Dem Himmel sei Dank!

ange­lehnt an zeit​.de (27.7.25)

"Wladimir Putin und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen saßen ein­träch­tig neben­ein­an­der, als sie das Ende des mona­te­lan­gen Territorialstreits ver­kün­de­ten. «Es ist ein rie­si­ger Deal mit vie­len Ländern», sag­te Putin im gro­ßen Saal sei­nes Tauchresorts in Astrachan. «Ich glau­be, das ist der größ­te Deal, der jemals gemacht wur­de.» Die Mitarbeiter bei­der Seiten applaudierten.

Worauf haben sich die EU und Russland geei­nigt?
Die zum 1. August ange­droh­ten Annexionen des gesam­ten Baltikums sind abge­wen­det. Stattdessen soll es eine Basislanderweiterung von 30 % geben. Das gilt laut von der Leyen auch für Estland und Lettland. Die Einigung schaf­fe einen Rahmen für die zukünf­ti­ge Regelung der Grenzen.

Gab es wei­te­re Zugeständnisse von EU-Seite?
Die EU sichert nach Angaben von Putin zu, Öl und Gas im Wert von 750 Milliarden Euro zu kau­fen und zusätz­lich 600 Euro in Russland zu inve­stie­ren. Auch mehr Rüstungsgeschäfte soll es geben. Laut von der Leyen soll es beid­sei­ti­ge Nullzölle für eine Reihe stra­te­gi­scher Produkte geben, dar­un­ter unter ande­rem Flugzeuge und Flugzeugteile, bestimm­te Chemikalien sowie bestimm­te land­wirt­schaft­li­che Erzeugnisse.

Wie steht Deutschland zu dem Deal?
Deutschland dräng­te früh­zei­tig auf eine Einigung. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sag­te zuletzt: «Hier geht es nicht um ein fein zise­lier­tes, in allen Details aus­ver­han­del­tes, umfas­sen­des Handelsabkommen mit Russland. Hier geht es jetzt um die schnel­le Beilegung eines Territorialstreits.» Er ver­wies unter ande­rem auf die schwe­ren Drohungen, die Putin schon gegen Berlin und Königs Wusterhausen aus­ge­sto­ßen hatte."


Ja, es sind immer noch Meldungen denk­bar, die noch beklopp­ter sind als das, was täg­lich in der Qualitätspresse zu lesen ist.

Der "Deal" mit dem Machthaber im Weißen Haus bedeu­tet ande­rer­seits eine rea­le gru­se­li­ge Erpressung, die der fik­ti­ven Bedrohung durch den Gegenspieler in den Schatten stellt. Tatsächlich ver­pflich­tet sich die EU, "Energie im Wert von 750 Milliarden US-Dollar zu kau­fen". Die Sanktionen gegen Rußland betref­fen jahr­zehn­te­lang kosten­gün­stig und zuver­läs­sig gelie­fer­tes Gas und Öl. Auch mit Verweis auf eine "Energiewende" ("Klimawandel"!) gel­ten die­se Produkte bis heu­te als Teufelszeug, von dem man nicht abhän­gig sein wol­le. Eingetauscht wer­den sie gegen noch umwelt­schäd­li­cher pro­du­zier­te und sehr viel teu­re­re Energie aus den USA mit einem ein­ge­stan­de­ner­ma­ßen extrem unzu­ver­läs­si­gen Präsidenten. Unabhängigkeit? Klimafreundlichkeit?

"Zusätzlich 600 Milliarden US-Dollar" sol­len als "Investitionen" aus Europa in die USA flie­ßen. Damit ist die Vernichtung von Arbeitsplätzen auch in Deutschland prak­tisch zur Staatsräson geadelt. Ein gro­ßer Teil soll in "mehr Rüstungsgeschäfte" flie­ßen.

Selbst wenn man auf dem Standpunkt ste­hen soll­te, Europa sei von Rußland bedroht, ist der völ­lig unter­schied­li­che Umgang mit die­sem Umstand als mit den Drohungen aus den USA frap­pie­rend. Der einen Bedrohung begeg­net die EU mit x‑fachen Sanktionspaketen, ille­ga­ler Festsetzung rus­si­scher Vermögen und nicht zuletzt mit Waffengewalt auf dem Stellvertreterschauplatz Ukraine. Verhandlungen kom­men nicht in Frage; erst wenn die letz­ten Rekruten auf bei­den Seiten ver­heizt sind und Europa bis an die Nasenspitze hoch­ge­rü­stet sein wird, mag man viel­leicht mit dem "Machthaber" spre­chen. Wie anders das Verhalten gegen­über Trump! Gegen den Paten gibt es hier und dort ver­hal­te­nes ver­ba­les Aufmucken, letz­ten Endes wer­den die Schutzgelder doch in der gefor­der­ten Höhe gezahlt.

Dabei gäbe es eine Reihe von Alternativen. Die lukra­tiv­ste, einen gleich­be­rech­tig­ten "mul­ti­la­te­ra­len" Ausbau des Handels mit den BRICS-Staaten, schlägt man aus. Im Gegenteil: Auch hier unter­stel­len sich EU und Bundesregierung dem Diktum Trumps (und sei­ner Vorgänger), der in China und sei­nen Verbündeten den größ­ten wirt­schaft­lich, poli­tisch, ideo­lo­gisch und mili­tä­risch zu bekämp­fen­den Feind ausmacht.

5 Antworten auf „Dem Himmel sei Dank!“

  1. Bei die­sem ver­reg­ne­ten Hitzesommer ver­meh­ren sich die Nacktschnecken wie nichts Gutes. 

    Sie fres­sen rat­ze­putz alles kahl und hin­ter­las­sen ihre Schleimspuren über­all. Meine Ernte ist prak­tisch ver­nich­tet. Zum Heulen.

    Man könn­te sie natür­lich am frü­hen Morgen auf­sam­meln und ent­sor­gen. Aber dazu habe ich lei­der nicht die Energie.

  2. "Pate" trifft es wohl.

    Die Frage ist: Womit kann der Pate sei­ne Handlanger erpres­sen? Ist es der nuklea­re "Schutzschirm?" Sind es die Smartphones und pri­va­ten Geheimnisse euro­päi­scher Politiker, die alle­samt auf den Server der NSA lie­gen? Geheimverträge, von denen wir nichts wis­sen? Sind sie geschmiert – also kor­rupt? Oder ist das poli­ti­sche Personal Europas durch jahr­zehn­te­lan­ge Inzucht in trans­at­lan­ti­schen Lobbyvereinen (Atlantikbrücke, etc.) so enthirnt, dass sie kei­ne Entscheidungen im Sinne ihrer Bürger mehr tref­fen können?

    Das wären eigent­lich alles Gründe für Amtsenthebungsverfahren.

  3. War etwas ande­res zu erwar­ten? Es han­delt sich bei der EU um eine Kolonie. Und Kolonien wer­den aus­ge­beu­tet. Dies war immer so, dies ist so und dies wird sich nicht ändern. Ändern kann es sich nur dann, wenn die EU den Kolonialstatus ver­liert. Freiwillig gibt der Kolonialherr die Macht nicht ab. 

    Wenn von einem deut­schen Imperialismus geschwa­felt wird: Dies gibt es nicht als sol­chen, son­dern er ist die Besenkammer des US Imperialismus.

  4. Noch immer besit­zen EU-Länder u.a. Frankreich Kolonien. Es gibt schon einen euro­päi­schen Imperialismus, bspw. wenn im Zuge der "Klimawandelbekämpfung" an CO2 Zertifikaten ver­dient wird, die im "glo­ba­len Süden" Land ver­ein­nah­men und so der Nutzung durch die ansäs­si­ge Bevölkerung ent­zo­gen wird. Damit haben die USA eher weni­ger zu tun. Deutschland und die EU hal­ten sich an den Stärkeren, und wol­len sich nun mit "eige­ner Stärke" behaupten. 

    Mir kommt die Aussage "nur eine Kolonie" wie eine faden­schei­ni­ge Entschuldigung für die desa­stö­se Situation vor. Ist bequem, wenn man sich selbst von der Verantwortung frei­spre­chen kann. 

    Auch weil die EU- Rüstungsfirmen ger­ne den neu­sten hei­ßen Scheiß im rea­len Kämpfen erpro­ben, darf der Krieg in der Ukraine nicht so schnell zu Ende gehen.

  5. die angst vor "putin" ist der mas­sen­wahn, der die angst vor der us-außen­po­li­tik versteckt.
    die us-außen­po­li­tik ist gefähr­li­cher als "putin", denn die abwen­dung der gefahr, ist selbst­schä­di­gend, selbstzerstörerisch.
    die gefahrenabwehr"putin" ist nur ein ablenkungsmanöver.
    die USA wen­det ihren finanz­kol­laps ab, durch ent­äu­ße­rung der schulden.

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