Berlin will die Olympiade 36 und einen Iron Dome aufbauen. Die Realität sieht völlig anders aus. Wie die meisten Großbetriebe hat auch die Bahn die Ausbildung und Einstellung von Fachkräften eingespart. Zwei fehlende Fahrdienstleiter reichten aus, um über Tage einen Teil der S‑Bahn ausfallen zu lassen.

Noch in der letzten Woche hatte Lars Klingbeil (SPD) behauptet, mit den Sondervermögen genannten Schuldenbergen würden Schulen und Kitas finanziert. Dabei ist offensichtlich, daß Investitionen in die Infrastruktur dorthin fließen, wo es die Kriegsvorbereitung erfordert und ansonsten unter "Finanzierungsvorbehalt" stehen.

»... Die Folgen, die der Landesjugendring skizziert, sind drastisch: Personalstellen müssten gekürzt werden, um die übrigen Mitarbeiter weiterhin tarifgerecht bezahlen zu können. Das führe zu einem Abbau von Angeboten. „Ob Jugendclubs, Jugendreisen, Seminare der politischen Bildung, Streetwork oder internationale Jugendbegegnungen: Zahlreiche Formate stehen auf der Kippe.“ Die Abschaffung des vollen Tarifausgleichs verschärfe die Fachkräftekrise in der Jugendhilfe…«
Wenn die Protestierenden über ein hilfloses "Versprochen ist versprochen" hinausgehen und offensiv thematisieren, wofür in diesem Land Geld vorhanden ist und wofür nicht, könnten ihre Kämpfe womöglich erfolgreich sein. Es könnte eine inhaltliche Klammer entstehen, die sozialpolitische Auseinandersetzungen auf Wesentliches zurückführt.
Ältere werden sich an die Kampagne zur Privatisierung von Bahn, Post und anderen Branchen erinnern. Da ging es um die bequemen Beamten, die im Hinterzimmer der Schalterhallen lieber Skat spielten als einen weiteren Schalter zu öffnen, die mürrisch und selbstherrlich die KundInnen, die damals noch nicht so hießen, von oben herab behandelten. Das alles werde verschwinden, wenn die ordnende Hand des Marktes in die Staatsbetriebe eingreife. Freundlich lächelnde Postboten und Schaffnerinnen winkten uns in dieser Erzählung. Billiger würde ohnehin alles ohne die Wasserköpfe und natürlich kämen Züge und Pakete nunmehr viel pünktlicher.
Das verfing, denn an der Beschreibung war etwas dran. Nur bewirkte die Lösung, daß DHL und Deutsche Bahn mit hochspekulativen Käufen in der ganzen Welt zwar Gewinne einfuhren, dafür aber die heimische Infrastruktur verrotten ließen. Und was die Freundlichkeit der heute dort Beschäftigten angeht, wird jeder und jede Erfahrungen in der Coronazeit hat sammeln können. Oder mit den überlasteten Tagelöhnern, die uns den Schund der Versandhändler zustellen.

Das war/ist in Ö nicht viel anders…
Der Ösi
Und täglich quiekt das Propagandaschweinchen die Legende vom Fachkräftemangel.