Mehr als 10.000 getötete Kinder im Gazastreifen. Zum Glück waren sie geimpft

n‑tv.de (22.5.25)

»Während des seit mehr als andert­halb Jahren andau­ern­den Gaza-Kriegs sind nach Angaben der von der Hamas kon­trol­lier­ten Gesundheitsbehörde mehr als 16.500 Kinder und Jugendliche getö­tet wor­den. Die Behörde ver­öf­fent­lich­te eine Liste mit ihren Namen, Ausweisnummern und Geburtsdaten. Demnach sol­len mehr als 900 Babys sowie mehr als 11.000 Kinder im Alter zwi­schen ein und 13 Jahren unter den Todesopfern sein. Die Angaben der Behörde las­sen sich der­zeit nicht unab­hän­gig überprüfen…«

Die imp­fen­de Organisation UNICEF bestä­tigt zurückhaltend:

»Wie vie­le Kinder sind in Gaza gestorben?
Leider ändern sich die Zahlen, wie vie­le Kinder in Gaza gestor­ben sind, sehr schnell. Deshalb ver­öf­fent­li­chen wir in die­sem Beitrag kei­ne kon­kre­ten Zahlen.

Die vom palä­sti­nen­si­schen Gesundheitsministerium ver­öf­fent­lich­ten Zahlen kön­nen wir der­zeit nicht unab­hän­gig prü­fen. Sie haben sich jedoch in vor­an­ge­gan­ge­nen Konflikten in Gaza im Nachhinein als zuver­läs­sig erwiesen.

Sicher ist, dass Tausende Kinder in dem Krieg in Gaza getö­tet oder ver­letzt wur­den. Viele Kinder wer­den zudem ver­misst und sind ver­mut­lich unter den Trümmern ein­ge­stürz­ter Gebäude begra­ben. Auch die kata­stro­pha­le huma­ni­tä­re Situation vor Ort führt dazu, dass Kinder ster­ben. So sind bereits Kinder gestor­ben, weil es ihnen an nahr­haf­ten Lebensmitteln, sau­be­rem Wasser und medi­zi­ni­scher Versorgung fehlt. Tausende Kinder sind lebens­be­droh­lich mangelernährt.

Jedes getö­te­te Kind ist eines zu viel! Jedes Kind muss geschützt wer­den.«
unicef​.de (26.3.25)

zdf​.de (4.9.24)
unicef​.de (4.11.24)

»Die drit­te Phase der aktu­el­len Impfkampagne gegen Polio soll mor­gen in einem Teil des nörd­li­chen Gazastreifens fort­ge­setzt wer­den. Sie war am 23. Oktober 2024 ver­scho­ben wor­den – auf­grund von schwe­ren Bombardierungen und Evakuierungsaufrufen und weil der Zugang sowie umfas­sen­de huma­ni­tä­re Pausen nicht gewähr­lei­stet waren. Dies mach­te es den Familien unmög­lich, ihre Kinder sicher zu den Impfstellen zu brin­gen und dem Gesundheitspersonal, die Impfungen durchzuführen.

Die huma­ni­tä­re Pause, die für die Durchführung der Impfkampagne erfor­der­lich ist, wur­de zuge­si­chert. Allerdings wur­de das Gebiet für die Pause im Vergleich zur ersten Impfrunde im nörd­li­chen Gazastreifen, die im September 2024 durch­ge­führt wor­den war, erheb­lich ver­klei­nert. Diese ist nun auf Gaza-Stadt beschränkt. Obwohl sich in den ver­gan­ge­nen Wochen min­de­stens 100.000 Menschen gezwun­gen sahen, sich vom nörd­li­chen Gazastreifen in Richtung Gaza-Stadt in Sicherheit zu brin­gen, befin­den sich wei­ter­hin rund 15.000 Kinder unter zehn Jahren in unzu­gäng­li­chen Orten im nörd­li­chen Gazastreifen wie Jabalia, Beit Lahiya und Beit Hanoun. Sie wer­den mit der Impfkampagne nicht erreicht, dies beein­träch­tigt ihre Wirksamkeit. Um die Übertragung des Poliovirus zu unter­bre­chen, müs­sen min­de­stens 90 Prozent aller Kinder in jeder Gemeinde geimpft wer­den. Dies wird ange­sichts der Lage schwer zu errei­chen sein.

In der fina­len Phase der Kampagne soll­ten schät­zungs­wei­se 119.000 Kinder unter zehn Jahren im nörd­li­chen Gazastreifen mit einer zwei­ten Dosis des neu­en ora­len Polioimpfstoffs Typ 2 (nOPV2) geimpft wer­den. Aufgrund von Zugangsbeschränkungen ist das Erreichen die­ses Ziels nun jedoch unwahrscheinlich…

Die Kampagne im nörd­li­chen Gazastreifen folgt auf die erfolg­rei­che Durchführung der Impfungen im zen­tra­len und süd­li­chen Gazastreifen, in deren Rahmen 451.216 Kinder erreicht wur­den…«

zdf​.de (31.8.24)

Der Zynismus des Ganzen wird vom "Spiegel" adäquat wei­ter geführt:

spie​gel​.de (26.7.24)

Die syste­ma­ti­sche Zerstörung der Lebensverhältnisse durch die israe­li­sche Armee und ihre Politik der ver­brann­ten Erde wird beschö­nigt mit der Benennung "pre­kä­rer sani­tä­rer Verhältnisse". WHO und UNICEF fol­gen der Strategie "phil­an­thro­pi­scher" Stiftungen, die nicht die Ursachen von Krankheiten besei­ti­gen, son­dern ganz im Gegenteil Profitquellen für die Pharmakonzerne erschlie­ßen wol­len. Das Verfahren wie­der­holt sich stets aufs Neue:

"[Es]soll die dro­hen­de Ausbreitung des Poliovirus in den palä­sti­nen­si­schen Gebieten gestoppt wer­den, nach­dem es in Abwasserproben nach­ge­wie­sen wor­den war. »Bisher wur­den zwar noch kei­ne Fälle von Polio fest­ge­stellt, aber ohne sofor­ti­ge Maßnahmen ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Virus die Tausenden von Kindern erreicht, die unge­schützt sind«, sag­te Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus in einem Meinungsbeitrag in der bri­ti­schen Zeitung »The Guardian«."

Es wird nie­mand in Frage stel­len, daß im Gazastreifen nicht nur Kinder von allen mög­li­chen Erkrankungen bedroht sind. Dagegen hel­fen nicht Impfungen, son­dern nur ein sofor­ti­ges Ende des Vernichtungskrieges und die Wiederherstellung von Verhältnissen, die nicht mehr "pre­kär" sind (und die anschei­nend die Gesundheitsbehörden der Hamas zuvor ermög­licht hat­te). Ein Aufrechnen der beim Angriff der Hamas getö­te­ten Menschen mit den palä­sti­nen­si­schen Opfern, die bei wei­tem über das bibli­sche "Auge um Auge, Zahn um Zahn" hin­aus­ge­hen, bleibt zynisch.

ber​li​ner​-zei​tung​.de (25.5.25)

»Bei einem israe­li­schen Luftangriff auf das Haus von Hamdi und Alaa al-Nadschar, bei­de Ärzte am Nasser-Krankenhaus im Gazastreifen, sind neun ihrer zehn Kinder getö­tet wor­den. Hamdi al-Nadschar und eines der Kinder wur­den schwer ver­letzt. Das teil­te das Krankenhaus mit, in dem das Ehepaar tätig ist. Wie unter ande­rem die israe­li­sche Zeitung Ha’aretz unter Berufung auf ihre Kollegen berich­tet, hat­te die Familie kei­ne Verbindungen zur Hamas…

Die israe­li­sche Armee (IDF) äußer­te sich zu dem Luftangriff am Freitagabend mit dem Hinweis, ein Kampfflugzeug habe meh­re­re Verdächtige ange­grif­fen, die sich in einem Gebäude nahe israe­li­scher Truppen im Gebiet von Chan Junis auf­ge­hal­ten hät­ten. Dabei habe es sich um ein gefähr­li­ches Kampfgebiet gehan­delt, das zuvor „zum Schutz der Zivilbevölkerung eva­ku­iert wor­den sei“. Die IDF erklär­te, man gehe Hinweisen auf „Schäden an unbe­tei­lig­ten Personen“ nach…«

4 Antworten auf „Mehr als 10.000 getötete Kinder im Gazastreifen. Zum Glück waren sie geimpft“

  1. > Die vom palä­sti­nen­si­schen Gesundheitsministerium ver­öf­fent­lich­ten Zahlen

    Das Volk von Palästina wur­de sei­nes Staates beraubt. Wie kann es da ein Gesundheitsministerium haben?

  2. Abgesehen von der zutref­fen­den Grundaussage des Artikels, stellt sich aber auch die Frage, ob die Polio-Impfung nicht sinn­voll ist, und unab­hän­gig vom den dra­ma­ti­schen Zuständen in Gaza betrach­tet wer­den muss.

  3. Man darf in die­sem, unse­rem Staate ja aus Staatsräson nichts gegen den Staat Israel sagen. Das wird schwer bestraft. Also ver­su­chen wir es anders: Wie war die mehr als zwei­jäh­ri­ge Belagerung von Leningrad? Wieviel Zivilisten sind elen­dig verhungert? 

    Kriege sind Maßstabgeber, wel­che einer Nation ihre histo­ri­sche Kraft anzei­gen? Die israe­li­sche Gesellschaft ist das Musterbeispiel einer kom­plett mili­ta­ri­sier­ten, ver­roh­ten, jeden Maßstab ver­lo­re­nen Gesellschaft.

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