
»Während des seit mehr als anderthalb Jahren andauernden Gaza-Kriegs sind nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 16.500 Kinder und Jugendliche getötet worden. Die Behörde veröffentlichte eine Liste mit ihren Namen, Ausweisnummern und Geburtsdaten. Demnach sollen mehr als 900 Babys sowie mehr als 11.000 Kinder im Alter zwischen ein und 13 Jahren unter den Todesopfern sein. Die Angaben der Behörde lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen…«
Die impfende Organisation UNICEF bestätigt zurückhaltend:
»Wie viele Kinder sind in Gaza gestorben?
Leider ändern sich die Zahlen, wie viele Kinder in Gaza gestorben sind, sehr schnell. Deshalb veröffentlichen wir in diesem Beitrag keine konkreten Zahlen.
Die vom palästinensischen Gesundheitsministerium veröffentlichten Zahlen können wir derzeit nicht unabhängig prüfen. Sie haben sich jedoch in vorangegangenen Konflikten in Gaza im Nachhinein als zuverlässig erwiesen.
Sicher ist, dass Tausende Kinder in dem Krieg in Gaza getötet oder verletzt wurden. Viele Kinder werden zudem vermisst und sind vermutlich unter den Trümmern eingestürzter Gebäude begraben. Auch die katastrophale humanitäre Situation vor Ort führt dazu, dass Kinder sterben. So sind bereits Kinder gestorben, weil es ihnen an nahrhaften Lebensmitteln, sauberem Wasser und medizinischer Versorgung fehlt. Tausende Kinder sind lebensbedrohlich mangelernährt.
Jedes getötete Kind ist eines zu viel! Jedes Kind muss geschützt werden.«
unicef.de (26.3.25)


»Die dritte Phase der aktuellen Impfkampagne gegen Polio soll morgen in einem Teil des nördlichen Gazastreifens fortgesetzt werden. Sie war am 23. Oktober 2024 verschoben worden – aufgrund von schweren Bombardierungen und Evakuierungsaufrufen und weil der Zugang sowie umfassende humanitäre Pausen nicht gewährleistet waren. Dies machte es den Familien unmöglich, ihre Kinder sicher zu den Impfstellen zu bringen und dem Gesundheitspersonal, die Impfungen durchzuführen.
Die humanitäre Pause, die für die Durchführung der Impfkampagne erforderlich ist, wurde zugesichert. Allerdings wurde das Gebiet für die Pause im Vergleich zur ersten Impfrunde im nördlichen Gazastreifen, die im September 2024 durchgeführt worden war, erheblich verkleinert. Diese ist nun auf Gaza-Stadt beschränkt. Obwohl sich in den vergangenen Wochen mindestens 100.000 Menschen gezwungen sahen, sich vom nördlichen Gazastreifen in Richtung Gaza-Stadt in Sicherheit zu bringen, befinden sich weiterhin rund 15.000 Kinder unter zehn Jahren in unzugänglichen Orten im nördlichen Gazastreifen wie Jabalia, Beit Lahiya und Beit Hanoun. Sie werden mit der Impfkampagne nicht erreicht, dies beeinträchtigt ihre Wirksamkeit. Um die Übertragung des Poliovirus zu unterbrechen, müssen mindestens 90 Prozent aller Kinder in jeder Gemeinde geimpft werden. Dies wird angesichts der Lage schwer zu erreichen sein.
In der finalen Phase der Kampagne sollten schätzungsweise 119.000 Kinder unter zehn Jahren im nördlichen Gazastreifen mit einer zweiten Dosis des neuen oralen Polioimpfstoffs Typ 2 (nOPV2) geimpft werden. Aufgrund von Zugangsbeschränkungen ist das Erreichen dieses Ziels nun jedoch unwahrscheinlich…
Die Kampagne im nördlichen Gazastreifen folgt auf die erfolgreiche Durchführung der Impfungen im zentralen und südlichen Gazastreifen, in deren Rahmen 451.216 Kinder erreicht wurden…«

Der Zynismus des Ganzen wird vom "Spiegel" adäquat weiter geführt:

Die systematische Zerstörung der Lebensverhältnisse durch die israelische Armee und ihre Politik der verbrannten Erde wird beschönigt mit der Benennung "prekärer sanitärer Verhältnisse". WHO und UNICEF folgen der Strategie "philanthropischer" Stiftungen, die nicht die Ursachen von Krankheiten beseitigen, sondern ganz im Gegenteil Profitquellen für die Pharmakonzerne erschließen wollen. Das Verfahren wiederholt sich stets aufs Neue:
"[Es]soll die drohende Ausbreitung des Poliovirus in den palästinensischen Gebieten gestoppt werden, nachdem es in Abwasserproben nachgewiesen worden war. »Bisher wurden zwar noch keine Fälle von Polio festgestellt, aber ohne sofortige Maßnahmen ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Virus die Tausenden von Kindern erreicht, die ungeschützt sind«, sagte Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus in einem Meinungsbeitrag in der britischen Zeitung »The Guardian«."
Es wird niemand in Frage stellen, daß im Gazastreifen nicht nur Kinder von allen möglichen Erkrankungen bedroht sind. Dagegen helfen nicht Impfungen, sondern nur ein sofortiges Ende des Vernichtungskrieges und die Wiederherstellung von Verhältnissen, die nicht mehr "prekär" sind (und die anscheinend die Gesundheitsbehörden der Hamas zuvor ermöglicht hatte). Ein Aufrechnen der beim Angriff der Hamas getöteten Menschen mit den palästinensischen Opfern, die bei weitem über das biblische "Auge um Auge, Zahn um Zahn" hinausgehen, bleibt zynisch.

»Bei einem israelischen Luftangriff auf das Haus von Hamdi und Alaa al-Nadschar, beide Ärzte am Nasser-Krankenhaus im Gazastreifen, sind neun ihrer zehn Kinder getötet worden. Hamdi al-Nadschar und eines der Kinder wurden schwer verletzt. Das teilte das Krankenhaus mit, in dem das Ehepaar tätig ist. Wie unter anderem die israelische Zeitung Ha’aretz unter Berufung auf ihre Kollegen berichtet, hatte die Familie keine Verbindungen zur Hamas…
Die israelische Armee (IDF) äußerte sich zu dem Luftangriff am Freitagabend mit dem Hinweis, ein Kampfflugzeug habe mehrere Verdächtige angegriffen, die sich in einem Gebäude nahe israelischer Truppen im Gebiet von Chan Junis aufgehalten hätten. Dabei habe es sich um ein gefährliches Kampfgebiet gehandelt, das zuvor „zum Schutz der Zivilbevölkerung evakuiert worden sei“. Die IDF erklärte, man gehe Hinweisen auf „Schäden an unbeteiligten Personen“ nach…«

> Die vom palästinensischen Gesundheitsministerium veröffentlichten Zahlen
Das Volk von Palästina wurde seines Staates beraubt. Wie kann es da ein Gesundheitsministerium haben?
Abgesehen von der zutreffenden Grundaussage des Artikels, stellt sich aber auch die Frage, ob die Polio-Impfung nicht sinnvoll ist, und unabhängig vom den dramatischen Zuständen in Gaza betrachtet werden muss.
Feuer einstellen fordern
Man darf in diesem, unserem Staate ja aus Staatsräson nichts gegen den Staat Israel sagen. Das wird schwer bestraft. Also versuchen wir es anders: Wie war die mehr als zweijährige Belagerung von Leningrad? Wieviel Zivilisten sind elendig verhungert?
Kriege sind Maßstabgeber, welche einer Nation ihre historische Kraft anzeigen? Die israelische Gesellschaft ist das Musterbeispiel einer komplett militarisierten, verrohten, jeden Maßstab verlorenen Gesellschaft.