Von Aken und Ösen

Während selbst die NATO Friedenswillen simu­liert, hat der Linken-Vorsitzende den Schuß noch nicht gehört. Anders als Bundestagsvize Ramelow hat­te er sich bis­her nicht als Scharfmacher betä­tigt. Doch auch er gibt sich Mühe, das Ansehen der Linken als ehe­ma­li­ger Friedenspartei wei­ter zu ramponieren.

Im Deutschlandfunk-Interview vom 25.4.25 erwehrt er sich zwar eini­ger der drei­ste­sten Lügen des Moderators, haut im Prinzip aber in die glei­che Kerbe wie Strack-Zimmermann:

Die Verhandlungen zwi­schen Putin und Trump sind für ihn ein "Verrat an der Ukraine". "Die US-Amerikaner wer­fen die Ukraine vor den Bus". Zu den Schurken der Welt gehö­ren main­stream-kon­form auch die Chinesen. "Meine Befürchtung ist ja, daß dahin­ter ein Weltbild steht: Ok, wir haben jetzt drei Supermächte, die hei­ßen China, Rußland und die USA, und jeder darf in sei­nem Hinterhof machen, was er will". Immerhin lehnt er es ab, daß "wir" "Weltmacht spie­len". Europa, wer auch immer das sein mag, sol­le als neu­tra­le "Friedensmacht" agie­ren, sich aber "nicht an die USA schmei­ßen oder an Rußland oder an jemand ande­res". "Wir sind natür­lich auf der Seite der Ukraine, was völ­lig rich­tig ist". Allerdings: "Waffenlieferungen rei­chen nicht aus". Damit, wie der Moderator fürch­tet, "wir" nicht "von Rußland auf­ge­fres­sen" wer­den, "braucht es eine aus­rei­chen­de Armee in Deutschland und Europa für eine [unver­ständ­lich] Landesverteidigung".

Van Aken hat ja Recht damit, daß es um Macht und Einfluß geht bei den Verhandlungen, um Bodenschätze und geo­stra­te­gi­sche Überlegungen. Weder Putin noch Trump noch Selenskyj haben Frieden im Sinn. Dramatisch ist aller­dings sei­ne Ignoranz der ent­spre­chen­den Interessen der MilitaristInnen in Deutschland und der EU. Die Kritik dar­an, daß Trump sich die sel­te­nen Erden und Durchleitungsrechte von Gas und Öl der Ukraine unter den Nagel rei­ßen will, darf nicht ver­ges­sen las­sen, daß die­ses Anliegen von der EU schon lan­ge for­mu­liert und in Abkommen gegos­sen wur­de. Nicht so offen impe­ria­li­stisch wie von Trump, im Kern aber ganz ver­gleich­bar. Vor allem aber wen­det von Aken den alten Trick der Propaganda an, die Vorgeschichte von Konflikten aus­zu­blen­den. Wie der Nahost-Krieg vor dem Massaker der Hamas nichts mit der israe­li­schen Apartheidspolitik zu tun haben soll, darf der Ukrainekrieg nichts mit dem jah­re­lan­gen Feldzug gegen die rus­si­che Minderheit inklu­si­ve Sprach- und Literaturverboten (sowie dem gesetz­li­chen Verbot, Verhandlungen mit Rußland zu füh­ren) zu tun haben. Das zu sagen, stellt weder eine Rechtfertigung von Geiselnahmen und mili­tä­ri­schen Interventionen dar. Wer aber wie von Aken eine fried­li­che Beilegung des Ukrainekrieges anstrebt, darf davor die Augen nicht ver­schlie­ßen. Der Parteivorsitzende hat mit sei­nen Einlassungen jeden­falls den Mitgliedern, die (viel zu wenig) noch in der Friedensbewegung aktiv sind, einen Bärendienst erwiesen.

11 Antworten auf „Von Aken und Ösen“

  1. van Aken ist ein Polit-Funktionär wie alle PolitikerInnen der Partei "Die Linke" (und wie über­haupt alle PolitikerInnen).

    Die jun­gen Leute aber, die vor der Bundestagswahl mas­sen­wei­se in die PdL ein­ge­tre­ten sind (für Dich ein Hoffnungszeichen, wenn ich das damals rich­tig inter­pre­tier­te, und es hat mich schon damals geschmerzt), taten das ent­we­der aus dem von ihren Helikoptereltern in sie hin­ein­ge­kröpf­ten Kalkül her­aus, dass ihnen dort sol­che Karrieremöglichkeiten offen­ste­hen wie bis vor kur­zem noch bei den Grünen – und genau­so auf Bergen von Toten, Halbvernichteten (z.B. den Hartzer-Familien) und Ausgebeuteten -, oder weil sie von eben jenen Helikopter-Eltern (die selbst nur ihre nar­ziss­ti­schen Bedürfnisse pfleg­ten, nie aber ein Kind) in kom­plet­tem Abstand von aller Lebensrealität her­an­ge­zo­gen wurden.

    Artur, Du willst immer noch nicht sehen, dass unse­re – Deine und mei­ne Generation – unend­lich ver­sagt hat gegen­über der unse­rer Kinder. 

    Sicher warst Du nie ein Helikopter-Vater.
    Ich war nie eine Mutter.

    Aber ich weiß, dass unse­re Generation gegen­über der unse­rer Kinder (zu schwei­gen von der unse­rer Kindeskinder) völ­lig ver­sagt hat:
    Wir haben sehen­den Auges zuge­las­sen, dass aus die­sen Menschen, unse­ren Kindern und Kindeskindern, Lebewesen wur­den, die lebens­un­fä­hig sind ohne Handy, Staatspropaganda (inkl. Parteien-Ringelrein) und der Dauerversicherung, okay zu sein , auch wenn sie grad mit Hämmern auf Andersdenkende einprügelten.

    van Aken macht dar­aus Geld: Seine Diät.

    Wir müs­sen dar­aus Aufklärung machen.

    Wie ich sehe, bist Du jetzt wie­der dabei.
    Danke!

    1. @witwesk: Ich tei­le Deine Meinung, daß mei­ne Generation offen­sicht­lich eini­ges falsch gemacht hat, wenn die ihrer Kinder und deren Nachkommen wie­der geprägt ist von Kritiklosigkeit, Mitläufertum und Anpassung. Tatsächlich war auch ich der irri­gen Auffassung, daß das uns selbst­ver­ständ­li­che "Nie wie­der Krieg! Nie wie­der Faschismus!" sich prak­tisch auto­ma­tisch im Wissen der Jüngeren ver­an­kert. Von einem völ­li­gen Versagen wür­de ich aus meh­re­ren Gründen nicht spre­chen. Einmal des­halb, weil sich auch unse­re Generation in Deutschland nicht gera­de als Musterbeispiel für Aufsässigkeit und Systemkritik eig­net. In ihr waren es immer klei­ne Minderheiten, die sich einer soli­den histo­ri­schen und gesell­schaft­li­chen Analyse ver­schrie­ben hat­ten und die­se in prak­ti­sche Arbeit umzu­zu­set­zen ver­such­ten. Dazu kommt, daß die Jüngeren in einem noch grö­ße­ren Ausmaß als wir einem Propagandaapparat von Regierungen und Medienbesitzern aus­ge­setzt sind. Was wir als Meinungsmacht der "Springerpresse" erfah­ren haben, ist ergänzt wor­den durch eine viel aus­ge­klü­gel­te­re, psy­cho­lo­gisch man­nig­fach unter­füt­ter­te Manipulation der Eigner von X, Meta, Google etc. Sich ihr zu ent­zie­hen ist bestimmt nicht ein­fa­cher geworden.

      Schließlich den­ke ich auch nicht, daß das Verdikt alter Leute eine unpo­li­ti­sche, folg­sa­me Jugend betref­fend auf alle zutrifft. Insbesondere der Verdacht, die vie­len jun­gen Leute, die in die Linkspartei ein­ge­tre­ten sind, hät­ten das aus Karrieregründen getan, ist nicht schlüs­sig. Sie haben ihre Entscheidung getrof­fen, als der Laden am Boden lag und an Pöstchen kaum zu den­ken war. Die könn­ten KarrieristInnen sehr viel leich­ter bei den Grünen oder der SPD oder dem BSW ergat­tern. Wenn man mit ihnen spricht (was ich nur in Einzelfällen getan habe), kommt als erste Begründung, etwas gegen die zuneh­men­de sozia­le Demontage tun zu wol­len. Das hal­te ich für löb­lich und ermu­ti­gend. Bei ihrem Verständnis des auch aus mei­ner Sicht nöti­gen Kampfes gegen rech­te Demagogie, der als ein zwei­ter wich­ti­ger Grund ange­ge­ben wird, sehe ich eine bedenk­li­che Verkürzung auf die AfD und eine rie­si­ge Leerstelle, was die gesell­schafts­po­li­ti­schen Ursachen für den Rechtsruck angeht. Das gilt auch für das, was sie für Klimaschutz hal­ten. Hier sind wir wie­der bei Deinem ein­gangs benann­ten Problem. Da haben wir unser Wissen und unse­re Erfahrung nicht aus­rei­chend wei­ter­ver­mit­telt. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß es dafür nicht ganz zu spät ist. In mei­ner Wahrnehmung ist die Motivation die­ser jun­gen Leute kei­ne fal­sche. Sie wol­len eine Welt, in der nicht eini­ge Milliardäre über die Geschicke aller ande­re bestim­men. Sie bei ihrer Suche nach Wegen dahin nicht den van Akens und Ramelows zu über­las­sen, sie auch damit zu kon­fron­tie­ren, daß ihr Verhalten in der Coronazeit in aller Regel nicht kom­pa­ti­bel war mit ihren vor­ge­tra­ge­nen Ansprüchen, erscheint mir sinn­voll und notwendig.

      1. Gute Vorsätze @aa. Sie kön­nen sich schon­mal dar­in üben, einem Bundesbürger den Unterschied zwi­schen Privateigentum und Privateigentum an Produktionsmitteln zu erklä­ren. Das ist näm­lich die alles ent­schei­den­de Frage.

        Und ja, auch die West-Alliierten hat­ten es 1945 in der Hand, das Privateigentum an Produktionsmitteln in ihrer Besatzungszone abzu­schaf­fen, näm­lich Hitlers Industrien zu ent­eig­nen. Aber sie taten es nicht und die Besitzer der KZ in denen sie Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus den besetz­ten Gebieten bru­talst aus­beu­te­ten, durf­ten fort­an auch wei­ter­hin Menschen aus­beu­ten, mit freund­li­cher Unterstützung der West-Alliierten die alles taten, in ihrer Trizone das Hitlersche System zu erhal­ten, nur halt ohne Hitler.

        Und nein, unse­re Generation aa, hat sich dar­an nicht schul­dig gemacht. Die Schuld besteht ledig­lich dar­in, sich gegen­über die­ser histo­ri­schen Entwicklung zu ver­schlie­ßen und der Staatspropaganda zu folgen.

  2. Btw., Die Ukraine, was ist das eigent­lich? Fragen wir lie­ber, was die Ukraine ein­mal war: Sie war ein Kind Lenins, ein Kind der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution! Was heu­te davon übrig ist, ist ein von US- und EU-Kapital finan­zier­ter Ukraine-Staat der sein eige­nes Volk bekämpft, bes­ser gesagt, gera­de dabei ist, es aus­zu­rot­ten. Und: Das Volk der Ukraine ist auch ein Teil des Russischen Volkes!

      1. @aa; Die Ideen Lenins wur­den 1989 ver­ra­ten von kor­rup­ten SED-Genossen denen man, finan­ziert mit Millionen DM aus BRD-Steuergeldern, Beträge von 100000 DM auf­wärts als Startkapital zur Gründung eige­ner Privat-Unternehmen mit dem BRD-Staat als Gesellschafter in die Hand drück­te. Auf die­se Art und Weise ent­stan­den allein in Thüringen mehr als 100 sol­cher Unternehmen.

  3. Die Linkspartei steht in Umfragen bei 10%, was sei­nen Grund haben wird: Sie ist aal­glatt gewor­den, und nicht mehr die Reißzwecke im Hintern des Parteienkartells, die sie ein­mal war. Das betrifft auch die Fragen von Krieg und Frieden, zur Zeit spe­zi­ell das inter­es­sen­ge­lei­te­te Schlachten in der Ukraine.

    Van Aken hat anschei­nend den Bogen raus, und weiß, was das Regime erwar­tet. In dem ver­link­ten Artikel wer­den des­sen Säulen benannt. Eine davon ist die Kontrolle des poli­ti­schen Leitdiskurses. Die Funktionäre der Linkspartei haben wohl ver­stan­den, dass sie dage­gen nicht anstin­ken kön­nen, und stin­ken jetzt mit dem Wind. Eine Regimepartei.

  4. Willkommen bei dem lächer­lich-dritt­klas­si­gen Komiker im oliv­far­be­nen T‑Shirt, Kampfhose und Kampfstiefeln, der als Diktator eines voll­stän­dig geschei­ter­ten Staates ver­sucht die eige­ne Haut zu ret­ten.. Die Ukraine ist ein voll­stän­dig geschei­ter­ter, voll­kom­men bank­rot­ter Staat. Dies im Gegensatz zu den wahr­schein­lich präch­tig ver­die­nen­den Oligarchen, ein­schließ­lich Regimepersonal. Willkommen in der Ukraine, bei der selbst im Vorkriegszustand die Taxifahrt wohl eines erhöh­ten infor­mel­len Beförderungsentgelts zwecks Transport bedurfte. 

    Wer das Geschwätz der Parteien, ein­schließ­lich BSW (Putin = Verbrecher, Angriffskrieg etc.) für voll nimmt, wird sich aus dem Gedankenknast nicht befrei­en kön­nen. Und selbst­ver­ständ­lich zockt Trump für die USA ab. Die Angelegenheit mit den Bodenschätzen ist nichts ande­res, als Erpressung. Der Erpresste muss zwangs­läu­fig zustim­men, wenn er nicht gelyncht wer­den mag. 

    Willkommen in der Ukraine, dem Beitrittskandidaten zur EU. Wohin wohl gro­ße Teile der gigan­ti­schen Mittel an die Ukraine im Beitrittsfall und davor zwecks Anpassung flie­ßen werden. 

    Willkommen in der frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Bundesrepublik Deutschland in der frei­en, demo­kra­ti­schen EU im frei­en, demo­kra­ti­schen Westen. Wer an die Fleischtöpfe mag, wer mit­spie­len will beim poli­tisch-par­la­men­ta­ri­schen Spiel, der stellt die offi­zi­ell aner­kannt-not­wen­di­gen ideo­lo­gi­schen Grundlagen nicht in Frage.

  5. Überwachung "Minsk II" hät­te jed­we­de Art von Unklarheit aus­schlie­ssen kön­nen. – Was wol­le Partei? [Egal jetzt, welche]

    Schade daß wir schein­bar (!Grundgesetz!) Zensur (?) haben. Falsch ver­stan­den? – Gerne Statements.…

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