"Mit deinen Kameraden würdest du für dieses Land sterben"

Es sieht mau aus für die Kriegstüchtigkeit. Die "FAZ" befragt drei jun­ge Menschen und zeigt sich eher resigniert.

faz​.net (29.5.25, Bezahlschranke)

Eine Interviewte ist Annabell Günther:

»Am Wochenende trägt Annabell Flecktarn. Im zivi­len Leben Jurastudentin, ist sie seit fast sie­ben Jahren auch Reservistin in der Bundeswehr. In regel­mä­ßi­gen Übungen trai­niert sie mit ihren Kameraden Personen- und Bootskontrollen und mili­tä­ri­sche Fähigkeiten: schie­ßen, schwim­men, mar­schie­ren, Gelände durch­käm­men. Im Verteidigungsfall sol­len sie Hafenanlagen und Kasernengelände sichern…

Annabell ist sport­lich, schwimmt und macht Pole Dance. Um sich ihr Studium zu finan­zie­ren, hat­te sie schon vie­le Jobs, sei es in der Diskothek, im Einzelhandel oder am juri­sti­schen Lehrstuhl.«

Die zwei­te Befragte ist Aktivistin der "Linksjugend":

»Maria Moubarak, 24, stu­diert Soziologie und Politik in Bremen, gehör­te zu den ersten Unterzeichnern einer Petition gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Sie enga­giert sich im Bundessprecherrat der Linksjugend. Ihre Meinung: „Für einen Staat zie­he ich nicht in den Krieg.“ Maria hat ein­mal Kampfsport gemacht und mag Videospiele wie Minecraft oder Animal Crossing.«

Der schwu­le Lukas Schniedergers wird so vorgestellt:

»"Ich leh­ne Krieg auf jeden Fall ab, fin­de aber auch, dass man ein Recht dar­auf hat, sich zu ver­tei­di­gen.“ Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr stu­diert Lukas Psychologie in Hamburg und enga­giert sich ehren­amt­lich bei der Telefonseelsorge. Er geht regel­mä­ßig ins Fitnessstudio, oft mit einem Podcast im Ohr. Sein Favorit: „Feuer & Brot“ von Alice Hasters und Maximiliane Häcke

Die "FAZ" weiß:

»Die Angst vor einem Krieg in Europa treibt laut Shell-Jugendstudie 81 Prozent der jun­gen Männer und Frauen im Alter von zwölf bis 25 Jahren um. Viele Jugendliche sei­en empa­thisch mit den Opfern von Kriegen und zeig­ten sich ange­sichts des gro­ßen Leids und der Zerstörungen fassungslos.«

Das läßt wenig Hoffnung für Kriegstreiber.

» Russlands Angriff auf die Ukraine ver­ur­teilt Maria, den­noch fin­det sie es wich­tig, dass man auch das Verhalten west­li­cher Länder kri­tisch beleuch­tet, ins­be­son­de­re wenn es um ver­pass­te di­plomatische Möglichkeiten geht. Maria denkt viel dar­über nach, wie unser Zusammenleben funk­tio­niert und wel­che Rolle Politik dabei spielt. Sie kri­ti­siert, dass die Diskussion mit Feindbildern auf­ge­la­den sei und die Grundlage dafür bie­te, dass jun­ge Menschen in den Krieg ziehen.«

Lukas

»… wür­de im Fall der Fälle sein Bestes tun, zu hel­fen. „Ich weiß aber nicht, ob ich tat­säch­lich mit einer Waffe auf ande­re Menschen schie­ßen könn­te.“ Genauso wenig wis­se er, ob er flie­hen oder blei­ben wür­de. „Die Bilder in den Nachrichten sind so grau­sam. Ich wür­de mir auf kei­nen Fall wün­schen, dass es sol­che Bilder auch von hier gibt.“«

Annabell woll­te nicht abhän­gig sein von ihren Eltern:

»Bei der Bundeswehr konn­te sie eige­nes Geld ver­die­nen – und fand eine Herausforderung, die sie, wie sie es sagt, auch als Mensch wach­sen ließ. Drei Monate Grundwehrdienst, dann Einsatz im Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg, Sanitätsdienst wäh­rend der Pandemie. Später wur­de sie Mitglied einer Reserveeinsatzkompanie der Marine in Kiel…«

»Welche Mutter will denn, dass ihr Sohn Soldat wird?“

… Lukas spricht sich gegen einen ver­pflich­ten­den Dienst an der Waffe aus. „Welche Mutter will denn, dass ihr Sohn Soldat wird?“, fragt er. Auch von Pflichtengagement hält er nichts: „Ich habe nach mei­nem Abi auch erst­mal ein FSJ gemacht, aber eben freiwillig.“…

Annabell dient aus Überzeugung. Regelmäßig nimmt sie frei­wil­lig an Wehrübungen teil, mal für ein paar Stunden, mal für meh­re­re Tage…

So ver­schie­den die Haltungen der drei zur Bundeswehr sind, so unter­schied­lich sie auf die Frage der Landesverteidigung blicken – alle drei sehen sich und ihre Generation nicht genü­gend in die aktu­el­le Debatte eingebunden…

"Die Stimme der Jugend wird nicht aus­rei­chend gehört“, sagt auch Maria. „Es ist immer wie­der ein Problem, dass die Politik kei­nen Wert auf unse­re Meinungen legt und über unse­re Köpfe hin­weg ent­schei­det. Wir jun­gen Menschen sind nicht eure Soldaten.“ Wehrfähigkeit ste­he bei der Gen Z nicht weit oben auf der Liste, sagt sie. Andere Themen sei­en wich­ti­ger: Bezahlbarer Wohnraum, Klimakrise und Rassismus bei­spiels­wei­se. Daten der Shell-Jugendstudie stüt­zen das, die Themen Klimawandel (63 Prozent) und Umweltverschmutzung (64 Prozent) beschäf­ti­gen eine Mehrheit der Jugendlichen. Rassismus hat Maria selbst erlebt. Für ein Land kämp­fen, in dem man sich nie kom­plett ange­nom­men fühlt? Das möch­te sie nicht..

Annabell erzählt, was ein­mal ein Kamerad zu ihr gesagt hat: „Mit dei­nen Freunden triffst du dich zum Kaffee trin­ken, mit dei­nen Kameraden wür­dest du für die­ses Land ster­ben.“«

8 Antworten auf „"Mit deinen Kameraden würdest du für dieses Land sterben"“

  1. Wie sag­te doch Crocodile Dundee einst so trefflich:
    Einem Floh ist es egal wem der Hund gehört auf dem er sitzt. Warum also soll­te der Floh den Hund verteidigen?

  2. „Mit dei­nen Freunden triffst du dich zum Kaffee trin­ken, mit dei­nen Kameraden wür­dest du für die­ses Land sterben.“

    Wir ler­nen also: Freundschaft ist Leben, Kameradschaft ist der Tod. Wer leben will trifft Freunde, wer ster­ben will, geht zum Militär.

  3. Früher: Wir schaf­fen das!
    Heute: Wir müs­sen das schaffen!

    Unwort des Jahres 2025 könnte
    Kriegstüchtigkeit werden!

    "„Wir müs­sen es schaffen“
    Bundeswehroffizier ruft Ärzteschaft zu Krisenvorsorge auf

    Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann, Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr, hat die Ärzteschaft zur Mitwirkung an der Krisenvorsorge im Gesundheitswesen auf­ge­ru­fen. In einer Rede vor dem Deutschen Ärztetag in Leipzig warn­te er davor, das Risiko eines mili­tä­ri­schen Konflikts oder groß­flä­chi­ger Katastrophen zu unter­schät­zen – und beton­te die Notwendigkeit eines gemein­sa­men Vorbereitens auf den Ernstfall: „Wenn es zu einem hohen Anfall von Patienten kommt, müs­sen wir gemein­sam Wege fin­den, wie wir damit umgehen.“
    "

    "Am Ende aber über­wog der Konsens: Die Zeitenwende betref­fe auch das Gesundheitswesen. Dr. Andreas Durstewitz brach­te es auf den Punkt: „Sanitätsoffiziere sind Kollegen. Wir soll­ten die Hand rei­chen – und die Möglichkeiten der zivil-mili­tä­ri­schen Zusammenarbeit nutzen.“"

    https://​www​.aend​.de/​a​r​t​i​c​l​e​/​2​3​5​089

  4. Sie geben Billiarden für Ballerzeug aus, und dann will nie­mand damit bal­lern. Kluge Jugend. Sollen doch Politiker und Aktionäre ihre Kinder ver­stüm­meln und abknal­len lassen.

    Wie siehts aus, Meister Merz: Ist der Nachwuchs schon bereit für den Schützengraben? Und die lie­ben Enkel? Hmm? Oder hält es der der fei­ne Herr wie die EU-Kommissionspräsidentin, und über­lässt das lie­ber dem Pöbel.

  5. Die krie­ge­ri­sche Dame als vor­ge­stell­tes Modell. Nett.

    Jeder, der etwas nach­denkt ohne pro­pa­gan­di­sti­sche Scheuklappen, erkennt, dass zum Zwecke des Profits und von Machtinteressen eini­ger Weniger gemet­zelt wird,. Immer die glei­che Klasse gegen­ein­an­der, nur weil sie die fal­sche Nationalität hat oder in der "fal­schen" Geographie ansäs­sig ist.

    Wer ein wenig nach­denkt ohne pro­pa­gan­di­sti­sche Scheuklappen, erkennt, dass die wah­re Leistung im Frieden und nicht in Krieg besteht. 

    "Annabell dient aus Überzeugung. "
    Soldat kann nur ein Erpresster sein, oder ein ideo­lo­gisch ver­blen­de­ter, der die Propaganda glaubt. Von was ist denn die krie­ge­ri­sche Dame über­zeugt? Vom leib­haf­ti­gen Putin? Von der regel­ba­sier­ten Weltordnung mit Genozid in Gaza und Westjordanland? Eine sol­che Person soll­te gut über­le­gen, was sie ver­tei­digt. Unterdrückung und Verarmung ist geographieübergreifend.

  6. Das sind gute Nachrichten.
    (Und so etwas ist so kost­bar in die­sen grau­en­haf­ten Zeiten!)

    Hoffentlich kön­nen sich die zwei ihre Zweifel und Fragen erhalten.

  7. PS: es sind nicht die Deutschen, es ist nicht das Deutsche Volk was die Kriege will. Vielmehr sind es die­je­ni­gen die das deut­sche Volk aus­plün­dern und unter­drücken und sich dazu der Organe eines Staates bedie­nen der sein eige­nes Volk mit Füßen tritt. Wenn wir in die Geschichte schau­en sehen wir: Die Entwicklung der Deutschen Nation ist eine ein­zi­ge Katastrophe. Und es waren die Führer des Deutschen Volkes was die­ses Volk von einer Katastrophe in die Andere führ­ten. Hitler, Hindenburg, die Wilhelminischen Kaiser, Bismarck, Deutsche Herzöge und Landesfürsten und natür­lich die Preußischen Junker und die Hohenzollern.

  8. Tja, die Gene … .
    Man kann sich natür­lich dar­über freu­en, dass die "Kriegsbereitschaft" (wahr­schein­lich nicht nur bei die­ser Pseudo-"Stichprobe") zuver­läs­sig unter­halb der "Kriegstüchtigkeitsschwelle" liegt.
    Konsequenz: bei einem Angriff ist kaum mehr jemand bereit, Freiheitsrechte aktiv(!) zu verteidigen,
    wie bereits bei dem ("hybri­den"!) Angriff (von Innen) ab 2020:
    Das konn­ten zwar "wir" so wahr­neh­men, aber nicht die Rechtgläubigen (zumin­dest nicht jene, die dies immer noch "leug­nen", ver­harm­lo­sen oder es gar als "Verteidigungsbereitschaft" gegen Viren, "Impfgegnerinnen" und "Coronaleugner" verherrlichen).
    Insofern wäre die 1/​3 "Modellierung" der Faz-kes noch viel zu hoch angesetzt.

    Die dar­aus ableit­ba­ren Gedanken, wie es denn bei einem denk­ba­ren (mei­net­we­gen auch "hybri­den") Angriff von Außen aus­sä­he, soll­te man sich schon gön­nen und nicht als XY-pho­bie oder "unrea­li­sti­sches Szenario" (wie etwa das vom Februar 2022) abtun.

    Also: gibt es eine Bevölkerungsmehrheit, die etwa der pro­pa­gier­ten "voll­stän­di­gen Impfquote" ent­spricht, die "unse­re Demokratie" (nicht nur mit­tels, z.T. mas­kier­ter, Teilnahme an Alibi-Veranstaltungen und ceter­um cen­seo "gegen Rechts") aktiv zu ver­tei­di­gen bereit ist?
    Offensichtlich nicht. Es ist näm­lich nicht nur bei mili­tä­ri­schen Besetzungen erfah­rungs­ge­mäß eher von (mehr­heit­li­cher) Anpassung als von Widerstand auszugehen.
    Genau die­se Erkenntnis (impli­zit ent­hal­ten in der doo­fen Parole "Lieber tot als rot") war im Kalten Krieg eines der Argumente für Auf- oder "Nachrüstungen" und ist wahr­schein­lich in Vergessenheit gera­ten, weil sie nicht (mehr) so rich­tig zum Ideal des "Bestmenschentums" passt.
    Leider völ­lig ver­schwun­den ist aber auch das, was dazu pas­sen könn­te, weil es ohne Drohungen gegen Aggressoren (m/​w/​d) aus­kommt und die Verantwortung für die Verteidigung nicht nur einer Generation auf­drückt (Kurzversion:)
    https://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​S​o​z​i​a​l​e​_​V​e​r​t​e​i​d​i​g​ung
    (war bis in die 1980er Jahre noch Bestandteil der öffent­li­chen Diskussion)

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