Fremdenfeindlichkeit? Klassenkampf?

bild​.de (6.7.25)

»Santanyi/​Mallorca – Der Traum vom fried­li­chen Zweitwohnsitz auf Mallorca bekommt tie­fe Risse. Im sonst so idyl­li­schen Santanyi kocht die Wut über den Massentourismus über – jetzt rich­tet sie sich offen gegen Deutsche!

Unbekannte sprüh­ten in der Nacht zu Samstag frem­den­feind­li­che Parolen an Dutzende Geschäfte und Autos im 12.800-Einwohner-Ort im Südosten von Mallorca. Die Botschaft ist ein­deu­tig – und erschreckend: „Deutsche raus“ und „Ausländische Käufer fahrt zur Hölle“, in roter Farbe geschmiert an Fassaden, Fenstern und Fahrzeugen…

Santanyi an der mal­lor­qui­ni­schen Südostküste gilt als beson­ders beliebt bei Deutschen. Viele von ihnen leben seit Jahren hier, zah­len Steuern, beschäf­ti­gen Personal – und erle­ben nun eine offe­ne Feindseligkeit…

Seit Monaten wächst auf der Balearen-Insel die Ablehnung gegen­über Touristen und aus­län­di­schen Immobilienkäufern. Immer wie­der kommt es zu Protesten, bei denen Demonstranten gegen die Wohnungsnot auf die Straße gehen – nicht sel­ten mit aggres­si­ven Tönen gegen Ausländer. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist ange­spannt, Einheimische fin­den kaum noch bezahl­ba­ren Wohnraum…«

Eine Parallele zur deut­schen Fremdenfeindlichkeit gibt es. Auch sie rich­tet sich oft gegen Menschen, die seit Jahren hier leben und Steuern zah­len. In der Regel tritt der deut­sche Xenophobe aber nach unten. Das scheint bei den Protesten auf Mallorca nicht ganz so zu sein. Die beque­me Ausrede für den Tourismus in Billiglohnländer, man tue recht eigent­lich etwas Gutes für die Menschen dort, sonst wären sie noch ärmer, ver­fängt nicht mehr durchgängig.

12 Antworten auf „Fremdenfeindlichkeit? Klassenkampf?“

  1. Als ehe­mals Alleinerziehende in pre­kä­ren Beschäftigungsverhältnissen und dar­aus fol­gen­der Armutsrente bin ich auf gün­sti­gen Wohnraum ange­wie­sen. Seit mir mei­ne Wohnung wegen Eigenbedarf gekün­digt wur­de, bin ich daher obdachlos.

    Zur Frage, wer wohin tritt betrach­te ich mich seit mei­nen dar­aus resul­tue­ren­den häu­fi­gen Besuchen bei der Wohnungshilfe als Kundige. 

    Nein, zumin­dest in der Wohnungsfrage tritt hier nie­mand nach unten. Wer hier bezahl­ba­ren Wohnraum sucht, ist bereits unten. Personal wird da eher auch nicht beschäftigt.

    Für einen Realitätsabgleich emp­feh­le ich einen Vormittag im Warteraum eines Bürgeramtes.

  2. In Portugal ist die Situation am Wohnungsmarkt inzwi­schen für vie­le Eingeborene dra­ma­tisch. Völkerwanderungen, so hat­te ich im Geschichtsunterricht gelernt, pas­sie­ren ein­fach. Einfach so, ohne Grund und ohne Folgen. Damit ver­bun­den sind Jahreszahlen, die ich als Schüler aus­wen­dig ler­nen muss­te und schnell wie­der ver­ges­sen hatte.

    1. > Völkerwanderungen, so hat­te ich im Geschichtsunterricht gelernt, pas­sie­ren einfach.

      Nein. Denn stets stecken pri­va­te, also Profitinteressen dahin­ter. Im Übrigen ist die Wohnung/Ferienhäuser-Situation nicht auf Mallorca beschränkt. Dieselbe Situation haben wir näm­lich auch in Deutschland, ins­be­son­de­re auf den Inseln in Nord- und Ostsee und in allen grö­ße­ren Städten.

    2. @Peter Pan: Danke für die Anregung! So geht es Vielen

      Völkerwanderungen wur­den durch Verdrängungen aus­ge­löst. Entweder durch "frem­de" Völker, oder durch natür­li­che Ereignisse. Jedenfalls gab es zu Zeiten der Leibeigenschaften kein Lohndumping als Ursache. Man press­te ganz ein­fach die eige­ne Bevölkerung nach Bedarf. Wenn man mehr davon benö­tig­te, schuf man also dem­entspre­chend die Rückzugräume, um gezielt für Zuwächse und Abnahmen so oder so zu "Generieren". Heute denkt man dabei ja eher global.
      Während der Europäer nicht weiß wie man den Weg zur Arbeit zusätz­lich finan­zie­ren könn­te, sie­delt man die Einwanderer gleich neben den Gewächshäusern an. Die sind ja qua­si sowie­so schon am umsie­deln. Am besten wächst's halt, wo die Sonne am direk­te­sten drauf scheint. Wenn das her­an­kar­ren von Wasser dann zu teu­er wird – egal – kann man sowie­so nicht wei­ter pflan­zen und bega­sen las­sen und wirt­schaf­ten. Übrigens, oft mit "CO2"? Und wenn man ehe­dem nicht pflan­zen kann, muß man auch nicht dort leben und trin­ken. Oh, darf man das eigent­lich so schrei­ben? Das wäre doch unter­stel­lend, weil gesagt hat's doch so noch nie­mand, die letz­ten Jahrzehnte jedenfalls.
      Aber was soll's, wir Laien und Nichthistoriker müs­sen da mal abwar­ten, was unter Umständen die Experten dazu sagen wür­den. Schließlich sind wir nicht beim ZDF, wo man Physiker öffent­lich­keits­wirk­sam nach Epidemiologie aus­frägt. Daß es sich um Experten han­delt bestrei­tet ja nie­mand. Bloß mit dem Trick hau­siert die deut­sche Propagandamaschine seit 1945 und macht oft auch vor Schulunterricht nicht halt. – Tja!

      Unterschied zwi­chen: "Experten" (all­ge­mein) und "Die Experten" (umfas­send) ; Ein "Physiker" ist also kein Experte zur Epidemie, somit nicht in der Lage zu beur­tei­len -> Was ein P. eigent­lich aber sel­ber wis­sen soll­te! Bei Markus Lanz z.B. wäre ich mir da weni­ger sicher. Wer wäre im gege­be­nen Fall also haft­bar zu machen für unrich­ti­ge Einschätzungen? – Gerne hel­fe ich aus: Vermutlich kei­ner! Noch nicht ein­mal die Zuschauer des ÖR 😉 Ist das raf­fi­niert? – Nöh, eigent­lich nicht so. Mus man shtu­diert haben – Nöh, eigent­lich nicht so.

      kann­id­ver­sta­an

      Wir Korintencreierende drän­geln (auch die pot. Leser) ger­ne! – Wenn'S hilft.….

      1. > Während der Europäer nicht weiß wie man den Weg zur Arbeit zusätz­lich finan­zie­ren könn­te, sie­delt man die Einwanderer gleich neben den Gewächshäusern an.

        Ja, das habe ich neu­lich erst wie­der gese­hen. Wie Arbeiter unter der Dachtraufe hau­sen und in Garagen ohne Fenster näch­ti­gen, direkt neben der Fabrik. Also heu­te und hier in Deutschland. So wird der Reichtum für den Fabrikbesitzer geschaf­fen, der sich mit dem ange­häuf­ten Kapital dann Häuser auf Mallorca und Ibiza kau­fen kann.

  3. Das Bündnis Antefa per Schneppchenflug-Demo auf Stiftungskostenbasis einfliegen.

    Wieviele Probleme auf ein­mal, sähe wer genau, dabei gleich­zei­tig gelöst? 😀 Oh, quel­le que­sti­on .….. – Ein Schelm.

  4. Sagen, was ist, haha. Ich bin jeden­falls dafür, dass Linke nach Syrien raus­ge­wor­fen wer­den, zusam­men mit und zu den Brüdern im "Geiste".

  5. Es ist die simp­le öko­no­mi­sche Tatsache. Nicht mehr, nicht weniger.

    Je knap­per das Angebot, desto höher die Preise. Und je gerin­ger die Erwartung der "Abnehmer". Warum soll­te sich Spanien oder sonst ein Land des soge­nann­ten Westens von Deutschland unter­schei­den? Der Rest ist Sündenbockverwendung. Er ändert aber nichts am Zustand, da dies nicht gewollt ist. 

    Je grö­ßer das Angebot an Arbeitswilligen und eine Unterbeschäftigung, desto gerin­ger das Entgelt und die Sozialleistungen. Es ist nichts ande­res gewollt.

    1. O'Mikron,

      das Problem ist welt­weit, daß Wohnungen nicht gebaut bzw. gekauft wer­den um damit dem mensch­li­chen Bedürfnis Wohnen gerecht zu wer­den, son­dern der Profite wegen.

  6. Linke: so link wie lin­kisch. Und dabei scham­los. Erst zen­sie­ren und dann in denun­zia­to­ri­scher Absicht den Kommentar zur Zensur sei­nem Zusammenhang ent­rücken. Sehr link, abstoßend.

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