Wahrscheinlich ist es überheblich und ungerecht, Felix von Zittwitz, Vice President Vertical Platforms, EMBRACE, einen Schnösel zu nennen. Bei einem, der acht Jahre Kommunikationswissenschaft studierte und sich jetzt dem Recruiting junger Menschen für das Kriegshandwerk verschreibt ("Die Gesellschaft redet falsch über den Soldatenberuf"), konnte ich mich leider nicht bezähmen.

»Herr von Zittwitz, Sie sind Geschäftsführer von Deutschlands reichweitenstärkstem Ausbildungsportal. Wie schätzen Sie anhand Ihrer Suchanfragen und Zugriffszahlen die Chancen ein, dass die Bundeswehr mehr junge Menschen zu sich locken kann?
Junge Menschen werden immer orientierungsloser. Wir merken das zum Beispiel daran, dass sich vor fünf Jahren noch ein deutlicher größerer Anteil von Suchanfragen auf spezifische Berufsbilder bezog. Inzwischen wird viel häufiger etwa nach einer „Ausbildung in der Nähe“ oder einer „Ausbildung mit Tieren“ gesucht. Insofern ist es erstmal gut, dass es mit dem neuen Wehrdienstmodell eine weitere Option gibt…
In unserem Portal gehört die Suchkombination „Ausbildung & Bundeswehr“ zu den Top 10 der Anfragen…
Interesse und Neugier sind also schon länger vorhanden. Statt zu schrumpfen hätte die Bundeswehr dann eigentlich wachsen müssen. Wo also liegt das Problem?
Wir lesen aus dem Nutzerverhalten der Schulabgänger sowie aus Studien heraus, dass es ein großes Bedürfnis nach beruflicher Sicherheit und Perspektive gibt. Beides kann die Bundeswehr bieten, sie bekommt das aber ganz offensichtlich nicht vermittelt. Wir haben jedes Jahr noch rund 30.000 unvermittelte Ausbildungsgesuche – gerade in diesem Pool junger Leute müsste die Bundeswehr eigentlich sehr gute Chancen haben…
Wir müssen mehr über Karrierechancen und verschiedene Berufsbilder bei der Bundeswehr sprechen… Heute hat in der Zielgruppe kaum mehr jemand ein Verständnis davon, was es bedeutet, Soldat zu sein.«
Ob nicht umgekehrt ein Schuh daraus wird und Karrierechancen mit dem Heldentod assoziiert werden?
»Es gibt natürlich einen Austausch zwischen uns und der Bundeswehr, da sie allein bei uns gerade über 800 offene Ausbildungsstellen in rund 80 verschiedenen Ausbildungsberufen anbietet – vor allem im Bereich der Zivilbeschäftigten. Aber in der strategischen Kommunikation beraten wir die Bundeswehr nicht, nein.«
Bescheiden ist er auch, der gar nicht mehr so junge Mann.

"Wir haben jedes Jahr noch rund 30.000 unvermittelte Ausbildungsgesuche – gerade in diesem Pool junger Leute müsste die Bundeswehr eigentlich sehr gute Chancen haben…"
Es gibt Dinge, die ändern sich nicht. Es ist immer die Klasse der sozial Benachteiligten, die als menschliches Verbrauchsmaterial verwendet wird.
"Wir lesen aus dem Nutzerverhalten der Schulabgänger sowie aus Studien heraus, dass es ein großes Bedürfnis nach beruflicher Sicherheit und Perspektive gibt. Beides kann die Bundeswehr bieten, …"
Berufliche Sicherheit. Klar. Aber nach den derzeitigen Erwartungen der lokalen Machthaber nicht allzu lange. Allerdings dürften die zwischen 8.000 und 9.000 Leichensäcke nicht ausreichen. Wann will der böse Putin zum Sprung ansetzen?
"… vor allem im Bereich der Zivilbeschäftigten …"
Mord bleibt Mord. Staatlich sanktioniert oder nicht. Ausgeführt in Uniform oder in Zivil.
> Die Gesellschaft redet falsch über den Soldatenberuf?
Nicht die Gesellschaft sondern die Staatspropaganda belügt das Volk und behauptet, Soldaten würden ihre Heimat und ihr Vaterland verteidigen.
@Erfurter: Könnte dieses überaus schlichte Bild ergänzt werden dadurch, daß "das Volk" in Teilen auch ohne "Staatspropaganda" der Meinung sein könnte, Verteidigung sei sinnvoll? Wird dieses Denken nicht auch befeuert durch Angriffskriege? Waren Sie nicht NVA-Offizier? Wurde Ihnen der Job auch durch verlogene Staatspropagada aufgedrängt?
@aa,
es gibt gerechte und ungerechte Kriege. Die DDR/NVA hat sich auf einen gerechten Krieg vorbereitet, nämlich auf die Verteidigung von Heimat, Volk, Vaterland und die Verteidigung sozialistischer Errungenschaften. Genau aus diesem Grund (und nur aus Diesem!) bin ich Soldat der NVA geworden.
Armeen/Soldaten kapitalistischer Länder hingegen werden auf die Verteidigung privater Interessen vorbereitet. Also auf Kriege die niemals gerecht sein können. Somit verteidigt ein Bundeswehrsoldat bestenfalls sich selbst.
PS: Die Meinung des heutigen BRD-Volkes ist ein Diktat!