"Der Pharmaindustrie wurde mit der Möglichkeit zu Geheimpreisen ein Geschenk für Gewinnsteigerungen gemacht"

Wenn Christina Berndt und Markus Grill von der "Süddeutschen Zeitung" inve­sti­ga­tiv unter­wegs sind, geste­he ich, bin ich zunächst skep­tisch. 15 Mal in einem Text das Wort "geheim" zu ver­wen­den, wirkt auf mich rei­ße­risch. Wenn dann noch die Überschrift offen­kun­dig falsch ist – haben CB und MG schon ein­mal von den Verträgen der EU mit den Herstellern der "Corona-Impfstoffe" gehört? –, dann wächst mein Mißtrauen. Was ist dran an der Sache?

sued​deut​sche​.de (22.7.25, Bezahlschranke)

»Das Pharma-Gesetz, das noch die Ampelregierung auf den Weg brach­te, wur­de von Anfang an spöt­tisch „Lex Lilly“ genannt. Denn für Kenner des Gesundheitssystems liegt nahe, dass der Paragraf über Geheimpreise für Arzneimittel, der im neu­en Medizin­forschungsgesetz steht, ein Geschenk an den US-Pharmakonzern Eli Lilly ist. Dieser hat offen­kun­dig ein beson­de­res Interesse dar­an, sei­ne Preisabsprachen mit den Krankenkassen geheim zu hal­ten: Es geht um die lukra­ti­ve Diabetes- und Abnehmspritze Mounjaro.

Mit einem der letz­ten Gesetze, die sie schuf, kam die Ampelregierung dem US-Pharmariesen ent­ge­gen; mut­maß­lich, damit die­ser ein neu­es Werk im rhein­hes­si­schen Alzey eröff­net. Das legen inter­ne Dokumente nahe, über die ein Rechercheteam von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR gemein­sam mit Investigate Europe bereits im Oktober 2024 berich­tet hat…«

Daß jene Recherche weni­ger einen Skandal auf­deck­te als, daß das Lauterbachsche Gesetz die ganz nor­ma­le Verschiebung von Versichertengeldern zu Großkonzernen illu­striert, wur­de damals hier aus­führ­lich gezeigt:

Christina Berndt kommt zu spät und ist empört. Das Medizinforschungsgesetz

Für Berndt und Grill bie­tet sich nun die Gelegenheit, ihre Story fortzusetzen:

»Doch nun schließt sich der Kreis: Tatsächlich ist es die Firma Eli Lilly, die als Erstes von den gehei­men Erstattungspreisen Gebrauch machen will. Das geht aus Briefen her­vor, die Eli Lilly jüngst an Ärzte in Deutschland ver­schickt hat und die SZ, NDR und WDR vor­lie­gen. Darin ist zu lesen, Eli Lilly habe „als erstes Unternehmen in Deutschland nach dem Medizinforschungs­gesetz einen Preis ver­han­delt, der nicht ver­öf­fent­licht wird“. Nach Informationen von SZ, NDR und WDR soll der Vertrag der Firma mit den Krankenkassen in der kom­men­den Woche unter­schrie­ben werden…

Monatelang hat Eli Lilly mit den Krankenkassen über den Erstattungspreis ver­han­delt. Das ist üblich. Denn Pharmafirmen dür­fen in Deutschland den Preis für ein neu­es Medikament zunächst frei bestim­men. Eine Regelung, die dazu führt, dass in Deutschland so schnell neue Medikamente ver­füg­bar sind wie nir­gends sonst. Doch nach einem Jahr ver­han­deln Kassen und Hersteller über den Preis. Grundlage dafür ist die Nutzen­bewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G‑BA) – also die Frage, ob das neue Medikament wirk­lich einen Zusatznutzen für Patienten gegen­über älte­ren Medikamenten bedeu­tet. Sollte der Zusatznutzen klein aus­fal­len oder gar nicht vor­han­den sein, sinkt die Zahlungsbereitschaft der Kassen erheb­lich, der Preis fällt.

Das dürf­te auch bei Mounjaro der Fall sein, denn das Medikament ist in der Behandlung von Diabetes laut dem G‑BA kaum wirk­sa­mer als älte­re Behandlungsmöglichkeiten«

Und nun wird es merk­wür­dig. Der Konzern ver­kün­det, einen Preis mit den Krankenkassen aus­ge­han­delt zu haben, das "Rechercheteam" weiß, er sol­le in der näch­sten Woche unter­schrie­ben wer­den. Das mag so sein. Doch wie paßt die fol­gen­de Information dazu?

»Vertreter des Spitzenverbands der Gesetzlichen Kranken­versicherung (GKV) ärgert das, denn nur weil ein Preis mit der Krankenkasse ver­han­delt ist, ist es nicht der wirt­schaft­lich­ste Preis für die Behandlung der Patienten. Wirtschaftlich sind viel­mehr Präparate, die genau­so viel bewir­ken, aber bil­li­ger sind. Eben das könn­ten Ärzte ange­sichts von Geheimpreisen nicht mehr herausfinden.

„Geheime und intrans­pa­ren­te Erstattungsbeträge ver­teu­ern die Versorgung zugun­sten höhe­rer Gewinne der Pharmaindustrie und ohne die Versorgung zu ver­bes­sern“, schreibt ein GKV-Sprecher auf Anfrage. „Der Pharmaindustrie wur­de mit der Möglichkeit zu Geheimpreisen ein Geschenk für Gewinn­steigerungen gemacht.“ Die Beitragszahler wür­den dafür vor­aus­sicht­lich jedes Jahr Mehrkosten in Milliardenhöhe bezah­len, ohne dass sich dadurch auch nur im Geringsten ihre Versorgung ver­bes­se­re, heißt es aus Berlin.«

Zwei Erklärungen sind mög­lich. Man ist auf hei­ße Luft von Eli Lilly her­ein­ge­fal­len. Oder die GKV treibt ein Doppelspiel, wenn sie öffent­lich Empörung äußert und ins­ge­heim die Regel mit trägt.

Werbung für die Abnehmespritze

Richtig weist die "SZ" dar­auf hin, daß es sich bei der Vereinbarung um ein "Dual-Use"-Produkt han­delt. Mounjaro ist einer­seits ein Diabetes-Mittel und nur über die­sen Einsatzzweck ver­han­deln die Kassen. Damit, daß das Pharmazeutikum ande­rer­seits auch eine Abnehmespritze ist, haben sie nichts zu tun, denn die Kosten dafür wer­den von den Kassen nicht übernommen.

Wer sich von der Spritze Abnehmwunder ver­spricht, muß für "die Dreimonatspackung Mounjaro in der Zehn-Milligramm-Dosis 1126 Euro" auf den Tisch legen. Das empört die "SZ", nicht etwa die Fragwürdigkeit der Spritze und ihre nicht unwe­sent­li­chen Nebenwirkungen (s. hier). Und so schließt der Artikel mit einem rühr­se­li­gen Kapitel:

»Seit die Preise so gestie­gen sind, kann er sich die Spritzen nicht mehr leisten
Wer Mounjaro nut­zen möch­te, um Pfunde zu ver­lie­ren, bekommt die Spritze des­halb ohne­hin nur zum teu­ren Listenpreis. Und den hat Eli Lilly – Zufall oder nicht – für die Abnehmdosierungen erst im Februar emp­find­lich erhöht…

Für Menschen wie Daniel Brandt ist das ein ech­tes Problem. Der 30-Jährige, der in Berlin im öffent­li­chen Dienst arbei­tet und des­sen Name für die­sen Text geän­dert wur­de, kämpft seit Jahren mit sei­nem Übergewicht. Er ist 171 Zentimeter groß und wog 108 Kilogramm, kei­ne Diät half dau­er­haft. Mithilfe von Mounjaro konn­te er sein Gewicht auf 73 Kilogramm redu­zie­ren. „Es war über­haupt kein Kampf, der Appetit war ein­fach weg“, erzählt er SZ, NDR und WDR. „Ich hat­te danach kei­nen hohen Blutdruck mehr, kei­ne Gelenkbeschwerden, alle Blutwerte waren top.“…«

Da schließt sich wirk­lich der Kreis zur Werbung für das Produkt, die im letz­ten Herbst hier schon ein­mal Thema war:

Ist der Chef von Christina Berndt noch schlimmer?

Mehr zu Eli Lilly hier: https://​kodo​roc​.de/​?​s​=​l​i​lly

Eine Antwort auf „"Der Pharmaindustrie wurde mit der Möglichkeit zu Geheimpreisen ein Geschenk für Gewinnsteigerungen gemacht"“

  1. Der Suchbegriff "Geheimpreise" lie­fert hun­der­te Ergebnisseiten. Da hat sich das Propagandaministerium wie­der­mal was rich­tig tol­les ein­fal­len las­sen, um vom betrü­ge­ri­schen Wesen des Systems abzulenken 😉

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