Devoter Westen, selbstbewußtes Indien?

Schon immer gab es auf den Schulhöfen Schlägertypen, die gefürch­tet und bewun­dert zugleich waren. Es gab die, die sich ihnen als Handlanger andien­ten, und die, die sich hilf­los unter­war­fen. Gar nicht sel­ten aber kam es dazu, daß sich die Schwächeren zusam­men­ta­ten, den Schlägern eine Falle stell­ten und ihre Macht bra­chen. Analogien sind in der Politik immer hei­kel. Das trifft auch zu auf die Beschreibung Donald Trumps als Scheinriese – schon des­halb, weil die­se Figur in "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" eine ganz sym­pa­thi­sche Person war.

spie​gel​.de (2.8.25)

»… Trump hat­te zuletzt in einem Beitrag auf Truth Social erklärt, dass die Vereinigten Staaten Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Waren aus Indien erhe­ben würden…

Am 14. Juli hat­te Trump mit 100-pro­zen­ti­gen Zöllen für Länder gedroht, die rus­si­sches Öl kau­fen, soll­te Moskau kein umfas­sen­des Friedensabkommen mit der Ukraine schlie­ßen…«

In der "New York Times" ist am 2.8.25 hin­ter der Bezahlschranke zu lesen:

nyti​mes​.com (2.8.25)

»… Auf einer Pressekonferenz am Vortag lehn­te Randhir Jaiswal, Sprecher des indi­schen Außenministeriums, es ab, direkt auf Trumps Drohung ein­zu­ge­hen. Er deu­te­te jedoch an, dass es kei­ne Änderung der Politik gegen­über Russland geben werde.

„Unsere bila­te­ra­len Beziehungen zu ver­schie­de­nen Ländern ste­hen für sich und soll­ten nicht durch die Brille eines Drittlandes betrach­tet wer­den“, sag­te Jaiswal. „Indien und Russland ver­bin­det eine sta­bi­le und bewähr­te Partnerschaft.“…«

Die "NYT" ver­weist dar­auf, daß der US-Druck auf Indien mit­nich­ten eine Erfindung Donald Trumps darstellt:

»Für die indi­sche Regierung ist die Entscheidung nicht einfach.

Indien deckt fast 90 Prozent sei­nes Energiebedarfs für sei­ne rie­si­ge Bevölkerung durch Importe. Zwar hat das Land sei­ne Ölimportquellen diver­si­fi­ziert – laut offi­zi­el­len Angaben bezieht es Öl aus rund 40 Ländern –, doch wur­den sei­ne Lieferungen häu­fig durch Maßnahmen der USA gegen eini­ge der größ­ten Exporteure beein­träch­tigt. In der Vergangenheit haben die Vereinigten Staaten Indien erfolg­reich dazu gedrängt, sei­ne Ölimporte aus dem Iran und Venezuela einzustellen.

Der ehe­ma­li­ge hoch­ran­gi­ge Beamte Saran sag­te, Indien habe in Trumps erster Amtszeit dem Druck der USA nach­ge­ge­ben und die Ölimporte aus dem Iran auf null redu­ziert. Das Land wol­le posi­ti­ve Beziehungen zu den Vereinigten Staaten, auch wenn die Einstellung der Ölimporte aus dem Iran „für uns wirt­schaft­lich kei­nen Sinn macht“.

Die Ersetzung des rus­si­schen Öls durch neue Quellen könn­te eben­falls zusätz­li­che Kosten ver­ur­sa­chen. Nähere Ölquellen wie bei­spiels­wei­se Saudi-Arabien ver­kau­fen auf­grund einer von der Organisation erd­öl­ex­por­tie­ren­der Länder (OPEC) prak­ti­zier­ten Politik, die als „Asien-Aufschlag“ bezeich­net wird, zu höhe­ren Preisen an asia­ti­sche Länder.

In ähn­li­cher Weise erklär­te ein hoch­ran­gi­ger indi­scher Beamter, Indien habe gro­ße Verluste bei sei­nen Investitionen in vene­zo­la­ni­sches Öl erlit­ten, als Trump Sanktionen gegen die­ses Land ver­häng­te, die dann von der Biden-Regierung gelockert und spä­ter wie­der ein­ge­führt wur­den…«

Auch Mexiko und Brasilien beu­gen sich nicht wie die west­li­chen Länder wider­stands­los den US-Dikaten, China ohne­hin nicht. Es mag sein, daß die Scheinzwerge Donald Trump sei­ne Grenzen aufzeigen.

6 Antworten auf „Devoter Westen, selbstbewußtes Indien?“

  1. Die Staatspropaganda ver­brei­tet ein völ­lig fal­sches Verständnis zum Thema Selbstbestimmung (Souveränität). Des Weiteren ist es nicht "Indien" was mit Rohstoffen han­delt, son­dern es sind ein­zel­ne Börsenspekulaten die das tun. Und die­sen Gaunern an den Börsen ist es scheiß­egal ob mit den von ihnen gehan­del­ten Produkten mensch­li­che Bedürfnisse (z.B. eine geheiz­te Wohnung) befrie­digt werden.

  2. Die Öl- und Gasimporte Indiens aus Russland sind mei­ner Meinung nach allein schon des­halb inter­es­sant, weil sie zei­gen, wie umfas­send die Überwachung aller Staaten durch die USA ist. Diese Überwachung zu kap­pen, ins­be­son­de­re die des Zahlungsverkehrs, und damit die von den USA aus­ge­üb­te Kontrolle über die Staaten, ist das wich­tig­ste Ziel der BRICS-Staaten. Beim Handel über die Ozeane kom­men noch die Versicherungen für die Schifffahrt hin­zu, die eben­falls unter Kontrolle der USA (und ihrer Vasallen) ste­hen. Wir wer­den in den näch­sten Jahren sehen, wie erfolg­reich die Bemühungen der BRICS-Staaten sind. Die haben bereits ihr eige­nes Zahlungssystem.

    Die Chinesen haben unter ande­rem inner­halb von 3 Monaten ihren Import von Sojabohnen aus den USA auf Null redu­ziert. Brasilien und Russland lie­fern genug für China.

    Afrika hat viel Potenzial für wirt­schaft­li­ches Wachstum. Einige afri­ka­ni­sche Staaten ver­su­chen sich vom west­li­chen Imperium zu befrei­en und haben sogar die west­li­chen Besatzungsarmeen ver­trie­ben. Leider machen die Afrikaner immer wie­der gro­be Fehler wie bei­spiels­wei­se Kredite über 10 Jahre für Projekte wie Bildung, Infrastruktur und Bewaffnung auf­zu­neh­men. Die Ausgaben für Waffen könn­ten die Staaten durch inter­kon­ti­nen­ta­le Kooperationen erset­zen. Was Bildung und Infrastruktur betrifft, müs­sen die Verantwortlichen irgend­wann mal zur Kenntnis neh­men, dass Änderungen in die­sen Bereichen erst nach eini­gen Jahrzehnten (ein hal­bes Jahrhundert) eine Wirkung zei­gen. Wenn die Rückzahlung eines Kredits plus Zinsen zu früh fäl­lig wird, dann ver­armt der Staat nur noch mehr. Vielleicht erken­nen die Chinesen als Kreditgeber irgend­wann mal das Problem, denn die sind kein Stück bes­ser als west­li­che Kreditgeber. Letztendlich muss all die Kreditwirtschaft auf Null gefah­ren wer­den. Und so ganz neben­bei zer­stö­ren die Afrikaner ihr Land mit Straßen, so wie wir Europäer es gemacht haben (was kein Thema in Deutschland zu sein scheint, ganz im Gegensatz zur CO2-Steuer und in Bayern nun zusätz­lich die Grundwassersteuer – wirk­li­cher Umweltschutz: Fehlanzeige).

    1. @Peter Pan, beden­ken Sie daß die BRICS-Staaten an genau den­sel­ben Börsen han­deln wie aldi ande­ren Staaten.

      Was Afrika bzw. die afri­ka­ni­schen Länder betrifft: Ja, da haben Sie recht, die machen auch in der Wahrnehmung ihrer Selbstbestimmung Fehler. Fehler die dem kapi­ta­li­sti­schen System geschul­det sind. Fehler die ver­meid­bar wären wenn sich die­se Länder vom Kapitalismus befrei­en würden.

      Jedes Land, jede Nation die­ser Welt die den Anspruch erhebt, eine selbst­be­stim­men­de Nation zu sein, ist selbst ver­an­wort­lich für ihre feh­ler­haf­te Entwicklung (Alexander Abusch 1950).

      Wobei natür­lich stets die Frage bleibt, ob die­se Länder wirk­lich sou­ve­rän sind. Was sie ganz sicher nicht sind, solan­ge sie sich von Kapitalimport und Kapitalexport abhän­gig machen.

      Und noch etwas: In Afrika leben seit tau­sen­den Jahren Menschen! Fragt sich da kei­ner, wie die da leben konn­ten ohne "Entwicklungshilfe aus der EU"? Muss man den Afrikanern etwa erklä­ren wie man Kartoffeln anbaut ohne das Land zu verwüsten?

    2. @Peter Pan

      Wenn der Krankenwagen län­ger als eine Viertelstunde braucht, ist hier­zu­lan­de das Geschrei groß. Ich kann ver­ste­hen, war­um auch in Afrika der Ausbau des Straßennetzes als Fortschritt ange­se­hen wird. Sie wol­len nicht in einem Naturreservat leben, in dem sie kei­ne Rolle spie­len dür­fen, außer dem Schutz der Natur zu dienen.

      Wobei auch ich die Prioritäten anders set­zen wür­de., doch was nutzt den Menschen die Universitätsausbildung, wenn sie dann doch kei­nen Job fin­den? Afrika muss end­lich eige­ne Wege gehen dür­fen, ohne daß ihnen stän­dig jemand erklärt, was gut oder schlecht für sie sei.

  3. Während auf "ARTE" noch die Sanktionstaktik des Westen "erläu­tert" wird, soll­ten sich dem "Buerger" eigent­lich die wah­ren Zusammenhänge auf­tun. Meinen Zahlenmatadore doch allen Ernstes, es gäl­te zu ver­hin­dern daß bestimm­te Maschinen nicht in rus­si­sche Hand gehö­ren. Wer heu­te einen Parklplatz betritt und "China-raus" pro­pa­gier­te, muess­te sich nicht wun­dern wenn fast kei­nes der par­ken­den Fahrzeuge, dort ohne wei­te­res noch aus eige­ner Kraft weg kommt. Was in den Köpfen rei­cher Leute vor­geht, mag "arm­see­lig" sein, schafft es aber ohne wei­te­res immer wie­dewr ins Programm der ÖR's etc.….

    Das Problem wird abseh­bar, lei­der nicht bes­ser werden.

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