Wenn Christina Berndt und Markus Grill von der "Süddeutschen Zeitung" investigativ unterwegs sind, gestehe ich, bin ich zunächst skeptisch. 15 Mal in einem Text das Wort "geheim" zu verwenden, wirkt auf mich reißerisch. Wenn dann noch die Überschrift offenkundig falsch ist – haben CB und MG schon einmal von den Verträgen der EU mit den Herstellern der "Corona-Impfstoffe" gehört? –, dann wächst mein Mißtrauen. Was ist dran an der Sache?

»Das Pharma-Gesetz, das noch die Ampelregierung auf den Weg brachte, wurde von Anfang an spöttisch „Lex Lilly“ genannt. Denn für Kenner des Gesundheitssystems liegt nahe, dass der Paragraf über Geheimpreise für Arzneimittel, der im neuen Medizinforschungsgesetz steht, ein Geschenk an den US-Pharmakonzern Eli Lilly ist. Dieser hat offenkundig ein besonderes Interesse daran, seine Preisabsprachen mit den Krankenkassen geheim zu halten: Es geht um die lukrative Diabetes- und Abnehmspritze Mounjaro.
Mit einem der letzten Gesetze, die sie schuf, kam die Ampelregierung dem US-Pharmariesen entgegen; mutmaßlich, damit dieser ein neues Werk im rheinhessischen Alzey eröffnet. Das legen interne Dokumente nahe, über die ein Rechercheteam von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR gemeinsam mit Investigate Europe bereits im Oktober 2024 berichtet hat…«
Daß jene Recherche weniger einen Skandal aufdeckte als, daß das Lauterbachsche Gesetz die ganz normale Verschiebung von Versichertengeldern zu Großkonzernen illustriert, wurde damals hier ausführlich gezeigt:
Christina Berndt kommt zu spät und ist empört. Das Medizinforschungsgesetz
Für Berndt und Grill bietet sich nun die Gelegenheit, ihre Story fortzusetzen:
»Doch nun schließt sich der Kreis: Tatsächlich ist es die Firma Eli Lilly, die als Erstes von den geheimen Erstattungspreisen Gebrauch machen will. Das geht aus Briefen hervor, die Eli Lilly jüngst an Ärzte in Deutschland verschickt hat und die SZ, NDR und WDR vorliegen. Darin ist zu lesen, Eli Lilly habe „als erstes Unternehmen in Deutschland nach dem Medizinforschungsgesetz einen Preis verhandelt, der nicht veröffentlicht wird“. Nach Informationen von SZ, NDR und WDR soll der Vertrag der Firma mit den Krankenkassen in der kommenden Woche unterschrieben werden…
Monatelang hat Eli Lilly mit den Krankenkassen über den Erstattungspreis verhandelt. Das ist üblich. Denn Pharmafirmen dürfen in Deutschland den Preis für ein neues Medikament zunächst frei bestimmen. Eine Regelung, die dazu führt, dass in Deutschland so schnell neue Medikamente verfügbar sind wie nirgends sonst. Doch nach einem Jahr verhandeln Kassen und Hersteller über den Preis. Grundlage dafür ist die Nutzenbewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G‑BA) – also die Frage, ob das neue Medikament wirklich einen Zusatznutzen für Patienten gegenüber älteren Medikamenten bedeutet. Sollte der Zusatznutzen klein ausfallen oder gar nicht vorhanden sein, sinkt die Zahlungsbereitschaft der Kassen erheblich, der Preis fällt.
Das dürfte auch bei Mounjaro der Fall sein, denn das Medikament ist in der Behandlung von Diabetes laut dem G‑BA kaum wirksamer als ältere Behandlungsmöglichkeiten…«
Und nun wird es merkwürdig. Der Konzern verkündet, einen Preis mit den Krankenkassen ausgehandelt zu haben, das "Rechercheteam" weiß, er solle in der nächsten Woche unterschrieben werden. Das mag so sein. Doch wie paßt die folgende Information dazu?
»Vertreter des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ärgert das, denn nur weil ein Preis mit der Krankenkasse verhandelt ist, ist es nicht der wirtschaftlichste Preis für die Behandlung der Patienten. Wirtschaftlich sind vielmehr Präparate, die genauso viel bewirken, aber billiger sind. Eben das könnten Ärzte angesichts von Geheimpreisen nicht mehr herausfinden.
„Geheime und intransparente Erstattungsbeträge verteuern die Versorgung zugunsten höherer Gewinne der Pharmaindustrie und ohne die Versorgung zu verbessern“, schreibt ein GKV-Sprecher auf Anfrage. „Der Pharmaindustrie wurde mit der Möglichkeit zu Geheimpreisen ein Geschenk für Gewinnsteigerungen gemacht.“ Die Beitragszahler würden dafür voraussichtlich jedes Jahr Mehrkosten in Milliardenhöhe bezahlen, ohne dass sich dadurch auch nur im Geringsten ihre Versorgung verbessere, heißt es aus Berlin.«
Zwei Erklärungen sind möglich. Man ist auf heiße Luft von Eli Lilly hereingefallen. Oder die GKV treibt ein Doppelspiel, wenn sie öffentlich Empörung äußert und insgeheim die Regel mit trägt.
Werbung für die Abnehmespritze
Richtig weist die "SZ" darauf hin, daß es sich bei der Vereinbarung um ein "Dual-Use"-Produkt handelt. Mounjaro ist einerseits ein Diabetes-Mittel und nur über diesen Einsatzzweck verhandeln die Kassen. Damit, daß das Pharmazeutikum andererseits auch eine Abnehmespritze ist, haben sie nichts zu tun, denn die Kosten dafür werden von den Kassen nicht übernommen.
Wer sich von der Spritze Abnehmwunder verspricht, muß für "die Dreimonatspackung Mounjaro in der Zehn-Milligramm-Dosis 1126 Euro" auf den Tisch legen. Das empört die "SZ", nicht etwa die Fragwürdigkeit der Spritze und ihre nicht unwesentlichen Nebenwirkungen (s. hier). Und so schließt der Artikel mit einem rührseligen Kapitel:
»Seit die Preise so gestiegen sind, kann er sich die Spritzen nicht mehr leisten
Wer Mounjaro nutzen möchte, um Pfunde zu verlieren, bekommt die Spritze deshalb ohnehin nur zum teuren Listenpreis. Und den hat Eli Lilly – Zufall oder nicht – für die Abnehmdosierungen erst im Februar empfindlich erhöht…
Für Menschen wie Daniel Brandt ist das ein echtes Problem. Der 30-Jährige, der in Berlin im öffentlichen Dienst arbeitet und dessen Name für diesen Text geändert wurde, kämpft seit Jahren mit seinem Übergewicht. Er ist 171 Zentimeter groß und wog 108 Kilogramm, keine Diät half dauerhaft. Mithilfe von Mounjaro konnte er sein Gewicht auf 73 Kilogramm reduzieren. „Es war überhaupt kein Kampf, der Appetit war einfach weg“, erzählt er SZ, NDR und WDR. „Ich hatte danach keinen hohen Blutdruck mehr, keine Gelenkbeschwerden, alle Blutwerte waren top.“…«
Da schließt sich wirklich der Kreis zur Werbung für das Produkt, die im letzten Herbst hier schon einmal Thema war:
Mehr zu Eli Lilly hier: https://kodoroc.de/?s=lilly

Der Suchbegriff "Geheimpreise" liefert hunderte Ergebnisseiten. Da hat sich das Propagandaministerium wiedermal was richtig tolles einfallen lassen, um vom betrügerischen Wesen des Systems abzulenken 😉