So lauteten die Schlagzeilen zum "Geisel-Deal" natürlich nicht. Undenkbar auch die Formulierung, daß der Austausch auf einem Abkommen zwischen einem terroristischen israelischen Staat und einer Regierungspartei in Gaza beruhte. Berechtigt waren gewiß die Darstellungen der emotionalen Empfangnahme der israelischen Frauen durch ihre Mütter. Ihre Qualen seit über einem Jahr sind kaum vorstellbar. Was allerdings fehlt in der Berichterstattung, ist das Äquivalent der anderen Seite. Lapidar erfahren wir, daß es sich bei den palästinensischen Freigelassenen überwiegend um Frauen und Minderjährige handelt. Auch sie dürften nach langem Bangen von ihren Familien in die Arme geschlossen worden sein. Die Medien folgen hier weiter ihrer Linie, nach welcher der Wert von Menschenleben je nach ihrem Paß unterschiedlich gewichtet wird. Mehr als vierzigtausend Tote in Gaza gelten als bedauerliche Nebenerscheinungen bei einer vermeintlich legitimen und gar als humanitär etikettierten Antwort der israelischen Armee auf Verbrechen der Hamas. Den israelischen Geiseln wird mit vollem Recht eine professionelle medizinische und psychologische Betreuung zuteil. Die palästinensischen Geiseln kehren zurück in ein zerstörtes und verwüstetes Land, in dem Krankenhäuser als bevorzugte Ziele von Bombardements galten. Es gibt wenig, das den Zynismus "westlicher Werte" so deutlich illustriert.

Das mag sein, aber dieser Zynismus ist deutsche Staatsraison, und alles andere ist Antisemitismus.
Nur eine andere Art von Menschenhandel. Die Frage ist nur, wer da wen gegen wen tauscht und davon am meisten profitiert. Dem Volk von Palästina ist damit ganz sicher nicht gedient.
Toll analysiert @aa stimme Dir vollkommen zu!
Es braucht mehr Menschen in dieser Welt die keine Ideologie – weder rechte noch linke – dafür aber ihre Prinzipen, besitzen. Im Idealfall sind diese Prinzipen links orientiert. Rechte zeichnen sich nämlich nicht unbedingt durch ihre philanthropische Einstellung aus…
Viele Grüße
Walter aka Der Ösi
Doppelstandards bloßzustellen ist immer gut, und in/durch Israel gefangengehaltene nichtisraelische Personen als Geiseln zu betrachten, hat Berechtigung. Ich kenne persönlich eine Berlinerin, die gemeinsam mit ihrem damaligen Freund (Araber und israel. Bürger) von der Straße weg verhaftet wurde. Während M. nach eineinhalb Wochen freikam, und nach Deutschland abgeschoben wurde, saß N. über zwei Jahre ohne Verfahren in einem Geheimgefängnis. M., nach ihrer Verhaftung, verlangte einen Anwalt:
Geheimdienstoffizier: "Wissen Sie, wo Sie hier sind!?"
M.: "In der einzigen Demokratie des Nahen Ostens."
Offizier: "Nein! Sie sind in Israel!"
In der Haft wurde sie Tag und Nacht verhört und psychisch terrorisiert, bekam zwischendrin immer wieder weiße Blätter zum Unterschreiben vorgelegt …
Soweit einverstanden.
"Undenkbar auch die Formulierung, daß der Austausch auf einem Abkommen zwischen einem terroristischen israelischen Staat und einer Regierungspartei in Gaza beruhte."
Diese Formulierung ist undenkbar nicht wegen 1) [da ist was dran], sondern wegen 2). Die "Regierung" von Gaza ist ein illegales (und sich selbst nicht an Recht jenseits der Scharia gebunden sehendes) Regime, zur Macht gekommen durch einen Putsch gegen die Wahlsieger, und höchstens in dem Grade Regierung, wie es Narco-Gangs in vielen Barrios Lateinamerikas sind. Durch Wahlen legitimiert ist nicht einmal mehr die Fatah in der Westbank.
"Lapidar erfahren wir, daß es sich bei den palästinensischen Freigelassen überwiegend um Frauen und Minderjährige handelt.
( …) Die Medien folgen hier weiter ihrer Linie, nach welcher der Wert von Menschenleben je nach ihrem Paß unterschiedlich gewichtet wird."
"Frauen und Kinder zuerst" praktizieren beide Regime gleichermaßen, und dass ein "Jude" dreißig "Araber" "wert" ist, ist der zwischen diesen Banden ausgehandelte Konsens, nicht eine Linie der Medien.
Die gleiche "Wertschätzung" erweist die Hamas der von ihr als Gesamtgeisel gehaltenen Bevölkerung. Eine Ausreise/Flucht aus Gaza wird konsequent verhindert, gemeinsam mit dem Regime Ägyptens, das die andere Seite des Übergangs kontrolliert. Von einem Vorschlag seitens der angeblich mit "Palästina" solidarischen arabischen Regierungen, (ggf. unter Mitwirkung der UNO) allen, die nicht am Kampf beteiligt sind oder ihn aufgeben wollen, das (zeitweilige oder dauerhafte) Verlassen des Kriegsgebiets zu ermöglichen, ist mir nichts zu Ohren gekommen. Auch nicht, dass diese Option NACH dem Krieg erwogen würde. Gaza wird "Freiluftgefängnis" bleiben, das wollen die arabischen Kapos genauso.
"Den israelischen Geiseln wird mit vollem Recht eine professionelle medizinische und psychologische Betreuung zuteil."
Hoffen wir, dass das so ist. Die Überlebenden der Hamas-Massaker wurden eher alleingelassen; manche haben sich suizidiert.
@Boris Büche: Die Hamas hat 2006 die letzten in Gaza möglichen Wahlen gewonnen. Ich hege keinerlei Symmpathie für diese islamistische Organisation. Man kommt allerdings nicht daran vorbei, daß viele Menschen in ihrer Verzweiflung nach jahrzehntelanger Demütigung radikalere Vertreter bevorzugten als die Fatah. Dieses Muster sehen wir gerade in vielen Weltgegenden: Daß Menschen in Ermangelung einer "vernünftigen" Vertretung ihrer Interessen denen ihre Stimme geben, die sich am lautesten gebärden gegen etablierte Kräfte. Oftmals stimmen sie dabei de facto gegen ihre Interessen. Nicht zu vergessen ist, daß israelische Regierungen bis vor kurzem die Hamas eher gehätschelt haben, um die palästinensische Autonomiebehörde zu schwächen. Die geduldeten mörderischen Provokationen der Siedler in der Westbank tun ein weiteres, die Hamas und andere Radikale zu stärken.
@aa: Und wer sind jetzt die "Guten"? Welche Hoffnung und Perspektive gibt es für die Menschen die dort leben müssen?
Viele Grüße
Walter aka Der Ösi
@aa: "Die Hamas hat 2006 die letzten in Gaza möglichen Wahlen gewonnen"
1) Dass in Gaza seit 2006 keine Wahlen mehr möglich sind, liegt in der Verantwortung der "Gewählten";
2) Es ist zutreffend, dass die Hamas im Gebiet des Gazastreifens die Mehrheit der Stimmen erhielt, und darauf ihre Machtergreifung begründete. Die Wahlen waren aber solche für Palästina insgesamt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kampf_um_Gaza_im_Juni_2007
gibt einen guten Überblick, insofern das arabische Bandenwesen überhaupt durchschaubar ist: "Die Schwäche der Autonomiebehörde spielte vor allem lokal agierenden Familienclans und Warlords in die Hände, die sich formal zu einer der beiden politischen Gruppen Hamas oder Fatah bekannten, de facto aber ihre eigenen regionalen Interessen vertraten."
3) "Dieses Muster sehen wir gerade in vielen Weltgegenden" – klare Zustimmung meinerseits, auch zum Rest Ihrer Bemerkungen.
Nun, @aa, die Sache mit den Wahlergebnissen und die Propaganda. Das läuft in GAZA auch nicht anders als hier.
Denn:
> daß viele Menschen in ihrer Verzweiflung nach jahrzehntelanger Demütigung radikalere Vertreter bevorzugten als die Fatah. Dieses Muster sehen wir gerade in vielen Weltgegenden: Daß Menschen in Ermangelung einer "vernünftigen" Vertretung ihrer Interessen denen ihre Stimme geben, die sich am lautesten gebärden gegen etablierte Kräfte.
Ist letztendlich auch nur das Ergebnis der Propaganda. Mit vernunftbegabten Wesen hat das alles freilich nichts zu tun.
Btw:
https://freedert.online/inland/233709-langjaehrige-wdr-moderatorin-boettinger-haelt/
DISSENTING OPINION OF VICE-PRESIDENT SEBUTINDE
https://www.icj-cij.org/sites/default/files/case-related/192/192–20240524-ord-01–01-en.pdf
Natasha Hausdorff, barrister and UKLFI Charitable Trust Legal Director, replies to allegations that Israel is a genocidal and apartheid state at the Oxford Union debate on 28 November 2024.
https://m.youtube.com/watch?v=WBllM8M-sko
Mehr hier:
https://m.youtube.com/watch?v=59qvhltVa5g
« Die palästinensischen Geiseln kehren zurück in ein zerstörtes und verwüstetes Land, in dem Krankenhäuser als bevorzugte Ziele von Bombardements galten. »
Die Titanic galt als unsinkbar.
—Was soll das heißen:
„Galten“: Bei wem?
„Galten“: Auf welcher Grundlage?
„Bevorzugt“: Gegenüber was?
Soll es etwa heißen: Die IDF ziehen Krankenhäuser, als Krankenhäuser, anderen Zielen vor?
Soll es etwa heißen—oder auch einfach nur insinuieren—daß:
die IDF Krankenhäuser angreifen, um Krankenhäuser anzugreifen?
Soll es etwa heißen—oder auch einfach nur insinuieren—daß:
die IDF gezielt Kranke und medizinisches Personal verletzen und töten?