Das kann heiter werden. "Google übernimmt das Googeln" und macht "Fisimatenten"

Marcus Schwarze soll "frei­er Journalist und Berater Digitales" sein. Für die "FAZ" schreibt er am 18.12.24 einen über­schweng­li­chen Artikel über Googles "Gemini 1.5 Pro with Deep Research". Das Werkzeug

»erfasst in einem Rutsch die Inhalte Dutzender Websites oder auch aus mehr als 100 Quellen und erstellt dar­aus einen meist intel­li­gen­ten Bericht. Google über­nimmt das Googeln.

Die neue Funktion Deep Research dürf­te ver­än­dern, wie Studierende, Marktanalysten und Wissenschaftler künf­tig arbei­ten…"

Er hat es aus­pro­biert. Zunächst for­der­te er einen vier­sei­ti­gen Bericht über ver­meint­li­che UFO-Sichtungen in den USA an. Er ent­hielt, ver­steht sich, "Stellungnahmen vom Heimatschutzministerium und vom Weißen Haus, dif­fe­ren­zier­te Einschätzungen von ande­ren Fachleuten sowie ange­kün­dig­te Vorgehensweisen des ame­ri­ka­ni­schen FBI", aber auch wei­te­re Angaben. "Das war alles soli­de".

Ganze fünf Minuten benö­tig­te das neue Tool dafür.

»Gemini erspart so das Googeln und mensch­li­che Erfassen von Dutzenden von Websites. Ein geüb­ter Nachrichtenredakteur hät­te dafür ver­mut­lich eine hal­be oder gan­ze Stunde gebraucht. Gemini Deep Research ent­puppt sich als pro­fes­sio­nel­ler Ersatz für her­kömm­li­ches Googeln. Dutzende von Browsertabs und Nachlesevorgängen entfallen…«

Die Ausführungen wer­fen ein Licht auf die bis­he­ri­ge Arbeitsweise geüb­ter Nachrichtenredakteure und läßt für die Zukunft noch Schlimmeres befürchten.

Schwarze nutzt das "fas­zi­nie­ren­de Werkzeug für die Tiefenrecherche" sodann für einen wei­te­ren Auftrag, der über­setzt – das Teil spricht nur Englisch und ist auch nur über US-ame­ri­ka­ni­sche IP-Adressen zu nut­zen – so lautet:

»Erstellen Sie einen umfas­sen­den Aktienanalysebericht mit Schwerpunkt auf:

      • Top-Ten-Aktien, die unge­wöhn­li­che posi­ti­ve Erwähnungsmuster auf­wei­sen, ins­be­son­de­re in Deutschland
      • Unternehmen mit signi­fi­kan­ter Patentaktivität in neu­en Technologien, ins­be­son­de­re in Deutschland
      • Aktien mit star­ken insti­tu­tio­nel­len Kaufmustern, ins­be­son­de­re in Deutschland
      • Korrelation zwi­schen der Stimmung in den sozia­len Medien und der Kursentwicklung
      • Insiderhandelsmuster und insti­tu­tio­nel­le Eigentumsveränderungen
      • Präsentation der Ergebnisse in einem detail­lier­ten Bericht mit Wachstumswahrscheinlichkeits-Scores für 2025.«

Ein erstes Ergebnis ist erfolg­ver­spre­chend. 346 Webseiten wer­den ermit­telt. Doch dann das:

»Gemini mach­te anschei­nend ange­sichts der hohen Zahl an Quellen Fisimatenten. Der Dienst gab zunächst vor, die­se Aufgabe anzu­neh­men, ent­warf einen Bericht für viel­ver­spre­chen­de Aktien aus Deutschland – und brach dann aus­ge­rech­net bei der erhoff­ten Tabelle mit emp­feh­lens­wer­ten Aktien ab.

Erst auf die nach­drück­li­che Aufforderung, den kom­plet­ten Report her­aus­zu­rücken, nahm sich die KI noch ein­mal Zeit – und redu­zier­te die zu ver­wen­den­den Quellen auf nur noch zwölf. Am Schluss prä­sen­tier­te die KI eine Tabelle mit zehn Aktien mit angeb­lich hohen Wachstumswahrscheinlichkeiten. Dazu zähl­te die Maschine die Robert Bosch GmbH (die als sol­che gar nicht auf dem Aktienmarkt ist), die Mercedes-Benz Group und BMW. Weitere Empfehlungen betra­fen Alibaba aus China und ande­re aus­län­di­sche Treffer – ent­ge­gen dem Wunsch nach deut­schen Aktien…«

Wenn man sich vor Augen führt, was alles mit der­ar­ti­gen Methoden künf­tig gesteu­ert wer­den soll, muß einem der Angstschweiß aus­bre­chen. Mit einem von Google kon­trol­lier­ten Datenbestand wer­den mit system­be­dingt intrans­pa­ren­ten Google-Methoden dem­nächst Unternehmensentscheidungen getrof­fen, Verkehrssteuerungs­systeme und Lehrpläne, Kriegsführung und Energiewirtschaft, Krankenhausplanung und Impfkampagnen gema­nagt ("Bitte wer­te die Abwasserproben in den zehn land­schaft­lich am schön­sten gele­ge­nen Regionen aus und ent­wick­le eine PR-Kampagne zur Förderung der Impfbereitschaft"). Daß das alles kaum funk­tio­nie­ren kann, aber den­noch zur Sicherung von Profiten und Herrschaft betrie­ben wird, zeigt erneut, daß der Kapitalismus kei­ne Zukunft hat. Leider wird er aber nicht von selbst zer­fal­len. So bleibt wei­ter die Alternative, daß sich die nicht Kapital besit­zen­den Klassen gegen ihn auf­leh­nen oder mit ihm untergehen.

6 Antworten auf „Das kann heiter werden. "Google übernimmt das Googeln" und macht "Fisimatenten"“

  1. Ich stel­le mir vor, wie die Redaktion der Tagesschau durch einen der­ar­ti­gen Deep Fucktenchecker ersetzt wird. Das Ergebnis kann nur bes­ser wer­den. Immerhin sit­zen in der Redaktion der Tagesschau – laut Uli Gellermann – rund 300 zwangs­fi­nan­zier­te Mitesser. Hautärzten kommt jetzt sicher­lich das kal­te Grausen.

  2. Ich ver­ste­he das wie­der­mal nicht. Wie krie­ge ich jetzt raus was ich eigent­lich goo­geln will. Oder muss ich mir das auch noch sel­ber ausdenken.

    Ich wech­se­le zur KI, wenn das wei­ter­hin so kom­pli­ziert bleibt.

    Das ist nicht Kundenfreundlich. Das Fingerabdrucklabor hat mir die anony­me email zurück­ge­schickt. Vieleicht stel­le ich am Besten gleich um auf Post.

    Am Ende gibt's auch kein Amt mehr. Nur noch Mietadressen die in Echt ver­un­krau­te­te Industriegebiete ohne Briefkasten sind.

  3. Künstliche Intelligenz lei­det an den glei­chen Schwächen, wie es bei "Big Data" der Fall ist. Datenqualität setzt ein­heit­li­che Datenstrukturen vor­aus. Dies kön­nen im Internet nicht exi­stie­ren. Dies ist bekannt. Egal, ob man Künstliche Intelligenz gut oder schlecht fin­det und sie gene­rell ablehnt: Sie ist im der­zei­ti­gen Zustand für Entscheidungen ohne mensch­li­che Kontrolle voll­kom­men unbrauch­bar. Daher auch immer wie­der der Hinweis, dass die Ergebnisse durch Menschen über­prüft wer­den müs­sen. KI kann und soll­te daher nie­mals mehr sein, als ein "Beratungs- und Informationsinstrument. Autonome Systeme zu schaf­fen, die KI als allei­ni­ge Basis ver­wen­den, und der Mensch nicht die letz­te Entscheidung trifft, sind schlicht nicht tole­ra­bel da existenzgefährdend.

  4. "Leider wird er [der Kapitalismus] aber nicht von selbst zer­fal­len. So bleibt wei­ter die Alternative, daß sich die nicht Kapital besit­zen­den Klassen gegen ihn auf­leh­nen oder mit ihm untergehen."

    Da orte ich einen Widerspruch. Selbstverständlich "zer­fällt" der Kapitalismus ganz von selbst auf­grund sei­ner eige­nen Widersprüche, und die­ser Zerfallsprozess ist längst im Gange. Der Zerfall des Kapitalismus birgt als sol­cher aber nicht schon ein eman­zi­pa­to­ri­sches Potenzial, son­dern wird – was eben­falls schon abseh­bar ist – in der Barbarei enden, wenn auf die Krise des Kapitalismus nicht mit einem bewuss­ten, radi­ka­len Ausstieg aus den ero­die­ren­den kapi­ta­li­sti­schen Kategorien (Ware, Wert, Geld, Arbeit, Markt, Staat etc.) geant­wor­tet wird. In der Tat besteht daher die Alternative dar­in, den Kapitalismus abzu­schaf­fen oder mit ihm unterzugehen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert