. Das Unternehmen spricht von einer „Aufwandserstattung“. Für jeden Euro, den die Messe vom LAF nahm, kas­sier­te sie wei­te­re 15 Cent oben­drauf. Umso höher die Rechnungen des Sicherheitsdienstes waren, desto mehr Geld erhielt das lan­des­ei­ge­ne Unternehmen.

Schon Ende 2022 fällt offen­bar auf, dass der Sicherheitsdienst sehr hohe Kosten ver­ur­sacht. Das geht aus dem Vertrag zwi­schen dem LAF und der Messe her­vor, den der Tagesspiegel ein­se­hen konnte…

LAF delegierte Rechnungsprüfung an Messe

Überraschend ist ein Nachtrag, der im November 2023 zur Vereinbarung mit der Messe hin­zu­ge­fügt wird. Ziel sei es, die Abrechnungen zu ver­ein­fa­chen. „Die Prüfung der sach­li­chen und rech­ne­ri­schen Richtigkeit der Einzelrechnungen erfolgt über die Messe Berlin.“ Dieser Satz ist aus zwei Gründen bemer­kens­wert: Das Land Berlin über­lässt damit die Rechnungsprüfung aus­ge­rech­net einem lan­des­ei­ge­nen Unternehmen, das selbst unmit­tel­bar von die­sen Zahlungen pro­fi­tiert und dadurch Gewinne macht…

Politisch und recht­lich ver­ant­wort­lich für das LAF ist die Sozialverwaltung. Sie teilt auf Anfrage mit, es sei weder dem LAF noch einer ande­ren Behörde mög­lich, Rechnungen von Subunternehmen auf sach­li­che und rech­ne­ri­sche Richtigkeit zu prüfen…

Der Berliner Rechnungshof wirft der Messe vor, in den Jahren 2022 und 2023 Rechnungen des Sicherheitsdienstes in einem Gesamtwert von rund 100 Millionen Euro nicht aus­rei­chend geprüft zu haben…

2023 koste­te der Sicherheitsdienst ein­schließ­lich der 15-Prozent-Gebühr für die Messe knapp 250.000 Euro – am Tag. Doch weder die Messe noch das LAF sahen hier genau­er hin…

Vertrag mit Sicherheitsdienst hätte schon vor Jahren neu ausgeschrieben werden müssen

Doch das ist nicht der ein­zi­ge Vorwurf an die Messe: Der Rechnungshof sieht auch Verstöße gegen das Vergaberecht. Mit dem Sicherheitsdienst Teamflex Solutions arbei­tet die Messe Berlin seit vie­len Jahren zusam­men. Die Security-Leute waren auf den Veranstaltungen der Messe beschäf­tigt und spä­ter im Corona-Impfzentrum sowie in der Geflüchtetenunterkunft im Einsatz…

Auch wenn ein Vertrag für mehr Leistungen erwei­tert wird, wie schon beim Corona-Impfzentrum, ist eine neue Ausschreibung eigent­lich zwin­gend. Die Messe will sich dazu nicht äußern. Das Unternehmen teilt auf Anfrage mit, Verträge mit Dienstleistern unter­lä­gen der Vertraulichkeit…

Dabei wer­den erheb­li­che Unregelmäßigkeiten fest­ge­stellt. 85 von 174 anwe­sen­den Sicherheitsmitarbeitern hät­ten dort über­haupt nicht arbei­ten dür­fen, weil die nöti­ge Überprüfung der Zuverlässigkeit fehl­te. Insgesamt gibt es nach Angaben der Polizei „200 Ordnungswidrigkeiten bezie­hungs­wei­se gewer­be­recht­li­che Verstöße“…

Die Ausgaben des Landes Berlin für die Security – ein­schließ­lich besag­ter 15-Prozent-Gebühr der Messe – sind im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr sogar um rund 50 Prozent gestie­gen – von knapp 90 Millionen Euro auf über 134 Millionen Euro…

Das Geschäft mit Tegel hat sich für die Messe extrem aus­ge­zahlt: Nur durch die Einnahmen, die mit Tegel zusam­men­hän­gen, erziel­te das lan­des­ei­ge­ne Unternehmen 2024 einen Gewinn vor Steuern und Zinsen in Höhe von 24,5 Millionen Euro – das sind mehr als 40 Prozent des ent­spre­chen­den Gesamtgewinns. Auch in den bei­den Vorjahren wirk­te sich das Tegel-Geschäft sehr posi­tiv auf die Bilanz aus…«

7 Antworten auf „Kein Sozialbetrug“

  1. Aha, die Ukraine-Flüchtlinge garan­tie­ren etli­chen Vermietern hier­zu­lan­de einen hüb­schen Gewinn? Der Staat zahlt ja sämt­li­che Flüchtlings- Mieten? Jeder Steuerzahler zahlt und die Vermieter, egal wo, kas­sie­ren? Egal, wie­viel, egal, was? Das ist ja inter­es­sant. Doch was pas­siert, wenn die Flüchtlinge wie­der alle in ihre Heimat zurück­keh­ren, weil der Krieg zu Ende ist? Oder muss der Krieg schon wegen der vie­len Mieteinnahmen den Vermietern in Deutschland zulie­be noch ein ganz klein wenig wei­ter geführt werden?

    Ich ver­ste­he bloß Bahnhof. Nein, das ist mir zu kom­pli­ziert. So etwas gibt es nicht im ech­ten Leben. Meine Nachbarn haben ihre klei­ne, luxu­riö­se Einliegerwohnung (sonst für Touristen) aus Mitleid an Flüchtlinge aus der Ukraine ver­mie­tet und kas­sie­ren das Doppelte, als wenn sie die Wohnung an Urlauber, nicht aus einem Kriegsgebiet, ver­mie­ten wür­den? Nein, oder? Warum denn? 

    Ich bin etwas lang­sam im Begreifen. Bei mir dau­ert immer alles etwas län­ger, bis ich was durch­schaue. Bahnhof eben, immer ver­ste­he ich nur "Bahnhof". Es ist ein Kreuz und die Züge fah­ren, wohin sie wol­len, manch­mal pünkt­lich, manch­mal nicht. Bahnhof eben. Einsteigen bit­te, zei­gen Sie Ihren "Impf"- oder "Test"-Nachweis und set­zen Sie gefäl­ligst Ihre Covidschutz-Maske auf. Zum Schutz der ande­ren Reisenden, egal, aus wel­chem Kriegsgebiet.

  2. Migration—da sind nicht nur Geflüchtete, da kom­men Menschen aus allen Klassen und Schichten. Die aus gut bür­ger­li­chen Kreisen sind in fein­ste Stoffe geklei­det, tra­gen Kopftücher aus fein­ster Seide, besit­zen Wohnimmoblinien und fah­ren gro­ße SUV-Autos. Das sind die die man stän­dig sieht. Flüchtlinge hin­ge­gen woh­nen in Kontainern und wer­den bru­talst aus­ge­beu­tett. Das sind die die man nicht so sieht.

  3. "Schließlich war das Geschäft mit Geflüchteten systemrelevant…"

    IST! – Nicht "war".

    Man kommt da nicht raus. Nicht so wie die Gruenen und die "Die Linke" mei­nen, nicht so wie AFD /​CDU mei­nen. Die SPD hat noch nie wirk­lich was gemeint, wie es mir scheint.

  4. Hm.
    298 Mio€ für "zeit­wei­se 5000 Geflüchtete" ???
    Macht ~ 60000€ pro Person!
    (gut, ist ja nur für 2023), davon 20000€/Person für "Sicherheitsdienstleistungen"???
    Ist das "rech­te Tasche" (Bund) – "lin­ke Tasche" (Land Berlin) und von dort wei­ter an Containerfirmen und pri­va­te "Sicherheitsdienste"?
    Kommt davon wie­der (ein biss­chen) etwas, via Steuern, zurück?
    Ist das noch "nor­ma­le" Korruption und Kleptokratie, oder "dele­gi­ti­miert" sich da gera­de ein Staat?

    Und glaubt irgend­je­mand, dass es bei ord­nungs­ge­mä­ßer "Prüfung" zu einem wesent­lich gerin­ge­ren Schaden gekom­men wäre?

    Auch wer i.d.R. nicht anfäl­lig für "popu­li­sti­sche Lösungen" ist, könn­te geneigt sein, die kol­por­tier­ten (Netto?) Ausgaben/​Person (für Tegel) mit den eige­nen (Netto!-)Haushaltseinnahmen/Person zu vergleichen.
    (und dabei groß­zü­gig auf ohne­hin nicht bestell­te Sicherheitsdienstleistungen verzichten).

    1. @Giaur

      je höher die Summen in der­ar­ti­gen Propagandameldungen, desto mehr Hass erzeu­gen sie. Genau das ist die Zweckbestimmungen die­ser Art von Propaganda.

  5. @aa:
    Stimmt. Das ändert aber nichts an der Berechnung, selbst bei ange­nom­me­ner täg­li­cher Vollbelegung und, sagen wir, monat­li­chem Wechsel der Personen:
    ob ich jetzt 60000 pro Person/​Jahr oder 5000 pro Person/​Monat anset­ze kann den Bezahlern egal sein – und lei­der auch den Geflüchteten, denn sie hat­ten ja nicht wirk­lich etwas davon und hät­ten auch als Einzelperson mit ca. der Hälfte des Geldes (sogar in Berlin) ein men­schen­wür­di­ge­res und selbst­be­stimm­te­res Auskommen (was ande­rer­seits natür­lich der Logik des Asylregimes widerspräche).

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