Kein Haushalt, aber 1,7 Billionen Euro Schulden

»In den anlau­fen­den Wahlkampf hin­ein macht der Bundes­rechnungshof eine Ansage. Denn Deutschlands Schulden sind etwa durch die Corona-Krise und die Folgen des Ukraine-Kriegs stark gestie­gen. Die ohne­hin ern­ste Lage wird sich dem­nach in ein paar Jahren noch verschärfen…

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts war der Bund Ende 2023 mit rund 1,7 Billionen Euro ver­schul­det. Vor der Energiepreis- und der Coronakrise waren es Ende 2019 noch knapp 1,2 Billionen Euro gewesen…

Ab 2028 muss der Bund Schulden til­gen, die er zur Bekämpfung der Corona-Pandemie auf­ge­nom­men hat­te; nach frü­he­ren Berechnungen des Finanzministeriums bedeu­tet das Ausgaben von zwölf Milliarden Euro pro Jahr…«
n‑tv.de (16.12.24)

Ursachen sind dem­nach Corona und Krieg und nicht etwa poli­ti­sche Entscheidungen zum Umgang damit. Geschwiegen wird über die Profiteure. Bei Reuters wird man etwas fündig:

Am 17.12.24 erfah­ren wir dort, in wel­cher Höhe neue Schulden gemacht wer­den, die hier "Emissionserlöse" genannt wer­den, um alte Schulden zu tilgen.

»… Über Auktionen von Bundeswertpapieren sol­len rund 380 Milliarden Euro in die Staatskassen gespült wer­den, wie die mit dem Schuldenmanagement des Bundes betrau­te Finanzagentur am Dienstag mit­teil­te. Zusätzlich kön­nen noch etwa zehn Milliarden Euro über zwei Syndikate dazu­kom­men, bei denen Banken mit dem Verkauf von Wertpapieren an Investoren betraut wer­den. Im zu Ende gehen­den Jahr lag das gesam­te Emissionsvolumen noch bei rund 438,5 Milliarden Euro, nach­dem 2023 mit rund einer Billion Euro noch ein Rekordniveau erreicht wor­den war. Wegen der Kosten durch Corona- und Energiekrise war der Finanzbedarf des Bundes in den ver­gan­ge­nen Jahren deut­lich erhöht.

Der über­wie­gen­de Teil der Emissionserlöse wird benö­tigt, um Geld an Investoren zurück­zu­zah­len. So müs­sen 2025 rund 299,7 Milliarden Euro an Tilgungszahlungen für bereits bestehen­de Schulden des Bundes und sei­ner Sondervermögen gelei­stet wer­den. Dafür wird nun eine Refinanzierung benö­tigt…«

Wo Schulden gemacht wer­den, gibt es auf der ande­ren Seite jeman­den, der dar­an verdient:

»Bundeswertpapiere ste­hen bei­spiels­wei­se bei Pensionskassen, Versicherern und Hedgefonds hoch im Kurs. Sie kau­fen Anleihen vom Bund und bekom­men dafür zuvor fest­ge­leg­te Zins­zahlungen, ehe sie am Laufzeitende ihr ver­lie­he­nes Geld zurück­be­kom­men. Sie haben aber auch die Möglichkeiten, die Papiere an der Börse zu ver­kau­fen. Das Risiko ist für die Geldgeber überschaubar…

[Finanzagentur-Chef Diemer] geht davon aus, dass die Zinskosten des Bundes im kom­men­den Jahr weni­ger als 30 Milliarden Euro betra­gen dürf­ten – nach 33 Milliarden im zu Ende gehen­den Jahr und 40 Milliarden Euro 2023…«
msn​.com (17.12.24)

Kapitalbesitzer pro­fi­tie­ren an Corona und Krieg somit dop­pelt. Einmal direkt in Form von Steuergeldern, die in die Kassen von Pharma- und Rüstungskonzernen flie­ßen, und noch ein­mal, indem sie groß­zü­gig dem Staat die­se Geschäfte über Kredite finan­zie­ren. Das ist zwar kei­ne Besonderheit der bei­den "Krisen", son­dern eine der Geschäfts­grundlagen des Kapitalismus, in ihrem Umfang und ihrer Dreistheit aber bemerkenswert.


Während die Parteien völ­lig unglaub­wür­di­ge Wahlversprechen machen und gleich­zei­tig an allen Ecken im Sozial- und Kulturbereich gekürzt wird, erscheint die­se Ausgabe als alternativlos:

tages​schau​.de (18.12.24)

Siehe auch:

Von CASSIS wird man blau

(Hervorhebungen in blau nicht im Original.)

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