Hackepeterwagen. Gewinne mit Murks

Was ist eigent­lich dar­aus geworden?

faz​.net (25.6.25)

»Nach einem Hackerangriff auf die poli­zei­li­chen Diensthandys und Tablets in Mecklenburg-Vorpommern wird die kom­plet­te Serverinfrastruktur aus­ge­tauscht, um aus­zu­schlie­ßen, dass eine Schadsoftware instal­liert wur­de. Das teil­te das Landesinnen­ministerium in Schwerin am Mittwoch mit. Anfang Juni hat­te es der Behörde zufol­ge einen Angriff auf das System „mobi­le Polizei“ (mPol) gegeben.

Mit die­sem kön­nen Beamte in einem theo­re­tisch geschütz­ten Bereich etwa Fotos, Dokumente und E‑Mails aus­tau­schen, zudem sind Abfragen aus poli­zei­li­chen Informationssystemen mög­lich. Abgefragt wer­den kön­nen etwa Daten zu Personen im Fahndungs- und Auskunftssystem, wei­ter Daten aus dem Fahrzeugregister oder von einem System der Bundespolizei zur Dokumentenprüfung. Zudem kann über die Geräte tele­fo­niert wer­den…«

Und dar­aus?

netz​po​li​tik​.org (1.2.23)

Übrigens: Ministerin für Justiz, Gleichstellung und Verbraucherschutz ist dort Jacqueline Bernhardt ("Die Linke"). (Nicht Beinhart.)

Privat vor Staat – jetzt hamwer den Salat

Zu den Hintergründen ist am 28.6.25 auf shz​.de zu lesen, daß etwa auch in Schleswig-Holstein Unbill droht:

»… Bei unse­ren Nachbarn in Mecklenburg-Vorpommern hat es jetzt aller­dings einen „Sicherheitsvorfall“ mit dra­ma­ti­schen Folgen gege­ben. Alle 3500 Handys der Polizei muss­ten nach einem Hackerangriff abge­schal­tet wer­den und es ist unklar, ob sie jemals wie­der sicher ver­wen­det wer­den kön­nen. Die Täter sol­len unter ande­rem Zugriff auf dienst­li­che E‑Mail-Adressen, die Personalnummern der Beamten, GPS-Daten und die Wlan-Passwörter der Dienststellen gehabt haben.

Hacker nutz­ten die Server als Einfallstor
Die Attacke der „pro­fes­sio­nel­len Tätergruppierung“ soll über die Server erfolgt sein, die die Smartphones ver­wal­ten und ver­net­zen. Ein schwer­wie­gen­des Versäumnis soll dabei eine Rolle spie­len: Nach einer Warnung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) im Zusammenhang mit einem gro­ßen Hackerangriff auf kri­ti­sche Infrastruktur Ende Mai, soll Hinweisen auf Sicherheitslücken in der Software nicht schnell genug nach­ge­gan­gen wor­den sein…

Dataport betreut die Polizei-Smartphones
Damit steht die Frage im Raum, ob das in Schleswig-Holstein eben­falls pas­sie­ren kann. Betreut wer­den die Smartphones der Polizei im Land von Dienstleister Dataport, der auch die Server für die Geräte betreibt, damit die sen­si­blen Daten nicht im Ausland lagern. Außerdem hat Dataport für das Vorgangsbearbeitungs­system der Polizei eine Smartphone-App programmiert.

Obwohl aner­kannt auf tech­nisch auf hohem Niveau, hat auch Dataport bei in Sicherheitsfragen jüngst Schlagzeilen gemacht: Im Mai gin­gen die Firewalls der Finanzämter in die Knie, Ursache unklar…

Nicht beant­wor­tet wird die Frage, ob der von der Landespolizei betrie­be­ne Aufwand garan­tie­ren kann, dass es nicht doch zu einem ver­gleich­ba­ren Angriff kom­men kann. Und ob sich die schles­wig-hol­stei­ni­schen Samsung-Handys mit Android-Betriebssystem bes­ser schüt­zen las­sen, als die Apple-Geräte mit iOS in Mecklenburg-Vorpommern…«

Über den Vorfall hat­te die "Tagesschau" schon vor drei Wochen berich­tet. Gelöst scheint das Problem immer noch nicht zu sein. Aber Digitalisierung bleibt unse­re Zukunft, wird medi­al rauf und run­ter gebe­tet. Und: Die ePA ist sicher. Wie die Rente.

Genau genom­men ist Dataport eine "Anstalt des Öffentlichen Rechts" im Besitz von sechs Bundesländern, die seit 2015 auch an einer "IT-Lösung zur Erfassung von Flüchtlingen" arbei­tet. Eigentlich darf das Unternehmen sich nicht an einer Gewinnmaximierung aus­rich­ten. Im letz­ten Geschäftsbericht für das Jahr 2023, in dem viel par­liert wird zum Thema "Konjunktur in der Zeitenwende" und zur "syste­ma­ti­schen Destabilisierung des demo­kra­ti­schen Lebens bei­spiels­wei­se durch Fake News und die Diskreditierung von demo­kra­ti­schen Wahlen", ist zu lesen:

»… Die Geschäftsentwicklung von Dataport führ­te im Wirtschaftsjahr 2023 zu einer Umsatzsteigerung von 178,1 Millionen Euro oder 15,1 Prozent auf 1.360,5 Millionen Euro (2022: 1.182,4 Millionen Euro). Das Jahresergebnis 2023 liegt in Höhe von 11,6 Millionen Euro um 6,6 Millionen Euro unter dem Vorjahr (2022: 18,2 Millionen Euro). 

Die Umsatzerlöse für eige­ne Leistungen sind im Wirtschaftsjahr 2023 um 115,2 Millionen Euro oder 12,7 Prozent auf 1.023,7 Millionen Euro (2022: 908,5 Millionen Euro) gestiegen… 

Entgegen dem Vorjahr konn­te im Wirtschaftsjahr 2023 ein außer­or­dent­li­cher Ertrag aus der Rückdeckungsversicherung in Höhe von 3,8 Millionen Euro erzielt werden…«

Im Jahr 2015 lag das ope­ra­ti­ve Ergebnis noch bei 2,6 Millionen (web​.archi​ve​.org, 21.7.16).

Während die Firma Millionen Euro anhäuft, pro­fi­tie­ren ande­re Auftragnehmer mit. So etwa die USU Software AG, die mit Dataport so wirbt:

usu​.ag (Abruf 30.6.25)

Das ist ange­sichts der aktu­el­len Vorfälle und der lan­gen Liste von Skandalen, die mit Dataport ver­bun­den und auf de​.wiki​pe​dia​.org nach­zu­le­sen sind, schon sehr skurril.

(Hervorhebungen in blau nicht im Original.)

10 Antworten auf „Hackepeterwagen. Gewinne mit Murks“

  1. > Eigentlich darf das Unternehmen sich nicht an einer Gewinnmaximierung ausrichten.

    Ja genau. Die Verschmelzung von Staatskapital mit dem Kapital pri­va­ter Unternehmen darf nie­mals offen sicht­bar wer­den. Und wenn es den­noch pas­siert, wird das zum Skandal erklärt. Wie auch der sog. Maskendeal eines Gesundheisministers oder das Treffen füh­ren­der Politiker mit Großindustriellen auf Ibiza.…

    Also man könn­te ja fast mei­nen daß Skandale die­ser Art nur Inszenierungen sind.

  2. Dienstleister Dataport

    Dataport mag euphe­mi­stisch als Dienstleister bezeich­net wer­den. Dataport ist eine Anstalt des öffent­li­chen Rechts. Der Gewinn (soll­te) nicht im Vordergrund ste­hen. Im Übrigen jhat eine Anstalt des öffent­li­chen Rechts einen Haushalt. Zweckbindung und Einnahmen- und Ausgabenplanung im Rahmen der Zweckbindung sind der Maßstab. So zumin­dest die Theorie. Dataport wäre ger­ne etwas ande­res, ist es aber nicht.

        1. @aa, wie jetzt, gehört das Unternehmen dem Volk? Sehen Sie, das tut es eben nicht. Von daher ist es eben doch pri­vat. Weil der Staat pri­va­te Interessen ver­tritt. Das sogar mein Schwager aus Libyen verstanden.

  3. Der unmit­tel­ba­re Einfluss von Milliardären wird immer größer.

    Bsp. star­link v. Musk, ohne die die Ukraine ver­mut­lich längst kapi­tu­liert hätte.

    Oder Peter Thiel
    https://www.deutschlandfunk.de/die-peter-thiel-story‑5–6‑im-zentrum-der-macht-100.html

    https://​www​.deutsch​land​funk​.de/​p​o​l​i​z​e​i​s​o​f​t​w​a​r​e​-​v​o​n​-​p​a​l​a​n​t​i​r​-​w​a​r​u​m​-​d​a​s​-​s​y​s​t​e​m​-​i​n​-​d​e​u​t​s​c​h​l​a​n​d​-​u​m​s​t​r​i​t​t​e​n​-​i​s​t​-​1​0​2​.​h​tml

    Karp hat übri­gens auch sein Gastspiel bei der Goethe Universität Frankfurt gehabt. Danach kam er auf die Ideen, die nun unser Leben in hohem Maße bestimmen.

    Dennoch wird Deutschlandfunk im all­ge­mei­nen das Hohelied auf "KI" und Digatilierung gesungen.

    1. > Der unmit­tel­ba­re Einfluss von Milliardären wird immer größer.

      Und umge­kehrt. Der Staat wird immer mehr zum Milliardär.

  4. "… Fazit: Um eine ana­lo­ge Entwicklung in Europa zu stop­pen (die Berlusconis und Babiš stan­den und ste­hen bereit), bedarf es einer Steuer- und Wirtschaftspolitik, die nicht nur Löcher am unte­ren Rand der Gesellschaft stopft, son­dern Ressourcen am ober­sten Rand für eine sozi­al gerech­te und öko­lo­gisch nach­hal­ti­ge Transformation abschöpft. Es gibt auch Möglichkeiten, US-Oligarchen zu boy­kot­tie­ren oder zu besteu­ern. Superreiche wer­den damit weder dämo­ni­siert noch geschröpft, sie wer­den ein­zig in kri­sen­haf­ten Zeiten an ihre sozia­le und poli­ti­sche Verantwortung erin­nert. Konservative und Liberale müs­sen im Kampf um die Demokratie eine Korrektur ihrer steu­er- und haus­halts­po­li­ti­schen Dogmatik vor­neh­men, Linke müs­sen in dem glei­chen Kampf begrei­fen, dass er nicht nur sozi­al­po­li­tisch geführt wer­den muss, son­dern auch sicher­heits­po­li­tisch gegen die rus­si­sche (sowie neu­er­dings chi­ne­si­sche und womög­lich ame­ri­ka­ni­sche) Autokratie. Wenn Sie noch einer Quelle namens Karl Marx trau­en wol­len: Er rief die Arbeiter vor 150 Jahren zum dop­pel­ten Widerstand auf: gegen den Bonapartismus im Westen (das war damals das Frankreich Napoléons III.) und den Zarismus im Osten (damals unter Alexander II). Und Marx setz­te sich übri­gens auch schon für die Freiheit der Ukraine ein."

    Huihui…diesen Shift bekom­me ich nicht zusam­men. Weiß Leggewie nichts von star­link der Ukraine? Auch Palantir wird dort sicher zum Einsatz kommen. 

    zuvor heißt es:
    "…Deutschland benö­tigt bekannt­lich jede Menge Geld: für die Reparatur der demo­lier­ten Infrastruktur, für die Bereitstellung guter Bildung und Ausbildung und die Sicherung der Alten gegen Armut, und natür­lich für die Verteidigung des Landes gegen einen bar­ba­ri­schen Kriegsherrn Wladimir Putin.…"

    Wie kann ein sich so auf­ge­klärt geben­der Autor sol­che Sätze raushauen? 

    Ansonsten tei­le ich sei­ne Sorgen zu einem gro­ßen Teil. Irre Zeiten.

  5. Endlich schei­nen sie's kapiert zu haben. Wer Hardware mani­pu­lie­ren will muß phy­sisch ein­bre­chen, oder den "Shit" über den Ver-/Einkauf ein­schleu­sen. Das ist ungleich schwieriger.
    Zwar kann Funk abge­hört und ent­schlüs­selt wer­den, das Verständnis dafür erschließt sich dem ein­fa­chen Beamten viel eher. 'sind ja schließ­lich nicht alles IT- und Software-Experten. Geht alles sehr viel schnel­ler dann. Die abso­lu­te Lösung für das Problem gibt es nicht.
    Warum? – Mir gehen ein gan­zer Haufen Krimineller, kon­kret halt schwer auf den Sack. Was soll man sagen. Hab' sie nicht dazu genö­tigt .…. […und in-/di­rekt bezahlt, übri­gens auch nicht! Klar, ne]

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