„Damit kriegste sie immer“, sagt eine Soldatin und lacht

»31. Mai 2025 · Die Bundeswehr kann nur wach­sen, wenn sie jun­ge Leute von sich über­zeugt. Das ist ziem­lich schwie­rig, wie man bei einer Werbeaktion in Sachsen sehen kann.

Chemnitz, Dienstagmorgen um neun Uhr. Nahe der Messe hat die Bundeswehr eine „Pop-up-Karrierelounge“ auf­ge­baut. Die Soldatinnen und Soldaten legen sich mäch­tig ins Zeug.

Sie bema­len die Gesichter der Jugendlichen, die hier auf Klassenausflug sind, mit Tarnfarben, set­zen ihnen Helme auf, posie­ren mit ihnen vor Panzern…

Fünf bis sechs zusätz­li­che Brigaden muss Deutschland womög­lich künf­tig für die NATO stel­len – bis­her hat sie gera­de ein­mal neun. Und Kanzler Merz will die Bundeswehr zur „kon­ven­tio­nell stärk­sten Armee Europas“ machen. Kann die „Pop-up-Karrierelounge“ dabei helfen?…

Vormittags sind meh­re­re Schulklassen zu Besuch. Auf dem Parkplatz vor der Halle ste­hen der GTK Boxer, ein Radpanzer, und der Bison, ein schwe­res Bergefahrzeug. „Stationswechsel!“, schallt es immer wie­der laut durch die Halle. Dann bewe­gen sich die Gruppen zum jeweils näch­sten Stand.

Beim „Infomobil“ hält ein Soldat immer wie­der den­sel­ben Vortrag, um ihn her­um im Halbkreis Jugendliche, vie­le mit Tarnfarbenschminke im Gesicht. „Was sind denn die har­ten Fakten, die ich erfül­len muss, um zur Bundeswehr zu gehen?“, fragt er die Schüler und ant­wor­tet selbst: Man müs­se 17 sein – aber nur für die mili­tä­ri­schen Laufbahnen. „Bei zivi­len kann man auch mit 15 eine Ausbildung machen.“…«

Es läuft nicht rund. Klar wer­den Selfies gemacht vor den Militärgeräten. Doch zum Schluß muß der Werbeoffizier resignieren:

»Am Ende sei­nes Vortrags ruft er: „Fragen eurer­seits?“ Die Runde schweigt. „Nichts?“ Er war­tet kurz und sagt dann: „Wenn noch Fragen sind, wir sind da.“

Beim Versorgungsbataillon 131 aus Bad Frankenhausen läuft es nicht bes­ser. Das Bataillon braucht drin­gend Nachwuchs. Aber anders als bei den Stationen, an denen Ausrüstung aus­pro­biert wer­den kann, ist der Andrang hier sehr gering. Ein Soldat, der mit Nachnamen Weber heißt – aus Sicherheitsgründen sol­len die Namen der Soldaten nicht ganz genannt wer­den –, hat des­halb Zeit, von sei­ner Arbeit zu erzählen…

Die Soldatinnen beglei­ten die Mädchen zu einem Fitnesstest – Melanie traut sich als Erste und schafft 25 Liegestütze – und zur Fotobox. Die Mädchen posie­ren minu­ten­lang, mal lächelnd Arm in Arm, mal mit ern­stem Blick und ver­schränk­ten Armen. „Damit kriegs­te sie immer“, sagt eine Soldatin und lacht…

Die Mädchen und ihre Klassenkameraden sind gera­de mal 14, 15 Jahre alt. Bei einem Quiz in Wer-wird-Millionär-Optik schei­tern sie an der Frage, wel­ches von vier genann­ten Länder nicht in der NATO ist – „Russland“ ist die rich­ti­ge Antwort…«

Na, dann mal viel Spaß beim neu­en Ostfeldzug!

»Zurück in der Halle sind nur zwei Freundinnen bei den rund 30 Bundeswehrangehörigen zu Gast. Beide ste­hen kurz vor ihrem Realschulabschluss und haben schon einen Ausbildungsplatz – die eine bei der Marine. Ihr Uropa, Opa und Vater waren beim Heer und der Marine. „Ich hab mich noch nie für irgend­was ande­res inter­es­siert“, sagt sie. Und dass sie seit dem Krieg in der Ukraine noch moti­vier­ter sei. Überzeugungsarbeit brau­chen die Soldaten hier also nicht mehr zu leisten…

Dasselbe gilt bei einer Zwanzigjährigen, die bei der Bundeswehr stu­die­ren will… Jetzt will sie „was Aktives machen, was Sinn macht, wo ich stolz drauf sein kann“. Pilotin viel­leicht. Aber sie ist sich noch unsi­cher. Eine Soldatin namens Kretschmann erklärt ihr, dass sie mit Bedacht und Weitblick ent­schei­den sol­le. „Du sagst, du bist gern aktiv“, sagt Kretschmann. „Aber willst du des­halb wirk­lich Scharfschützin wer­den, mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug springen?“…

Um wirk­lich zu wach­sen, das sagen hier die mei­sten, brau­che es aus Berlin kei­ne mar­ki­gen Forderungen – son­dern eine Rückkehr zur Wehrpflicht. So sieht das auch Brigadegeneral David Markus. Er führt die Panzergrenadierbrigade 37 in Frankenberg, zu der die Panzerbataillone gehö­ren, die sich heu­te in Chemnitz prä­sen­tie­ren, und schaut am Mittag vor­bei. Aktionen wie die „Pop-up-Lounge“ sei­en hilf­reich, um die Bundeswehr stär­ker in der Gesellschaft zu ver­an­kern, Präsenz zu zei­gen, sagt er. Zu glau­ben, dass man ohne eine Rückkehr zur Wehrpflicht um Zehntausende Soldaten wach­sen kön­ne, sei aber utopisch…«

10 Antworten auf „„Damit kriegste sie immer“, sagt eine Soldatin und lacht“

  1. Zur Bundeswehr gehen heißt: Private Interessen pro­fit­gie­ri­ger Verbrecher mit der Waffe in der Hand durchzusetzen.

    Na wenn das mal kein star­kes Motiv ist.

  2. Ob man dar­auf stolz sein kann, Teil einer Tötungsmaschinerie zu sein? Sicher, wenn man gedan­ken­los ist, ideo­lo­gisch ver­blen­det ist, bevor­zugt mit einer Persönlichkeitsstruktur, die ein Über- und Unterordnungsverhältnis benö­tigt. Ein ech­ter Opportunist (m/​w/​d), der die Studienmöglichkeiten abgreift, hat den Deal ver­stan­den und sei­ne Teilnahme als Rädchen im Getriebe der Tötungsmaschinerie akzeptiert. 

    Wehrdienst ist Kriegsdienst, das Ziel ist die Fähigkeit, mensch­li­ches Leben staat­lich sank­tio­niert auf Befehl aus­zu­lö­schen. Als Scharfschütze eben­so wie als Logistiker, der die Mittel hier­zu lie­fert. Blut klebt an bei­den Händen. Ebenso an den Händen der Konstrukteure und Montierenden der Tötungsartikel, wenn man dies kon­se­quent sieht.

    Die Waffenindustrie und deren Eigentümer ver­die­nen exzel­lent am Geschäft mit dem Tod. Und nicht min­der ver­die­nen sie dar­an, die Rüstungsausgaben ein­zu­kas­sie­ren als ein Teil eines offen­sicht­lich leich­ter ver­dau­li­chen Bedrohungsszenarios statt offe­ner Enteignung. Auf der Seite des Gegenübers ist es eben­so. Und dies ist die Absurdität, die den Alltag darstellt. 

    Es ist an der Zeit, dies zu ändern. Auch wenn es naiv klingt: Der erste Schritt ist, die­se Tötungsmaschinerie und Gewalt abzu­leh­nen und sich dem ideo­lo­gi­schen, pro­fit­ge­trie­be­nen "Bildungsauftrag" zu wider­set­zen, der auf Gewalt aus­ge­rich­tet ist.

  3. Die Lage könn­te sich lei­der ändern, wenn dem­nächst die Arbeitslosigkeit anstei­gen soll­te. Dann ist das siche­re Einkommen bei der BW ein star­kes Argument.

    Übrigens erin­ne­re ich mich, dass auch der erste Feldzug der Westukraine im Jahr 2014 (oder 2015?) gegen die ost­ukrai­ni­schen Gebiete an unmo­ti­vier­ten Soldaten litt. Die waren wohl genau­so im Zivilistenmodus, wie die deut­schen Jugendlichen heute.

    Es müss­te unbe­dingt eine Friedensbewegung her, die die Stimmung dreht. Wird schwie­rig, denn das mitt­le­re Alter bei sol­chen Veranstaltungen ist immer noch 60+.

    Lediglich bei Protesten gegen die Vorgänge in Gaza sind jün­ge­re Leute.

  4. Echte Übungen könn­ten die Schüler viel­leicht mehr begei­stern. Die Mädchen machen es sich in einem Panzer bequem und die Jungen schie­ßen mit Artilleriegeschützen drauf. Mit der näch­sten Gruppe wer­den die Rollen getauscht. Kinder von Politikern dür­fen sich gegen­sei­tig einen Bauchschuß ver­set­zen. So kommt rich­tig Stimmung auf. Man muß die Kinder vor­her nur auf­tei­len, z. B. in Geimpfte und Ungeimpfte, und ordent­lich gegen­ein­an­der auf­het­zen. Die Experten von der Tagesschau wer­den dabei sicher­lich aus­hel­fen; die haben wäh­rend des ersten Corona-Regimes genug Erfahrung gesammelt.

    Wer weiß, viel­leicht schie­ßen wir in abseh­ba­rer Zukunft nicht nur in der Ukraine und Russland unse­re Mitmenschen tot, son­dern in ganz Europa. Immerhin haben die Verbrecher der Politbüros in Polen und Deutschland unab­hän­gig von ein­an­der ange­kün­digt, sie wer­den die größ­te Armee in Europa auf­stel­len. Deutschland und Polen im Krieg ist nicht neu. Wenn das mit dem Krieg gegen unse­ren Nachbarn Russland nichts wird, dann eben mit ande­ren Nachbarländern. Ich bin mir sicher, dass Vertreter der City of London schon ordent­lich "inve­stie­ren".

  5. https://​www​.rnd​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​w​i​e​-​s​o​l​d​a​t​e​n​-​i​n​-​d​e​r​-​u​k​r​a​i​n​e​-​t​r​o​t​z​-​a​m​p​u​t​a​t​i​o​n​e​n​-​w​e​i​t​e​r​k​a​e​m​p​f​e​n​-​F​C​O​G​J​T​F​3​Y​N​E​X​H​P​R​Y​T​J​Q​5​Q​D​O​J​R​Y​.​h​tml

    Na, dann los, lasst Euch mit Minen die Arme, Beine, Füße, Hände weg­spren­gen. Es gibt Minen in jedem Krieg, auf jeder Seite, über­all. Schwupp und ab ist sie, die Hand oder das Bein. Ist nor­mal nach Kriegen, man sieht noch Jahre lang die Kriegsversehrten oder die Traumatisierten nach Gefangenschaft. Das weiß aber die Generation der 15jährigen oder 20jährigen nicht. Die lau­fen durch die Straßen, die Krüppel, in Schwimmbädern sprin­gen sie vom 3‑Meter-Turm mit Prothesen. 

    Manche kämp­fen trotz Prothesen wei­ter, man­che las­sen sich in Deutschland stolz ein drit­tes oder vier­tes Mal "imp­fen", "boo­stern", für den Schutz und für die Verteidigung der Gesellschaft vor Virenangriffen aus welt­wei­ten Laboren. Wow! Viermal "geimpft" und immer wei­ter im Kampf gegen die künst­li­chen Laborviren. Ja, ja. Die Gesellschaft muss gegen Feinde und Viren ver­tei­digt und geschützt wer­den. Auch "unse­re Demokratie" muss ver­tei­digt wer­den im Kampf gegen jede Art Gegner. Was braucht man dazu? 15jährige oder 20jährige, die sich alles auf­schwat­zen las­sen, so kurz, bevor sie ihre Arme, Beine, Hände und Füße verlieren.

  6. Liebe Kids:

    Eine "Pop-up-Lounge" hat nichts mit pop­pen zu tun, und Soldat sein macht kei­nen Spaß, es sei denn, ihr seid Alkoholiker, fami­li­är vor­be­la­stet, oder habt einen an der Waffel. Da will euch jemand für dumm verkaufen.

    Blackrock-Merz hat mäch­tig Kohle locker gemacht um Waffen zu kau­fen, und jetzt will er, dass ihr Kanonenfutter spielt. Lasst euch nicht ver­ar­schen. "Karriere" beim Militär heißt: Arm ab, Fuß weg, Loch im Kopf, und dann Pflegefall oder Radieschen von unten ankucken. Tolle Karriere.

    Macht irgend­was, wo man net­te Menschen trifft, und pop­pen kann, ohne komi­sche Kleider zu tra­gen, und stän­dig "Jawoll" zu sagen. Dann gibts auch kei­nen Krieg, und das Leben ist schön.

  7. Die Bundeswehr gab sich schon vor der "Zeitenwende" viel Mühe, die jun­gen Menschen zum Dienst zu bewe­gen. Selbst das Marketing hier belobhudelt: 

    https://​www​.absatz​wirt​schaft​.de/​b​u​n​d​e​s​w​e​h​r​-​m​a​r​k​e​t​i​n​g​-​d​a​s​-​w​a​r​-​f​u​e​r​-​u​n​s​-​e​i​n​-​g​r​o​s​s​e​s​-​e​x​p​e​r​i​m​e​n​t​-​2​2​5​8​62/

    "Bundeswehr-Marketing: „Das war für uns ein gro­ßes Experiment“
    Wir haben die Vertreterinnen und Vertreter der Gewinner des Marken-Award 2020 zum Gespräch gebe­ten. Heute: Dirk von Holleben, Beauftragter für die Kommunikation der Arbeitgebermarke Bundeswehr, spricht über die Entstehung und das Konzept der Content-Plattform Bundeswehr Exclusive.

    Welche Zielgruppen errei­chen Sie mit Bundeswehr Exclusive?

    Wir haben es geschafft, die Bundeswehr zum Pausengespräch auf vie­len Schulhöfen zu machen. Junge Menschen inter­es­sie­ren sich für den Alltag in der Armee, der viel­leicht anders ist, als sie sich das vor­stel­len. „Die Rekruten“ haben sich auch vie­le ehe­ma­li­ge Soldatinnen und Soldaten ange­se­hen, die erle­ben soll­ten, wie sich die Grundausbildung seit der Aussetzung der all­ge­mei­nen Wehrpflicht ver­än­dert hat.

    Welche Themen und Inhalte inter­es­sie­ren die Zuschauer besonders?

    Zum einen Basiswissen rund um die Bundeswehr, vor allem für Einsteiger und Bewerber. Wie sind die ersten Tage auf der Stube? Wie lau­fen die Sporttests ab? Wie die Waffenausbildung? Zum ande­ren „Wow-Momente“, wenn wir Einblicke etwa in Auslandseinsätze geben, die man in die­ser Form noch nicht sehen konnte. …" 

    Wow Momente! Ob die in Einsätzen trau­ma­ti­sier­ten Soldaten das auch so sehen?

    Erfreulicherweise ist die Abbrecherquote sehr hoch.
    Bedingungsloser Gehorsam und Drill ist dann wohl doch nicht so
    toll. 2023 war es mehr als jede/​r Vierte.
    https://​www​.tages​schau​.de/​i​n​l​a​n​d​/​b​u​n​d​e​s​w​e​h​r​-​b​e​w​e​r​b​u​n​g​e​n​-​1​0​0​.​h​tml

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