Junge Menschen immer orientierungsloser. Statt "Ausbildung mit Tieren" besser zum Bund

Wahrscheinlich ist es über­heb­lich und unge­recht, Felix von Zittwitz, Vice President Vertical Platforms, EMBRACE, einen Schnösel zu nen­nen. Bei einem, der acht Jahre Kommunikationswissenschaft stu­dier­te und sich jetzt dem Recruiting jun­ger Menschen für das Kriegshandwerk ver­schreibt ("Die Gesellschaft redet falsch über den Soldatenberuf"), konn­te ich mich lei­der nicht bezähmen.

tages​spie​gel​.de (12.8.25, Bezahlschranke)

»Herr von Zittwitz, Sie sind Geschäftsführer von Deutschlands reich­wei­ten­stärk­stem Ausbildungsportal. Wie schät­zen Sie anhand Ihrer Suchanfragen und Zugriffszahlen die Chancen ein, dass die Bundeswehr mehr jun­ge Menschen zu sich locken kann?
Junge Menschen wer­den immer ori­en­tie­rungs­lo­ser. Wir mer­ken das zum Beispiel dar­an, dass sich vor fünf Jahren noch ein deut­li­cher grö­ße­rer Anteil von Suchanfragen auf spe­zi­fi­sche Berufsbilder bezog. Inzwischen wird viel häu­fi­ger etwa nach einer „Ausbildung in der Nähe“ oder einer „Ausbildung mit Tieren“ gesucht. Insofern ist es erst­mal gut, dass es mit dem neu­en Wehrdienstmodell eine wei­te­re Option gibt…

In unse­rem Portal gehört die Suchkombination „Ausbildung & Bundeswehr“ zu den Top 10 der Anfragen…

Interesse und Neugier sind also schon län­ger vor­han­den. Statt zu schrump­fen hät­te die Bundeswehr dann eigent­lich wach­sen müs­sen. Wo also liegt das Problem?
Wir lesen aus dem Nutzerverhalten der Schulabgänger sowie aus Studien her­aus, dass es ein gro­ßes Bedürfnis nach beruf­li­cher Sicherheit und Perspektive gibt. Beides kann die Bundeswehr bie­ten, sie bekommt das aber ganz offen­sicht­lich nicht ver­mit­telt. Wir haben jedes Jahr noch rund 30.000 unver­mit­tel­te Ausbildungsgesuche – gera­de in die­sem Pool jun­ger Leute müss­te die Bundeswehr eigent­lich sehr gute Chancen haben…

Wir müs­sen mehr über Karrierechancen und ver­schie­de­ne Berufsbilder bei der Bundeswehr spre­chen… Heute hat in der Zielgruppe kaum mehr jemand ein Verständnis davon, was es bedeu­tet, Soldat zu sein.«

Ob nicht umge­kehrt ein Schuh dar­aus wird und Karrierechancen mit dem Heldentod asso­zi­iert werden?

»Es gibt natür­lich einen Austausch zwi­schen uns und der Bundeswehr, da sie allein bei uns gera­de über 800 offe­ne Ausbildungsstellen in rund 80 ver­schie­de­nen Ausbildungsberufen anbie­tet – vor allem im Bereich der Zivilbeschäftigten. Aber in der stra­te­gi­schen Kommunikation bera­ten wir die Bundeswehr nicht, nein.«

Bescheiden ist er auch, der gar nicht mehr so jun­ge Mann.

4 Antworten auf „Junge Menschen immer orientierungsloser. Statt "Ausbildung mit Tieren" besser zum Bund“

  1. "Wir haben jedes Jahr noch rund 30.000 unver­mit­tel­te Ausbildungsgesuche – gera­de in die­sem Pool jun­ger Leute müss­te die Bundeswehr eigent­lich sehr gute Chancen haben…"

    Es gibt Dinge, die ändern sich nicht. Es ist immer die Klasse der sozi­al Benachteiligten, die als mensch­li­ches Verbrauchsmaterial ver­wen­det wird. 

    "Wir lesen aus dem Nutzerverhalten der Schulabgänger sowie aus Studien her­aus, dass es ein gro­ßes Bedürfnis nach beruf­li­cher Sicherheit und Perspektive gibt. Beides kann die Bundeswehr bieten, …"

    Berufliche Sicherheit. Klar. Aber nach den der­zei­ti­gen Erwartungen der loka­len Machthaber nicht all­zu lan­ge. Allerdings dürf­ten die zwi­schen 8.000 und 9.000 Leichensäcke nicht aus­rei­chen. Wann will der böse Putin zum Sprung ansetzen?

    "… vor allem im Bereich der Zivilbeschäftigten …"

    Mord bleibt Mord. Staatlich sank­tio­niert oder nicht. Ausgeführt in Uniform oder in Zivil.

  2. > Die Gesellschaft redet falsch über den Soldatenberuf?

    Nicht die Gesellschaft son­dern die Staatspropaganda belügt das Volk und behaup­tet, Soldaten wür­den ihre Heimat und ihr Vaterland verteidigen.

    1. @Erfurter: Könnte die­ses über­aus schlich­te Bild ergänzt wer­den dadurch, daß "das Volk" in Teilen auch ohne "Staatspropaganda" der Meinung sein könn­te, Verteidigung sei sinn­voll? Wird die­ses Denken nicht auch befeu­ert durch Angriffskriege? Waren Sie nicht NVA-Offizier? Wurde Ihnen der Job auch durch ver­lo­ge­ne Staatspropagada aufgedrängt?

      1. @aa,

        es gibt gerech­te und unge­rech­te Kriege. Die DDR/​NVA hat sich auf einen gerech­ten Krieg vor­be­rei­tet, näm­lich auf die Verteidigung von Heimat, Volk, Vaterland und die Verteidigung sozia­li­sti­scher Errungenschaften. Genau aus die­sem Grund (und nur aus Diesem!) bin ich Soldat der NVA geworden.

        Armeen/​Soldaten kapi­ta­li­sti­scher Länder hin­ge­gen wer­den auf die Verteidigung pri­va­ter Interessen vor­be­rei­tet. Also auf Kriege die nie­mals gerecht sein kön­nen. Somit ver­tei­digt ein Bundeswehrsoldat besten­falls sich selbst.

        PS: Die Meinung des heu­ti­gen BRD-Volkes ist ein Diktat!

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