Drückerkolonne sieht abgefahrenem Zug hinterher

Sieben Gestalten, die sich für Europa hal­ten, bege­hen fei­er­lich das Scheitern ihrer Politik. Wieder ein­mal ist die Sprache unter den ersten Opfern:

»Die größ­ten euro­päi­schen Staaten haben den Druck auf den rus­si­schen Präsidenten Wladimir Putin erneu­ert und ver­stärkt, zunächst einen Waffenstillstand in sei­nem Angriffskrieg gegen die Ukraine zu ver­kün­den und als­dann zu ernst­haf­ten Friedensverhandlungen bereit zu sein.«

faz​.net (12.5.25)

Versuchen wir, den Satz zu ver­ste­hen. "Die größ­ten euro­päi­schen Staaten" sind das Subjekt, womit Italien, Polen, Spanien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland gemeint sind.

Nicht zu den Größten gehö­ren damit Schweden, Finnland und Norwegen, deren Staatsgebiet mehr Quadratkilometer umfaßt als Italien und das Vereinigte Königreich. Und Rußland, so groß wie alle zusam­men, schon mal gar nicht. Seien wir groß­zü­gig und neh­men die Bevölkerungszahl als Maßstab, dann kommt es – bei Ausschluß Rußands – hin. Doch auch so blei­ben mehr als 100 Millionen Menschen in Europa außen vor.

Was tun die­se Hochstapler? Sie erneu­ern und ver­stär­ken den Druck auf Putin, "zunächst einen Waffenstillstand in sei­nem Angriffskrieg gegen die Ukraine zu ver­kün­den und als­dann zu ernst­haf­ten Friedensverhandlungen bereit zu sein". Putin soll also erklä­ren: Ich füh­re einen erfolg­rei­chen Angriffskrieg, stop­pe ihn aber und wer­de dann zu ernst­haf­ten Friedensverhandlungen bereit sein. Derweil wer­den "wir" selbst­re­dend unse­re Waffenlieferungen weiterführen.

Bekanntlich hat sich die ukrai­ni­sche Seite inzwi­schen zu einer rea­li­sti­sche­ren Haltung durch­ge­run­gen. Während die KriegsertüchtigerInnen noch von Ultimaten träu­men und den­ken, sie sei­en am Drücker, wird es wohl in den näch­sten Tagen zu Verhandlungen kom­men. Mit einem "Machthaber", der seit drei Jahren als nicht ver­hand­lungs­fä­hig und ‑wil­lig bezeich­net wird. Zugleich wur­den in Westeuropa Forderungen nach Verhandlungen und dem Schweigen der Waffen als Lumpenpazifismus und Lakaientum Putins diffamiert.

Ein deut­scher Wadenbeißer, der sich Außenminister nennt, "warn­te, Moskau sol­le 'nicht unter­schät­zen, dass der Westen bereit ist, jetzt sehr viel Druck aus­zu­üben'". Und die EU-Chefsängerin "sag­te, es gel­te, Russland in Gespräche 'hin­ein­zu­zwin­gen'. Auch sie ver­lang­te einen Waffenstillstand als Vorbedingung von Verhandlungen". Ein deut­scher Regierungssprecher ver­kün­det, es "wür­den Sanktionsvorbereitungen 'in Gang gesetzt'". Richtiger wäre viel­leicht die Formulierung "in den Sand gesetzt". Der pol­ni­sche Außenminister hält für eine Drohung, daß "auf einer Skala von eins bis zehn das Ausmaß der ver­häng­ten Sanktionen gegen­wär­tig erst bei sechs lie­ge, ihre Umsetzung sogar bloß bei drei von zehn".

Ohne die Gefährlichkeit des Gebarens zu unter­schät­zen, muß für den Augeblick fest­ge­hal­ten wer­den: Die Herrschaften geben gera­de eine lächer­li­che Vorstellung.

7 Antworten auf „Drückerkolonne sieht abgefahrenem Zug hinterher“

  1. > Die Herrschaften geben gera­de eine lächer­li­che Vorstellung.

    Das tun die doch ger­ne. Damit ihre Auftraggeber nicht sicht­bar werden.

  2. Kann man die­se Figuren noch ernst neh­men, bei dem gei­sti­gen Verbalauswurf, der an klei­ne trot­zi­ge Kinder erin­nert. Selbstverständlich wird man nein dazu sagen. 

    Diese EU täte gut dar­an, die Machtverhältnisse rich­tig ein­zu­schät­zen und sich dem­entspre­chend zu ver­hal­ten. Neben der Tatsache, dass Russland bis­her groß­zü­gig hin­weg­sieht über die teil­wei­se sogar direkt mit Personal, Logistik und Daten aus­ge­führ­ten Kampfhandlungen des ukrai­ni­schen Kanonenfutters gegen Russland. Alles hat ein Ende, auch die Geduld.

    1. > Diese EU täte gut dar­an, die Machtverhältnisse rich­tig ein­zu­schät­zen und sich dem­entspre­chend zu verhalten

      Genau das tut die EU. Indem die Führer der­sel­bi­gen Staaten ihre eige­ne Völker in die Armut trei­ben um damit die Macht der Ausbeuterklasse und Finanzoligarchie wei­ter­hin sicher­zu­stel­len. Also die Macht der­je­ni­gen die sie bis­her auch hat­ten. Denn es geht nicht um eine Neuordnung son­dern um eine Neuaufteilung.

  3. Nur zur Ergänzung ein paar Gedanken.

    Neben Waffenlieferungen befürch­tet die rus­si­sche Regierung auch die Stationierungen von "euro­päi­schen" Truppen. Das wur­de von "euro­päi­schen" Führern wie Stürmer und Makrone immer wie­der laut­hals ein­ge­wor­fen. Die rus­si­sche Regierung hat­te dem Vorhaben immer wie­der eine kla­re Absage erteilt. Selbst die der­zei­ti­ge Regierung der USA hat sich zumin­dest offi­zi­ell von dem Vorhaben distan­ziert. So ganz kann man den trump­schen Verlautbarungen jedoch nicht trau­en, denn der soge­nann­te "mine­rals deal" ist eigent­lich die Vorbereitung für eine "no-fly zone" in der Ukraine unter dem Vorwand des Schutzes US-ame­ri­ka­ni­scher Interessen – eben der Ausbeute jener "rare mine­rals", die gar nicht so "rare" sind.

    Selten ist besten­falls die Gelegenheit, besag­te Metalle in einer zer­stör­ten Landschaft unter Vernachlässigung jeg­li­chen Umweltschutzes von den Böden zu tren­nen. Viel prak­ti­scher für die USA ist es, die Rohstoffe aus dem Gebiet Russlands von vor 2022 zu kau­fen. Das wird bereits unter den bei­den Ländern ver­han­delt, ohne die "Europäer".

    Russland wird die Ukraine ent­waff­nen und kon­trol­lie­ren, ob es dem "Westen" gefällt oder nicht. "Wir" und vor allem die zu bekla­gen­den Toten in Russland und der Ukraine kön­nen dafür den nütz­li­chen Idioten "unse­rer Demokratie" dan­ken. Nicht umsonst steht in der Verfassung Deutschlands das Friedensgebot, gleich auf mit der Verteidigungsbereitschaft.

    1. Ach Herr Pan, las­sen Sie sich doch von sol­chen Schauspielern wie Trump nicht vor­füh­ren. Im Übrigen befin­den sie die begehr­te Bodenschätze nicht in der Ukraine son­dern in Russland. Die Ukraine ist längs auf­ge­teilt, 90% der dor­ti­gen land­wirt­schaft­li­chen Nutzflächen befin­den sich in Privatbesitz von Betrügern im Ausland (EU, USA…).

  4. Die "Europäer" ver­stär­ken vor allem den Druck auf die eige­ne Bevölkerung, die das Geld für Tötungsmittel und Großmachtambitionen von Provinzpolitikern, lie­ber für Schulen, Rente, Gesundheit und Wohnungsbau aus­ge­ben wür­de. Da fehlt es nämlich.

    Vom Geballer in der Ukraine und "Sankionen" gegen Mordor, kann man sich hier nichts kau­fen … und Mieten und Lebensmittel wer­den immer teurer.

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