Diesmal geht es nicht um Prof. Brinkmann, sondern wieder um Melanie Rannow von t‑online.de (" Linguistik und Kommunikationswissenschaften studiert", ich "versuche, Neues aus der Forschung so aufzuschreiben, dass Sie es mit Interesse und Erkenntnisgewinn lesen können"). Sie beglückt die Welt am 16.12.24 unter dem schönen Link who-ruft-weltweite-notlage-wegen-mpox-aus-droht-deutschland-die-naechste-pandemie-.html so:

Ganz zum Schluß bemerkt auch sie:
»Das RKI rechnet nach eigenen Angaben nicht mit einem starken Anstieg der Fallzahlen (Stand August 2024). Im Vergleich zur Corona-Pandemie sind die Fallzahlen von Mpox deutlich niedriger und die Übertragungsrate des Virus geringer. Dass das Mpox-Virus eine globale Pandemie auslösen wird, gilt daher als unwahrscheinlich. Das RKI will die Situation aber weiter genau beobachten.«
Zu den Melanies gibt es viel Lustiges hier.

"Das RKI will die Situation aber weiter genau beobachten."
Hört sich an wie eine Drohung.
t‑online ist das kostenlose Werbeblättchen, das man unaufgefordert im Briefkasten findet. Daher sind die sogenannten journalistischen und redaktionellen Leistungen auch unter diesem Gesichtspunkt zu würdigen. Traurig ist eher, dass es Zeitgenossen geben mag, die t‑online für ein tatsächlich journalistisches Medium halten. Würde dies mit dem Kleinkleckersdorfer Wochenboten auch der Fall sein, der zu 3/4 aus gesponsorten Artikeln und plumper Werbung besteht? Hier muss man Melanie lobend erwähnen, da sie für Kurzweil sorgt. Vielleicht schreibt Melanie mal einen netten Beitrag über Wolperdinger und deren Schutz.
Ich ziehe eine andere Melanie (1947–2024) vor. Deutlich.
https://www.youtube.com/watch?v=9alAuYr2g_8
Ulf Martin: Nicht unaktuell auch What Have They Done to My Song Ma (https://www.youtube.com/watch?v=fpBFL2odc9g).
@aa: Na also sowas von d'accord! – Aber warum so eine Kitsch-Fassung? Manchmal scheint mir weniger mehr: https://www.youtube.com/watch?v=r44Ach4mXE4. (Hat auch ein paar mehr Kommentare und die paar quatschigen visuellen Effekte sind wenigstens '71-zeitgenössisch.)
Leider auch schon gestorben die Safka.
NB. Wenn man auf der Tube «Melanie 71» eingibt, erhält man das ganze Konzert.
"Felix Perrefort@FPerrefort 10h
MUST HEAR: Diesem 22-minütigen Radio-Feature ist keine Verharmlosung (mehr) vorzuwerfen: good old journalism beim deutschlandfunk: WOHLTUEND. Verbreiten, verbreiten, verbreiten … Das ist auch was für Whatsapp-Gruppen mit Mainstream-Familienmitgliedern."
https://www.deutschlandfunkkultur.de/wie-sportler-mit-dem-post-vac-syndrom-leben-100.html
Praktische Anleitung zum Einstieg in die Recherche:
Übrigens, PEM ist nicht gleich PEI, also PEI ist also kein Schreibfehler, liebe Melanie.
Mit PEI ist das Paul-Ehrlich-Institut gemeint, ich weiß, es ist alles so verwirrend.
Frag nun jemanden, ob er/sie weiß, welche Listen des PEI gemeint sind. Du wirst staunen, was da an Inhalten auf Dich wartet, liebe Melanie.
"FMH @dr_fmh 1h
Replying to @FPerrefort
PEM – post exertional malaise. Dieses kennzeichnende und medizinisch charakterisierende Symptom sucht man beim PEI in den Listen – nach meinen Recherchen – vergebens.
Dec 17, 2024 · 6:42 AM UTC"
"FMH@dr_fmh 1h
Replying to @dr_fmh @FPerrefort
Bei Eudravigilance kennt man den Begriff PEM, die Datenbank lässt sich dazu aber nicht durchsuchen. Seltsame Zufälle gibt es! @AnwaltUlbrich
Dec 17, 2024 · 6:47 AM UTC"
https://xcancel.com/dr_fmh/
@Das wäre…: pem-pem? https://www.mecfs.de/was-ist-me-cfs/pem/
Ach, eigentlich wollte ich die Melanie behutsam auf die neuveröffentlichen Listen des PEI hinführen, aber irgendwie ist mir der instruktive Leitfaden unterwegs gerissen. 😉
"FMH@dr_fmh 12h
Replying to @FPerrefort
Machen Sie doch bitte eine Presseanfrage beim PEI, ob man an der Meldung vom 18.08.2023 trotz der erkennbaren chargenbezogenen Häufungen in der Excel-Datei v. 28.11.2024 festhält! Und falls ja, warum man SafeVac-Daten verwendet, wenn diese n. PEI-Einschätzung nicht valide sind."
Immer wenn man denkt, dümmer kann es nicht werden, kommt sowas:
"Konkret fragte der Leser auch, warum der Aufkleber in dem Buch „Putin Herr des Geschehens?“ von Jaques Baud angebracht worden sei. In der Tat fragt man sich, warum diese Analyse des Russland-Ukraine-Konflikts mit Grundsätzen einer demokratischen Gesellschaft unvereinbar sein soll. In der Beschreibung der deutschen Übersetzung des Buches vom Verlag Westend heißt es:
„Auf der Grundlage von Dokumenten, die hauptsächlich von den USA, der Ukraine, der russischen Opposition und internationalen Organisationen stammen, stellt dieses Buch einen sachlichen Blick auf die Realität dar und öffnet die Tür für eine vernünftigere und ausgewogenere Einschätzung des Kriegs in der Ukraine.“
Die Bibliothek antwortete, dass sich mehrere Mitarbeiter mit solchen Klassifizierungen von Büchern beschäftigten und über das Anbringen von Warnhinweise entscheiden. Im Falle Baud sei man „der Empfehlung des bibliothekarischen Besprechungsdienstes“ gefolgt. Es gibt also einen zentralen Dienst, der Bibliothekaren empfiehlt, die Leser vor einem unkritischen Lesen bestimmter Bücher zu warnen. Aus dieser Empfehlung wird dann zitiert:
„J. Baud analysiert Medien aus verschiedenen Ländern in Bezug auf ihre Berichte über den Krieg in der Ukraine. Er prüft Zitate, vergleicht Quellen und führt Belege an, die auf unseriösen Journalismus hindeuten. Sein sachlicher Blick unterscheidet sich von vielen anderen Publikationen.“ (Quelle EKZ Medienwelten, Stand 09.12.2024)„
Weil also der „sachliche Blick“ von Jacques Baud sich von vielen anderen Publikationen unterscheidet, sieht man sich berufen und berechtigt, Autor und Buch mit einem Warnhinweis öffentlich der Demokratiefeindlichkeit zu verdächtigen. Das ist – mit Verlaub – totalitär und nicht mehr weit entfernt von der Bücherverbotsliste Index Librorum Prohibitorum der Katholischen Kirche oder den DDR-Giftschränken für Bücher vom Klassenfeind.
Die Ober-Inquisitoren des BIB
Die Instanz, die sich berufen fühlt und anmaßt, darüber zu entscheiden, was wissenschaftliche Wahrheit und korrekte politische Haltung ist, heißt Berufsverband Information Bibliothek (BIB) und sitzt in Hamburg. Offenbar sieht es dieser Berufsverband der Bibliothekare als Teil seines satzungsgemäßen Dienstes „an der Entwicklung des Bibliotheks- und Informationswesens“, einen Index von Büchern mit unerwünschten Thesen zu erstellen. Vielleicht haben ja Mitglieder eine Meinung hierzu. Vielleicht entwickeln auch manche Kommunen eine Meinung dazu, wenn sie davon erfahren, dass Bibliothekare das Geld der Steuerzahler, mit dem deren Arbeit finanziert wird, dazu nutzen, den Lesern ihre (nicht-rechte) politische und weltanschauliche Meinung aufzudrängen. Auf der Netzseite des einschlägigen BIB-Projekts Medien an den Rändern ist eine Mailadresse angegeben, unter der man dem BIB Anregungen geben kann.
Was für Leute der Gruppe angehören, die den Bibliothekaren bundesweit Empfehlungen gibt, vor welchen Büchern das interessierte Publikum zu warnen ist, lässt aufhorchen. Der BIB hat einen Expert*innenzirkel‚ Medien an den Rändern, der sich potentiell inopportune Bücher anschaut und bei Bedarf Empfehlungen abgibt. Eines der sechs Mitglieder stellt sich folgendermaßen vor:
„CHRISTIAN MESKÓ ist bibliotheks‑, informations‑, politikwissenschaftlich und unter anderem auch historisch und literarisch daran interessiert, die oft als alternativlos dargestellten Fassadenpersönlichkeiten spätkapitalistischer Gesellschaften im selbstironischen rezitierwettbewerb von coolness, sex, gewalt und narzisstischer Machtdemonstration schön in ihre Einzelteile zu zerlegen.“
Ein anderes Mitglied ist Professor Tom Becker, der an der FH Köln Bibliothekare ausbildet und so praktischerweise beim Nachwuchs gleich das Verständnis für deren künftige Aufgabe wecken kann, die in ihrer Urteilsfähigkeit eingeschränkten Leser vor den Verlockungen weltanschaulich fragwürdiger Thesen zu schützen. Die Inquisitoren beschreiben die Ziele ihres Projekts so:
„Medien an den Rändern thematisiert nicht nur (politische) Literatur am rechten Rand, sondern greift generell Medien auf, die umstritten hinsichtlich ihrer Erwerbung sein können, vom Bilderbuch über das medizinische Sachbuch, von Musik-CDs bis zu religiös-esoterischen Publikationen. Die Mitwirkenden hoffen, den Kolleg:innen die vielfach gewünschte Orientierung in der kontroversen Auseinandersetzung mit ‚Medien an den Rändern‘ geben zu können und zu einer fundierten Urteilsbildung bei umstrittenen Werken beizutragen.“
Auch wenn mein Herz links schlägt, bin ich überzeugt, dass es mit demokratischen Prinzipien unvereinbar ist, wenn ein Verband steuerfinanzierter Bibliothekare sich aufschwingt, einseitig politische Literatur „am rechten Rand“ auf „weltanschauliche Vertretbarkeit“, also Vereinbarkeit mit ihrer Weltanschauung, zu prüfen und den Bibliotheksnutzern ein abwertendes Urteil aufzudrängen. Auf der Netzseite findet sich passend dazu eine „Fachdebatte zum Umgang mit rechten Werken“ aber nirgends etwas zum Umgang mit linken Werken. Die Weiterführende Literatur, die angeführt wird, nennt 14 mal im Titel „Rechtspopulistisch“, „rechts“, „rechte Verlage“ und andere Begriffe mit der politischen Positionsbestimmung „rechts“. „Links“ kommt als solche nicht vor. Dabei hat die Welt durchaus auch sehr schlimme Erfahrungen mit menschenfeindlichem linkem Totalitarismus gemacht. Erinnert sei an Stalin, Pol Pot und Mao.
Eine studentische Zensurempfehlung als Vorbild
Auf der Netzseite des Projekts wird beispielhaft für die Dienste des Expert*innenzirkels an den ratsuchenden Biblitothekaren – ja sogar als erstes, prominentestes Beispiel – eine Besprechung von „Corona Fehlalarm?“ der Professorin für Biochemie Karina Reiss und des Professors für medizinische Mikrobiologie Sucharit Bhakdi hervorgehoben. Das Buch stand lange Zeit an der Spitze der Sachbuch-Bestsellerliste.
Die Rezensenten sind zwei Studenten von Professor Tom Becker an der Fachhochschule Köln. Dass dieser meint, eine Rezension dieser Qualität und dieses Inhalts als Empfehlung an alle deutschen Bibliothekare veröffentlichen und gar als beispielhaft hervorheben zu können, sagt sehr viel über das Projekt aus: nämlich, dass es nur um die richtige Haltung geht und Meinungsfreiheit dagegen zweitrangig ist. Die abschließende Empfehlung der beiden Studenten lautet:
„Aus den genannten Gründen und den aufgeführten Meinungen anderer Autor:innen lässt sich das Buch in die Kategorie „Medien an den Rändern“ einordnen, eine Anschaffung in einer Bibliothek sollte gründlich geprüft werden. Empfehlenswert ist, hier eine enge Kontextualisierung vorzunehmen. Hierbei könnte man Hinweise im Buch hinterlegen, die z.B. aus einem QR-Code oder zuverlässigen Quellen bestehen, die auf fachlich fundierte Rezensionen oder Stellungnahmen von medizinischen Institutionen verweisen.“
Das wird damit begründet, dass:
der Regierung ein „Großteil der Schuld an der Pandemie“ angelastet werde und behauptet werde, es handle sich um eine „Medien-Epidemie, was die Fachschaft Medizin der Universität zu Kiel in einer Stellungnahme kritisiert habe,
die Effektivität der Maskenpflicht in Frage gestellt werde, worauf ein Hygieniker in einem Artikel auf t‑online sehr kritisch reagiert habe,
ein angesehener und bekannter Charité-Forscher im Buch zum schlichten ,Herrn Drosten‘ degradiert werde,
„verschiedene und wahrscheinlich auch berechtigte Aspekte der Pandemie zumeist nur aus einer Perspektive“ behandelt würden und das zu Kritik an der Regierung und verschiedenen Wissenschaftler:innen führe, was die Fachschaft Biochemie der Universität zu Kiel kritisiert habe,
die Anzahl der aufgeführten Quellen so groß sei, dass sie vom Leser – sprich den Rezensenten – nicht ordentlich gesichtet und auf ihre Qualität hin überprüft werden könnten,
dass „die breite Bevölkerung ihr Vertrauen in die Autor:innen als promovierte Wissenschaftler:innen“ setzen könnte, es sich aber „eher um eine kritische Abhandlung“ handle,
„der Titel neugierig machen und ein breites Publikum anlocken"
https://norberthaering.de/propaganda-zensur/berufsverbhand-information-biblio
https://norberthaering.de/propaganda-zensur/berufsverbhand-information-biblio/